Edinburgh ist eine seltsame Stadt. Mittendrin endet der Kopfbahnhof der Eisenbahn in einer Senke, auf die man von allen Seiten hinunterschaut.

Gefühlt teilen die Schienen damit die Stadt quasi in zwei Hälften, denn von dort aus gehen zu beiden Seiten die Hügel hoch, auf denen links Old Town und rechts New Town liegen, wobei die „Neustadt“ an und für sich allein auch jedem anderen mittelalterlichen Kern einer durchschnittlichen Stadt zur Ehre gereichen würde.

Schon auf dem Weg vom Bahnhof zu meinem Hostel komme ich an beeindruckenden Bauten vorbei - und so sieht hier einfach alles aus!

Schon auf dem Weg vom Bahnhof zu meinem Hostel komme ich an beeindruckenden Bauten vorbei – und so sieht hier einfach alles aus!

Die „Altstadt“ dagegen ist noch einmal ein ganz anderes Kaliber, uralte Häuser, in schwindelerregende Höhen verschachtelt über- und ineinandergebaut… doch von vorne.

An der Burg geht’s los

Die Erkundung der schottischen Hauptstadt beginnt man klassischerweise direkt oben am Wahrzeichen der Stadt, bei dem sowieso jeder Besucher früher oder später landet: Dem ‚Edinburgh Castle‘.

Edinburgh Castle (so leer ist der Vorplatz nur Sonntagmorgens in der Frühe, lange bevor geöffnet wird).

Edinburgh Castle (so leer ist der Vorplatz nur Sonntagmorgens in der Frühe, lange bevor geöffnet wird).

Nach einer Security-Kontrolle bereits draußen auf dem Vorplatz kommt man näher ran.

Nach einer Security-Kontrolle bereits draußen auf dem Vorplatz kommt man näher ran.

Und man kann sich tatsächlich drinnen auch schon einmal erst umsehen, ohne Eintritt zu zahlen.

Und man kann sich tatsächlich drinnen auch schon einmal erst umsehen, ohne Eintritt zu zahlen.

Nur, wenn man dann tatsächlich ins Innere möchte oder sich weiter auf dem Gelände umschauen will, dann kommt man um Tickets nicht herum.

Nur, wenn man dann tatsächlich ins Innere möchte oder sich weiter auf dem Gelände umschauen will, dann kommt man um Tickets nicht herum.

Eine alte Fackelhalterung vor der Burg im abendlichen Gegenlicht.

Eine alte Fackelhalterung vor der Burg im abendlichen Gegenlicht.

Die ‚Royal Mile‘ hinunter

Diese markante Burganlage kennzeichnet gleichzeitig den Beginn der ‚Royal Mile‘, eine Straße, die relativ schnurgerade hinab bis zum ‚Holyrood Palace‘ und dem schottischen Parlament führt, und sie ist tatsächlich ziemlich genau eine (schottische) Meile lang. Das sind etwas weniger als zwei Kilometer.

Streng genommen besteht diese berühmte Straße aus verschiedenen Abschnitten: ‚Castle Hill‘, ‚Lawnmarket‘, ‚High Street‘ und ‚Canongate‘, die aber alle nahtlos ineinander übergehen und eben unter dem Begriff ‚Royal Mile‘ zusammengefasst werden.

Wie bei den Straßennamen ändert sich auch die Beschaffenheit des Weges immer wieder: Mal verkehrsberuhigtes Kopfsteinpflaster, mal geteerte Autostraße.

Links: Typische schottische Häuser am Ende des Burgvorplatzes. Rechts: Auf der berühmten 'Royal Mile'!

Links: Typische schottische Häuser am Ende des Burgvorplatzes. Rechts: Auf der berühmten ‚Royal Mile‘!

Diese berühmte Meile sollte man bei einem Besuch in Edinburgh schon einmal hinabflanieren, denn es gibt – neben den ausnahmslos unfassbar schönen Häusern – viel zu entdecken unterwegs.

Den Anfang macht direkt auf der linken Seite die ‚Camera Obscura‘ der ‚World of Illusions‘. Hier kann man sich auf über fünf Etagen bis hinauf in den Turm von optischen Täuschungen verwirren lassen, ein großer Spaß!

Direkt gegenüber steht eine beeindruckende Kirche mit langem, hohem Turm – doch halt, trotz Kreuz auf der Spitze wurde dieses Gebäude nie offiziell geweiht und dient heute unter dem Namen ‚The Hub‘ als ziemlich cooler Ort für Veranstaltungen.

Links: Die 'World of Illusions' und 'The Hub', rechts: Wie eine Filmkulisse sieht das hier überall aus!

Links: Die ‚World of Illusions‘ und ‚The Hub‘, rechts: Wie eine Filmkulisse sieht das hier überall aus!

Die imposante 'St. Giles' Kathedrale ein Stück weiter runter auf der 'Royal Mile'.

Die imposante ‚St. Giles‘ Kathedrale ein Stück weiter runter auf der ‚Royal Mile‘.

Es lohnt grundsätzlich, sich beim Spaziergang die ‚Royal Mile‘ hinunter etwas Zeit zu nehmen und auch ab und zu einen Blick in die Seitenstraßen zu werfen: ein wunderschönes Gebäudearrangements neben dem nächsten.

Apropos Blick nach links und rechts… man sollte generell auch etwas genauer hinschauen in dieser verwinkelten und verschwurbelten Stadt: Sonst verpasst ihr die ‚Closes‘!

Das sind für Edinburgh typische kleine Unterführungen und Gassen, die immer mal wieder zwischen den verschiedenen Gebäudeanlagen hindurchführen, damit man seinen Weg abkürzen kann. Manche Häuser sind auch nur so erreichbar.

Diese über- und untereinander gebauten Tunnel und Durchgänge sind natürlich ziemlich faszinierend, und so wundert es nicht, dass es spezielle Führungen, oft mit kostümierten Guides, gibt, die Touristen gerne herumführen und dabei passend noch die ein oder andere Spukgeschichte auf Lager haben.

Bevor ihr eine solche Führung mitmacht, schaut euch besser kurz Bewertungen auf tripadvisor.de oder ähnlichen Portalen an: Es gibt da wohl gravierende Unterschiede hinsichtlich der Qualität bei den verschiedenen Anbietern.

Genauso typisch für Edinburgh und ganz Schottland sind natürlich die allgegenwärtigen Schottenmuster:

Karos auf Kilts, Röcken, Schals, Taschen, Pullovern, Umhängen, Mützen – einfach alles ist voll damit.

An Schottenmustern kommt man natürlich in Edinburgh nicht vorbei!

An Schottenmustern kommt man natürlich in Edinburgh nicht vorbei!

Und irgendwo auf der ‚Royal Mile‘ steht auch bei Wind und Wetter immer mindestens ein traditionell gekleideter Schotte und spielt auf seinem Dudelsack.

Normalerweise finde ich diese Art Musik ein klitzekleinwenig nervig, aber hier gehört es einfach hin und es macht richtig Spaß, eine Weile zuzuschauen.

Weiter geht’s: Vorbei am ‚Museum of Childhood‘, einer kostenlosen Ausstellung über Spielzeug durch die Jahrhunderte, und der Universität von Edinburgh, dem ebenfalls kostenlosen ‚Museum of Edinburgh‘ über lokale Geschichte (das natürlich auch auf die ‚Outlander‘-Saga eingeht, denn direkt hier neben wurde ein Teil der Serie gedreht) und schließlich dem gefühlt einzigen modernen Gebäude, in dem das Schottische Parlament tagt, bis man schließlich hiervor steht:

Der 'Holyrood Palace'. Offizieller Name: 'Palace of Holyroodhouse'.

Der ‚Holyrood Palace‘. Offizieller Name: ‚Palace of Holyroodhouse‘.

Am Ende angelangt: Der ‚Holyrood Palace‘

Hier, am Schluss der ‚Royal Mile‘, steht der prächtige Palast der Stuarts aus dem 16. Jahrhundert.

Man kann im Rahmen einer Führung drinnen die königlichen Empfangsräume, Antiquitäten und Reliquien bestaunen oder bei schönem Wetter auch draußen durch den weitläufigen Park spazieren. Alternativ gibt es in der ‚Queen’s Gallery‘ daneben regelmäßig interessante Ausstellungen in der Kunstgalerie zu bewundern, oder man kann im ‚Café at the Palace‘ stilvoll einen formvollendeten ‚Afternoon Tea‘ inklusive Sandwiches, Scones und Teeauswahl genießen.

Wenn man schon einmal in dieser Gegend ist, kann man sich auch auf eine kleine Wanderung den ‚Arthur’s Seat‘, Edinburghs Hausberg, hinauf begeben. Details dazu sowie zu Edinburghs anderem klassischem Aussichtspunkt, dem ‚Calton Hill‘, habe ich in ‚Edinburgh von oben: Arthur’s Seat oder Calton Hill‘ genauer beschrieben.

Und dann?

Die ganze ‚Royal Mile‘ wieder zurückgehen nach oben. Lasst euch gesagt sein: So eine schottische Meile bergauf ist wirklich verdammt lang! Aber keine Sorge: Wenn man schon genug gelaufen ist für diesen Tag, kann man zumindest das erste Stück auch mit der Buslinie 35 etwas abkürzen.

Und was gibt’s noch zu sehen?

Auf dem Rückweg kennt man sich ja schon ein wenig aus, und so kann man auch einmal in eine Seitenstraße abbiegen.

Für alle Fans eines gewissen Zauberschülers gibt es da einen klaren Favoriten: Die Straße ‚George IV Bridge‘, denn geht man diese ein Stück hinein, gelangt man zu diesem Café: Dem ‚Elephant House‘.

Das 'Elephant House', der 'Geburtsort von Harry Potter', wie das Café sich selbst bezeichnet.

Das ‚Elephant House‘, der ‚Geburtsort von Harry Potter‘, wie das Café sich selbst bezeichnet.

Hier erdachte Joanne K. Rowling das Universum um Harry Potter und schrieb der Legende nach die ersten Bücher. Oder zumindest das allererste. Oder auch vielleicht hauptsächlich nur das zweite. So genau weiß das niemand mehr, und es spielt eigentlich auch keine Rolle: Der Besucherstrom ist ungebrochen.

Wenn man dann etwas mehr Ruhe gebrauchen könnte, bietet es sich an, auf den daneben gelegenen Friedhof ‚Greyfriars Kirkyard‘ auszuweichen, wo Joanne K. Rowling sich angeblich Inspiration für die Namen ihrer Romanhelden und -antihelden holte – das Grab eines ‚Tom Riddle‘ gibt es zum Beispiel tatsächlich.

Wenn eine Stadt beweist, dass man auch im Mittelalter schon Hochhäuser baute, so ist es Edinburgh.

Wenn eine Stadt beweist, dass man auch im Mittelalter schon Hochhäuser baute, so ist es Edinburgh.

Hinter dem Friedhof gelangt man durch die üblichen kreuz- und quergebauten Häuserschluchten Edinburghs zum ‚Grassmarket‘, einem ehemaligen Marktplatz, wo mit Vieh gehandelt und auch Verbrecher gehenkt wurde.

Heute reiht sich ein Pub an den nächsten, alle untergebracht in wunderschönen Fassaden – hier ist immer etwas los.

Wunderschöne Fassaden auf dem Grassmarket.

Wunderschöne Fassaden auf dem Grassmarket.

Mir ist das allerdings etwas zu touristisch, und so biege ich wieder ab und kehre über kleine Straßen und mehrere der üblichen Treppen, um die Höhenunterschiede Edinburghs zu überwinden, zurück in Richtung ‚Edinburgh Castle‘.

Nach so viel Herumlaufen wird es dringend Zeit, in einen Pub einzukehren für ein gutes Essen und ein schottisches Bier (ich habe bereits auf der ‚George IV Street‘ vorhin einen Stop in der gleichnamigen ‚George IV Bar‘ eingelegt, sehr schöne und gemütliche Location!), und danach in meiner Unterkunft, im ‚Castle Rock Hostel‚, die Füsse hochzulegen!

Fazit: Edinburgh ist eine Stadt mit einer ganz besonderen Ausstrahlung und einer geradezu magischen Atmosphäre, außerdem kann man unglaublich viel unternehmen und entdecken. Ein verlängertes Wochenende ist dafür ein guter Anfang, aber reicht eigentlich nicht aus. Ich komme sicher gerne noch einmal wieder!


Edinburgh Castle

Castlehill, Edinburgh EH1 2NG
edinburghcastle.scot

Öffnungszeiten: täglich 9:30 – 18:00 Uhr (im Winter nur bis 17:00 Uhr)
Tickets: Erwachsene 19,50€ (online 17,50€), Kinder 5-15 Jahre 11,50€ (online 10,50€). Eine Führung durch das Schoss ist darin inkludiert.


Camera Obscura | World of Illusions

Castlehill, Royal Mile, Edinburgh EH1 2ND
camera-obscura.co.uk

Öffnungszeiten: täglich ca. 9:00/9:30 – 21:00/22:00 Uhr, Zeiten variieren je nach Monat, daher am besten auf der Webseite rückversichern.
Tickets: Erwachsene 16,00€, Kinder 5-15 Jahre 12,00€. Interessant: Tickets gelten den ganzen Tag, man kann also auch zwischendurch etwas essen gehen und wiederkommen.


Museum of Childhood

42 High St, Edinburgh EH1 1TG
edinburghmuseums.org.uk/venue/museum-childhood

Öffnungszeiten: täglich 10:00 – 17:00 Uhr
Tickets: kostenlos


Museum of Edinburgh

42 High St, Edinburgh EH1 1TG
edinburghmuseums.org.uk/venue/museum-edinburgh

Öffnungszeiten: täglich 10:00 – 17:00 Uhr
Tickets: kostenlos


Holyrood Palace

Canongate, Edinburgh EH8 8DX
rct.uk/visit/palace-of-holyroodhouse

Öffnungszeiten: täglich 9:30 – 18:00 Uhr (im Winter nur bis 16:30 Uhr)
Tickets: Erwachsene 15,00€, Kinder 5-17 Jahre 8,70€.


Queens Gallery at Holyrood Palace

Canongate, Edinburgh EH8 8DX
rct.uk/visit/the-queens-gallery-palace-of-holyroodhouse

Öffnungszeiten: täglich 9:30 – 17:00 Uhr (im Winter nur bis 15:30 Uhr)
Tickets: Erwachsene 7,50€, Kinder 5-17 Jahre 3,80€.


The Cafe at the Palace

98 Canongate, Edinburgh EH8 8DX
rct.uk/visit/palaceofholyroodhouse/what-to-see-and-do/cafe-at-the-palace

Afternoon Tea wird täglich zwischen 12:00 und 16:00 Uhr (im Winter nur bis 15:00 Uhr) serviert. Online-Reservierung wird empfohlen.
Tickets: pro Person £18,95, in der Champagner-Variante £27,00.


The Elephant House

21 George IV Bridge, Edinburgh EH1 1EN
elephanthouse.biz

Öffnungszeiten: täglich grundsätzlich 8:00 – 22:00 Uhr, samstags und sonntags erst ab 9:00 Uhr, freitags und samstags bis 23:00 Uhr.


Original Pub: George IV Bar

54 George IV Bridge, Edinburgh EH1 1YH
georgeivbar.com

Öffnungszeiten: täglich 11:00 – 1:00 Uhr