Das „Schloss Burg an der Wupper“ ist eine der größten Burgen Westdeutschlands und zu Recht eines der beliebtesten Ausflugsziele in dieser Gegend.

Die Grundsteinlegung erfolgt bereits irgendwann im 12. Jahrhundert durch die Grafen und Herzöge von Berg, die viele Jahrhunderte hindurch im Bergischen Land und der Umgebung das Sagen haben.

Ein kleiner Ausflug in die Geschichte

Im Laufe des Mittelalters allerdings verliert die Burg an Bedeutung, wird zwischenzeitlich nur noch als Jagdsitz genutzt und nimmt Schaden durch Kriege und Besetzungen. Schließlich wird sie als Fabrik, Mühle und Spinnerei genutzt, sogar als Schulbetrieb – bis dieser aufgrund des maroden Zustands der Gebäude eingestellt werden muss.

Durch Leerstand und Materialraub verfällt die Anlage immer mehr,  bis schließlich kaum mehr als eine Ruine mit wenigen Mauern übrig ist.

Das ist heute unvorstellbar und kaum zu glauben, wenn man sich in diesen Tagen dem Burgberg nähert, auf dem das nun wieder prächtig anzusehende Gebäudeensemble thront, denn glücklicherweise beschlossen einige Privatleute und Vereine Ende des 19. Jahrhunderts den Wiederaufbau.

Wie kommt man denn hin?

Besagte Näherung an das Schloss erfolgt übrigens am besten auf die klassische Art und Weise: Mit der Original Seilbahn aus den 50er Jahren!

Ein Original Plakatmotiv aus den 50er/60er Jahren hängt noch in der Bergstation. Cool!

Ein Original Plakatmotiv aus den 50er/60er Jahren hängt noch in der Bergstation. Cool!

Auch wir nutzen den urigen Sessellift, um an diesem wechselhaften Tag im Juli von der Talstation im Stadtteil „Unterberg“ ohne Anstrengung die knapp 100 Höhenmeter hinauf zum Ortsteil „Oberberg“ zu überwinden. Übrigens war diese Seilbahn das erste derartige Konstrukt in Nordrhein-Westfalen überhaupt! Immer zwei Personen finden Platz, Sicherung erfolgt mittels eines Eisenbügels ähnlich wie bei Kirmesfahrgeschäften.

Direkt an der Talstation befindet sich ein großer Parkplatz, wo man bequem und kostenlos sein Auto während des Besuchs abstellen kann.

Steil den Hang hinauf im luftigen Sitz der Seilbahn. Zum Glück müssen wir die Strecke nicht zu Fuss gehen!

Steil den Hang hinauf im luftigen Sitz der Seilbahn. Zum Glück müssen wir die Strecke nicht zu Fuss gehen!

Nach nur wenigen Minuten erreichen wir die Bergstation, und von dort sind es nur wenige Schritte vorbei an den für’s Bergische Land so typischen Schiefer- und Fachwerkhäusern bis zum Eingang auf das Burggelände.

Zusätzliches Highlight: Feste und Veranstaltungen

Schloss Burg ist immer einen Besuch wert, aber noch einmal mehr an Tagen, an denen zusätzlich besonderen Events stattfinden. Bei uns war das ein Mittelaltermarkt mit vielen engagierten Menschen in liebevoll detailgetreuer Kleidung und unzähligen Buden und Schaustellern, alles in passendem Look.

Man fühlt sich direkt, als ob man in eine ganz andere Welt eintaucht, und Schloss Burg bietet dafür wahrlich eine geeignete Umgebung.

Wir begegnen Musikanten und Minnesängern...

Wir begegnen Musikanten und Minnesängern…

... und natürlich, einem richtigen, echten Schmied!

… und natürlich, einem richtigen, echten Schmied!

Schnell versammelt sich eine interessierte Menge um ihn, denn er erklärt sein Handwerk wirklich ausgesprochen unterhaltsam und eindrucksvoll!

Schnell versammelt sich eine interessierte Menge um ihn, denn er erklärt sein Handwerk wirklich ausgesprochen unterhaltsam und eindrucksvoll!

Neben dem Mittelaltermarkt, den wir heute besuchen, finden regelmäßig der Ostermarkt, ein Kunsthandwerkermarkt, die Ritterspiele, Märchenfeste für Kinder und der Adventsbasar statt sowie unzählige weitere Veranstaltungen. Am besten hierfür einen Blick in den gut gemachten und stets aktuellen offiziellen Terminkalender werfen.

Draußen auf dem Gelände von Schloss Burg

Schnell sind wir gefangen und verzaubert vom bunten Treiben auf dem Platz.

Wir schlendern zwischen den Buden herum, schauen den Handwerkern zu, versuchen, nicht über Hühner und Hähne zu stolpern, die hier frei herumlaufen, essen uns einmal quer durch das große, leckere und ebenfalls authentisch alternative Speiseangebot, und bleiben einfach immer überall stehen, wo es etwas Interessantes zu gucken gibt.

Alle möglichen mittelalterlichen Handwerksarten gibt es zu bestaunen, manches darf man auch selber ausprobieren!

Alle möglichen mittelalterlichen Handwerksarten gibt es zu bestaunen, manches darf man auch selber ausprobieren!

Gekocht wird natürlich auch, über offenem Feuer in einem großen Suppenkessel.

Gekocht wird natürlich auch, über offenem Feuer in einem großen Suppenkessel.

Auf der gesamten Anlage kann man frei herumstromern.

Auf der gesamten Anlage kann man frei herumstromern.

Wie es sich für einen mittelalterlichen Platz gehört, gibt es auch ein Joch und einen Pranger - heute allerdings glücklicherweise zur freiwilligen Nutzung.

Wie es sich für einen mittelalterlichen Platz gehört, gibt es auch ein Joch und einen Pranger – heute allerdings glücklicherweise zur freiwilligen Nutzung.

Im Inneren von Schloss Burg: Das Bergische Museum

Nachdem wir uns ausgiebig draußen umgeschaut haben, schaffen wir es dann schließlich auch ins Innere der Burg, das das „Bergische Museum Schloss Burg an der Wupper“ beherbergt. Generell kann man alles auf eigene Faust oder auch im Rahmen von Führungen besichtigen.

Dabei spaziert man zum Beispiel durch den wiederhergerichteten Rittersaal, die Kemenate, die Burgkapelle und die Ahnengalerie. Überall Gemälde, Rüstungen, Waffen, Harnische, Schilde, Kettenhemden, alte Möbel, Kamine, Buntglasfenster, Kronleuchter, teils mehr anderthalb Meter dicke Steinmauern – jetzt ist man wirklich im Mittelalter angekommen.

Regelmäßig findet in diesem schönen Rahmen öffentliche Veranstaltungen wie Lesungen, Konzerte und Theateraufführungen statt. Man kann die historischen Räume auch für private Zwecke mieten, und sogar Trauungen werden hier auf dem Schloss vollzogen – nicht schlecht!

Die Sitzbänke an den Fenstern im Rittersaal sind wirklich urgemütlich!

Die Sitzbänke an den Fenstern im Rittersaal sind wirklich urgemütlich!

Ein Blick durchs Fenster - ob hier auch Burgfräulein vor vielen hundert Jahren saßen und hinausschauten?

Ein Blick durchs Fenster – ob hier auch Burgfräulein vor vielen hundert Jahren saßen und hinausschauten?

Noch ein Ausläufer des Mittelalterfests: Spinnräder live in Betrieb.

Noch ein Ausläufer des Mittelaltermarkts: Spinnräder live in Betrieb.

Wir haben so ein Glück: Uns wird freundlicherweise sogar persönlich erklärt, wie man Wolle gesponnen hat.

Wir haben so ein Glück: Uns wird freundlicherweise sogar persönlich erklärt, wie man Wolle gesponnen hat.

In weiteren Räumen unter dem Dach gibt es Möbel und Einrichtungsgegenstände des Bergischen Landes aus den vergangenen Jahrhunderte zu bewundern, darunter z.B. auch die typische bergische ‚Dröppelminna‚, eine Kaffeekanne aus Zinn (da Silber zu teuer war). Man kann sich richtig gut hineinversetzen, wie die Menschen rund um Schloss Burg damals wohnten.

Außerdem findet man hier auch ein Modell der Burganlage im Miniaturformat: Spannend, mal aus der Vogelperspektive darauf zu schauen und einen Überblick zu bekommen. Na, wo befinden wir uns denn gerade?

Ein maßstabsgetreues Modell von Schloss Burg.

Ein maßstabsgetreues Modell von Schloss Burg.

Treppauf, treppab laufen wir durch Hallen und Räume.

Treppauf, treppab laufen wir durch Hallen und Räume.

Wir schauen von gaaaanz oben hinunter auf den Hof vor dem sogenannten 'Palas' (kein 't' hinten, tatsächlich).

Wir schauen von gaaaanz oben hinunter auf den Hof vor dem sogenannten ‚Palas‘ (kein ‚t‘ hinten, tatsächlich).

Blick auf die Dächer und die so typischen 'Wehrgänge' von Schloss Burg.

Blick auf die Dächer und die so typischen ‚Wehrgänge‘ von Schloss Burg.

Jetzt sind wir wieder etwas weiter unten, mit Blick auf den 'Inneren Torbau', sehr passend mit den Zelten des Mittelalterfestes davor.

Jetzt sind wir wieder etwas weiter unten, mit Blick auf den ‚Inneren Torbau‘, sehr passend mit den Zelten des Mittelaltermarkts davor.

Das Wetter ist heute, an diesem Juli-Tag, an dem wir Schloss Burg mal wieder einen Besuch abstatten, unglaublich wechselhaft.

Wir hatten schon eine komplett dichte, düstere Wolkendecke und mussten uns sogar vor einem wahren Wolkenbruch unterstellen, doch jetzt ist spontan der Hochsommer ausgebrochen und wir haben nur ein paar Minuten später reinstes Bilderbuchwetter mit nur wenigen Schäfchenwolken und blauem Himmel.

Zum Glück gibt es hier sowohl drinnen als auch draußen genug zu gucken und zu unternehmen, so dass man auf Schloss Burg bei jedem Wetter etwas anzufangen weiß.

Mit blauem Himmel und Sonnenschein sieht es gleich noch einmal schöner aus hier.

Mit blauem Himmel und Sonnenschein sieht es gleich noch einmal schöner aus hier.

Fachwerkelemente, Türmchen und dicke Mauern (und heute auch Mittelalterzelte und Handwerker): Das ist Schloss Burg.

Fachwerkelemente, Türmchen und dicke Mauern (und heute auch Mittelalterzelte und Handwerker): Das ist Schloss Burg.

Das Reiterstandbild des 'Engelbert von Köln' vor der Westseite des Palas (und schon wieder alles voller Wolken - verrückt).

Das Reiterstandbild des ‚Engelbert von Köln‘ vor der Westseite des Palas (und schon wieder alles voller Wolken – verrückt).

Was gibt es noch zu sehen hier oben?

Auf dem Gelände der Burganlage findet man vor den eigentlichen Toren der Burg zahlreiche Cafés und Gastronomiebetriebe angesiedelt.

Viele Besucher runden dementsprechend einen Besuch des Schlossgebäudes mit einer klassischen ‚Bergischen Kaffeetafel‘ ab: Dazu gehören Weißbrot und Schwarzbrot, süße Aufstriche wie Marmeladen, Honig oder Zuckerrübensirup, außerdem Milchreis mit Zimt und Zucker, manchmal auch Apfelmus, und natürlich – last but not least – frische Herz-Waffeln!

Auch ohne extra Veranstaltung auf der Burg kann man hier rundherum viel Kunstgewerbe bestaunen, was meistens auch zum Mittelalter-Thema passt: Von Silberschmuck, Keramik und Porzellan bis hin zu Bürsten, Besen, Holzspielzeug, Bücher und natürlich auch Trödel.

Es geht abwärts!

Wir sind aber dank der verführerischen Essenstände des Mittelaltermarkts auf dem Hauptgelände von Schloss Burg schon pappsatt, und wir haben für heute auch genug gesehen, so dass wir uns auf den Weg zurück zur Bergstation der Seilbahn machen.

So steil wie hinauf geht es auch bergab, aber das Tempo ist äußerst gemächlich, so dass das auch für Menschen, denen die Höhe nicht so liegt, zu bewältigen ist.

Ich erinnere mich noch, dass ich mich schon als Kind jedes Mal beim Weg hinab gefragt habe, ob man nicht mal kurz die Füße in die Wupper tauchen könnte, die man unten ganz am Schluss noch überquert – aber nein, darüber geht es in angemessener Distanz brav hinweg.

Unten angekommen helfen die stets netten Mitarbeiter der Seilbahn routiniert beim Aussteigen, und nach einem letzten Blick hinauf zur Burg machen wir uns mit vielen neuen Eindrücken und Erlebnissen glücklich, müde und zufrieden auf den Heimweg.


Schloss Burg an der Wupper

Schlossplatz 2, 42659 Solingen

Viele Hintergrundinformationen auf der modernen Webseite unter schlossburg.de.

Mit dem Auto über die A1 (unmittelbar bei Ausfahrt Wermelskirchen)
Adresse für Navigationssystem zum Parkplatz an der Burg:
Wermelskirchener Str. 2
42659 Solingen

Adresse für Navigationssystem zum Parkplatz an der Talstation der Seilbahn:
Navigationsadresse: Hasencleverstraße 30, 42659 Solingen (kostenlos!)

Es gibt noch einige weitere Parkplätze, alle Infos dazu unter schlossburg.de/information/anfahrt/

Mit dem Bus
Linie 683 bis ‚Solingen Burg Seilbahn‘, um die Seilbahn zu nehmen, oder dieselbe Linie bis ‚Solingen Burg Brücke‘ für den ca. 20minütigen Wanderpfad zu Fuss nach oben über Waldpfade.

Diese Linien fahren auch direkt bis oben zur Burg:
Unter der Woche die Linie 266 von der Haltestelle ‚Burger Bahnhof‘ und Linie 689 von der Haltestelle ‚Burg Brücke‘, am Wochenende ab mittags stündlich die Linie 687 vom ‚Müngstener Brückenpark‘.

Weitere Infos dazu auf der Seite des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr VRR.

Öffnungszeiten:

März bis Oktober dienstags bis sonntags 10:00 – 18:00 Uhr; montags 13:00 - 18:00 Uhr.
November bis Februar: dienstags bis freitags 10:00 –  16:00 Uhr; samstags & sonntags 10:00 - 17:00 Uhr; montags geschlossen.

Es gibt immer mal wieder einzelne Tage zwischendurch, an denen geschlossen ist, so z.B. am jeweiligen Aufbautag vor Marktveranstaltungen, oder wegen anderer Veranstaltungen, Dreharbeiten oder ähnlichem. Daher besser vor dem Besuch einmal auf der offiziellen Seite der Schloss Burg rückversichern.

Preise:

Erwachsene 6,00€, Kinder 3-17 Jahre 3€.

Direkt zum Veranstaltungskalender:

schlossburg.de/termine-news/terminkalender/

Sonstige Hinweise:

Barrierefrei sind die Innenräume leider nicht, es ist eben doch eine alte Burg. Auch Kinderwagen können nicht im Museum mitgenommen werden.


Seilbahn zum Schloss Burg an der Wupper

seilbahn-burg.de

Anfahrt Talstation:
Hasencleverstraße 2, 42659 Solingen
Haltestelle „Burg Seilbahn“ oder „Burg Rathaus“

Anfahrt Bergstation:
Schloßplatz 17, 42659 Solingen
Telefon: 02 12 – 4 31 81 (nicht ständig besetzt)

Öffnungszeiten:

Dienstags bis sonntags 10:00 Uhr (erste Fahrt) 17:50 Uhr (letzte Fahrt).
Montags Ruhetag.

Fahrplanabweichungen durch Wartung, Regen, Schnee und Unwetter sind möglich, am besten vorher auf der offiziellen Seite rückversichern.

Preise:

Erwachsene einfach Fahrt 3,00€, Hin- und Rückfahrt 4,50€. Kinder 1-13 Jahre 2,00€, Hin- und Rückfahrt 3,00€.

Sonstige Hinweise:

Auch die Seilbahn ist leider nicht barrierefrei, Kinderwagen können zusammengeklappt mitgenommen oder gerne an der Talstation abgestellt werden.


Lust auf neuere Geschichte? Im ‚Haus der Geschichte‘ in Bonn waren wir auf den Spuren aktuellerer deutscher Vergangenheit unterwegs.
Lust auf noch eine Burg im Rheinland? Dann los zum ‚Bilderbuchmuseum Burg Wissem' bei Troisdorf.