Heute morgen werden wir vom Kreischen der Möwen geweckt, immerhin hat Dublin einen ziemlich großen und geschäftigen Hafen und liegt am Meer, naja, also in einer Bucht.

Da wir direkt im Zentrum wohnen, sind es nur wenige Schritte bis zu unserem nächsten Ziel: Dem Trinity College, eine der ältesten und zugleich auch eine der besten Universitäten der ganzen Welt!

Das Trinity College

Die Allee ‚College Green‘ führt geradewegs auf das Eingangsgebäude des ‚Trinity College‘, das  ‚Regent House‘, zu.

 

Das Haupteingangsgebäude des Trinity College von der Straße aus gesehen.

Das Haupteingangsgebäude des Trinity College von der Straße aus gesehen.

Das urige Tor im 'Regent House', durch das man ins Innere des Trinity College gelangt.

Das urige Tor im ‚Regent House‘, durch das man ins Innere des Trinity College gelangt.

Durch das pompöse, hölzerne Tor betreten sowohl Dozenten, Studenten als auch die Besucher das fast 200.000 qm große Areal. Gegründet wurde die Universität bereits im 16. Jahrhundert, und seitdem wurden ständig Gebäude und Plätze hinzugefügt.

Der Besuch des Geländes an sich kostet keinen Eintritt, und so schlüpfen auch wir durch das Tor und stehen schon wenige Schritte später auf dem zauberhaften Gelände einer der schönsten, nostalgischen Universitäten schlechthin. Man könnte meinen, Harry Potter biegt gleich um die Ecke.

Bei genauerem Hinsehen entdecken wir allerdings dann doch niemanden mit einer Narbe in Form eines Blitzes auf der Stirn, dafür aber jede Menge tatsächlich hier eingeschriebene Studenten und ihre Dozenten, die allesamt eiligen Schrittes ihren ganz eigenen Alltagsplänen folgen.

Der Weg ins Trinity College führt zuerst zum 'Parliament Square'.

Der Weg ins Trinity College führt zuerst zum ‚Parliament Square‘.

Lohnt eine Führung?

Wir schauen eine Weile zu, lassen die Atmosphäre auf uns wirken, und sind ziemlich beeindruckt vom Treiben auf dem Campus. Bei meiner Recherche vorab erhielt ich die Empfehlung, an einer der etwa halbstündigen Führungen teilzunehmen, die mehrmals am Tag von Studenten des Colleges abgehalten wird.

Tickets kann man übrigens nicht online vorab erwerben, sondern nur vor Ort an einem kleinen Pult direkt hinter dem Eingang.

Unser Guide Anna legt sich voll ins Zeug und vermittelt uns in kürzester Zeit viele, viele Informationen, und dabei alles noch ausgesprochen witzig, so dass wir ihr – regelmäßig vor uns hinkichernd – brav hinterherdackeln. Von daher geben wir die Empfehlung gerne weiter: Holt euch unbedingt Tickets für die Führung, wenn es in euren Zeitplan passt.

Typisch Universität...

Typisch Universität…

... überall angekettete Fahrräder...

… überall angekettete Fahrräder…

... vor altehrwürdigen Gebäuden.

… vor altehrwürdigen Gebäuden.

Der ‚Parliament Square‘

Wir lernen, dass bis in die 70er Jahre alle Studenten immer und jeden Tag ihre Robe tragen mussten und ansonsten nach Hause geschickt wurden, dass das College anfangs nur Protestanten vorbehalten war und Katholiken exkommuniziert wurden, oder dass die Abschlussrede in der ‚Examination Hall‘ heute noch komplett auf Latein gehalten wird und jeder Absolvent einfach nur dann aufsteht und nach vorne geht, wenn er seinen Namen hört, weil die meisten ansonsten nämlich kein Wort des Vortrags verstehen.

Überhaupt werden dabei übrigens alle Stundeten in der Reihenfolge ihrer Noten aufgerufen – ein weiterer Grund, sich Mühe zu geben, denn natürlich will niemand der letzte sein.

Der 'Parliament Square' ist gesäumt von der 'Examination Hall', dem 'Regent House'...

Der ‚Parliament Square‘ ist gesäumt von der ‚Examination Hall‘, dem ‚Regent House’…

... und der 'Dining Hall', in der heute noch Studenten mit einem Stipendium jeden Tag umsonst essen können.

… und der ‚Dining Hall‘, in der heute noch Studenten mit einem Stipendium jeden Tag umsonst essen können.

Immer an einem ganz bestimmten Tag darf jeder Student, der das zweite Jahr begonnen hat, genau einmal an einer extra Prüfung teilnehmen: Besteht er diese mit mindestens einem bestimmten Notenschnitt, bekommt er die nächsten 5 Jahre lang seine Gebühren erlassen, ein kostenloses Zimmer auf dem Campus und jeden Abend eine warme Mahlzeit, die gemeinsam mit den anderen Stipendiaten und den Professoren eingenommen wird.

Die Gebühren betragen für Iren und EU-ler 3.500€/Jahr, für Studenten außerhalb der EU sogar 30.000€/Jahr – ein Stipendium lohnt sich also! Die Prüfung für das Scholarship bestehen allerdings pro Jahr nur etwa 50-65 Studenten mit dem nötigen Schnitt – bei 17.000 Studenten insgesamt!

Das ‚Graduates Memorial Building‘

Bei unserem Rundgang fällt uns auf, dass heute sehr viele Studenten und Professoren in offizieller Robe und Talar unterwegs sind. Wir fühlen uns fast wie in einem Film!

Nachfrage bei unserem Guide ergibt: Wir haben in der Tat Glück, denn es ist gerade genau die Zeit der Examen.

Aktuelle Abschlussschüler vor dem 'Graduates Memorial Building'.

Aktuelle Abschlussschüler vor dem ‚Graduates Memorial Building‘.

Übrigens sind Frauen erst seit Anfang des letzten Jahrhunderts am College zugelassen, und der damalige Dekan hatte sich bis zuletzt vehement dagegengestellt.

„Nur über meine Leiche!“, hatte er laut Überlieferung jedes Mal gesagt, wenn die Sprache darauf kam. Der Gerechtigkeit konnte aber auch er sich nicht ewig entgegenstellen, und, man glaubt es kaum: Keine drei Monate, nachdem die ersten Frauen immatrikulierten, ist er dann tatsächlich gestorben!

Heute steht seine – äußerst schlecht gelaunt aussehende – Statue auf dem Campus, und jedes Jahr nach den bestandenen Abschlussprüfungen klettern die weiblichen Studenten hoch, setzen sich auf seinen Schoß und machen Klamauk-Fotos, wie uns unser Guide mit sichtlicher Genugtuung berichtet. Das hat er davon!

So ein schönes Gebäude!

So ein schönes Gebäude!

Gibt es auf dem Campus auch etwas zu essen?

Wer nach all den vielen Informationen Hunger bekommen hat, der braucht nicht verzagen: Für das leibliche Wohl auch der Besucher ist im Trinity College bestens gesorgt.

Im ‚The Buttery Restaurant‘ kann man in richtigen Gewölberäumen frühstücken und Mittagessen. Das finden wir ziemlich cool und tun bei frischen Bagels und Croissants, feinstem italienischen Kaffee und warmem Kakao (mit Marshmallows!) so, als wären wir selber Studenten hier.

Im ‚Perch Café‘ findet man Salate und Sandwiches, Säfte und Smoothies, im ‚Aras an Phiarsaigh Coffee Area‘ Kaffee, Tee und Süßigkeiten für einen kurzen Stop. Das ‚1592 Restaurant‘ dagegen ist ein exklusives, höherpreisiges Restaurant, in dem man mittags richtig stilvoll essen kann.

Kann man im Trinity College übernachten?

Falls ihr Dublin in den Sommermonaten besucht, könnt ihr es euch in den Semesterferien sogar mitten auf dem Campus gemütlich machen: Die Studentenwohnheime, die zu dieser Zeit nämlich leerstehen, werden dann zimmerweise an Besucher vermietet.

Die Ausstattung ist zwar nicht unbedingt luxuriös, aber authentischer geht es wohl nicht. Jedenfalls sind die Übernachtungen sehr gefragt und die Räume schnell vergeben. Wer Interesse hat, sollte sich also besser frühzeitig kümmern.

Das Wohnheim des Trinity College, sowohl für Studenten als auch für Dozenten.

Das Wohnheim des Trinity College, sowohl für Studenten als auch für Dozenten.

Hinter dem Wohnheim öffnet sich der nächste Platz: Der 'New Square'.

Hinter dem Wohnheim öffnet sich der nächste Platz: Der ‚New Square‘.

Wir folgen unserem Guide weiter durch das Gelände des Colleges, umrunden das Studentenwohnheim, gehen an dem nächsten Platz dahinter, dem ‚New Square‘, entlang, und sehen immer noch mehr Gebäude. Das Areal ist wirklich riesig!

Der Long Room

Unsere kurzweilige Führung endet vor der Berkeley-Bibliothek, und nachdem wir uns von unserem tollen Guide verabschiedet haben, dürfen wir mit unseren Kombi-Tickets noch das Herzstück des Trinity College betreten: den ‚Long Room‘!

Den wollen wir natürlich sehen, also gehen wir um die Ecke zum Gebäude der ‚Old Library‘, die diesen sagenhaften Raum enthält.

Rechts hinter der 'Berkeley Library' liegt das Gebäude des 'Old Library'...

Rechts hinter der ‚Berkeley Library‘ liegt das Gebäude des ‚Old Library’…

... in dessen berühmten 'Long Room' das noch berühmtere 'Book of Kells' liegt.

… in dessen berühmten ‚Long Room‘ das noch berühmtere ‚Book of Kells‘ liegt.

Im Erdgeschoß des Gebäudes schauen wir uns erst einmal die generelle Ausstellung über historische Bücher an:

Ausstellung über historische Bücher im Erdgeschoß des 'Old Library'.

Ausstellung über historische Bücher im Erdgeschoß des ‚Old Library‘.

Aber letzten Endes zieht es alle Besucher die Treppe hinauf eine Etage höher: In den wirklich beeindruckenden ‚Long Room‘, eine Bibliothek voller sehr alter Bücher, die auch heute noch eingesehen und ausgeliehen werden können.

Auch wir steigen also die Holztreppe hinauf in den ersten Stock und stehen dann einfach so ohne weitere Vorwarnung mittendrin – und wow!

Schaut euch das an:

Beeindruckend! Der 'Long Room' des Trinity College.

Beeindruckend! Der ‚Long Room‘ des Trinity College.

Im Long Room sind immer viele Besucher unterwegs.

Im Long Room sind immer viele Besucher unterwegs.

Sooo viele Bücher!

Sooo viele Bücher!

Die Fenster sind mit Lichtschutz verhangen, um die Bücher vor Alterung zu schützen.

Die Fenster sind mit Lichtschutz verhangen, um die Bücher vor Alterung zu schützen.

Sagenhaft, oder?

Ursprünglich gab es nur eine Etage, aber als dann noch mehr Bücher kamen, haben sie das Dach angehoben und eine zweite Etage daraufgesetzt. Unglaublich, oder?!

Blick nach oben zur zweiten Etage (die man nicht betreten kann als einfacher Besucher).

Blick nach oben zur zweiten Etage (die man nicht betreten kann als einfacher Besucher).

Das Book of Kells

Highlight unter den ganzen uralten Büchern ist ein Werk, das nur unter Glas ausgestellt wird: das ‚Book of Kells‘, eine der ältesten erhaltenen Abschriften der Bibel.

Alle zwei Wochen wird eine Seite umgeblättert. Wenn man also fleißig wiederkommt, kann man das Buch schon auch komplett lesen!

Unglücklicherweise wurde das Original einen (ernsthaft!) Tag vor unserem Irlandbesuch für das nächste halbe Jahr in Reparatur gegeben, so dass nun eine Replik ausliegt. So eine Enttäuschung, aber da kann man ja nichts machen.

Unser Guide meinte übrigens zu unserer Gruppe, wenn wir es nicht wüssten, könnten wir als Laien sowieso keinen Unterschied sehen. Na dann!

Da ist es - das 'Book of Kells' (oder zumindest die Replik)!

Da ist es – das ‚Book of Kells‘ (oder zumindest die Replik)!

Farbenprächtige Seiten - immer noch, nach all den Jahrhunderten!

Farbenprächtige Seiten – immer noch, nach all den Jahrhunderten!


Trinity College

College Green, Dublin 2, Irland
tcd.ie

Infos zum Book of Kells: tcd.ie/visitors/book-of-kells/
Infos zu Führungen: tcd.ie/visitors/tours/
Infos zu Restaurants und Cafés: tcd.ie/accommodation/college-catering/
Infos zu Übernachtung/Summer Accommodations: tcd.ie/summeraccommodation/