1989 ist lange vorbei, die Mauer steht nicht mehr, Grenztürme und Schießanlagen sind abgebaut. Glücklicherweise.

Meine Kinder haben diese Zeiten – so wie alle Menschen unter 30 Jahren mittlerweile – nie miterlebt. In Berlin hat man nun allerdings die Möglichkeit, in die Vergangenheit zu springen und sich mit eigenen Augen einen Eindruck zu verschaffen von der doch gruseligen und angespannten Atmosphäre, damals an der Berliner Mauer, und zwar im ‚asisi Panometer‘.

Was ist bitte ein ‚Panometer‘?

Nun, der Künstler und Architekt Yadegar Asisi kreiert seit einigen Jahren riesige Bilder, also Panoramen, die in runden Gebäuden, z.B. bereits vorhandenen Gasometern, gezeigt werden, wodurch in Komposition mit besonders arrangierten Lichteffekten und eigens dafür komponierter Musik komplette Szenarien vergangener Zeiten oder Phantasien lebendig werden. Und diese nennt er ‚Panometer‘.

Es gibt einige davon in Deutschland, und solltet ihr jemals in die Nähe von einem kommen, solltet ihr die Gelegenheit unbedingt nutzen, euch das anzuschauen, egal um welches Thema es geht: Es ist beeindruckend!

asisi Panorama in Berlin: ‚Die Mauer‘

Unser Ziel steht in einem eigens dafür errichteten Rundbau unweit des Potsdamer Platzes. Tickets kann man vorab online buchen oder direkt vor Ort kaufen.

Das 'asisi Panometer Berlin' von außen.

Das ‚asisi Panometer Berlin‘ von außen.

Wir besorgen uns unsere Eintrittskarten dieses Mal an der Kasse und schwuppdiwupp, stehen wir drinnen: Auf einer vier Meter hohen Aussichtsplattform im Stadtteil Kreuzberg direkt vor der Berliner Mauer an einem fiktiven Herbsttag in den 80er Jahren.

Eine typische Straße in Westberlin in den 80er Jahren - noch mit Zigaretten als Plakatwerbung!

Eine typische Straße in Westberlin in den 80er Jahren – noch mit Zigaretten als Plakatwerbung!

Das ist zunächst mal ein eher witziges Gefühl: gelbe Telefonhäuschen, merkwürdig eckige Autos, Tabakwerbung an den Häusern – eine echte Zeitreise.

Aber natürlich wird einem dann schnell bewusst, dass man an einer Grenze steht mit Flutlichtanlagen, bewaffneten Soldaten und dem „Todesstreifen“ nur wenige Meter vor einem entfernt, und nicht zuletzt die besondere Lichtgebung schafft gemeinsam mit der passenden Musikuntermalung eine wahrhaft mulmige und beklemmende Atmosphäre und lässt einen schaudern.

„Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!“ tönt Walter Ulbricht, der ehemalige DDR Staatsratsvorsitzende, in einer Originalaufnahme aus den 60ern aus den Lautsprechern, während wir auf eine Szenerie blicken, in der sich die Menschen längst mit ihr abgefunden haben und einfach danebenher ihren Alltag leben: Hausbesetzer, alternative Lebenskünstler in Bauwägen, spielende Kinder, Graffiti-Künstler, Leute, die einen Imbiss besuchen, und gegenüber hinter der Mauer die DDR-Grenzsoldaten samt Schäferhunden, die von ihrer Seite aus herübersehen.

Ein Schwenk nach rechts zeigt die Berliner Mauer und die Grenzanlagen dahinter.

Ein Schwenk nach rechts zeigt die Berliner Mauer und die Grenzanlagen dahinter.

Was ist real und was gezeichnet? Die Treppe führt uns in die Irre.

Was ist real und was gezeichnet? Die Treppe führt uns in die Irre.

Wir schauen eine ganze Weile lang zu, wie die Sonne mehrmals auf und unter geht, und verlassen schließlich ziemlich nachdenklich den Schauplatz.

Zeitzeugen

In einem Vorraum gibt es noch eine Ausstellung mit Bildern aus privater Hand und Geschichten dazu, wie es war, in dieser geteilten Stadt zu leben. Und da das alles so persönlich gehalten ist und man nicht die großen, politischen Entscheidungen vor Augen hat, sondern deren konkrete Auswirkungen auf einzelne Menschen und deren reale Leben gewahr wird, kann man sich dem kaum entziehen.

Auch die Kinder lesen gebannt die Beschreibungen und schauen sich die Fotos und Filmausschnitte an, und verewigen sich schließlich wie so viele Besucher vor ihnen mit gekritzelten Sprüchen und Unterschriften auf den Wänden daneben.

Im Vorraum des asisi Panometer 'Die Mauer' in Berlin.

Im Vorraum des asisi Panometer ‚Die Mauer‘ in Berlin.

Unser Fazit: Einen Besuch des Mauer-Panometers in Berlin kann ich gerade mit Kindern und Teenagern nur wärmstens empfehlen! Damit es mehr als nur eine abstrakte Seite in den Geschichtsbüchern ist.

Must see (?!): Checkpoint Charlie

Quasi direkt neben dem asisi Panometer ‚Die Mauer‘ befindet sich eine weitere Berliner Sehenswürdigkeit: Der ‚Checkpoint Charlie‘.

Wenn man schon einmal in der Ecke ist, kann man sich den berühmten, ehemaligen Grenzübergang zwischen Ost- und Westberlin samt weißem Kontrollhäuschen und (heutzutage nachgemachten) US-Soldaten auch einmal anschauen. Nur Militär, Staatsbedienstete und wenige ausgewählte andere Leute durften hier passieren.

Da ist er: Der berühmte 'Checkpoint Charlie'.

Da ist er: Der berühmte ‚Checkpoint Charlie‘.

Für einen Obolus kann man sich auch mit den Soldaten, die bereitwillig im John-Wayne-Style posen, fotografieren lassen. Naja. Sagen wir, die ehemalige Brisanz dieses Ortes hat es nicht ganz in das Hier und Jetzt geschafft.

Anfang der 60er Jahren standen sich an dieser Stelle nämlich amerikanische und sowjetische Panzer gefechtsbereit gegenüber und um ein Haar hätte es einen neuen Krieg gegeben. Außerdem fanden hier einige der spektakulärsten Fluchten aus der DDR statt, von denen bekanntermaßen nicht alle erfolgreich verliefen.

Ein Schild als ständige Warnung - kaum vorstellbar, wie das damals gewesen ist.

Ein Schild als ständige Warnung – kaum vorstellbar, wie das damals gewesen ist.

In einem Gebäude gegenüber findet sich noch das ‚Mauermuseum‘, das eigentlich interessante weitere Einblicke verspricht, aber ziemlich hohe Eintrittspreise für eine äußerst textlastige und museumsdidaktisch nicht wirklich auf dem heutigen Stand stehende Ausstellung aufweist.

Schade eigentlich, die Themen „Was macht eine relativ willkürlich gezogene Grenze mit den Menschen“, „Was würde ich tun, wenn meine Freiheit so eingeschränkt wäre“ und „Wie weit würde ich gehen?“ sowie alleine die tatsächlichen Fluchtversuche geben eigentlich ja so viel mehr her.

Vielleicht wird es ja irgendwann einmal konzeptionell überarbeitet, ansonsten ist es unserer Meinung nach leider nur bei einem völligen Regentag einen Besuch wert.


asisi Panorama ‚Die Mauer‘

Friedrichstraße 205, 10117 Berlin
die-mauer.de

Öffnungszeiten: täglich von 10:00 – 18:00 Uhr.
Tickets: Erw. 10€, Kinder 6-16 Jahre 4€.

Online Tickets unter shop.panometer.de/ticket-berlin-die-mauer.html mit festem Zeitfenster oder unter shop.panometer.de/berlin-flex-ticket.html mit flexiblem Eintritt.

U-Bahn: Kochstraße/Checkpoint Charlie mit der Linie U6


Checkpoint Charlie

Friedrichstraße 43-45, 10117 Berlin

U-Bahn: Kochstraße/Checkpoint Charlie mit der Linie U6


Das Mauermuseum

Friedrichstraße 43-45, 10969 Berlin
mauermuseum.de

Öffnungszeiten: täglich 9:00 – 22:00 Uhr.
Tickets: Erw. 14,50€, Kinder 7-18 Jahre 7,50€, Kinder bis 6 Jahren frei

U-Bahn: Kochstraße/Checkpoint Charlie mit der Linie U6