Was gibt es an der Arena von Verona zu sehen?

Die Arena von Verona ist ein Amphitheater, das Anfang des 1. Jahrhunderts von den Römern gebaut wurde. Unvorstellbare 2.000 Jahre ist sie also alt, und damit sogar noch einmal etwa 50 Jahre älter als das Kolosseum in Rom!

Zum Zeitpunkt des Baus lag die Arena übrigens noch außerhalb der Stadtmauern – heute mittendrin im Zentrum der Stadt. Insgesamt besitzt sie 45 Sitzreihen (und bietet damit Platz für mehr als 20.000 Menschen), und jeder einzelne Sitz ist jeweils wiederum genau 45 cm breit und 45 cm hoch. Da hatte wohl jemand ein Faible für Muster und Zahlenreihen.

In früheren Zeiten fertigten die Römer Theater aus Holz (und bauten diese nach dem Ende der Vorführungen dann auch wieder ab), aber es gab tragische Unfälle, als einige während der Nutzung einstürzten und tausende Menschen unter sich begruben. Daher entschied man sich dann für stabilere und beständigere Baustoffe und baute fortan mit Stein – und das offenbar so gut und versiert, dass viele solcher Bauwerke heute noch stehen.

Bei ihrer Fertigstellung hatte die Arena von Verona noch einmal einen weiteren, kompletten Außenring aus rot-weißem Marmor. Davon ist allerdings nur noch ein sehr geringer Rest an einer Seite übrig, da die Steine nach einem Erdbeben im Laufe der Jahre für andere Bauwerke entwendet wurden.

Die Arena von Verona in der Panorama-Ansicht.

Die Arena von Verona in der Panorama-Ansicht.

Wie kommt man am besten hin zur Arena?

Vom Gardasee kommend ist es nur eine ausgesprochen kurze Fahrt bis Porta Nuova, Veronas Bahnhof. Kaum haben wir an einem frühen Vormittag Ende Oktober im Frecchiarossa, dem italienischen Schnellzug, Platz genommen, können wir auch schon fast direkt wieder aussteigen.

Verona hat keine Straßenbahn oder Metro, also suchen wir uns einen Bus Richtung Piazza Bra, dem zentralen Platz der Stadt, an dem die Arena steht.

Dabei lernen wir erstens, dass sowieso so ziemlich alle Buslinien der Stadt, nämlich die 11, 12, 13, 51, 52, 90, 92, 94 und die 98, in diese Richtung fahren (das ist also einfach), und zweitens, dass es günstiger ist, Tickets in einem Tabacchi, einem Tabakwarenladen, anstatt beim Busfahrer zu kaufen (das ist jetzt im Nachhinein eher blöd, aber nun wissen wir dank des äußerst freundlichen und hilfsbereiten Busfahrers, der uns das erklärt hat, Bescheid).

Hier, an der Piazza Bra, dem Dreh- und Angelpunkt von Verona, gibt es schon wieder eine Statue von Vittorio Emanuele II., den kennen wir ja schon aus Mailand, aber ehrlich gesagt wird ihm kaum Aufmerksamkeit zuteil, denn auf der anderen Seite steht sie: Die Arena.

Wann sind die Opernfestspiele in Verona?

In früheren Zeiten Schauplatz von wilden Gladiatorenkämpfen, wird die Arena heute in den Sommermonaten von Juni bis September für nicht ganz so blutrünstige Opern genutzt, denn die Akustik des Amphitheaters ist nach wie vor hervorragend!

Ob La Traviata, Aida, Carmen oder Tosca – ich bin jetzt nicht so wirklich der Operngänger, aber diese Atmosphäre würde ich wirklich gerne einmal erleben!

Allerdings hatten sowohl die Opernfestspiele an sich als auch die generelle Instandhaltung der Arena in der Vergangenheit wohl nicht nur mit der allgemeinen Finanzierung zu kämpfen, sondern auch noch mit Ticketbetrügern im großen Stil. Das scheinen sie aber glücklicherweise überwunden zu haben, so dass einem Festival-Vergnügen nichts mehr im Wege stehen soll.

Falls ihr online Tickets dafür erwerben möchtet, kann es aber nicht schaden, besonders aufmerksam zu sein.

Von Nahem kann man die Menschen sehen, die oben auf der Arena herumspazieren. Da bekommt man erst einen Eindruck davon, wie riesig jeder einzelne Bogen überhaupt ist.

Von Nahem kann man die Menschen sehen, die oben auf der Arena herumspazieren. Da bekommt man erst einen Eindruck davon, wie riesig jeder einzelne Bogen überhaupt ist.

Kann man die Arena in Verona auch so besichtigen?

Unabhängig von den in Sommernächten stattfindenden Opernfestspielen kann man die Arena tagsüber an allen Wochentagen rund ums Jahr auch gegen Eintritt einfach so besichtigen, ohne, dass man an einem Event teilnimmt.

Sie ist dienstags bis sonntags von 9.00 bis 19.00 Uhr geöffnet, montags ist geschlossen.
An Tagen, an denen abends Aufführungen eingeplant sind, kann es allerdings zeitlich zu Einschränkungen für die normalen Besichtigungen kommen. Ihr könnt Tickets vor Ort oder auch vorab online erwerben.

ℹ︎ Arena di Verona, Piazza Bra, 1, 37121 Verona (Seite hinter dem Link zum Vorbestellen der Tickets leider nur auf italienisch)

Was kostet der Eintritt in die Arena Verona?

Für Erwachsene macht das 10,00€, Schüler ab 14 Jahre 7,50€ und Kinder von 8 bis 13 Jahre 1€. Trotz des günstigen Preises für jüngere Kinder ist uns das insgesamt zu teuer, zumal die Bewertungen bei TripAdvisor, wo ich mich gerne vorab schon einmal rückversichere, nicht wirklich vielversprechend sind: Kaum Erklärungen und dazu der Innenbereich anscheinend oft auch noch zugestellt und zugebaut.

Eine Runde um die Arena von Verona

Wir entscheiden uns etwas bedauernd, aber doch ziemlich zügig und einhellig dazu, diesen Koloss nur von außen zu betrachten. Wir gehen in aller Ruhe einmal rundherum, und staunen.

Jetzt sind wir zu nah. Blick nach oben.

Jetzt sind wir zu nah. Blick nach oben.

Besonders beeindruckend finde ich, dass diese Arena so mitten, mitten in der Stadt steht. Direkt gegenüber stehen einfach andere, ganz normale Wohnhäuser. Wobei: Auch diese anderen, ganz normalen Wohnhäuser sind ja wirklich schon alt. Und total schön. Und es ist schon wunderbar, zwischen ihnen hindurchzulaufen, durch Veronas Straßen zu schlendern, und sich diese eindrucksvollen Bauten aus den letzten Jahrhunderten anzuschauen.

Und dann, auf einmal, wenn man gerade denkt, man schwelgt schon in der Vergangenheit, dann tauchen da plötzlich die Arkadenbögen dieses Amphitheaters auf, das noch so, so, so viel urälter ist als diese anderen Bauwerke, einfach aus einer komplett anderen Zeitrechnung hierher gebeamt zu sein scheint – umwerfend!

Die Arena ist gegen diese anderen Gebäude noch einmal so unfassbar viel älter, das verschlägt einem glatt den Atem. Es ist ein wenig wie in der Unendlichen Geschichte, als Atréju auf die Uralte Morla trifft, die so viel älter als alles andere ist, was in Phantásien existiert.

Ganz so ergeht es mir auch mir der Arena: Sie strahlt geradezu diese vielen, vielen Jahrhunderte, komplette Jahrtausende, auf einmal aus. Was müssten diese Mauern zu erzählen haben, wenn sie sprechen könnten!

Und drumherum fahren völlig unbeeindruckt moderne Autos und Busse hektisch auf der Straße herum, das ist schon irgendwie ein klein wenig surreal.

Die Arena wird von einer Straße umrundet, gegenüber normale Wohnhäuser. Wie muss es wohl sein, jeden Tag aus dem Küchenfenster auf ein Amphitheater zu schauen?

Die Arena wird von einer Straße umrundet, gegenüber normale Wohnhäuser. Wie muss es wohl sein, jeden Tag aus dem Küchenfenster auf ein Amphitheater zu schauen?

Anekdote: Warum Reisen bildet

Die Arkadenbögen der unteren Ebene der Arena sind mit schmiedeeisernen Gittern versehen. Jedes dieser Tore enthält in die schwarzen Stäbe eingelassen jeweils eine – immer andere – römische Zahl. Offensichtlich sind eben diese römischen Zahlen einem der Kinder völlig unbekannt, stellen wir fest. Noch nie gesehen. Böhmische Dörfer.

Und während ich mich noch über die lückenhafte Bildung wundere und überlege, ob das nicht eigentlich Schulstoff ist, der längst dran gewesen sein müsste und ob und wie das so komplett an einem Schüler vorbeigehen kann, erklärt die eine Schwester der anderen das Prinzip, und schwuppdiwupp und immer schneller nehmen sie Tor um Tor und enträtseln Zahl um Zahl, und denken sich schließlich eigene Kombinationen aus und malen sie in den Staub auf dem Boden vor ihren Füßen..

Wir sind im Fliegenden Klassenzimmer gelandet, der Unterricht wird zum Lokaltermin. Mathematik und Geschichte zum Anfassen, Freilernen at its best.

Schließlich fällt den Kindern ein, dass sie jetzt, wo alle beide den Stoff beherrschen, ja mal überprüfen können, wie es denn damit überhaupt bei mir aussieht. Unter Johlen und Gelächter der beiden bestehe auch ich glücklicherweise den Test, und während ich den ausgelassenen Kinder zuschaue, denke ich bei mir, wie leicht das eigentlich doch ist, Neues zu lernen, und zwar so, dass eben dieses Kind, das vorher offensichtlich keine Ahnung vom Thema hatte und das sich garantiert nicht in den Ferien mit Mathe beschäftigen wollte, nun sicher genug darin ist, dass es andere testen kann. Und möchte!

Verona gefällt uns wirklich gut, alles sehr sauber, schöne Gebäude, aber nicht zu protzig - einfach total angenehm, hier zu sein und ein wenig herumzulaufen.

Verona gefällt uns wirklich gut, alles sehr sauber, schöne Gebäude, aber nicht zu protzig – einfach total angenehm, hier zu sein und ein wenig herumzulaufen.

Und so verlassen wir, ich in Gedanken, die Kinder fröhlich schwatzend, das Amphitheater über die Via Anfiteatro, die dann zur Via Stella wird. Dabei schauen wir uns gemütlich schlendernd um und stellen fest, dass Verona wirklich eine sehr schöne Stadt ist und uns total gut gefällt.

Schade eigentlich, dass wir nur auf der Durchreise sind. Aber erst einmal haben wir noch ein weiteres Ziel, und das kann, zusammen mit zwei Mädchen in Verona, natürlich nur der Balkon der Julia sein!