Staufen ist ein mittelkleines Städtchen mit gemütlichem Dorfcharakter mitten im Schwarzwald in der Nähe von Freiburg, und bis zu unserem ziemlich spontanen mehrwöchigen Aufenthalt hatten wir wohl noch nie zuvor davon gehört.

Entgegen unserer ursprünglichen Annahme ist uns hier bei aller Ruhe und Abgeschiedenheit zwischen dichten, immergrünen Wäldern und malerischen Häusern keine Sekunde langweilig geworden. Im Gegenteil, wir haben Staufen sehr ins Herz geschlossen und sind froh, diese schöne Kleinstadt und das umgebenden Münstertal zufällig entdeckt zu haben. Die Kinder betonen mehrfach, dass sie noch länger bleiben wollen, und auch mir fällt der Abschied nach unserer Zeit dort ehrlich schwer.

Zunächst hatten wir außerdem befürchtet, etwas ab vom Schuss zu sein, denn wie meistens reisen wir mit den öffentlichen Verkehrsmitteln an. Es stellt sich heraus, dass auch diese Sorge völlig unbegründet ist: Staufen ist über ein „Elektrobähnle“, die Münstertalbahn, super an die nächstgrößere Stadt Bad Krozingen und den dortigen Bahnhof angebunden, von wo aus man weitere Ausflüge in die Umgebung machen kann, und außerdem gibt es auch direkt vor Ort eine ganze Menge zu unternehmen!

Falls sich euch auch einmal die Gelegenheit bieten solltet, greift zu! Denn es ist toll hier, und wir haben direkt eine ganze Liste mit Tipps und Ideen für euch vorbereitet:

Die Burgruine Staufen

Da sind wir also, mitten im Schwarzwald!

Als allererstes schauen wir uns die offizielle Hauptattraktion von Staufen an: Die Ruinen einer Burg auf einem kleinen Berg, umgeben von einem Meer aus Weinreben. Hier residierten seit dem 13. Jahrhundert die Freiherren von Staufen, bis das Kastell im 17. Jahrhundert ausbrannte.

So wild sieht der Aufstieg gar nicht aus? Er hat es aber in sich!

So wild sieht der Aufstieg gar nicht aus? Er hat es aber in sich!

Also nichts wie rauf!

Auf dem Weg nach oben bestaunen wir die Weinreben, die hier in Reih und Glied am Hang stehen und die meine Stadtkinder so nah noch nie gesehen haben, und wir rätseln, wie viele Meter es wohl aufwärts geht (viele!). Und nach einer knappen halben Stunde ist es geschafft:

In der Ruine kann man sogar picknicken!

In der Ruine kann man sogar picknicken!

Nur noch die Grundmauern stehen...

Nur noch die Grundmauern stehen…

Weiter Blick über das Land, Felder und Wiesen.

Weiter Blick über das Land, Felder und Wiesen.

"Da hinten ist Frankreich!" Richtig, bei klarem Wetter kann man sogar bis zu den Vogesen sehen.

„Da hinten ist Frankreich!“ Richtig, bei klarem Wetter kann man sogar bis zu den Vogesen sehen.

Die Aussicht ist wunderbar, es wird alles sehr saubergehalten und man kann sogar noch einen Turm besichtigen. Ein Spaziergang hier herauf lohnt sich auf alle Fälle und ist ein schöner Zeitvertreib.

Ruine abgehakt, also den Berg wieder runter. Inzwischen ist es richtig heiß geworden, und das im Mai, da müssen wir auf einer Bank direkt noch einmal eine Pause einlegen.

Kurz verschnaufen...

Kurz verschnaufen…

Unten im Städtchen Staufen angekommen ein Wink des Schicksals: Wir laufen geradewegs auf eine Eisdiele zu, na sowas! Einen großen Eisbecher haben uns jetzt aber auch redlich verdient.

„Bächle gucken“ in Staufen City

Gestärkt und abgekühlt geht es ein wenig später weiter zwischen den teils noch mittelalterlichen Häusern mitten durch die beschauliche Altstadt Staufens.

Und oh, wie schön: Wie im nahen Freiburg im Breisgau sind auch hier die gepflasterten Wege und Gassen durchzogen von den für diese Gegend so typischen, malerischen Wasserläufen, den „Bächle“. Das ist nun wirklich eine tolle Sache, vor allem bei dem Wetter!

...und kann sich voll und ganz darauf konzentrieren...

…und kann sich voll und ganz darauf konzentrieren…

...die Schwester nasszuspritzen.

…die Schwester nasszuspritzen.

Das kleine Keramikmuseum von Staufen hat heute, montags, leider geschlossen, und so schlendern wir als nächstes auf einem breitem Fussweg am Flüsschen „Neumagen“ entlang nach Hause. Dabei passieren wir auch diese hübsche Kirche:

Sieht richtig verwunschen aus, nicht?

Sieht richtig verwunschen aus, nicht?

Den Nachmittag verbringen wir im gemütlichen, nostalgischen Alemannen-Freibad, ebenfalls in Staufen, das zwar nicht mit spektakulären Freizeitpark-Gadgets aufwartet, dafür aber eine große Liegewiese, wunderbare Umkleidekabinen im Stil des letzten Jahrhunderts, einer Kinder-Wasserlandschaft, ein Beachvolleyballfeld, eine schöne Rutsche und nicht zuletzt natürlich sauberes Wasser in ausreichend großen Schwimmer- und Nichtschwimmer-Becken zu bieten hat.

Perfekt zum Wohlfühlen und Erholen!

Schon schön hier, oder? Ein Blick auf die schier unendlichen Wälder und Bäume in dieser Gegend.

Schon schön hier, oder? Ein Blick auf die schier unendlichen Wälder und Bäume in dieser Gegend.

Geheimgang mit Aussicht oder ‚Wie bringe ich Kinder zum Spazierengehen‘?

Am nächsten Tag regnet es morgens in Strömen, ganz schön wechselhaft, der Mai dieses Jahr!

Als es dann aber aufklart, erzähle ich den Mädels von einem verwunschenen, geheimen Abenteuerpfad, den ich gefunden habe. Ob sie den mal sehen wollten?
Feuer und Flamme werden Schuhe geschnürt und auf geht’s zum fröhlichen Wandern durch den Schwarzwald – gewusst, wie!

Auf dem rechten Foto seht ihr den Weg:

Kurzer Stop am Wegweiser, dann schlagen wir uns in die Büsche!

Kurzer Stop am Wegweiser, dann schlagen wir uns in die Büsche!

Also – nicht die breite Schotterpiste! Ihr müsst etwas genauer hingucken, da! Genau in der Mitte vom Foto geht’s lang. Kein Scherz!

Immer und immer weiter geht es nun steil nach oben den Berg hinauf. Im Gänsemarsch hintereinander her, denn der Weg ist oft kaum breit genug für einen von uns.

In der Wildnis! Also, aus Sicht von uns Stadtmenschen jedenfalls.

In der Wildnis! Also, aus Sicht von uns Stadtmenschen jedenfalls.

Wir sind schon ganz schön hoch gekommen.

Wir sind schon ganz schön hoch gekommen.

Ganz schön tief geht es runter auf unserer rechten Seite und die Mädels sinnieren, wie weit man wohl kullert, wenn man da runterfällt.  Alle paar Meter bleiben sie stehen und werfen Steine, um zu gucken, wie lange es dauert, bis diese von einem Baum aufgehalten werden.

Langsam wird uns warm und die Mädels überlegen zweifelnd, ob ich auch wirklich weiß, wo ich uns langführe.

Doch, doch, ich weiß es: Und schon wird unser Aufstieg mit dieser wirklich fantastischen Aussicht belohnt:

Wie auf einer Postkarte!

Wie auf einer Postkarte!

Man muss schon sagen...

Man muss schon sagen…

...das ist wirklich idyllisch hier im Schwarzwald.

…das ist wirklich idyllisch hier im Schwarzwald.

Mit den schwarzdunklen Tannen an den Hängen trägt er seinen Namen wirklich zu Recht!

Mit den schwarzdunklen Tannen an den Hängen trägt er seinen Namen wirklich zu Recht!

Unser Abstieg endet zu unserer Überraschung in einem professionellen Kletterwald! Na, das lassen wir uns aber nicht entgehen.

Der Kletterwald in Staufen

Spontan entscheiden wir uns dazu, das auszuprobieren (haben wir vorher nämlich noch nie gemacht). Die angekündigte 90% Regenwahrscheinlichkeit hat sich wie so oft während unseres Aufenthalts in strahlendsten Sonnenschein verwandelt, und so stehen wir eine halbe Stunde später nach einer kurzen Einweisung in Gurten und Geschirr mit Karabinerhaken am Gürtel vor einer Leiter an einem Baum und klettern erstmal auf 5m Höhe bis zur ersten Plattform.

Etwas Abenteuerlust, Mut...

Etwas Abenteuerlust, Mut…

...und ein wenig Geschicklichkeit benötigt man...

…und ein wenig Geschicklichkeit benötigt man…

...für diesen coolen Wald-Parcours.

…für diesen coolen Wald-Parcours.

Und es ist wirklich der Wahnsinn! Es hat total Spass gemacht, allerdings habe ich zwischendurch ein paar Mal gedacht, ich müsse sterben.

Man muss sich doch manchmal ganz schön überwinden, mehrere Meter über dem Waldboden zwischen den Baumwipfeln wackelige Holzplanken zu überqueren, eine Slackline entlang zu balancieren, nur auf einem dünnen Seil mit nur einem weiteren Seil in Kopfhöhe zum Festhalten eine Strecke quasi rein durch die Luft hinter sich zu bringen oder sich von einer Plattform abzustoßen und sich in sein Geschirr fallen zu lassen, um dann per Seilrutsche abwärts zu sausen.

Uff!

Ob Surfbretter...

Ob Surfbretter…

...Reifen, Seile und Netze...

…Reifen, Seile und Netze…

...es gibt so viele verschiedene Möglichkeiten, voranzukommen!

…es gibt so viele verschiedene Möglichkeiten, voranzukommen!

Jeder hat seine eigene Art, mit der Herausforderung umzugehen: Die eine eher vorsichtig, und die andere… nun ja: „Guck mal, Mama, es geht auch rückwärts!“ und lässt sich freudestrahlend fallen.

Aber egal, wie – wir finden es alle schon ganz schön cool und als wir es endlich geschafft haben, heißt es nur: Nochmal!

Nach einem erlebnisreichen Tag machen wir uns schließlich müde und glücklich auf den Heimweg. Dabei stoßen wir auf die Schienen der Münstertalbahn, und da weit und breit kein Zug zu sehen ist, machen wir einen schnellen Schnappschuss:

Kurz drauf, balancieren, und dann nichts wie runter wieder von den Schienen.

Kurz drauf, balancieren, und dann nichts wie runter wieder von den Schienen.

Als wir gerade wieder zuhause angekommen sind, fängt es draußen an zu schütten wie aus Eimern – da kommt der angekündigte Regen also doch noch. Perfektes Timing!

Ausflug zu den Ziegen und zum Pferdehof

Es gewittert, stürmt und plästert die ganze Nacht durch und hört erst am Mittag des nächsten Tages wieder auf.

Wir nutzen die Regenpause, ziehen Gummistiefel und Regenjacken an und machen uns auf den Weg.

Dieses Mal durchqueren wir das Städtchen Staufen und spazieren noch ein gutes Stück weiter, quer durch unendliche Weinrebenfelder und vorbei an den lustigsten Ziegen der Welt:

Habt ihr sowas schon einmal gesehen?

Habt ihr sowas schon einmal gesehen?

Wie macht man sowas?, fragen wir uns.

Wie macht man sowas?, fragen wir uns.

Da Google Maps tatsächlich jeden noch so kleinen Feldweg korrekt erfasst, erreichen wir unser heutiges Ziel ohne Probleme: Einen nahegelegenen Pferdehof, der Kindern geführte Spaziergänge anbietet.

Einmal Ponyreiten für zwei, bitte!

Warten auf's Satteln...

Warten auf’s Satteln…

...und dann geht's los!

…und dann geht’s los!

Kaum sind wir fertig, beginnt es tatsächlich wieder zu regnen, aber wie so oft haben wir Glück und es fisselt nur lauwarm vor sich hin. Von Unwetter keine Spur.

Also treten wir gemütlich den Rückweg nach Hause an, inklusive tausendmal Hühnchen-oder-Hähnchen-Spielen (hier wächst nächstes Jahr kein Gras mehr), Blumensträusschen pflücken und fallenlassen („iih, Spinne!“), mehr Blumen pflücken, wieder fallenlassen („iih, Ameise!“), noch mehr Blumen pflücken und in Taschen stopfen, beinahe (Aufregung!) auf Nacktschnecken treten, Weinrebenstöcke angucken, tote Mäuse bedauern, eine Blindschleiche bewundern, fangen spielen, kichern, rennen, zurückbleiben…

Auch bei regnerischem Wetter kann man draußen eine Menge Spaß haben.

Auch bei regnerischem Wetter kann man draußen eine Menge Spaß haben.

Obwohl wir also hier in Staufen im Schwarzwald keine bahnbrechenden Attraktionen besucht haben, sondern uns mit bodenständigen Aktivitäten wie Spazierengehen, Klettern, Ruinen besichtigen, Eis essen, ins Freibad gehen und Ponyreiten die Zeit vertrieben haben, haben wir unseren Aufenthalt hier sehr genossen. Vielleicht auch gerade deshalb, weil wir hier ganz viel Ruhe hatten?

Wir haben uns jedenfalls total gut erholt, und so wundert es nicht, dass die Kinder zwischendurch immer mal fragen, ob sie nicht für immer hier im Schwarzwald bleiben können. Weil es so schön ist!


Staufen Burgruine

Burgweg 3A, 79219 Staufen im Breisgau

Frei zugänglich, immer geöffnet.

Münstertalbahn

muenstertalbahn.hpage.com/startseite.html

Keramikmuseum Staufen

Wettelbrunner Str. 3, 79219 Staufen im Breisgau
landesmuseum.de/weitere-standorte/keramikmuseum-staufen

Alemannenbad

Albert-Hugard-Straße 30, 79219 Staufen im Breisgau
alemannenbad.de

Staufen Kletterwald

Kolpingstraße 5, 79219 Staufen im Breisgau
kletterwald-staufen.de

Ponyreiten: Reitverein Sonnenhof Staufen e.V.

Aussiedler Breite 3, 79219 Staufen
sonnenhof-staufen.de

Tourismusverband Staufen & Münstertal

Hauptstraße 53, 79219 Staufen
muenstertal-staufen.de