Damals, zu den Zeiten der Römer, die es erbauten (vermutlich Kaiser Tiberius), lag die Arena von Verona noch außerhalb der Stadtmauern, heute mittendrin.

45 Sitzreihen mit Sitzen, die jeder jeweils 45 cm breit und 45 cm hoch sind. Da hat sich wohl jemand etwas dabei gedacht beim Erbauen…

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Damals Schauplatz von Gladiatorenkämpfen, heute in den Sommermonaten nicht ganz so blutrünstige Opern, denn die Akustik des Amphitheaters ist nach wie vor hervorragend. Ob La Traviata, Aida, Carmen oder Tosca – ich bin jetzt nicht so wirklich der Operngänger, aber diese Atmosphäre würde ich wirklich gerne einmal erleben!

Allerdings hatten sowohl die Opernfestspiele an sich als auch die generelle Instandhaltung der Arena in der Vergangenheit wohl nicht nur mit der allgemeinen Finanzierung zu kämpfen, sondern auch noch mit Ticketbetrügern im großen Stil. Das scheinen sie aber glücklicherweise überwunden zu haben, so dass einem Festival-Vergnügen nichts mehr im Wege stehen soll. Falls ihr online Tickets dafür erwerben möchtet, kann es aber nicht schaden, besonders aufmerksam zu sein.

Wir stehen hier aber Ende Oktober, der Hochsommer und damit die Aufführungen sind selbst in Verona vorbei, und außerdem ist es helllichter Tag, genauer gesagt früher Vormittag, an dem uns der Frecchiarossa, der italienische Schnellzug, hier am Porta Nuova, Veronas Bahnhof, nach kurzer Fahrt vom Gardasee kommend abgesetzt hat.

Verona hat keine Straßenbahn oder Metro, also suchen wir uns einen Bus Richtung ‚Piazza Bra‘, dem zentralen Platz der Stadt.

Dabei lernen wir erstens, dass sowieso fast alle Busse in diese Richtung fahren (das ist also einfach), und zweitens, dass es günstiger ist, Tickets in einem Tabacchi, einem Tabakwarenladen, anstatt beim Busfahrer zu kaufen (das ist eher blöd, aber nun wissen wir dank des äußerst freundlichen und hilfsbereiten Busfahrers Bescheid).

Hier, an der ‚Piazza Bra‘, dem Dreh- und Angelpunkt von Verona, gibt es schon wieder eine Statue von Vittorio Emanuele II., den kennen wir ja schon aus Mailand, aber ehrlich gesagt wird ihm kaum Aufmerksamkeit zuteil, denn auf der anderen Seite steht sie: Die Arena.

Die Arena von Verona in der Panorama-Ansicht.

Die Arena von Verona in der Panorama-Ansicht.

Sie wurde Anfang des 1. Jahrhunderts gebaut (das muss man sich mal vorstellen – 2.000 Jahre alt!) und ist damit sogar noch einmal etwa 50 Jahre älter als das Kolosseum in Rom. In früheren Zeiten fertigten die Römer Theater aus Holz (und bauten diese nach dem Ende der Vorführungen dann auch wieder ab), aber es gab tragische Unfälle, als einige während der Nutzung einstürzten und Tausende Menschen unter sich begruben. Daher entschied man sich dann für stabilere und beständigere Baustoffe.

Bei ihrer Fertigstellung hatte die Arena von Verona noch einmal einen weiteren kompletten Außenring aus rot-weißem Marmor (vgl. Titelbild). Davon ist allerdings nur noch ein sehr geringer Rest übrig, da die Steine nach einem Erdbeben im Laufe der Jahre für andere Bauwerke entwendet wurden.

Unabhängig von den in Sommernächten stattfindenden Opernfestspielen kann man die Arena tagsüber an allen Wochentagen rund ums Jahr auch gegen Eintritt einfach so besichtigen. Für Erwachsene macht das 10,00€, Schüler ab 14 Jahre 7,50€ und Kinder von 8 bis 13 Jahre 1€. Trotz des günstigen Kinderpreises ist uns das zu teuer, zumal die Bewertungen bei TripAdvisor, wo ich mich gerne vorab schon einmal rückversichere, nicht wirklich vielversprechend sind: Kaum Erklärungen und dazu der Innenbereich anscheinend oft auch noch zugebaut.

Von Nahem kann man die Menschen sehen, die oben auf der Arena herumspazieren. Da bekommt man erst einen Eindruck davon, wie riesig jeder einzelne Bogen überhaupt ist.

Von Nahem kann man die Menschen sehen, die oben auf der Arena herumspazieren. Da bekommt man erst einen Eindruck davon, wie riesig jeder einzelne Bogen überhaupt ist.

Jetzt sind wir zu nah. Blick nach oben.

Jetzt sind wir zu nah. Blick nach oben.

Wir entscheiden uns also etwas bedauernd, aber doch ziemlich zügig und einhellig dazu, diesen Koloss nur von außen zu betrachten. Wir gehen in aller Ruhe einmal rundherum, und staunen.

Besonders beeindruckend finde ich, dass diese Arena so mitten, mitten in der Stadt steht. Direkt über die Straße einfach andere, ganz normale Wohnhäuser.

Wobei: Auch diese anderen, ganz normalen Wohnhäuser sind ja wirklich schon alt. Und total schön. Und es ist schon wunderbar, zwischen ihnen hindurchzulaufen, durch Veronas Straßen zu schlendern, und sich diese eindrucksvollen Bauten aus den letzten Jahrhunderten anzuschauen. Und dann, auf einmal, wenn man gerade denkt, man schwelgt schon in der Vergangenheit, dann tauchen da plötzlich die Arkadenbögen dieses Amphitheaters auf, das noch so, so, so viel urälter ist als diese anderen Bauwerke, einfach aus einer komplett anderen Zeitrechnung hierher gebeamt zu sein scheint – umwerfend!

Die Arena ist gegen diese anderen Gebäude noch einmal so unfassbar viel älter, das verschlägt einem glatt den Atem. Es ist ein wenig wie in der Unendlichen Geschichte, als Atréju auf die Uralte Morla trifft, die so viel älter als alles andere ist, was in Phantásien existiert.

Und so ergeht es mir auch mir der Arena: Sie strahlt geradezu diese vielen, vielen Jahrhunderte, komplette Jahrtausende, auf einmal aus. Was müssten diese Mauern zu erzählen haben, wenn sie sprechen könnten!

Und drumherum fahren völlig unbeeindruckt moderne Autos und Busse hektisch auf der Straße herum, das ist schon irgendwie ein klein wenig surreal.

Die Arena wird von einer Straße umrundet, gegenüber normale Wohnhäuser. Wie muss es wohl sein, jeden Tag aus dem Küchenfenster auf ein Amphitheater zu schauen?

Die Arena wird von einer Straße umrundet, gegenüber normale Wohnhäuser. Wie muss es wohl sein, jeden Tag aus dem Küchenfenster auf ein Amphitheater zu schauen?

Die Arkadenbögen der unteren Ebene der Arena sind mit schmiedeeisernen Gittern versehen. Jedes dieser Tore enthält in die schwarzen Stäbe eingelassen jeweils eine – immer andere – römische Zahl. Offensichtlich sind eben diese römischen Zahlen einem der Kinder völlig unbekannt, stellen wir fest. Noch nie gesehen. Böhmische Dörfer.

Und während ich mich noch über die lückenhafte Bildung wundere und überlege, ob das nicht eigentlich Schulstoff der Grundschule ist und ob und wie das so komplett an einem Schüler vorbeigehen kann, erklärt die eine Schwester der anderen das Prinzip, und schwuppdiwupp und immer schneller nehmen sie Tor um Tor und enträtseln Zahl um Zahl, und denken sich schließlich eigene Kombinationen aus und malen sie in den Staub auf dem Boden vor ihren Füßen..

Wir sind im Fliegenden Klassenzimmer gelandet, der Unterricht wird zum Lokaltermin. Mathematik und Geschichte zum Anfassen, Freilernen at its best. Das war wohl dann dran jetzt.

Schließlich fällt den Kindern ein, dass sie jetzt, wo alle beide den Stoff beherrschen, ja mal überprüfen können, wie es denn damit überhaupt bei mir aussieht. Unter Johlen und Gelächter bestehe auch ich glücklicherweise den Test, und während ich den ausgelassenen Kinder zuschaue, denke ich bei mir, wie leicht das eigentlich doch ist, Neues zu lernen, so dass eben dieses Kind, das vorher offensichtlich keine Ahnung vom Thema hatte und das sich garantiert nicht in den Ferien mit Mathe beschäftigen wollte, nun sicher genug darin ist, dass es andere darin testen kann. Und möchte!

Verona gefällt uns wirklich gut, alles sehr sauber, schöne Gebäude, aber nicht zu protzig - einfach total angenehm, hier zu sein und ein wenig herumzulaufen.

Verona gefällt uns wirklich gut, alles sehr sauber, schöne Gebäude, aber nicht zu protzig – einfach total angenehm, hier zu sein und ein wenig herumzulaufen.

Und so verlassen wir, ich in Gedanken, die Kinder fröhlich schwatzend, das Amphitheater über die Via Anfiteatro, die dann zur Via Stella wird. Dabei schauen wir uns gemütlich schlendernd um und stellen fest, dass Verona wirklich eine schöne Stadt ist und uns total gut gefällt.

Schade eigentlich, dass wir nur auf der Durchreise sind. Aber erst einmal haben wir noch ein weiteres Ziel, und das kann, zusammen mit zwei Mädchen in Verona, natürlich nur der Balkon der Julia sein!


Anfahrt Arena di Verona

Ab Porta Nuova bis Piazza Bra mit den Buslinien 11, 12, 13, 51, 52, 90, 92, 94 oder 98.

Öffnungszeiten Arena di Verona

DI – SO 8:30 – 19:30 Uhr, montags zu diesen Zeiten nur im Sommer. Vgl. aktuelle Infos auf der Museumsseite von Verona: museomaffeiano.comune.verona.it. Leider nur in italienisch, und es gibt meines Wissens nach aktuell keine Möglichkeit, Karten für einen regulären Besuch vorab online zu erwerben.

Tickets Arena di Verona

Erw. 10,00€, Schüler ab 14 Jahre 7,50€, Kinder 8-13 Jahre 1,00€.


Öffentlicher Nahverkehr in Verona

www.atv.verona.it. Man kann die Seite auch auf Englisch und Deutsch umstellen, aber ich glaube, die Versionen sind eher rudimentär.

Wir haben uns dieses Mal Tickets beim Busfahrer gekauft, haben dann aber gelernt, dass – wie oft in Italien – die Tickets dort teurer sind, als wenn man sie am Automaten zieht.