Wer das Glück hat, im Norden Deutschlands zu wohnen, kann z.B. von Hamburg aus schon in fünf Stunden einfach mit der Bahn direkt durch bis mitten in die Innenstadt von Kopenhagen fahren. Alternativ kann man ebenfalls in nur wenigen Stunden mit dem Auto über Flensburg, Odense und die 13 Kilometer lange Storebaeltsbroen bis nach Seeland und weiter in die dänische Hauptstadt gelangen, oder mit der Fähre ab der Insel Fehmarn oder ab Rostock übersetzen.

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Anreise mit Bahn, Auto, Fähre oder Flugzeug

Wir wohnen aber zu weit weg, als dass sich diese Art der Anreise für uns für einen Wochenendtrip lohnen würde, deshalb nutzen wir das Flugzeug und landen innerhalb von anderthalb Stunden in Kastrup, einem Vorort von Kopenhagen.

Über den Wolken... im Anflug auf Kopenhagen.

Über den Wolken… im Anflug auf Kopenhagen.

Und gelandet! Schon der Flughafen ist lichtdurchflutet, weiträumig und ordentlich - wie eigentlich ganz Kopenhagen.

Und gelandet! Schon der Flughafen ist lichtdurchflutet, weiträumig und ordentlich – wie eigentlich ganz Kopenhagen.

Vom Flughafen aus kann man entweder mit dem Zug (‚S-tog‘) in etwa 15 Minuten direkt bis zum Hauptbahnhof fahren, oder in der gleichen Zeit mit der gelben Metro M2 bis ‚Kongens Nytorv‘, ebenfalls mitten in der Stadt. Dort kann man dann laut meinen Recherchen in die rote M3 oder die blaue M4 umsteigen und so ebenfalls zum Hauptbahnhof gelangen.

In die Stadt mit der führerlosen Metro

Letzteres wollen wir machen, da die Metro wesentlich öfter als der Zug fährt und wir außerdem zufällig sowieso gerade vor der Metro-Station am Flughafen stehen, also steigen wir in ‚Kongens Nytorv‘ wieder aus, und schauen uns um. Aber nirgendwo ein Hinweisschild zur M3 oder M4, überall nur vorbeihastende Menschen, die zielstrebig in alle möglichen Richtungen laufen und es eilig haben.

Und hier fällt uns ein Nachteil der immer bestens durchorganisierten, rundum in jeder Hinsicht durchoptimierten und systematisierten dänischen Kultur auf (was ansonsten sehr angenehm ist und uns prinzipiell zutiefst beeindruckt): Nirgendwo ist ein Mensch zu sehen, den man fragen könnte, eine Anlaufstelle, an die man sich wenden kann, wenn man, wie wir gerade, mal eben ein von der Norm abweichendes Anliegen hat.

Die Metro fährt von ganz alleine! Kein Fahrer weit und breit.

Die Metro fährt von ganz alleine! Kein Fahrer weit und breit.

Sicherungssystem: Die Metro hält so an, dass sich die Türen vor den dann geöffneten Elementen befinden.

Sicherungssystem: Die Metro hält so an, dass sich die Türen vor den dann geöffneten Elementen befinden.

Ratlos stehen wir in der Gegend rum, laufen schließlich die gesamte Metrostation einmal auf und ab und kreuz und quer, aber nichts. Wir finden einfach keinen Hinweis und keine Erklärung, wo die Bahnsteige der beiden Metrolinien, die eigentlich doch hier kreuzen sollen, sein sollen.

Schließlich gehen wir wieder runter zum Bahnsteig und begegnen doch noch einem Mann in Uniform, der gerade etwas repariert. Als wir ihn nach der M3 und M4 fragen, lacht er nur und meint, wir wären unserer Zeit voraus!

Wir verstehen nicht und fragen nach: Na, sagt er, die werden erst noch gebaut!

Oh.

Verwundert schauen wir uns an und müssen dann auch lachen, na sowas! Da hätten wir ja lange suchen können.

Freundlich erklärt uns der Mann noch, wie wir denn nun tatsächlich von ‚Kongens Nytorv‘ zum Hauptbahnhof ‚Hovedbanegården‘ kommen, denn die direkte Verbindung, die wir nutzen wollten, existiert ja noch nicht, und das klappt dann auch alles wunderbar.

Learnings des Tages: Erstens stimmt nicht alles, was im Internet steht (wer hätte das gedacht), und zweitens ist die schnellste Verbindung vom Flughafen zum Hauptbahnhof in Kopenhagen – noch – der Zug.

Falls ihr selber in der näheren oder ferneren Zukunft eine Reise nach Kopenhagen plant, könnt ihr hier nachlesen, wie die genauen Pläne für die beiden neuen Metros M3 und M4 sind, und vor allem, wann welcher Part fertig sein soll: intl.m.dk (auf englisch). Es hört sich nach einer prima Idee an!

Fahrräder, Fahrräder, Fahrräder überall

Ansonsten wird Kopenhagen natürlich nicht umsonst als ausgesprochen fahrradfreundliche Stadt bezeichnet: Fast die Hälfte aller Einwohner fährt täglich mit dem Rad zur Arbeit, Ausbildung und Uni. Insgesamt übersteigt die Anzahl der Fahrräder sogar die der hier lebenden Menschen.

Die Voraussetzungen dafür wurden ab den 70er Jahren geschaffen und laufend weiterentwickelt, so dass es heute ein weit ausgedehntes Netz mit gut ausgebauter Infrastruktur und meist sogar von der Fahrbahn abgetrennten Radwegen entlang von Straßen oder Grünanlagen gibt.

Breite Fahrradwege gibt es überall, sogar in den Vororten.

Breite Fahrradwege gibt es überall, sogar in den Vororten.

Wahnsinn! So viele Fahrräder! Am Hauptbahnhof ist wirklich jeder Stellplatz belegt.

Wahnsinn! So viele Fahrräder! Am Hauptbahnhof ist wirklich jeder Stellplatz belegt.

Wer nicht selber ein Fahrrad mitbringt, kann sich an allen möglichen Stellen eines ausleihen, entweder praktisch schon direkt in der Unterkunft (so wie bei unserem Urban House Hostel), bei Fahrradhändlern oder bei ‚Bycyklen‘, Kopenhagens Pedelec-Verleih, wo man Räder mit elektrischem Hilfsmotor und GPS stundenweise mieten kann. Eine genaue Erklärung, wie das funktioniert (kurz und einfach), findet ihr auf deren Webseite (auf englisch).

Ticketempfehlung für den öffentlichen Nahverkehr

Als ziemlich praktisch für das Herumkommen in Kopenhagen haben wir den ‚CityPass‘ empfunden. Es gibt ihn je nach Bedarf für 24, 48, 72 oder 120 Stunden, und damit kann man im vorgesehenen Zeitraum so viel Bus, Zug (S-tog) und Metro fahren, wie man möchte.

Er gilt bis Zone 4, was den Flughafen inkludiert, und für uns zum Beispiel bedeutet, dass wir uns überhaupt keine Gedanken machen müssen über irgendwelches Bezahlen von irgendwelchen Fahrtickets, sobald wir den Fuss auf dänischen Boden gesetzt haben. Sehr praktisch!

Kaufen kann man den CityPass bereits bequem von zuhause aus online im Voraus über die offizielle Webseite von ‚DOT – Din Offentlige Transport‘ mit einer sehr guten und verständlichen Anleitung (auf englisch).

Die 24-Stunden-Version kostet pro Erwachsenen 80 DKK (~ 11€), Kinder zwischen 12 und 16 Jahren brauchen den ‚City Pass Child‘ für 40 DKK (~5€). Zwei Kinder bis 12 Jahre können bei einem Erwachsenen-Ticket umsonst mitfahren.

Nach erfolgtem Kauf erhält man umgehend den CityPass und die Rechnung per SMS und per Email. Solange das Handy geladen ist und man also den Nachweis erbringen kann, ist auch nur die Email als Bestätigung ausreichend. Falls dir die Papierversion lieber ist, kannst du diese aber auch an den Zug- und Metrostationen erwerben.

Typisch dänisch eben – sehr praktisch und durchdacht!