Augsburg ist eine der ältesten Städte Deutschlands und hat eine besondere und einmalige Sehenswürdigkeit zu bieten: Die Fuggerei, vor unglaublichen 500 Jahren als Sozialsiedlung zur Unterstützung einkommensschwacher Familien erbaut und damit die älteste dieser Art auf der gesamten Welt. Bis heute ist sie komplett erhalten und auch noch permanent bewohnt, kann aber trotzdem besichtigt werden.

Praktischerweise liegt sie nur einen kurzen Spaziergang zu Fuss vom Zentrum Augsburgs mit seinem prunkvollen Goldenen Saal entfernt. Da machen wir uns natürlich direkt auf den Weg!

Nur ein paar hundert Meter die Kopfsteinpflasterstraßen Augsburgs entlang...

Nur ein paar hundert Meter die Kopfsteinpflasterstraßen Augsburgs entlang…

...und schon stehen wir vor dem Eingangstor der Fuggerei.

…und schon stehen wir vor dem Eingangstor der Fuggerei.

Also hereinspaziert, und da rechts im Fensterchen am Ende des Durchgangs könnt ihr eure Tickets kaufen.

Also hereinspaziert, und da rechts im Fensterchen am Ende des Durchgangs könnt ihr eure Tickets kaufen.

Was kostet ein Besuch in der Fuggerei in Augsburg?

Eintrittskarten kaufen wir direkt vor Ort, bei einer netten Dame an einem kleinen Fenster am Ende des Torbogens. Erwachsene zahlen 6,50€, Kinder von 8-17 Jahren 3,00€. Es gibt auch Familientickets, allerdings leider keine Option für Single-Familien. Zusammen mit den Tickets erhält man auch eine aufschlussreiche Broschüre mit Karte und vielen Hintergrundinfos, die Einnahmen kommen dem Erhalt der Fuggerei zugute.

Na, dann los!

Geradeaus spazieren wir erst einmal die Herrengasse, auf der wir uns gerade befinden, weiter entlang. Direkt am Anfang auf der rechten Seite befindet sich ein modernes Restaurant mit hausgemachten regionalen Gerichten samt gemütlichem Biergarten mit schattenspendenden Bäumen und Sonnenschirmen, das aber zum Zeitpunkt unseres Besuchs leider gerade coronabedingt geschlossen ist.

Hoffentlich habt ihr bei eurem Besuch wieder mehr Glück als wir, denn die Gerichte auf der Karte hörten sich ausgesprochen köstlich an.

Die ersten Schritte in die Fuggerei in Augsburg.

Die ersten Schritte in die Fuggerei in Augsburg.

Der lauschige Biergarten in der Fuggerei in Augsburg, direkt rechts hinterm Eingang.

Der lauschige Biergarten in der Fuggerei in Augsburg, direkt rechts hinterm Eingang.

Wie alt ist die Fuggerei in Augsburg und was ist das eigentlich genau?

2021 ist es genau 500 Jahre her, dass die Fuggerei in Augsburg erbaut wurde, nämlich im Jahre 1521. Das ist so unvorstellbar lange her! Umso erstaunlicher, dass sich der erfolgreiche Kaufmann Jakob Fugger bereits zu diesen Zeiten überlegte, dass man bezahlbaren Wohnraum für die nicht so gut gestellten Bürger schaffen muss.

Die Fugger waren im Mittelalter über Generationen eine, wenn nicht gar die reichste Familie im Süden Deutschlands. Sie kamen zunächst als Weber zu Wohlstand, erweiterten ihre Tätigkeiten später auch als Kaufleute und Goldschmiede und betrieben schließlich sogar damals schon weltweiten Handel und lukrative Bankgeschäfte. Ihr Vermögen übertraf das der berühmten Familie Medici in Florenz um ein Vielfaches, ist das nicht unglaublich?

Die Siedlung mitten in der Stadt Augsburg umfasst fast 70 Häuser und knapp 150 Wohnungen sowie eine eigene Kirche, und bei der Stiftung wurde durch die Fugger festgelegt, dass die jährliche Miete den Wochenlohn eines Handwerkers nicht übersteigen sollte. Das war damals ein Gulden.

Umgerechnet in aktuellen Wert entspricht das übrigens 0,88 Euro. Und jetzt haltet euch fest: genau das ist bis heute der Preis, den die jetzigen Mieter dort zahlen – im Jahr! Drei Gebete täglich für das Seelenheil der Familie der Fugger sollen allerdings bitte auch noch abgehalten werden.

Typisch senffarbene Häuser in der Herrenstraße in der Fuggerei in Augsburg.

Typisch senffarbene Häuser in der Herrenstraße in der Fuggerei in Augsburg.

Fensterdetailbild in der Fuggerei in Augsburg.

Fensterdetailbild in der Fuggerei in Augsburg.

Manche der Häuser in der Fuggerei sind auch mit Efeu bewachsen.

Manche der Häuser in der Fuggerei sind auch mit Efeu bewachsen.

Was gibt es in der Fuggerei in Augsburg noch zu sehen?

Ihr könnt nicht nur gemütlich durch die beschaulichen Straßen der Fuggerei wandern und die Atmosphäre auf sich wirken lassen, sondern habt auch die Möglichkeit, tiefer in das Leben der Bewohner einzutauchen und einige der Häuser sogar von innen zu entdecken: Zum einen das, in dem das „Museum der Bewohner“ untergebracht ist, und zum anderen das mit dem „Museum des Alltags“, die euch beide sehr anschaulich mit vielen interessanten und gut aufbereiteten Informationen versorgen.

In einem dritten Gebäude könnt ihr euch noch im „Fugger-Museum“ umschauen, wo die gesamte Geschichte der Fugger-Familie über die Generationen dargestellt ist.

Der Eintritt zu allen dreien ist bereits mit den erworbenen Tickets für den generellen Besuch der Fuggerei abgegolten.

Das „Museum der Bewohner“

Hier führt euch ein Rundgang durch alle Räume im Erdgeschoss, bei dem ihr allerlei über das heutige Leben der Bewohner der Fuggerei in Augsburg erfahrt, zum Beispiel, wie man überhaupt ein solcher Bewohner wird, wie viele Männer, Frauen und Kinder darunter sind, und wie es sich dann hier in einer so besonderen Gemeinschaft, auch mitten in einem Denkmal und nicht zuletzt unter den neugierigen Augen vieler Touristen, denn so lebt. Hier findet ihr also viele spannende und auch lustige Statistiken, untermalt von zahlreichen persönlichen Geschichten und Einblicken.

Immer den Pfeilen nach geht es durch das "Museum der Bewohner" in der Fuggerei in Augsburg.

Immer den Pfeilen nach geht es durch das „Museum der Bewohner“ in der Fuggerei in Augsburg.

Das „Museum des Alltags“

In dieser Ausstellung wir die Veränderung in der Einrichtung und Ausstattung der Siedlung und der wachsende Komfort der Menschen im Laufe der Jahre  nachgezeichnet. Gegenübergestellt wird dabei vor allem die Epoche nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Fuggerei ausgebombt und wiederaufgebaut wurde, und der heutigen Zeit. Auch hier erzählen wieder viele Einwohner in Videos ihre persönlichen Geschichten.

Ganz schön spannend zu sehen, wann Waschmaschinen, Badewannen oder Fernsehen Einzug hielten!

Hereinspaziert: Das "Museum des Alltags" in der Fuggerei in Augsburg.

Hereinspaziert: Das „Museum des Alltags“ in der Fuggerei in Augsburg.

Alte und neue Einrichtung wird in jeden Raum gegenübergestellt. Was ein Unterschied!

Alte und neue Einrichtung wird in jeden Raum gegenübergestellt. Was ein Unterschied!

Das „Fuggerei-Museum“

Auf jeden Fall solltet ihr auch noch im dritten Museum, dem „Fuggerei-Museum“ vorbeischauen. Hier dreht sich alles um die Familie der Fugger selbst, die ja vor vielen hundert Jahren schon überhaupt erst die Stiftung ins Leben gerufen und damit den Grundstein der Fuggerei gelegt haben, durch die wir gerade schlendern.

Und da diese Familie über Jahrhunderte hinweg einfach unfassbar erfolgreich, enorm umtriebig und außerordentlich einflussreich war, gibt es eine ganze Menge zu erzählen. Bei der Konzeption dieser Ausstellung waren auch wieder richtige Profis am Werk, denn alles ist richtig gut gemacht und modern und ansprechend aufbereitet. So macht es Spaß, in die Vergangenheit einzutauchen und die Fugger multimedial durch ihre Zeiten zu begleiten – von Langweile keine Spur!

Im "Fuggerei-Museum" bekommt ihr nun auch einen Eindruck, wie die Häuser wohl im Mittelalter eingerichtet waren.

Im „Fuggerei-Museum“ bekommt ihr nun auch einen Eindruck, wie die Häuser wohl im Mittelalter eingerichtet waren.

Wie groß ist die Fuggerei in Augsburg?

Nehmt euch unbedingt auch etwas Zeit, euch einfach frei und aufmerksam durch die Gassen der Fuggerei treiben zu lassen.

So besonders viele sind es gar nicht: Ihr beginnt euren Weg nach Durchschreiten des Eingangstors auf der Herrengasse, von der dann am Ende rechts die Ochsengasse und die Neue Gasse abzweigen. Auf der linken Seite gehen die Finstere Gasse, die Mittlere Gasse und die Hintere Gasse ab, an deren Enden die Saugasse anschließt.

Die typisch senfgelben Häuser, die sich alle so ähnlich sind und doch jedes seinen ganz eigenen Charakter hat, sind mit ihren dunkelgrünen Haustüren, hölzernen Schlagläden und urtümlichen Sprossenfenstern einfach wunderschön anzusehen. Blendet die anderen Menschen um euch herum aus und man könnte für einen Moment glatt meinen, dass ihr selber gerade durch das 16. Jahrhundert spaziert, seht mal:

Idyllisches Häuschen in der Fuggerei in Augsburg.

Idyllisches Häuschen in der Fuggerei in Augsburg.

Auch einen Brunnen gibt es: Über die Herrengasse lauft ihr geradewegs darauf zu.

Auch einen Brunnen gibt es: Über die Herrengasse lauft ihr geradewegs darauf zu.

Schöne Details gibt es überall an den Häusern der Fuggerei zu entdecken, und die in der Hinteren Gasse haben sogar kleine Vorgärten.

Schöne Details gibt es überall an den Häusern der Fuggerei zu entdecken, und die in der Hinteren Gasse haben sogar kleine Vorgärten.

In das Häuschen rechts mit dem Vorgarten wären wir am liebsten direkt eingezogen!

In das Häuschen rechts mit dem Vorgarten wären wir am liebsten direkt eingezogen!

Hier geht es von der Saugasse wieder zurück in die Mittlere Gasse.

Hier geht es von der Saugasse wieder zurück in die Mittlere Gasse.

Na sowas! Der Urgroßvater von Wolfgang Amadeus Mozart hat hier schon gewohnt.

Na sowas! Der Urgroßvater von Wolfgang Amadeus Mozart hat hier schon gewohnt.

Für eine "Finstere Gasse" ist es eigentlich recht malerisch hier...

Für eine „Finstere Gasse“ ist es eigentlich recht malerisch hier…

Die Herrengasse einmal aus der anderen Richtung, zurück zum Eingangstor.

Die Herrengasse einmal aus der anderen Richtung, zurück zum Eingangstor.

Das Eingangstor der Fuggerei dient gleichzeitig auch als Ausgang.

Das Eingangstor der Fuggerei dient gleichzeitig auch als Ausgang.

Am Ende unseres Rundgangs durch die Fuggerei in Augsburg angekommen, sind wir sehr zufrieden mit unserem Ausflug hierher. Die 500 Jahre alte Sozialsiedlung zu sehen hat uns beeindruckt, und besonders gut hat uns gefallen, wie anschaulich die vielen Informationen rund um die spannende Familiengeschichte der Fugger aufbereitet worden sind.

Die Stadt Augsburg selber hat ansonsten neben einer Vielzahl an mittelalterlichen Prachtbauten und geradezu pompösen Patrizierhäusern und damit einer eindrucksvollen Altstadt noch mehr Sehenswürdigkeiten zu bieten: Im ebenfalls historischen Rathaus könnt ihr den berühmten „Goldenen Saal“ besichtigen. Und natürlich bietet sich ein Spaziergang zur „Augsburger Puppenkiste“ an, falls ihr ein Fan aus Kindertagen seid.

An der offiziellen „Romantischen Straße“ gelegen bietet es sich natürlich auch an, diese von Augsburg aus weiter entlang zu fahren und weitere Städte und Stationen zu besuchen, so wie wir es auf unserem Roadtrip durch Bayern gemacht haben:

In weniger als zwei Stunden nordwärts erreicht ihr das ebenfalls für seine mittelalterliche Kulisse so berühmte Rothenburg ob der Tauber oder auch Nürnberg, wo ihr zum Beispiel das riesige Reichsparteitagsgelände samt modernem Dokumentationszentrum erkunden könnt.

Richtung Süden benötigt ihr nur eine Stunde, um euch die atemberaubende Wieskirche in Steingaden, die dank ihrer prunkvollen Barockverzierungen sogar zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt, anzuschauen. Legt ihr noch eine weitere halbe Stunde drauf, steht ihr dann schon vor dem sagenhaften Schloss Neuschwanstein, einer der Top-Sehenswürdigkeiten weltweit. Da habt ihr nun die Qual der Wahl!


Die Fuggerei in Augsburg

Jakoberstraße 21, 86152 Augsburg

Geöffnet täglich ab 9.00 – 18:00 Uhr, im Sommer bis 20:00 Uhr.
Tickets kauft man vor Ort, Bezahlung cash oder mit Karte. Erw. 6,50€, Kinder 8-17 Jahre 3,00€.

Für detaillierte Informationen siehe offizielle Webseite der Fugger.