Mitten im Nirgendwo im Allgäu, genauer gesagt im bayrischen Pfaffenwinkel, so heißt die Region, liegt ein gut gehütetes Geheimnis: Die bezaubernde Wallfahrtskirche ‚Wieskirche‘ in Steingaden, eine der wohl schönsten Rokoko-Kirchen auf der ganzen Welt. Sie ist dermaßen kunstvoll und überbordend reich verziert, dass sie sogar offiziell zum UNESCO-Weltkulturerbe berufen wurde!

Praktischerweise liegt sie außerdem noch auf der ‚Romantischen Straße‚, so dass wir auf unserem Roadtrip durch Bayern bis an den Bodensee mit großer Spannung und voller Vorfreude natürlich auch dort einen Stop einlegen.

Die Wieskirche – wie hinkommen und wo parken?

Vor Ort gibt es einen geräumigen Parkplatz, der allerdings kostenpflichtig ist: 2€ für zwei Stunden sind Pflicht, jede weitere Stunde kostet 0,50€. Als wir unser Auto abstellen, schenkt uns ein gerade abfahrendes Pärchen ihr noch gültiges Parkticket – wie schön, Glück gehabt!

Man kann auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen: Zum Beispiel von Füssen aus, wo das Schloss Neuschwanstein liegt, benötigt man etwa eine Dreiviertelstunde mit den Buslinien 9606 oder 9651.

Vom Parkplatz aus sind es nur wenige Schritte bis zur ‚Wallfahrtskirche zum Gegeißelten Heiland auf der Wies‘, so der offizielle Name. Man sieht sie auch schon direkt, denn in diesem kleinen Ort gibt es ansonsten kaum mehr als ein paar wenige weitere Häuser.

Wir werden allerdings noch aufgehalten, denn vor uns proben gerade einige Musiker mit ihren stattlichen Almhörnern – Allgäu wie aus dem Bilderbuch! Das ist nun wirklich ein großartiger Zufall, so etwas haben wir noch nie gesehen, und so schauen (und hören!) wir erst einmal eine Weile zu.

Wie vom Allgäu extra für uns bestellt: Idyllisches Almhörner blasen auf der Wiese vor der Wieskirche. Dankeschön!

Wie vom Allgäu extra für uns bestellt: Idyllisches Almhörner blasen auf der Wiese vor der Wieskirche. Dankeschön!

Dann geht es weiter den schmalen Pfad auf einen kleinen Hügel hinauf, und da ist sie schon: Die Wieskirche. Auch von außen schon sieht sie mit ihrem zartrosé Anstrich und den cremefarbenen Säulen einfach bezaubernd aus.

Auf einer kleinen Anhöhe, nur wenige Schritte vom Parkplatz entfernt, liegt sie: Die Wieskirche in Steingaden.

Auf einer kleinen Anhöhe, nur wenige Schritte vom Parkplatz entfernt, liegt sie: Die Wieskirche in Steingaden.

Von Nahem sieht sie mit ihren Pastellfarben aus wie die reinste Zuckerbäckertorte. Das Beste kommt aber noch!

Von Nahem sieht sie mit ihren Pastellfarben aus wie die reinste Zuckerbäckertorte. Das Beste kommt aber noch!

In der Wieskirche in Steingaden

Aber all das verblasst im selben Moment, in dem man durch die schwere Holztür in den Vorraum und von da aus in die eigentliche Kirche tritt. Jesses, Maria und Josef – so etwas haben wir wirklich noch nie gesehen! Ich weiß nicht, wie es euch gegangen ist, falls ihr schon einmal hier wart, aber ich muss gestehen, uns bleibt tatsächlich für einen Moment der Mund offen stehen.

Was für eine unglaubliche, geradezu verschwenderische Fülle! Mehr Rokoko geht nicht.

Was für ein Anblick! Das Portal einer der wohl schönsten Rokoko-Kirchen auf der ganzen Welt.

Was für ein Anblick! Das Portal einer der wohl schönsten Rokoko-Kirchen auf der ganzen Welt.

Und wenn man nach einiger Zeit den Anblick des prächtigen Altarraums mit seinen Säulen, Putten und Ornamenten einigermaßen verkraftet hat, bleibt euch nichts anderes übrig, als den Blick dann auch nach oben schweifen zu lassen – und dort wird noch einmal alles von einem geradezu unglaublichen, deckenfüllenden Fresko übertroffen, das durch geschickte perspektivische Verzerrungen noch zusätzlich die Illusion von räumlicher Tiefe erzeugt.

Sagenhaft!

Engel und Putten, Dekorationen und Verzierungen, gemalt und modelliert, allüberall. Wie denkt sich sowas aus?

Engel und Putten, Dekorationen und Verzierungen, gemalt und modelliert, allüberall. Wie denkt sich sowas aus?

Und im Zentrum des schier unendlichen Deckenfreskos begrüßt uns Jesus auf einem Regenbogen sitzend - das habe ich so auch noch nicht gesehen.

Und im Zentrum des schier unendlichen Deckenfreskos begrüßt uns Jesus auf einem Regenbogen sitzend – das habe ich so auch noch nicht gesehen.

Legt man den Kopf noch ein kleines Stück mehr in den Nacken, sieht man noch das Himmelstor. Aber Vorsicht, nicht umfallen!

Legt man den Kopf noch ein kleines Stück mehr in den Nacken, sieht man noch das Himmelstor. Aber Vorsicht, nicht umfallen!

Blickt ihr zurück zum Eingang, fällt euch nun – falls ihr überhaupt noch etwas aufnehmen könnt – noch die ebenfalls überaus ästhetische Orgel ins Auge. Einige Teilstücke konnten bei der letzten Renovierung noch von einem Vorgängermodell aus dem 18. Jahrhundert übernommen werden, und sie verfügt über mehrere hundert Pfeifen.

Besser einmal umdrehen, dann kann man in Ruhe die reich verzierte Orgel über dem Eingangstor bewundern.

Besser einmal umdrehen, dann kann man in Ruhe die reich verzierte Orgel über dem Eingangstor bewundern.

Das ist wirklich außergewöhnlich prunkvoller Luxus für so eine kleine Kirche. Wir haben noch einmal versucht, alles in einem einzigen Panorama-Bild, vom Altar bis hin zur Orgel, zusammenzufassen, damit ihr es euch ein bisschen besser vorstellen könnt:

Ein Panorama-Foto vom Altar einmal quer über die gesamte Decke bis zur Orgel in der Wieskirche in Steingaden. Was für eine Pracht.

Ein Panorama-Foto vom Altar einmal quer über die gesamte Decke bis zur Orgel in der Wieskirche in Steingaden. Was für eine Pracht.

Wir sind total begeistert und gleichzeitig auch etwas erschlagen von so viel visuellem Input. Man kann wirklich nur ergriffen still dort stehenbleiben und versuchen zu erfassen, wie Menschen schon vor langer Zeit bloss so ein Kleinod erschaffen konnten.

Der Ausflug hierher hat sich wirklich gelohnt, und wir möchten euch einen Besuch hier unbedingt ans Herz legen. Ich bin sicher, ihr werdet ebenfalls beeindruckt sein!

Wir treten nun aber wieder hinaus in den Sonnenschein, und auch dort ist die Aussicht fantastisch: Saftiggrüne Wiesen, dunkle Tannen, ein paar Schäfchenwolken und in der Ferne die Alpen – Das Allgäu von seiner schönsten Seite!

Und dann noch dieser Ausblick zum Abschluss über die Wiesen von Steingaden...

Und dann noch dieser Ausblick zum Abschluss über die Wiesen von Steingaden…

... wirklich wunderschön ist es hier im Allgäu!

… wirklich wunderschön ist es hier im Allgäu!

Was kann man noch in der Nähe der Wieskirche unternehmen?

Falls ihr euch nun erst einmal setzen müsst und eventuell auch etwas Hunger bekommen haben solltet, so können wir euch – völlig unentgeltlich, also es hat uns wirklich einfach nur sehr gut gefallen dort – den zünftigen ‚Gasthof Schweiger‘ genau gegenüber der Wieskirche empfehlen: Dort gibt es zur Saison zum Beispiel ganz ausgezeichnete, hausgemachte Semmelknödel mit frischen Pfifferlingen!

Möchtet ihr generell noch etwas mehr vom Allgäu sehen, so könnt ihr einfach weiter der ‚Romantischen Straße‚ gen Süden folgen und erreicht dann schon nach circa einer halben Stunde Fahrt die Stadt Füssen, wo ihr das weltberühmte Schloss Neuschwanstein besuchen könnt.

Wenn ihr jetzt hinaus in die Natur wollt, so könnt ihr in einer guten bis anderthalb Stunden auch nach Oberstdorf fahren und euch dort die imposante Breitachklamm, die tiefste Schlucht Mitteleuropas, anschauen. Steht euch der Sinn nun ein bisschen mehr nach Städtetrip und Sightseeing, so erreicht ihr in der gleichen Zeit zum einen Augsburg, wo ihr euch die 500 Jahre alte Fuggerei und den berühmten ‚Goldenen Saal‚ angucken könnt, und zum anderen München mit dem beeindruckenden ‚Deutschen Museum‚.

Es gibt noch viel zu entdecken im Allgäu!