Hallo, ich bin Hannah, 15 Jahre alt, und war für ein halbes Jahr in Costa Rica zu einem Auslandsaufenthalt. Ich habe in einer Familie in San Pedro nahe der Hauptstadt San José gewohnt und bin dort im Viertel ganz normal mit den anderen Teenagern zur Schule gegangen.

Hallo, ich bin Malin, 16 Jahre alt, und war für drei Monate mit meiner Schule zu einem Schüleraustausch in San José. Wir haben auch in Familien gewohnt, und ich bin mittlerweile auch noch einmal für zwei weitere Wochen zurückgekehrt.

Bevor wir damals losgefahren sind, hatten wir viele Fragen. Für den Fall, dass ihr gerade selber einen Aufenthalt im Ausland, vielleicht sogar auch in Costa Rica, plant, haben wir diese jetzt einmal für euch im Rückblick beantwortet und aufgeschrieben.

Weil uns ganz schön viele Themen eingefallen sind, haben wir sie in einem Inhaltsverzeichnis, das ihr unter diesem Absatz aufklappen könnt, zusammengefasst. So könnt ihr direkt zu bestimmten Punkten springen, die euch besonders interessieren, falls ihr es eilig habt. Oder ihr scrollt einfach in Ruhe durch. Viel Spaß dabei!

Inhaltsverzeichnis Anzeigen

Kofferpacken

Was packe ich in meinen Koffer für Costa Rica?

Neben den Essentials, wie Hosen, Socken, Oberteilen und Zahnbürste, hier die Dinge, die speziell in Costa Rica wirklich wichtig oder praktisch sind:

  • Sonnencreme, denn wenn die Sonne scheint, spürt man es nur leicht, aber man verbrennt sich schnell (auch, wenn man normalerweise nicht so schnell Sonnenbrand bekommt)
  • regenfeste Schuhe, weil es viel regnet
  • Regenschirm (Knirps reicht, passt sonst ja auch nicht in den Koffer. Aber ein festes, gutes Modell wegen des Winds!)
  • Sweatjacke, weil das Wetter sehr wechselhaft ist. Morgens ist es oft noch richtig kalt, nachmittags dagegen dann oft sehr heiß
  • alle Hygieneprodukte für den Anfang, weil die dort sehr teuer sind. Manche Freunde von mir haben Shampoo für ein ganzes Jahr mitgenommen!
  • Mückenspray ist hilfreich. Wir hatten zwar im Vorfeld gelesen, dass das von hier zuhause dort nicht so nützlich ist, aber wir haben gute Erfahrungen damit gemacht

Was habt ihr vermisst und im Nachhinein besser doch mitgenommen?

Hannah: Meine DocMartens. Beim Vorbereitungstreffen wurde uns gesagt, die wären zu warm und man würde sie nicht anziehen, aber für die Regenzeit wären sie perfekt gewesen

Malin: Ich hätte gerne meine Videokamera mitgenommen, damit ich mehr festhalten kann. Ich filme auch zuhause gerne und viel.

Was hättet ihr zuhause lassen können?

Hannah: enge kurze Hosen, weil es meistens nicht einen ganzen Tag lang nur warm ist, und wenn es dann warm ist, dann ist eng anliegender Stoff nicht angenehm. Generell trägt man ja tagsüber Schuluniform und braucht gar nicht so viele andere Klamotten.

Malin: Ich hatte jede Menge T-Shirts mit und die meisten davon waren völlig überflüssig, da man eh meistens Schuluniform trägt

Wie ist das Wetter in Costa Rica?

Hannah: Die wichtigste Regel in Costa Rica: Niemals auf den Wetterbericht gucken, denn er stimmt generell nicht.

Der Wetterbericht sagt in der Regenzeit allermeistens Regen für den ganzen Tag an, aber normalerweise regnet es dann nur morgens und im Laufe des Tages ist es trocken und wird sehr warm. Innerhalb Minuten variiert das Wetter aber mitunter auch schonmal sehr, und abends wird es dann ab und zu richtig kühl.

In der Regenzeit, naja, regnet's. Manchmal schwemmt es sogar eine Palme weg!

In der Regenzeit, naja, regnet’s. Manchmal schwemmt es sogar eine Palme weg!

Das oben beschriebene gilt allerdings nur für die Hauptstadt mit ihren Vororten: Südöstlich von San Jose, zur Provinz Cartago hin, ist es generell eher kühler und man läuft selten ohne Sweatshirt herum. In nordwestlicher Richtung dagegen, in der Provinz Alajuela, ist es beständig warm und man braucht eigentlich kaum mal einen Pulli.

Generell sollte einem bewusst sein, dass Costa Rica zwar in den Tropen liegt, allerdings nicht nur Sonne, Strand und Palmen hat, sondern dass man in puncto Klamotten auch für den Alltag fernab der Postkartenidylle gerüstet sein muss, und das ist eben wechselhaftes Wetter und schwankende Temperaturen.

Malin: Jup, genau so!

Und ja, postkartenschöne Sonnenuntergänge am Strand kann Costa Rica natürlich auch!

Und ja, postkartenschöne Sonnenuntergänge am Strand kann Costa Rica natürlich auch!

Wohnen in einer costa-ricanischen Familie

Tipps für Gastgeschenke

  • Mensch ärgere dich nicht, Memory und andere Brettspiele
  • Dinge, die typisch für die Stadt/Region sind, aus der du kommst, z.B. Printen aus Aachen oder Mini-4711-Fläschchen aus Köln und so weiter
  • Bildbände von Deutschland oder auch nur von der Region, in der du wohnst. Das finden die Familien wirklich sehr interessant und es ist auch eine gute Sache für erste Gespräche
  • Süßigkeiten! Auf jeden Fall alles von Haribo, denn die costa-ricanische Version ist ganz und gar nicht lecker
  • alle anderen Süßigkeiten kommen auch richtig gut an. Viele der Marken gibt es zwar dort auch, die sind aber unbezahlbar für die Durchschnittsfamilien. Wir dachten erst, das wäre so ein Verlegenheits-Gastgeschenk, wenn einem gar nichts anderes einfällt, aber die Süßigkeiten waren immer ein wirkliches Highlight
  • schöne Notizbücher (leere Seiten), weil auch die hässlichsten Hefte da voll teuer sind, und Stifte

Hatte die Familie vorher schon deutsche Gastschüler, erübrigen sich manche der oben genannte Tipps, da die dann standardmäßig leider schon vorhanden und bekannt sind.

Wie ist das Leben in einer costa-ricanischen Familie?

Hannah: Bei mir war das extrem so, dass die Eltern über die Kinder bestimmt haben, egal wie alt die waren.

Einmal hat z.B. meine Gastmutter gesagt, manche Sachen könnte ich halt in meinem Alter noch nicht sehen, weil Erwachsene würden das „da oben“ schon alles sehen, Kinder würden nur bis „hier unten“ sehen können. Die Eltern machen das zwar aus Liebe, aber es ist extrem anstrengend.

Unregelmäßiges Essen fanden meine Gastfamilien auch nicht gut – ich frühstücke zum Beispiel eigentlich so gut wie nie, und das fanden sie komisch. Meine Gastmutter hat mich dann alle halbe Stunde gefragt, ob ich nicht doch etwas essen möchte. Ich dachte, das wäre nur aus Höflichkeit, aber irgendwann habe ich verstanden, dass sie das wirklich erwartet, dass ich jetzt etwas esse, weil das aus ihrer Sicht eben dran ist.

Generell sind auch Familien, die das erste Mal Gastschüler aufnehmen, oft etwas vorsichtiger, unsicherer und beschützender – wenn Familien das schon teilweise mehrere Jahre machen, dann haben die eher eine genauere Vorstellung davon, was sie selber tolerieren und was nicht.

Bei meiner zweiten Familie z.B. konnte ich eigentlich gehen, wohin ich wollte. Erst habe ich mich immer abgemeldet und Bescheid gesagt, wo ich bin, aber das hat eigentlich keinen so richtig interessiert. Sie haben aber erzählt, dass das bei ihrer ersten Gastschülerin (ich war ihre sechste) noch ganz anders war. Sie hatten mittlerweile einfach Vertrauen.

Außerdem hat meine Gastmutter sich wie viele Costa-Ricaner fest auf Gott verlassen: Wenn sie sagte, „Dios te acompaña!“ (Gott begleitet dich), dann kann mir ja auch nichts passieren. So ist das.

Malin: Bei mir war das anders, aber ich weiß, dass das bei vielen meiner Freunde auch genau so war, wie du beschreibst.

Meinen Gasteltern war nur sehr wichtig, dass mein Gastbruder gute Noten hatte, damit er später mal gute Jobs bekommt. Er will im Ausland studieren, da die öffentlichen Unis in Costa Rica nicht so gut und die privaten ziemlich teuer sind, also wollte er das auch selber. Ansonsten haben seine Eltern nicht so viel über ihn bestimmt.

Bei fast allen von meinen Freundinnen war es so, dass die costa-ricanischen Jugendlichen zu ihren Eltern, meistens ihren Müttern, ein sehr enges Verhältnis hatten. Meine Gastmutter hat auch so richtig auf mich aufgepasst. Sie haben mich quasi keinen Zentimeter alleine gehen lassen und auch genau darauf geachtet, mit wem ich unterwegs war. Aber das war ziemlich süß!

Wie wohnen die Familien in San José und Umgebung?

Malin: Viele meiner Freunde haben in Häusern gewohnt, das waren schon mehr Paläste. In meiner Familie und bei denen in meiner Gegend hatten wir dagegen noch nicht einmal eine Spülmaschine. Das war viel einfacher, eben normale Bungalows.

Ich habe mich aber gerade da sehr wohl gefühlt. Bei Besuchen bei meinen anderen Freunden habe ich oft das Gefühl gehabt, ich verlaufe mich in deren Häusern geradezu., und es war auch unpersönlicher.

Hannah: Ich habe wie Malin in einem einfachen Haus gewohnt (bei beiden Gastfamilien). Nur eine Etage, die Zimmer sehr klein. Meine drei Gastschwestern, alle um die 20 Jahre alt, haben gemeinsam in einem Zimmer geschlafen und das war wirklich nicht groß.

Die Straße meines Schulwegs in einem Wohnviertel in San José, der Hauptstadt...

Die Straße meines Schulwegs in einem Wohnviertel in San José, der Hauptstadt…

...manchmal sieht der Bürgersteig aber auch so aus, das ist schon etwas abenteuerlich!

…manchmal sieht der Bürgersteig aber auch so aus, das ist schon etwas abenteuerlich!

Malin: Viele Fenster kann man gar nicht richtig schließen, das waren eher so überlappende Glasplatten, die man auf- und zudrehen kann. Ich habe im Zimmer meiner Gastschwester geschlafen, die für die Zeit meines Aufenthalts nebenan bei den Großeltern gewohnt hat, und dort fehlte eine der Fensterscheiben einfach komplett, weil mein Gastbruder aus Versehen irgendwann mal einen Ball dagegen geschossen hatte.

Hannah: In meinem zweiten Zimmer hatte ich sogar gar kein Fenster, nur ein Dachlicht.

Beide: Kakerlaken und andere Insekten sind durch die ganzen Ritzen überall tatsächlich.. sagen wir mal… seeehr vorhanden! (lachen)

Malin: Die Haushälterin hat bei uns aber sehr darauf geachtet, dass sich da nichts unerwünschtes länger als nötig aufhält.

Hannah: Oh, voll gut! Ich habe nicht so gerne aufgeräumt, und wenn ich mal aufgeräumt habe, dann habe ich immer ein paar tote oder auch lebendige Kakerlaken dabei gefunden und mich dann mit Insektenspray, einem Schuh und Kehrblech bewaffnet.

Malin: Meine Gastmutter hat immer gesagt, es ist eigentlich okay, solange man nichts, absolut nichts zu essen in seinem Zimmer aufbewahrt.

Hannah: Genau, deswegen gibt es auch ganz viele Familien, wo man in den Zimmern nicht essen darf.

Außerdem gibt es Gitter überall an allen Häusern: an Türen und Fenstern und oft auch noch Stacheldraht oben, weil die Häuser nicht einbruchssicher sind.

Malin: Manche Familien haben auch Alarmanlagen, aber die Gitter gibt es trotzdem überall, auch an den Schulen.

Hannah: Viele Familien haben auch kaum Küchengeräte. In den meisten Haushalten gibt es aber Standmixer für Smoothies und um sonst auch alles andere zu pürieren. Die meisten Familien nutzen ihren Ofen, wenn sie überhaupt einen haben, gar nicht, sondern lagern nur Sachen darin. Eine Mikrowelle ist viel wichtiger.

Malin: Meine Gastfamilie hatte einen Mixer, einen Reiskocher (den haben wirklich alle), eine Kaffeemaschine und eine Mikrowelle und das war’s. Kuchen kaufen die im Supermarkt. Aber der Kühlschrank konnte Eiswürfel machen, das fand ich cool!

Typische Wohngegend mit Bungalows in San José in Costa Rica.

Typische Wohngegend mit Bungalows in San José in Costa Rica.

Erwartungen und Missverständnisse in einer fremden Familie

Malin: Es waren so kleine Sachen, die anders als bei mir zuhause waren, das ist ja klar. Ich hatte auch viel Zeit für mich, was ich gut fand.

Aber das Eingewöhnen geht besser, wenn man sich auf die Familie einlässt! Eine Freundin von mir hat nur wenig mit ihrer Familie gemacht, und das ist eigentlich schade. Ich glaube, man hat dann einfach nicht so viel Spaß.

Ich bin zum Beispiel am Wochenende auch mal früh aufgestanden und mit meiner Familie zu einem Markt (‚feria‘) gefahren, und dann haben sie mir noch Sachen gezeigt und mich dadurch einfach so in ihren Alltag eingebunden.

Hannah:

Ich stimme Malin komplett zu. Das ist eine einmalige Erfahrung, man sollte sie bestmöglich nutzen.

Eine gute Austauschorganisation schaut sich außerdem die Jugendlichen ebenso wie die Gastfamilien genau an und verteilt sie entsprechend. Man muss sich aber bewusst sein, dass es manchmal dann trotz allem Bemühen doch nicht passt. Das ist dann aber letztlich auch kein Beinbruch. Wichtig ist nur, dass dann ein Ansprechpartner vor Ort da ist, der sich kümmert.

Und was für Ausflüge man in Costa Rica machen kann! Hier bei gigantischen Wasserfällen mitten im Urwald.

Und was für Ausflüge man in Costa Rica machen kann! Hier bei gigantischen Wasserfällen mitten im Urwald.

Mit etwas Glück sieht man auch schon mal ein Faultier!

Mit etwas Glück sieht man auch schon mal ein Faultier!

Typisch costa-ricanisch:

Pläne machen vs. Realität

Hannah: Die Norm ist, dass man sich nicht gut verabreden kann, weil die Costa-Ricaner einfach nicht gut sind im Pläne machen.

Malin: Das ist vor allem dieses „ahorita“, was eigentlich eine Zeitangabe ist, die sowas wie „sofort“ oder „jetzt bald“ bedeutet, aber es kann heißen, wie treffen uns jetzt sofort, oder jetzt in 12 Stunden, oder jetzt im Januar übernächsten Jahres.

Hannah: Das war auch ganz oft so, wenn ich meine Gastfamilie gefragt habe, wann gehen wir los? Und sie sagten „ahorita“, dann habe ich mich direkt fertig gemacht, aber wir waren dann halt doch noch fünf Stunden zuhause.

Malin: Ja, genau!

Hannah: Costa Ricaner halten auch nur selten ihre Versprechen, was Verabredungen oder Pläne angeht, aber das ist nie aus Bosheit, die haben einfach viel zu tun und dann geht das unter. Das hat auch nichts damit zu tun, dass sie das nicht machen wollen, das darf man nicht persönlich nehmen. Deswegen, als Austauschschüler würde ich empfehlen, wenn einem etwas wichtig ist, einfach ein paar Mal nachzuhaken.

Das Thema Hygiene

Beide: Oooh ja! (lachen)

Malin: Alle sind viel, viel mehr auf Hygiene erpicht als in Deutschland. Ich finde, das fängt schon damit an, dass alle zum Beispiel zum Naseputzen extra auf Toilette gehen! Und sie putzen sich ganz oft die Zähne.

Unser Schuldirektor kam selber aus Deutschland, hat aber schon lange in Costa Rica gewohnt. Als erstes hat er uns eine Liste mit Regeln gegeben, die wir befolgen sollten, da stand zum Beispiel drauf, dass wir, damit die Costa Ricaner sich nicht belästigt fühlen, mindestens einmal am Tag duschen sollen. Das macht man so.

Hannah: Eigentlich jede Familie badet schon die frisch geborenen Babys jeden Tag. Und das geht das ganze Leben so weiter. Zum Beispiel gab es einen Elternbrief an einen Jungen im Kindergarten, der noch vom vorigen Tag einen Strich im Gesicht hatte und daher offensichtlich nicht gebadet hatte. Er musste sofort abgeholt werden.

Meine Gastmutter kann sich nicht an den letzten Tag erinnern, an dem sie nicht geduscht hat. Es ist  auch in jeder Familie natürlich schon auch ein wenig unterschiedlich, aber generell ist das sehr wichtig und selbstverständlich.

Malin: Mein Gastbruder hat mir direkt erklärt, dass ich um so und so viel Uhr aufstehen muss, dann könnte ich direkt ins Bad und duschen. Das war also gesetzt und für ihn klar, dass ich das machen möchte.

Hannah: Und es ist sehr üblich, morgens zu duschen. Wenn Costa-Ricaner abends duschen, duschen sie morgens noch einmal. Als ich in meiner zweiten Gastfamilie ankam, habe ich nach Familienregeln gefragt, und meine Gastmutter meinte nur, eigentlich keine – bloss jeden Tag duschen.

Man verinnerlicht das auch superschnell. Meine größte Sorge vor dem Rückflug nach Deutschland war dann auch: „Oh mein Gott, 12 Stunden ohne Zähneputzen?! Wie eeeeeklig!“

Malin: Ja stimmt, ich hatte auch direkt eine Zahnbürste im Handgepäck. Zur Sicherheit!

Essen

Was gibt’s zum Frühstück in Costa Rica?

Hannah: Am Wochenende, wenn mehr Zeit ist, gibt es in den meisten Familien ‚Gallo Pinto‘ (Reis und Bohnen gemischt, dazu Rührei und Kochbananen).

Unter der Woche, wenn es schnell gehen muss, frühstücken nur die wenigsten Familien richtig zusammen, weil man sehr früh aufstehen muss. Viele essen dann Müsli oder Cereals, oder Tortillas mit Käse. Manche essen auch Brot, aber das Brot in Costa Rica ist nicht so toll. Brötchen gibt es gar nicht. Ich habe mir oft einfach etwas Obst mit auf den Weg genommen.

Malin: Bei mir war das so, dass wir nie mit meinem Gastvater gefrühstückt haben, weil der immer schon um 5 Uhr morgens oder so das Haus verlassen hat, dafür hat er aber tolles Frühstück vorbereitet für uns: Gallo Pinto, French Toast oder Pancakes.

Meine Gastmutter wollte mich anfangs etwas überfüttern und hat mir tausend verschiedene Sachen mit in die Schule geben, aber das hat sich dann mit der Zeit auf etwas Obst eingependelt, was mir gereicht hat.

Und was wird gekocht in Costa Rica?

Hannah: Die meisten Familien in Costa Rica sind den ganzen Tag unterwegs, die Kinder essen in der Regel in der Schule zu mittag. Die gemeinsame Familienmahlzeit findet deshalb abends statt.

Wenn große Feste sind oder generell, wenn viele Leute zusammenkommen, dann gibt es oft ‚Arroz con Pollo‘, das ist Reis mit Hühnchen. Dazu gibt es meistens noch verschiedene Sorten Nudelsalat und natürlich auch wieder Bohnen, wie immer in Costa Rica.

Malin: So war das bei uns auch!

Hannah: Zu Trinken gibt es generell ständig und überall zu jeder Tageszeit Softdrinks. Wasser wird mit Sirup oder Geschmackspulver angerührt. Wenn man aber lieber normales Wasser ohne alles trinken möchte, ist das auch kein Problem, denn das Leitungswasser in Costa Rica kann man bedenkenlos trinken.

Aufgrund des idealen Klimas gibt es überall sehr viele, sehr leckere, sehr günstige Früchte. In den Familien wird dann aber überraschend wenig Obst gegessen, weil die meistens keine Zeit haben, auf die ‚Ferias‘, eine Art Wochenmarkt für frische, lokale Waren, zu gehen und dort einzukaufen.

Malin: Meine Gasteltern sind einmal die Woche auf diese Ferias gegangen, ich esse sehr gerne Obst und nicht so viel Fleisch, und in Costa Rica wird sonst wirklich ständig morgens, mittags, abends, immer und überall Fleisch gegessen.

Hannah: Das ist aber die Ausnahme, dass es viel Obst gibt. In meiner ersten Gastfamilie gab es auch so viel Obst und Vegetarisches, aber von allen anderen Familien, wo ich zu Besuch war oder was Freunde mir erzählt haben oder meine zweite Gastfamilie, weiß ich, dass das nicht die Norm ist. Komisch eigentlich, wo die gerade da doch so viel Auswahl haben.

Malin: Meine deutsche Freundin war Vegetarierin und ihre Gastmutter hat ganz oft versucht, für sie viel Gemüse zu machen. Also die haben sich viel Mühe gegeben, auch wenn es nicht ihrem normalen Ernährungsgewohnheiten entspricht.

Hannah: Bei meiner Austauschorganisation sind regelmäßig jedes Jahr um die 30% oder mehr der Gruppe Vegetarier, und das klappt immer. In Costa Rica bestehen ja so viele Gerichte aus einzelnen Komponenten, so dass man prima das Fleisch einfach weglassen kann.

In unseren Vorbereitungstreffen wurden wir gewarnt, dass man aufgrund der veränderten Ernährung und des anderen Klimas leicht ein paar Kilo zunehmen kann, aber den Hinweis fand ich überflüssig, denn man stellt sich eigentlich schnell um. Im Vorfeld wurde das in unserer Gruppe aber dadurch sehr thematisiert, und einige der anderen Austauschschüler haben dann eine leichte Essstörung entwickelt, weil sie sich zu viele Sorgen gemacht haben. Man sollte sich nicht zu viele Gedanken im Vorhinein machen.

Malin: Uns ist aufgefallen, dass wir nicht so viel an Snacks zwischendurch gegessen haben wie sonst zuhause. Schokolade ist halt sehr teuer und Süßigkeiten nicht so lecker, da haben wir eben mehr Obst gegessen, war kein Thema bei uns.

Sooo lecker, die Food Bowls sind schwer angesagt in San José, und wannimmer man als Schüler Geld übrig hat, geht man los und bestellt sich welche im nächsten Laden!

Sooo lecker, die Food Bowls sind schwer angesagt in San José, und wannimmer man als Schüler Geld übrig hat, geht man los und bestellt sich welche im nächsten Laden!

Religion

Hannah: Gut, meine erste Gastfamilie war ganz und gar nicht religiös und sehr feministisch und selbständig, und das war die absolute Ausnahme. Die Eltern meiner Gastmutter sind aber schon religiös und gehen auch in die Kirche, aber auch sie hatten trotzdem eine grundsätzlich kritische und aufgeklärte Haltung.

Meine zweite Gastfamilie war definitiv religiös, sind aber aus Zeitgründen auch nicht in die Kirche gegangen, bis auf eine meiner Gastschwestern. Ihnen war sehr wichtig, dass sie nicht an die Werte der Bibel glauben, also zum Beispiel setzen sie sich gegen Homophobie ein und für Gleichberechtigung, aber sie glauben fest an ‚dios‘ (also Gott) als eine höhere Macht, die die Geschicke des Lebens lenkt, und dass alles passiert, weil ‚dios‘ das so will.

Andere Freunde von mir waren in Familien, die jede Woche in die Kirche gegangen sind. Eine Familie sogar jeden Tag! Da musste der Gastschüler aber nicht jedes Mal mitgehen, nur am Wochenende. Bei manchen Familien dauerte der Kirchenbesuch am Wochenende dann bis zu fünf Stunden! Das fanden die Schüler meistens ziemlich langweilig.

Manche meiner Freunde sind auf Wunsch ihrer Gasteltern auch kirchlich organisierten Jugendgruppen beigetreten, die sich einmal die Woche treffen, und haben dort dann aber auch Freunde gefunden.

Malin: Mir ist in dem Zusammenhang aufgefallen, dass auf meiner Schule in meiner Stufe und auch Freunde von denen ziemlich viele tatsächlich sehr homophob und auch rassistisch eingestellt waren. Es klang nicht so, als ob die wirklich überzeugt wären, sondern als hätten sie das einfach nachgeplappert vom Papa oder so.

Wenn man mit denen, meistens Jungs, dann mal diskutiert, und das haben meine Freundinnen und ich oft gemacht, gehen ihnen schnell die Argumente aus und sie stoßen an einen Punkt, wo sie nicht mehr ganz weiterwissen und man merkt, dass eigentlich keine richtige Ahnung dahintersteht.

Hannah: Das ist mir auch bei vielen anderen Familien aufgefallen. Eine der anderen Austauschschüler kommt aus einer Regenbogenfamilie, und der Gastvater war aber homophob und ihre Gastmutter meinte, sie sollte sagen, dass die zweite Frau in der Familie ihre Putzfrau oder Tante ist. Sie hat übrigens auch die Familie gewechselt.

Es gibt schon viele aufgeklärtere Familien in Costa Rica, aber manche sind doch noch sehr traditionell im Denken, was solche Themen angeht.

Oh, endlose Weite! Himmel über Costa Rica...

Oh, endlose Weite! Himmel über Costa Rica…

(Öffentliche) Verkehrsmittel in Costa Rica

Busfahren

Hannah: Ich hatte Angst, weil die Busse abends manchmal ausgeraubt werden, aber als ich mich überwunden habe, fand ich es voll cool – allerdings bin ich auch nur tagsüber damit gefahren. Im Dunkeln war mir das zu heikel.

Schlecht ist, dass es keine Karten gibt, also keine Wochenkarten oder Zehnertickets, sondern man muss jedes Mal beim Einstieg bar bezahlen. Alle Leute, die einsteigen, müssen also auch bezahlen. Deswegen gibt es auch keine Kontrolleure.

Wenn eine Fahrt 1110 Colones kostet, hat kein Busfahrer Lust auf die ganz kleinen Münzen, und dann bezahlt man halt nur 1100 Colones.

Meine Freunde fanden viele Busfahrer unfreundlich, aber die, die bei mir in der Gegen gefahren sind, waren alle großartig. Die kannten alle Leute, die mitfuhren, haben sich mit ihnen unterhalten und sie an Stellen zwischendurch rausgelassen, wenn die für sie praktischer waren.

Malin: Ich glaube, es hängt davon ab, in welcher Familie man ist. Mein Gastbruder meinte immer, ich solle nicht Bus fahren, weil das zu gefährlich ist. Auch von meinen Freunden bei mir in der Gegend ist so gut wie niemand Bus gefahren.

Hannah: Stimmt, ich hatte auch costa-ricanische Freunde, die aus Prinzip nicht Bus gefahren sind und dann lieber zu Fuss gingen. Busse nutzen generell wohl eher ärmere Leute.

Rush Hour in San José: An diesem Kreisverkehr geht heute Abend erst einmal nichts mehr.

Rush Hour in San José: An diesem Kreisverkehr geht heute Abend erst einmal nichts mehr.

Uber & Taxis

Malin: Richtig, Uber! Wir sind immer Uber gefahren oder wir wurden halt von unserer Familie selber gefahren.

Hannah: Ich bin auch sehr viel Uber gefahren. Alle meine sowohl deutschen als auch costa-ricanischen Freunde auch. Auch deren Eltern und auch Senioren, das ist da völlig normal. Es ist halt super günstig, weil die Uber-Fahrer keine Steuern zahlen.

Meine Gastmutter hat mir auch quasi direkt am ersten Tag, als ich da war, einen eigenen Uber-Account eingerichtet, weil, egal wo man ist, man kann immer ein Uber rufen.

Malin: Tja, ich bin eh nie alleine unterwegs gewesen, aber mein Gastbruder, mit dem ich viel unterwegs war, hatte natürlich auch einen Account, da bin ich immer mitgefahren.

Hannah: Weiter draußen auf dem Land gibt es aber weniger Uber-Fahrer, die canceln dann auch manchmal Fahrten, weil sich das so weit raus nicht lohnt. Da nutzt man dann doch eher die weißen Taxis.

Malin: Uber ist auch sehr sicher, deswegen benutzen das so viele, weil die einzelnen Fahrten getrackt werden können und man die aktuellen Routen auch mit anderen Menschen teilen kann, damit sie die Fahrt live verfolgen können.

Hannah: Man kennt vorher auch das Kennzeichen und das Modell des Wagen und den Namen des Fahrers, so dass man sicher ist, wo man einsteigt. Umgekehrt ist es auch für die Uber-Fahrer sicher, denn auch sie bekommen deinen Namen und wissen, wen sie fahren.

Wie ist das mit der Sicherheit in Costa Rica?

Hannah: Ich hatte viele Freunde, die da nicht drauf geachtet haben, aber ich habe auf der Straße immer versucht zu vermeiden, das Handy rausholen, damit es nicht jemand klaut.

Malin: Ah, das hat mir auch meine Lehrerin vorher gesagt, dass wir nicht offen unseren Schmuck zeigen sollen auf der Straße. Und dass, wenn wir doch überfallen werden sollten, wir unser Geld oder unseren Schmuck einfach abgeben sollen, weil es sein kann, dass die Leute eine Waffe dabei haben.

Hannah: Man muss halt sagen, diese Räuber sind in der Regel keine Psychopathen, die leichtfertig jemanden um die Ecke bringen wollen, sondern die sind oft verzweifelt und könnten dann eben nur aus Angst überreagieren.

Blick auf San José bei Nacht von einer außerhalb gelegenen Bergkuppe.

Blick auf San José bei Nacht von einer außerhalb gelegenen Bergkuppe.

Sprachkenntnisse

(Wann) kommt man zurecht mit seinem Spanisch?

Malin: Ich hatte Spanisch anderthalb Jahre lang vorher in der Schule auf dem Gymnasium, und bei mir lief das eigentlich gut. Meine Gastmutter und auch meine Austauschschüler konnten allerdings auch deutsch. In der ersten Woche war ich zu aufgeregt und da haben sie mit mir viel deutsch geredet, aber dann ging es und ich habe immer mehr Spanisch gesprochen und das ging dann prima. Man hört ja auch viele Ausdrücke und wird immer sicherer.

Hannah: Ich war auf einer spanisch-bilingualen Grundschule, das heißt, ich habe nie Vokabeln oder Grammatik klassisch auswendig gelernt, aber dadurch hatte ich die Sprache gut im Ohr, so dass später oft gar nicht erkannt wurde, dass ich aus Deutschland bin.

Ich habe am Anfang den Fehler gemacht, zuerst mit meiner Gastfamilie englisch zu sprechen, und das sollte man nicht machen, weil sich das dann einbürgert. Ganz oft kann man die Sachen nämlich eigentlich schon auf Spanisch sagen, aber man denkt dann nicht dran, weil man auf’s Englische ausweichen kann und da anfangs sicherer ist.

Dann habe ich aber durch die Schule und dann auch in meiner Familie spanisch gesprochen und konnte mich nach einem Monat eigentlich fließend verständigen.

Malin: Es ist jedenfalls sehr wichtig, dass man auch wirklich spricht. Eine Freundin hat quasi gar kein Spanisch gesprochen in der Zeit unseres Aufenthalts, und dadurch haben sich ihre Kenntnisse auch gar nicht verbessert. Man muss sich trauen.

Hannah: Man muss einfach versuchen zu sprechen. Keiner lacht einen aus, wenn man Fehler macht. Die finden das manchmal lustig und ziehen einen auf, aber das ist nicht böse gemeint. Sie korrigieren einen auch oft, aber das hilft einem ja.

Schule

Wie ist das Schulsystem in Costa Rica?

Hannah: Grundschule geht bis zur sechsten Klasse, weiterführende 7. – 11. Klasse. Und es gibt nur eine Sorte weiterführende Schule (ähnlich der High School in den USA).

Malin: Kindergarten war bei mir auch direkt dran an der Schule, das ging in einem durch von da in die Schule.

Hannah: Genau, der Komplex, in dem meine Gastmutter gearbeitet hat, umfasste auch Kindergarten, Vorschule, Grundschule und weiterführende Schule. Generell gibt es öffentliche und private Schulen, ich war auf einer öffentlichen.

Malin: Ich war auf einer privaten Schule.

Wie ist das Schulniveau in Costa Rica? Öffentliche vs. private Schulen

Hannah: Es ist so: Das Niveau ist besser als in anderen lateinamerikanischen Ländern, aber doch niedriger als das, was wir von zuhause gewohnt sind.

Malin: Es kommt darauf an, auf welche Schule man geht. Privatschulen sind zwar teurer, dafür ist das Niveau erheblich besser und es fällt weniger Unterricht aus.

Hannah: Bei mir sind jeden Tag 1-3 Stunden ausgefallen!

Malin: Genau, bei mir ist gar nichts ausgefallen. Morgens hat man etwa eine Stunde bis zum Schulbeginn Zeit, hinzukommen, dann werden die Tore rundherum zugemacht, und dann ist man auch nicht mehr raus- und reingekommen, bis die Schule eben zu Ende war. Die Schulen sind, so wie fast alle Gebäude in Costa Rica, natürlich auch von Zäunen umgeben.

Hannah: Die Schule beginnt überall sehr früh, immer um 7:00 Uhr! Das kommt einem aber auch gar nicht so früh vor, weil da die Sonne schon lange aufgegangen ist.

Malin: Ja, das ist easy! Ich hatte auch viele Freundinnen auf meiner Schule, die sind vor Beginn noch zum Schwimmtraining oder ähnlichem gegangen, oder halt, wenn sie einen sehr langen Anfahrtsweg hatten, manchmal zwei Stunden, dann sind sie eben um vier Uhr aufgestanden, um pünktlich zu sein.

Hannah: Freunde von mir sind auch morgens vor der Schule noch laufen gegangen. Das Verhältnis zu den Lehrern ist ganz anders als hier, man spricht sie zum Beispiel mit dem Vornamen an, oder die sind mit denen auf Facebook und Insta befreundet. Und die Schüler vertrauen den meisten Lehrern auch richtig viel an. Dafür setzen sich die Lehrer oft aber auch weniger durch.

Malin: Ich denke, es kommt drauf an, ein paar Lehrer waren richtig cool, bei denen hat der Unterricht richtig Spaß gemacht, aber es gab eben auch andere.

Hannah: Es gibt auch noch bilinguale Schulen, zum Beispiel mit Englisch, und das merkt man richtig, weil die Schüler die Sprache dann richtig gut sprechen. An öffentlichen Schulen hatte ich das Gefühl, dass die Lehrer teilweise selber gar nicht gut Englisch sprechen können, und dann können sie es natürlich auch keinem beibringen.

Malin: Ich war auf einer deutschen Privatschule, und die war ziemlich gut. Die konnten alle deutsch sprechen, und auch fließend englisch sprechend. Meine Gastmutter meinte, es sei ihnen wichtig, ihre Kinder auf eine deutsche Privatschule zu schicken, weil dort auch die deutschen Werte vermittelt werden, auf den englischen halt eben die der amerikanischen Schulen.

Sportplatz an einer privaten Schule in San José.

Sportplatz an einer privaten Schule in San José.

Noten oder nicht

Malin: Bei unserem eher kurzen Aufenthalt von drei Monaten war klar, dass wir keine Noten bekommen.

Hannah: Bei uns haben die meisten ein ganzes Schuljahr in Costa Rica verbracht, von daher war das schon Thema. Von manchen deutschen Schulen wird verlangt, dass man in Costa Rica alle Arbeiten mitschreibt und die auch benotet werden. Man beantragt dann so eine Art Zeugnis. Das ist, glaube ich, bundeslandabhängig. Die meisten meiner Freunde mussten das nicht, ich auch nicht.

Manche von uns haben dann sogar die ganzen Wochen, in denen dort Klausuren geschrieben wurden, frei bekommen und konnten diese Zeit für Praktika nutzen. Andere, so wie auch ich, durften dann einfach nur in den konkreten Stunden der Prüfungen früher gehen oder später kommen. Wieder andere haben freiwillig, um ihr Spanisch zu verbessern, mitgeschrieben, einfach um zu gucken, wie viel man inzwischen versteht. Sie wussten, dass das nicht zählt. Bei manchen bestanden auch die costa-ricanischen Schulen darauf, dass sie mitgeschrieben haben.

Falls die deutsche Schule Noten verlangt, soll man sich keine Sorgen machen, weil die costa-ricanischen Schulen einen da sehr unterstützen und einem bei der Sprachbarriere helfen. Anfangs kann das nämlich schon sehr stressen, wenn man gerade frisch angekommen ist, sich noch umstellt und alles kennenlernt, die Sprache noch nicht so wirklich drauf hat und dann schon Prüfungen schreiben muss, obwohl man noch nicht alles versteht, im Bewusstsein, dass man die Bewertungen mit nach Hause nimmt.

Schuluniform: Vor- und Nachteile

Malin: Also ich fand das eigentlich völlig okay, die sah bei uns normal aus: Polohemden mit dem Emblem der Schule, und dann bei mir schwarze Hosen. Bei Sport gab es auch Sportuniformen. Ich fand das entspannt, hatte drei Oberteile im Schrank und hab hat jeden Morgen einfach eins genommen, man muss eben nichts aussuchen und auch nicht lange überlegen.

Hannah: Ich fand’s auch okay so, es war also nicht schlimm. Wenn ich die Wahl hätte, würde ich aber lieber meine eigenen Klamotten anziehen, weil das auch eine Art ist, seine Persönlichkeit auszudrücken. An meiner Schule wurde das aber wieder auch gar nicht so streng genommen, es wurde auch bei langen Ohrringen, Nagellack, Haare färben und viel Schminke nichts gesagt, das ist an anderen Schulen anders.

Malin: Bei uns war sowas auch erlaubt: Leggings allerdings waren eigentlich nicht erlaubt, und Jacken oder Pullover zum Beispiel mussten definitiv schwarz oder weiß sein. Und meine Gastmutter wollte nicht, dass ich meine Schuluniform auch anlasse, wenn ich in die Stadt gehe, damit man nicht erkennt, dass ich auf eine private Schule gehe.

Mensa

Hannah: Bei mir gab es Mikrowellen an der Schule, wie an den meisten costa-ricanischen Schulen. Das heißt, man nimmt sich Essen von Zuhause mit und macht sich das warm.

Malin: Bei mir war das auch so!

Hannah: Und es gibt eine Mensa. Bei mir konnte man ohne Anmeldung kostenlos essen gehen, und das auch gut! Ich fand sie viel besser als die Mensa bei mir in der deutschen Schule.

Links: Essen in der Mensa, Reis und Bohnen sind immer dabei. Rechts: Skurril - Milch kann man im Supermarkt in Nachfüllpacks kaufen.

Links: Essen in der Mensa, Reis und Bohnen sind immer dabei. Rechts: Skurril – Milch kann man im Supermarkt in Nachfüllpacks kaufen.

Malin: Ich fand meine Mensa auch sehr viel besser als die, die es bei mir zuhause gibt. Die hatten auch irgendwie viel mehr Auswahl, und es gab einen kleinen Snack-Laden, mit Empanadas und so, das war ziemlich cool. Für Schüler, die von weiter weg kamen, gab es auch Frühstück, die hatten dann so Karten, mit denen die das einlösen konnten.

Hannah: Bei mir gab es auch so einen Schulkiosk, ’soda‘, und die hatten auch richtig gute Sachen. Dort wurden auch Burritos warmgemacht und selber Nachos hergestellt. Jeden Tag war die Auswahl etwas anders, weil sie viele Gerichte selber gemacht haben.

Handy und Internet

Sim-Karten und Datenvolumen

Hannah: Es gibt zwei Hauptanbieter, „Claro“ und „Kölbi“. Man sollte sich am besten bei der Ankunft eine Sim-Karte vor Ort holen.

Malin: Meine Gastmutter hat das für mich gemacht, weil ich das anfangs noch nicht konnte. Im Laden sind die auch sehr nett und erklären alles.

Hannah: Meine Gastmutter hat das auch mit mir zusammen gemacht. Mobile Daten hat übrigens jeder Costa Ricaner, das ist da überhaupt nicht teuer. Man bezahlt etwa 1000 Colones (ca. 1,30€) für 1 GB.

Viele Austauschschüler haben auf WhatsApp ihre deutsche Nummer behalten, das war sehr praktisch!

Kontakt nach Hause während des Auslandsaufenthalts

Hannah: Per WhatsApp kann man prima den Kontakt nach Hause halten, zum Beispiel auch mit Videochatten. Man muss nur aufpassen, dass man selber tatsächlich auch in Costa Rica bleibt bzw. erst einmal ankommt und sich nicht zu sehr an zuhause klammert. Sonst lernt man auch kein Spanisch und bekommt auch nichts mit aus Costa Rica.

Malin: Ich habe ab und zu mit meiner Familie geskypt und mit meinen Freunden zuhause extra auch nur wenig geschrieben. Mit meiner besten Freundin habe ich oft geschrieben, um ihr alles zu erzählen, was ich gemacht habe, aber ansonsten hatte ich zu meinen anderen Freunden wenig Kontakt. Ich habe auch da ja so viele Freunde kennengelernt.

Es ist auch total anstrengend, so vielen Leuten sonst immer so viel zu erzählen!

Hannah: Meiner Oma habe ich relativ viel geschrieben, da hat sie sich gefreut. Sonst war es genau wie bei Malin: Mit meiner Familie hin und wieder, mit meinem Freund öfter, und ansonsten habe ich mich da eher zurückgehalten.

Unterwegs auf einem schier endlosen Fluss, umgeben von dichtem Dschungel, in Costa Rica.

Unterwegs auf einem schier endlosen Fluss, umgeben von dichtem Dschungel, in Costa Rica.

Post

Pakete & Briefe aus und nach Deutschland

Malin: Ich habe meine Postkarten in Costa Rica gekauft und die dann sicherheitshalber nur zuhause verteilt, weil ich nicht sicher war, ob das funktioniert.

Hannah: Oh mein Gott, wo hast du Postkarten gefunden?! Ich habe gefühlt jeden einzelnen Costa Ricaner gefragt, den ich getroffen haben, und kaum jemand wusste überhaupt, was Postkarten, „tarjetas postales“, sind.

Malin: Also bei mir gab es die im Supermarkt, zwar auch nur 15 verschiedene, und die gleichen gab es dann im ganzen Land. Aber das hat ja gereicht.

Hannah: Briefe sind bei mir immer gut angekommen, ein Paket, das wir mal versucht haben, leider nicht. Bei Freunden war es ähnlich – Pakete sind schwierig. Meistens kommt alles an, aber manchmal halt auch nicht.

Malin: Ich wollte meinem Austauschschüler einen Brief zum Geburtstag schicken. Das hat zwar einen Monat gedauert, aber dann kam er an. Das war irgendwie schwierig wegen der Adresse?

Hannah: Genau, es gibt weder Hausnummer noch Straßennamen. Die Straßen haben zwar Nummern, aber die kennen die Costa Ricaner meistens selber nicht. Adressen werden umschrieben, indem man sich an öffentlichen Gebäuden, Banken oder sowas orientiert, teilweise auch an Pflanzen „bei dem großen Baum“, und dann noch in Metern eine Richtung von dort aus angibt.

Eine Adresse wäre zum Beispiel „in San José, von der alten Kirche 100 Meter südlich, 150 östlich, 200 südlich“.

Geld

Bar vs. Kreditkarte

Hannah: Meine deutschen Freunde haben alle viel lieber mit Bargeld bezahlt, weil sie anfangs noch kein Gefühl für das costa-ricanische Geld, die ‚Colones‘, hatten, aber ich habe Kreditkarte bevorzugt, weil man einfach überall damit bezahlen kann, in jedem Kiosk, in jedem Ramschladen.

Malin: Ich hab auch eher mit Karte bezahlt, weil man ja sonst dieses Bündel an Scheinen mit sich rumtragen muss. Die sehen zwar sehr schön aus, aber es ist unpraktisch.

Hannah: Man braucht nur Kleingeld für den Bus. Da sollte man aber auch nur das mitnehmen, was man braucht, weil die Münzen relativ groß und ziemlich schwer sind. Ich würde empfehlen, immer einen Schein (un Mille, der kleinste Schein, den es gibt), dabei zu haben, für den Bus oder falls mal die Karte nicht funktioniert.

Malin: Oder bei uns für die Mensa!

Rückkehr nach Hause

Wie war eure Rückkehr?

Malin: Also am Anfang war es ziemlich anstrengend, ich glaube ich habe 12 Stunden nur geheult, als ich heimgeflogen bin.

Zuhause habe ich mich dann eine Weile irgendwie… anders gefühlt, als es normalerweise ist. Also ich wusste zwar, klar, ich bin zuhause, aber ich hatte so die ersten zwei Wochen das Gefühl, dass irgendetwas anders ist, dass irgendetwas fehlt. Ich habe mich noch nicht wieder ganz zuhause gefühlt, weil ich mich so gut in Costa Rica eingewöhnt hatte. Aber dann ging das!

Sonnenaufgang über den Straßen von San José. Hach, Sehnsucht!

Sonnenaufgang über den Straßen von San José. Hach, Sehnsucht!

Hannah: Ich weiß, woher das kommt: Plötzlich hat man halt zwei Heimaten. Eigentlich ist das cool, aber immer wenn ich in Deutschland bin, denke ich an Costa Rica, und in Costa Rica eben an Deutschland. Es ist halt nicht möglich, sich vollkommen zu fühlen, weil man eben nicht beides haben kann.

Malin: Es ist aber auch sehr schön, meine Gastmutter hat zu mir gesagt „Du hast jetzt ein zweites Zuhause in Costa Rica!“, und das ist sehr schön, wenn man weiß, dass man nun an zwei Orte passt.

Hannah: Genau, und dass man auch an beiden willkommen ist.

Was habt ihr eigentlich am meisten vermisst in Costa Rica?

Hannah: Weihnachten und die Kälte.

Malin: Brot! Brot habe ich richtig vermisst. Und Laugengebäck.

Was vermisst ihr jetzt, zurück in Deutschland, am meisten aus Costa Rica?

Hannah: Das Essen! Mein Reis… meine Bohnen!

Malin: Das Obst ist einfach so cool!

Hannah: Meine Gastmutter kocht einfach so gut!

Malin: Meinen Austauschschüler vermisse ich auch sehr!

Hannah: Und die entspannte Art der Menschen.

Malin: Das stimmt, die sind einfach alle so nett da! Man merkt richtig den Unterschied nach dem Flug, man steigt aus dem Flugzeug aus und dann alle so: lange Gesichter – ah, zurück in Deutschland.

Hannah: Auf Spanisch zu fluchen vermisse ich! Schimpfwörter im Spanischen werden viel weniger ernst genommen.

Malin: Die Ticos sind emotionaler.

Hannah: Und temperamentvoller! (lachen beide)

Würdet ihr anderen eine Reise nach Costa Rica empfehlen?

Hannah: Unbedingt!

Malin: Ja, auf jeden Fall – ich meine, ich war schon einmal zurück und habe den nächsten Flug für Herbst auch schon wieder gebucht.


Wir hoffen, das euch unser Interview weitergeholfen hat und dass ihr euch jetzt ein gutes Bild machen könnt! Wenn ihr noch Fragen habt, einfach in die Kommentare schreiben, dann beantworten wir alles gerne!

Viele Grüße und ¡pura vida!,

Malin und Hannah


Ich bedanke mich recht herzlich bei Malin und Hannah für die vielen Samstagmittage, die wir gebraucht haben, um alle diese Fragen zu beantworten, um über viele Anekdoten zu lachen, und um alles Erzählte niederzuschreiben. Danke für eure Geduld und euer Engagement, es hat mir sehr viel Spass gemacht mit euch!