In der Speicherstadt

Die Hamburger Speicherstadt ist ein zusammenhängender, riesiger Komplex aus Lagerhäusern, die im 19. Jahrhundert am Hafen der Hansestadt erbaut wurden. Die größte Anlage dieser Art auf der ganzen Welt übrigens! Heute steht sie unter Denkmalschutz und gehört seit einigen Jahren auch zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Diese gewaltigen Häuser mit ihren Luken und Lastkränen, um große Mengen an Waren anzunehmen oder abzugeben, sollte man einmal gesehen haben. Wir haben diese Gegend unter anderem bei einer klassischen Hafenrundfahrt auch vom Wasser aus erkundet und möchten euch das ebenfalls gerne ans Herz legen, denn die Blickwinkel sind einfach malerisch (auch wenn der Himmel bei uns ziemlich wolkenverhangen war).

Was muss hier früher los gewesen sein...

Was muss hier früher los gewesen sein…

... als noch unzählige Säcke, Fässer und Kisten hier täglich verladen wurden.

… als noch unzählige Säcke, Fässer und Kisten hier täglich verladen wurden.

Auch an Land kann man hier zu Fuss schön entlang spazieren, so besonders groß ist die Speicherstadt nämlich gar nicht. Gerade einmal sechs ineinander übergehende Wasserstraßen, sogenannte ‚Fleete‘, durchziehen sie: Kehrwiederfleet, Brooksfleet, Kleines Fleet, Wandsrahmsfleet, Holländischbrookfleet und St.-Annen-Fleet.

Überspannt werden die Fleete von 20 Brücken mit so bildgewaltigen, klangvollen Namen wie Kornhausbrücke, Kannengießerbrücke, Pickhubenbrücke oder Poggenmühlenbrücke. Wusstet ihr, dass Hamburg sogar mehr Brücken aufweist als Venedig?

Besonders schön und irgendwie poetisch fand ich ja immer den Namen des ‚Kehrwieder‘-Teils der Speicherstadt, wo es sogar eine ‚Kehrwiederspitze‘ gibt. Das ist angeblich der letzte Zipfel Land, an dem die Daheimbleibenden damals ihren Matrosen hinterherwinken konnten zum Abschied, wenn sie auf große Fahrt gingen – in der Hoffnung, dass sie wiederkämen. Sehr romantisch!

Bei meiner Recherche stelle ich allerdings fest, dass der Name ganz pragmatisch daher kommt, dass es sich bei dem Stückchen Land früher, vor dem Bau einer weiteren Brücke an dessen Ende, um eine Sackgasse handelte und man dort angekommen eben, naja, wieder umkehren und den Weg zurücklaufen musste.

Etwas ernüchternd, zugegeben.

Blick über die Kehrwiederbrücke auf die vielen Yachten und Schiffe, die vor Anker liegen.

Blick über die Kehrwiederbrücke auf die vielen Yachten und Schiffe, die vor Anker liegen.

Unerwartet und sehenswert: Das wunderbare, historische Mosaik auf dem Boden der Wilhelminenbrücke.

Unerwartet und sehenswert: Das wunderbare, historische Mosaik auf dem Boden der Wilhelminenbrücke.

Im Speicherstadtmuseum

Wenn ihr schon einmal in der Speicherstadt seid, könnt ihr direkt das Speicherstadtmuseum besuchen.

Es ist direkt in einem der historischen Speicher am St.-Annen-Ufer gelegen und zeigt euch mit historischen Aufnahmen und anschaulichen Erklärungen, wie die Speicher genau genutzt wurden, welche Arbeiten bei der Warenlagerung damals anfielen (so viele Berufe, von denen wir noch nie gehört haben und die es heute oft auch schon lange nicht mehr gibt!) und wie die Güter, zum Beispiel Kaffee und Tee, dort verarbeitet wurden.

Auf dem Hinweg haben wir uns zwar irgendwie ein wenig im Hamburger Bussystem verfranzt und sind zunächst eine Weile irgendwie nie dort herausgekommen, wo wir hinwollten. Schließlich meistern wir diese Hürde, müssen allerdings im Anschluss einen viel weiteren Weg zu Fuss zurücklegen als geplant, und dank des dabei erneut unerbittlichen, eisig wehenden Hamburger Windes erreichen wir leider ziemlich durchgefroren unser Ziel.

Wie großartig ist es da bitte, dass im Vorraum des Museums zufällig ein gemütliches, kleines Café untergebracht ist! Mehr als dankbar setzen wir uns hin, bestellen köstliche heiße Schokolade bzw. Schokoladenkaffee mit Sahne und wärmen uns erst einmal wieder auf.

So tauchen wir direkt mit allen Sinnen in die Vergangenheit dieses Ortes ein, denn klar: Wo könnten Kaffee und Kakao besser schmecken als an dem Ort, an dem sich jahrzehntelang alles darum gedreht hat, eben jene Waren zu lagern, zu verarbeiten und zu handeln?!

Gestärkt kann es dann – etwas später als geplant, aber das macht ja nichts – endlich losgehen.

Zwischen alten Maschinen, Werkzeugen und Bergen an Teekisten und Kaffeesäcken lösen die Mädels begeistert die Rätsel einer extra Rallye für Kinder und erfahren so auf einige Faust einiges von früher, während ich ganz entspannt hinter ihnen her trödeln und mir auch selber die Ausstellung in Ruhe anschauen kann:

Schwer beschäftigt.

Schwer beschäftigt.

Staunend betrachten wir die vielen, vielen Teesorten...

Staunend betrachten wir die vielen, vielen Teesorten…

... und lernen, wie der Kaffee hier in der Speicherstadt verarbeitet wurde.

… und lernen, wie der Kaffee hier in der Speicherstadt verarbeitet wurde.

Besonders gut gefallen uns auch...

Besonders gut gefallen uns auch…

die vielen originalen, alten Aufnahmen der Speicherstadt, die hier ausgestellt sind.

die vielen originalen, alten Aufnahmen der Speicherstadt, die hier ausgestellt sind.

Die Zeit vergeht wie im Flug, und es macht viel Spaß, uns in diesem rauen, historischen Handelsambiente umzusehen.

Schön eingerichtet ist das Museum auch noch und die vielen, interessanten Hintergrundinformationen sind gut aufbereitet, da möchten wir euch einen Besuch hier gerne weiterempfehlen.

Wer noch mehr zum geschichtlichen Hintergrund der Hansestadt erfahren möchte, der ist auch noch in folgenden Hamburger Museen gut aufgehoben:

Ansonsten ist direkt hier in der Speicherstadt, nur wenige Meter vom Speicherstadtmuseum entfernt, natürlich noch Deutschlands offizielle Sehenswürdigkeit Nr.1, das Miniatur Wunderland mit seinen faszinierenden und detailreichen Miniaturwelten zu entdecken – das sollte man bei einem Besuch in Hamburg nicht verpassen.


Speicherstadtmuseum

Am Sandtorkai 36, 20457 Hamburg.

Öffentliche Verkehrsmittel: U-Bahn Haltestelle ‘Baumwall‘ (U3), Bus Haltestelle ‘Am Sandtorkai‘ (Metrobus 6) und ‚Am Kaiserkai‘ (Stadtbus 111).

Tickets: Erwachsene 4,50€, Kinder ab 6 Jahre 2,00€.

speicherstadtmuseum.de