Der Hamburger Hafen ist der drittgrößte Seehafen in Europa. Fast 10 Millionen Container werden hier im Jahr umgeschlagen, d.h. von Schiffen aus aller Welt abgeladen und weiter auf andere Schiffe, Züge oder LKWs, die die Waren zu ihrem nächsten Bestimmungsort bringen, verteilt (und umgekehrt, natürlich).

Das gesamte Gebiet des Hafens nimmt fast ein Zehntel der Fläche der Stadt Hamburg ein, eine ganz unglaubliche Größe. Das wollen wir uns natürlich näher anschauen, und so machen wir uns an unserem ersten Morgen in der Hansestadt auf den Weg zu den Landungsbrücken in St. Pauli, dem berüchtigten Hafenviertel.

Bei den St.-Pauli-Landungsbrücken - jetzt sind wir fast da!

Bei den St.-Pauli-Landungsbrücken – jetzt sind wir fast da!

Hier muss man einfach einmal gestanden haben, wenn man Hamburg besucht, und, wenn man hoffentlich etwas Zeit mitgebracht hat, eine Weile die sehr gute Sicht auf das Geschehen im Hafen, dem „Tor zur Welt“, und auf die Hamburger Skyline und das Gewimmel an der Anlegestelle der Ausflugsschiffe genießen und auf sich wirken lassen.

Das Wasser sehen und die Schiffe und die Kräne und die Container und die Backsteinbauten ringsum und den salzigen Geruch der nahen Nordsee einatmen und sich den stets präsenten Wind um die Nase wehen lassen. Dazu haben wir noch Glück mit dem Wetter, die Sonne scheint (wenigstens im Moment). Perfekt!

Bunte Kräne, schwappendes Wasser...

Bunte Kräne, schwappendes Wasser…

...und Container über Container, das ist Hamburg!

…und Container über Container, das ist Hamburg!

Die Kinder finden es auch gut hier, sind aber nicht annähernd so geflasht wie ich, daher schlendern wir bald ein wenig die Landungsbrücken entlang („Mama, wir wollen aber nicht viel laufen“), als uns auf Brücke 3 vor dem Dock von „Heinrich Prüsse Hafenrundfahrt“ ein alter Seebär anspricht, mit Kapitänsmütze und in feinstem Hamburger Dialekt: „Na, woll’n Se mit?“

Na, wollen wir? Ich schaue die Mädchen an. Strahlende Gesichter, wir wollen!

An den Landungsbrücken in Hamburg entlang flanieren.

An den Landungsbrücken in Hamburg entlang flanieren.

Mit Kennerblick fährt der Seebär fort: „Na, ne alleinerziehende Muddi? Dann sind die Deerns schon mal umsonst. Ham Se den Alten in die Wüste geschickt?“ Wir schnacken ein bisschen, und dann bekomme ich auf meinen Einzelpreis direkt auch nochmal extra Rabatt.

Nette Menschen hier! Also, uns gefällt’s schon mal prima in „Hamburch“.

Gleich geht's los mit unserem Ausflugsschiff durch den Hamburger Hafen.

Gleich geht’s los mit unserem Ausflugsschiff durch den Hamburger Hafen.

An Bord fällt mir schnell auf, dass ich die „Brise“, den Wind, der in Hamburg eigentlich immer weht, unterschätzt habe. Anfängerfehler! Frisch ist es hier auf dem Wasser, natürlich. Für die nächsten Tage, schwöre ich mir, schleppe ich immer und überallhin meinen dicken Schal mit.

Wir tuckern los und steuern als erstes die Speicherstadt an:

Auf dem Weg in die Speicherstadt...

Auf dem Weg in die Speicherstadt…

...wo die typischen, mehrstöckigen Lagerhäuser die Fleete, die Kanäle, säumen.

…wo die typischen, mehrstöckigen Lagerhäuser die Fleete, die Kanäle, säumen.

Die Speicherstadt besteht aus einem ganzen Viertel an historischen Lagerhäusern, die ab dem Ende des 19. Jahrhundert erbaut wurden. Heute steht sie unter Denkmalschutz und gehört seit einigen Jahren auch zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Weiter geht’s mit unserer Fahrt, vorbei an einem weiteren, aber wesentlich jüngeren Wahrzeichen Hamburgs, der erst vor wenigen Jahren fertiggestellten Elbphilharmonie:

Die Hamburger nennen ihre Elbphilharmonie kurz "Elphi".

Die Hamburger nennen ihre Elbphilharmonie kurz „Elphi“.

Wir sehen das neueste, gigantische Kreuzfahrtschiff der AIDA-Flotte im Dock bei Blohm + Voss liegen, bewundern sogar einen waschechten Schaufelraddampfer, „Mississippi Queen“, der ebenfalls Touristen durch die Gegend schippert, und passieren unzählige Container, Kräne und Anlegestellen an den vier Terminals an der Frachtseite des Hafens.

Vorbei am Containerterminal Buchardkai...

Vorbei am Containerterminal Buchardkai…

...und dem Containerterminal Tollerort, dem kleinsten der insgesamt vier Terminals des Hamburger Hafens.

…und dem Containerterminal Tollerort, dem kleinsten der insgesamt vier Terminals des Hamburger Hafens.

Alles gespickt mit interessanten Anekdoten und kurzweiligen Erklärungen durch unseren jovialen Käpt’n: wie hart die Arbeit hier im Hafen früher war, wie viele Leute hier auch unter schlechtesten Bedingungen malocht haben, wie viele Container heutzutage vollautomatisch umgeschlagen werden, was noch für die nächsten Jahre an Planungen ansteht – da vergeht die Zeit wie im Flug.

Last but not least erreichen wir noch den Fischmarkt, die berühmte, ebenfalls denkmalgeschützte Fischauktionshalle von Hamburg. Jeden Sonntag ab 5 Uhr morgens wird hier fangfrischer Fisch verkauft (im Winter startet er etwas später). Auch, wenn dieser Markt mittlerweile touristisch erschlossen ist, so lohnt es doch, auf ein Fischbrötchen hier vorbeizukommen und sich einmal mit ins Getümmel zu stürzen.

Der Fischmarkt in Hamburg von der Hafenseite aus gesehen.

Der Fischmarkt in Hamburg von der Hafenseite aus gesehen.

Um Punkt 9 Uhr 30 fällt allerdings der Hammer, dann ist Schluß. Das ist übrigens darauf zurückzuführen, dass die Leute früher um 10 Uhr pünktlich in der Kirche sein sollten – bis dahin musste alles erledigt sein!

Zurück an den Landungsbrücken angekommen gehen wir wieder von Bord und haben nun die Qual der Wahl, denn von hier aus sind direkt noch jede Menge andere Sehenswürdigkeiten fussläufig zu erreichen: Spazieren wir einmal durch den nostalgischen Alten Elbtunnel ans andere Ufer der Elbe? Schauen wir uns den historische Museums-Segelschiff ‚Rickmers Rickmers‘ an? Oder besichtigen wir lieber den ebenfalls renovierten Frachter ‚Cap San Diego‘ ein Stück daneben, auf dem es sogar einen Hochseilgarten zu erklettern gibt?

Vielleicht machen wir auch erst noch einmal eine Pause, gewöhnen uns daran, wieder festen Boden unter den Füssen zu haben, pulen ein paar Krabben und schauen noch eine Weile dem nie enden wollenden emsigen Treiben an den Landungsbrücken zu.

Die Hafenrundfahrt hat uns sehr viel Spaß gemacht, und auch, wenn es sich natürlich um eine ausgewiesene Touristen-Attraktionen handelt, ist es eine prima Sache, ganz gemütlich einen ersten Überblick über Hamburg und das, was die Hansestadt ausmacht, zu bekommen.


Hafenrundfahrt Kapitän Prüsse

Täglich ab 11.00 Uhr, eine Rundfahrt dauert ca. 1,5 Stunden.
Tickets: Erw. 19,00€, Kinder bis 12 Jahre 9,50€

hafenrundfahrt.com

Hamburger Hafen

hafen-hamburg.de

Landungsbrücken

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar via S-Bahn (S1, S2, S3), U-Bahn (U3), Bus (Linie 112).