Was ist das Pfahlbauten-Dorf in Unteruhldingen und was kann man dort machen?

Es ist das älteste Freilichtmuseum Deutschlands (und auch eines der anerkanntesten und besucherstärksten) und sogar offizieller Teil des UNESCO-Weltkulturerbes.

Gegründet wurde das Dorf bereits in den 20er Jahren. Nach dem Zweiten Weltkrieg lag es dann einige Jahrzehnte eher brach, bis es in den 90ern mit einem rundum erneuerten Konzept wieder zum Leben erweckte wurde und so seinen Auftrag wieder aufnahm: Den Menschen der heutigen Zeit das faszinierende Wissen der Archäologie um das Leben in vergangenen Zeiten bestmöglich zu vermitteln.

Im Schlamm unter den Wassermassen des Bodensees wurden seit jeher sehr gut erhaltene Überreste von Siedlungen der Stein- und Bronzezeit gefunden. Aus diesen Funden versuchen Forscher, die Umstände der damals dort lebenden Menschen zu rekonstruieren, und so wurden am Ufer zur Veranschaulichung möglichst originalgetreue und authentische Nachbauten ihrer Häuser errichtet, die man heute besuchen kann.

Wie kommt man hin zu den Pfahlbauten am Bodensee?

Unteruhldingen befindet sich am Bodensee, in der Nähe von Friedrichshafen und direkt gegenüber Konstanz und der Insel Mainau. Von dort bzw. dorthin gibt es via Meersburg auch Fährverbindungen. Reist man mit dem Auto an, so wie wir dieses Mal auf unserem Roadtrip durch Bayern bis an den Bodensee, hat man, einmal in Unteruhldingen angelangt, keine Probleme, den weitläufigen Parkplatz in der Nähe der Pfahlbauten zu finden: Alles ist bestens ausgeschildert, und direkt vor Ort gibt es auch saubere, kostenpflichtige Toiletten.

Achtung: Der Parkautomat akzeptiert Münzen und Scheine, aber keine Kartenzahlung. Ihr gebt zuerst die gewünschte Parkzeit ein. Habt ihr den angezeigten Betrag dann nicht passend, werft ihr das überzählige Geld ein und müsst die dann angezeigte, nun längere Parkzeit erst wieder über Plus-/Minus-Tasten auf die ursprünglich gewünschte Dauer korrigieren. Dann erfolgt mit Ausdruck des Tickets die Auszahlung des Wechselgeldes.

Eigentlich nicht so furchtbar kompliziert, aber wir haben einige Leute gesehen, die das offensichtlich nicht so verständlich fanden und sich ganz schön darüber geärgert haben, dass sie entgegen ihrer Erwartung ihr überzählig eingeworfenes Geld nicht rückerstattet bekommen haben.

Vom Parkplatz aus geht ihr dann Richtung Bodensee, passiert dabei eine kleine Unterführung und erreicht nach nur wenigen Minuten das Pfahlbauten-Dorf. Dank der vielen Schilder kann man das gar nicht verfehlen.

Vom Parkplatz aus einfach immer Richtung Bodensee halten...

Vom Parkplatz aus einfach immer Richtung Bodensee halten…

... dann rechts die Uferpromenade entlang und schon steht ihr vor dem Eingangsgebäude.

… dann rechts die Uferpromenade entlang und schon steht ihr vor dem Eingangsgebäude.

Am Eingangsgebäude des Freilichtmuseums angekommen müsst ihr euch vielleicht in eine Schlange einreihen, denn hier ist immer viel los, aber keine Sorge: Es geht schnell voran und drinnen verteilen sich die Menschen dann sehr gut. Wir haben uns, obwohl wir mitten im Hochsommer, in den Schulferien und auch noch an einem Wochenende dort waren, dort sehr wohl gefühlt und hatten immer genug Platz. Es empfiehlt sich aber grundsätzlich, wie bei den meisten beliebten Sehenswürdigkeiten, möglichst frühmorgens oder erst nachmittags zu kommen.

Die Eintrittskarten könnt ihr vor Ort an der Kasse erwerben oder auch schon vorab online.

Achtung: Online gekaufte Tickets am besten auf dem Handy speichern, denn der Empfang vor Ort ist mitunter recht eingeschränkt.

Wie lange dauert der Rundgang?

Durch das Museum führt euch ein Rundgang, dem ihr einfach immer weiter folgt. Er führt euch durch 10.000 Jahre Zeitgeschichte, bis zurück zur letzten Eiszeit, und das ganze auf einer Strecke von etwa 800 Metern. Schon irre, nicht?

Dabei könnt ihr 23 Pfahlhäuser begutachten, von denen die meisten auch besichtigt werden können und im Inneren mit vielen interessanten Details aufwarten. Überall, sowohl draußen als auch an den Stationen in den Gebäuden selber, stehen geschulte Mitarbeiter bereit, die liebend gerne, geduldig und kompetent alle Fragen beantworten. Wirklich toll gemacht!

90% des Museums befinden sich übrigens im Freien!

Hier geht's los: Dieser nette, junge Mann weist euch den Weg, hier startet der Rundgang.

Hier geht’s los: Dieser nette, junge Mann weist euch den Weg, hier startet der Rundgang.

Durch den Wald…

Zum Anfang führt uns der Rundgang erst einmal wieder fort vom See und den Pfahlbauten, hinein in den schattigen Wald am Ufer. Unter dem dichten Blätterdach geht es auf den handgezimmerten Holzstegen vorbei an Schautafeln mit Erklärungen, und ihr seht auch schon erste Nachbauten von Hütten aus der frühen Steinzeit, als die Menschen hier in der Nähe des Ufers siedelten.

Wir sind völlig fasziniert von den Wegen, die für die Besucher angelegt wurden – es macht schon allein so viel Spaß, hier entlangzulaufen, und wir sind neugierig, wo sie uns wohl als nächstes hinführen.

Wie viel Arbeit hier hineingesteckt wurde, um alles möglichst authentisch, aber auch sicher für die Besucher herzurichten!

Wie viel Arbeit hier hineingesteckt wurde, um alles möglichst authentisch, aber auch sicher für die Besucher herzurichten!

Die Mühe hat sich gelohnt - ist das nicht schön hier?

Die Mühe hat sich gelohnt – ist das nicht schön hier?

…über das Wasser…

Da kommt auch schon der Palisadenzaun der Siedlung aus der Bronzezeit auf dem Wasser des Bodensees ins Sicht.

So hat das her vor tausenden von Jahren ausgesehen, was für eine tolle Idee, das hier – so originalgetreu wie möglich – nachzubauen, und was für eine fantastische Möglichkeit, in längst vergangene Zeiten zu reisen!

Ein Wachturm markiert den Eingang zur Siedlung des Pfahlbautendorfes...

Ein Wachturm markiert den Eingang zur Siedlung des Pfahlbautendorfes…

...schnell hindurch, und schon sind wir drinnen!

…schnell hindurch, und schon sind wir drinnen!

Das Pfahlbauten-Dorf wird seinem Namen gerecht! Was für eine Arbeit...

Das Pfahlbauten-Dorf wird seinem Namen gerecht! Was für eine Arbeit…

...muss das gewesen sein, damals wie heute, das hier mitten im Wasser zu errichten?

…muss das gewesen sein, damals wie heute, das hier mitten im Wasser zu errichten?

…hinein in die Häuser…

Stehen mehrere Häuser nah beieinander, so bilden die Stege eine gemeinsame, verbundene Fläche zwischen ihnen.

Überall erwarten euch interessante Informationen, die euch die Welt der Menschen damals näherbringen und genauer erklären: Angeschlagen als Plakate an den Wänden zum selber studieren oder direkt live erklärt durch die vielen, netten Mitarbeiter des Pfahlbauten-Dorfes, die an vielen Stellen bereitstehen.

Wie viel Zeit ihr euch für die Erkundung des Dorfes lasst, könnt ihr selber bestimmen.

Wie viel Zeit ihr euch für die Erkundung des Dorfes lasst, könnt ihr selber bestimmen.

Spannend ist es auch im Inneren der Häuser: Wie haben die Menschen der Bronzezeit wohl geheizt und gekocht, was hergestellt und aufbewahrt?

Spannend ist es auch im Inneren der Häuser: Wie haben die Menschen der Bronzezeit wohl geheizt und gekocht, was hergestellt und aufbewahrt?

Und wo und wie haben sie geschlafen, und welche Werkzeuge kannten sie schon?

Und wo und wie haben sie geschlafen, und welche Werkzeuge kannten sie schon?

Rückschlüsse können die Wissenschaftler und Forscher nur aus den robusten Dingen ziehen, die über Jahrhunderte und Jahrtausende im Schlamm des Bodensees erhalten geblieben sind. Alles, was vergänglich ist und damit die Zeit nicht überdauert hat, Stoffe oder natürliche Materialien, bleibt reine Spekulation. Ob die Menschen hier in der Gegend damals Schriftzeichen kannten, Bilder malten – niemand weiß es.

Und auch nicht bei allen Werkzeugen oder Tongefäßen, die erhalten blieben, ist man sicher, welche Bedeutung sie hatten und wofür sie benutzt wurden. Handwerklich? Als Waffe? Religiös? Als Schmuck?

Es ist spannend zu sehen, was man alles aus den Fundstücken erschließen konnte – und welche anderen Fragen wohl für immer ungeklärt bleiben.

…vorbei an den Wiesen…

Während man so durch dieses wirklich ungewöhnliche Freilichtmuseum schlendert, kann man wirklich sehr gut die Zeit um sich herum vergessen. Und wir stellen uns vor, wir hätten damals gelebt, hätten hier auf dem Holzsteg gestanden und über den Palisadenzaun auf das wogende Gras am Ufer geschaut.

Etwas anders als heute sahen die Pflanzen und Bäume hier damals sicherlich aus, aber doch vielleicht so ähnlich?

Die rekonstruierten Pfahlbauten-Häuser sind wirklich sehenswert, denkt aber daran...

Die rekonstruierten Pfahlbauten-Häuser sind wirklich sehenswert, denkt aber daran…

... den Blick auch einmal in die Ferne schweifen zu lassen. Wie schön und idyllisch das hier aussieht!

… den Blick auch einmal in die Ferne schweifen zu lassen. Wie schön und idyllisch das hier aussieht!

Das ist wirklich magisch, hier so quasi über das Wasser zu laufen!

Das ist wirklich magisch, hier so quasi über das Wasser zu laufen!

Parkgarage Bronzezeit-Style!

Parkgarage Bronzezeit-Style!

…über die Stege…

Immer weiter folgen wir dem Weg, der uns über die Holzplanken der Stege von einem Haus zum nächsten im Pfahlbauten-Dorf bringt.

Nebenbei hat man auch eine sehr schöne Aussicht über den Bodensee.

Nebenbei hat man auch eine sehr schöne Aussicht über den Bodensee.

Wir können immer noch nicht fassen, dass das alles hier auf Pfählen ruht, die in den Grund des Bodensees gerammt wurden.

Wir können immer noch nicht fassen, dass das alles hier auf Pfählen ruht, die in den Grund des Bodensees gerammt wurden.

Hier kann man tatsächlich "über's Wasser wandeln"!

Hier kann man tatsächlich „über’s Wasser wandeln“!

Man könnte meinen, es sei ein ganzes Labyrinth aus Stegen - aber keine Sorge, hier auf dem Rundgang kann man sich nicht verlaufen.

Man könnte meinen, es sei ein ganzes Labyrinth aus Stegen – aber keine Sorge, hier auf dem Rundgang kann man sich nicht verlaufen.

Manche der Häuser sind auch nicht zugänglich, so wie dieses hier. Ob da noch eine neue Ausstellung hinkommt?

Manche der Häuser sind auch nicht zugänglich, so wie dieses hier. Ob da noch eine neue Ausstellung hinkommt?

Die allermeisten Häuser aber sind fest in den Rundgang integriert, jedes mit einem eigenen, speziellen Thema.

Die allermeisten Häuser aber sind fest in den Rundgang integriert, jedes mit einem eigenen, speziellen Thema.

…zurück zum Ufer…

Eine ganze Weile lang sind wir hier nun schon unterwegs, und doch erscheint es uns, als sei die Zeit ruckzuck vergangen. Beinahe sind wir jetzt bereits am Ende des Rundgangs angelangt. Wir haben viel gesehen und erfahren über das Leben der Menschen, die hier vor so langer Zeit siedelten.

Freilichtmuseen sind, finden wir, immer eine ganze besondere Erfahrung. Anders als in festen Gebäuden in großen Städten fällt es uns hier noch leichter, komplett in ein Thema einzutauchen. Man ist so mittendrin!

Ein letztes Mal laufen wir über einen der Stege. Diese endlosen Wege über den See, die die einzelnen Häuser verbinden, haben uns mit am meisten fasziniert! Und immer noch fragen wir uns, wie haben die Menschen damals mit ihren einfachen Werkzeugen das bloss hinbekommen? Also wir könnten das nicht.

Endspurt - der Weg führt uns nun unerbittlich zurück zum Ufer.

Endspurt – der Weg führt uns nun unerbittlich zurück zum Ufer.

Wir lassen unsere Blicke noch einmal über den Bodensee schweifen, zählen Schwäne...

Wir lassen unsere Blicke noch einmal über den Bodensee schweifen, zählen Schwäne…

...und die Segelboote weit draussen und bedauern, dass wir keine Badesachen dabei haben, denn gleich nebenan ist ein Freibad.

…und die Segelboote weit draussen und bedauern, dass wir keine Badesachen dabei haben, denn gleich nebenan ist ein Freibad.

…bis ins Museum.

Und dann haben wir wieder festen Boden unter den Füssen.

Wir werfen noch einen Blick in die kleine Ausstellung am Ende: Hier kann man sich Werkzeuge, Haushaltswaren, Schmuck und andere Fundstücke noch einmal genauer anschauen. Außerdem gibt es einen Einblick, wie man all diese Dinge unter Wasser überhaupt gefunden hat, aus denen man dann schloss, dass (und wie) hier vor Tausenden von Jahren schon Menschen lebten.

So sehen die Überreste der originalen Pfahlbauten am Grunde des Bodensees aus.

So sehen die Überreste der originalen Pfahlbauten am Grunde des Bodensees aus.

So viele Dinge sind erhalten geblieben! Bei manchen allerdings kann man heute nur noch vermuten, wozu sie einmal dienten.

So viele Dinge sind erhalten geblieben! Bei manchen allerdings kann man heute nur noch vermuten, wozu sie einmal dienten.

Lohnt sich ein Besuch im Pfahlbauten-Dorf in Unteruhldingen am Bodensee?

Die Pfahlbauten in Unteruhldingen sind ein rundum gelungenes Beispiel für einen Ausflug und eine Unternehmung für die ganze Familie. Hier kommt jeder auf seine Kosten:

Einerseits kann man in der beruhigenden und entschleunigten Atmosphäre wunderbar durchatmen und gleichzeitig entspannt die Informationen, die an allen Ecken und Enden bereitgestellt werden, in sich aufnehmen. Andererseits ist hier auch für Kinder viel Interessantes neben dem eigentlichen Museum geboten, mit dem man sich beschäftigen kann: Die vielen Pflanzen, Kleintiere und Insekten und natürlich das ganze Wasser um einen herum – und last but not least sind die endlosen Stege, die zwischen den Häusern über den See führen und uns auch so fasziniert haben, an sich eine Sensation!

Was gibt es in der Nähe noch zu unternehmen?

Nur zehn Minuten mit dem Auto von Unteruhldingen aus am Ufer des Bodensees entlang liegt das idyllische Städtchen Meersburg, wo ihr eine Burg, ein zugehöriges Museum sowie ein Schloss besichtigen und in der malerischen Altstadt durch märchenhafte Gassen spazieren könnt – all das inmitten grüner Weinberge.

Weitere 20 Minuten später erreicht ihr bereits das quirlige Friedrichshafen. Hier könnt ihr an der großzügigen, mit Cafés gesäumten Seepromenade entlangschlendern, den Moleturm am Hafen erklimmen, Luftschiffe im Zeppelinmuseum oder Flugzeuge im Dornier-Museum bewundern oder ein klassisches Schulmuseum besuchen.

Haltet ihr euch eher landeinwärts, so steht ihr nach 30-40 Minuten Fahrt vor den beeindruckenden Mauern des Klosters und Schloss Salem, einem fabelhaft erhaltenem, gigantischen Gebäudekomplex aus dem Mittelalter, dessen prächtiges Münster, Abteigebäude, Parkanlage, Feuerwehrmuseum, Gaststätte, Kunsthandwerkerstuben und vieles mehr zum allergrößten Teil für Besucher zugänglich ist.

In einer Stunde Autofahrt gelangt ihr vom Bodensee aus bis nach Bad Waldsee, wo ihr die spannende Geschichte der Wohnmobile im tollen Erwin-Hymer-Museum (eines unserer Allzeit-Favoriten!) erleben könnt.

Die Gegend um den Bodensee war übrigens die Endstation unseres Roadtrips durch Bayern. Wenn ihr einmal schauen möchtet, was es sonst noch auf dem Weg dorthin zu sehen gebt, werft einen Blick auf die Übersicht unserer Artikelserie über die Romantische Straße und die Oberschwäbische Barockstraße.

Viel Spaß!


Pfahlbauten Unteruhldingen am Bodensee

Freilichtmuseum und Forschungsinstitut

Strandpromenade 6
88690 Uhldingen-Mühlhofen
Ortsteil Unteruhldingen
pfahlbauten.de

Öffnungszeiten:
Täglich ab 10:00 Uhr bis 17.30/18.00 Uhr (je nach Jahreszeit). Im Winter nur an den Wochenenden geöffnet. Aktuelle Informationen siehe offizielle Webseite.

Tickets (online vorab oder an der Kasse vor Ort):
Erwachsene 10,00€, Kinder 5-15 Jahre 6,00€. Mit der ‚Bodensee Card Plus‘ ist der Eintritt frei. Man kann bar oder mit EC-Karte zahlen.