Vincent van Gogh war ohne Zweifel einer der größten Maler der Geschichte, obwohl er zu Lebzeiten kaum ein Bild verkaufen konnte.

Heute sieht das bekanntermaßen ganz anders aus: Seine Gemälde erzielen bei Auktionen Rekordsummen.

Glücklicherweise wurde ein Großteil seiner Werke nach seinem Tod in eine Stiftung überführt, die sie heute einem extra dafür gebauten und nach dem Künstler benannten Museum in Amsterdam zur Verfügung stellt. Das lassen wir uns natürlich nicht entgehen, und so führt unser Weg am Morgen unseres letzten Tages unseres Besuchs in der niederländischen Hauptstadt geradewegs hierhin.

Was beachten bei einem Besuch?

Größeres Gepäck lassen wir lieber im Hostel, denn im Van-Gogh-Museum gibt es keine Fächer dafür. Lediglich normale Rucksäcke bis DIN A4 kann (und soll!) man an der Garderobe abgeben.

Wie schon der Vondelpark liegt auch das Van-Gogh-Museum in Amsterdams Stadtteil Oud-Zuid, in dem wir uns nun schon ganz gut auskennen und unser Ziel deshalb schnell und problemlos erreichen.

Und genau wie beim Anne-Frank-Haus steht auch vor diesem Museum schon um 9:30 Uhr, eine halbe Stunde nach Öffnung, eine lange Schlange in der bereits brütend heißen Sonne. Ich zücke unsere Online-Tickets, winke die Kinder ganz nach vorne durch, und schon sind wir drin.

Hier auf dem Foto, das ist „unser“ Eingang. Hinter unserem Rücken stehen ungelogen kilometerweise Leute für Eintrittskarten an!

Mit vorab online gekauften Tickets kommen wir zum Glück direkt ins Museum.

Mit vorab online gekauften Tickets kommen wir zum Glück direkt ins Museum.

Offensichtlich ist auch dem Museum aufgefallen, dass dieser Zustand nicht ganz ideal ist, und so werden seit kurz nach unserem Besuch nur noch ausschließlich vorab über die Webseite Tickets verkauft; mit festen Uhrzeiten für den Zugang, um die Besuchermassen etwas zu streuen und um die Atmosphäre im Museum angenehm zu halten.

Der Kauf von Tickets ist online vier Monate im Voraus möglich. Wer also nur ein geringes Zeitfenster für einen Besuch zur Verfügung hat, sollte sich rechtzeitig Karten besorgen. Kinder unter 18 Jahren haben freien Zutritt, benötigen allerdings auch ein – dann kostenloses – Ticket vorab.

Beginn des Rundgangs: Die ständige Sammlung

Das Museum ist wirklich sehr schön gemacht, ein großzügiges, offenes, modernes Gebäude. Es beherbergt sowohl die ständige Sammlung mit Werken van Goghs und anderer niederländischer Maler seiner Epoche als auch eine Wechselausstellung, mit, naja, wie der Name schon sagt, wechselnden Themen. Die Eintrittskarten des Museums gelten für beide Bereiche, man kann also aussuchen, welche Schwerpunkte man setzen möchte.

Direkt im Eingangsbereich verweilen wir allerdings direkt schon erst einmal wieder einen Moment, denn hier empfängt uns ein bekanntes Selbstbildnis Vincent van Goghs‘ – allerdings überdimensional vergrößert und auf mehreren Screens verteilt (Titelfoto dieses Postings). Das ist schon sehr beeindruckend und bringt einem eine kennzeichnende Eigenheit des niederländischen Malers näher: Die allgegenwärtigen, auffälligen Striche, aus denen sich viele seiner Bilder zusammensetzen.

Und dann fangen wir nach einer Weile doch noch mit der eigentlichen Erkundigung der ständigen Sammlung an.

Es ist leider nicht erlaubt, Fotos der Gemälde zu machen, aber das Van-Gogh-Museum bietet einen super Service an: Sie stellen selber einige Dateien zum Download auf ihrer Webseite zur Verfügung – kostenlos. Und eigentlich ist der Besuch so sogar schöner, denn man kann sich ganz auf die Werke und die Informationen dazu konzentrieren und einlassen, ohne selber abgelenkt zu sein. Eine tolle Sache, finde ich!

Und schaut nur:

"Die Sonnenblumen"

„Die Sonnenblumen“

"Die Schlafkammer"

„Die Schlafkammer“

"Der Sämann"

„Der Sämann“

Neben einem Exemplar der Sonnenblumen, der Schlafkammer und dem Sämann sehen wir auch die Obstbäume, die Mandelblüten, das Weizenfeld mit Krähen, Gauguins Stuhl… so viele berühmte Motive! Bloss die „Sternennacht“, die ist hier nicht zu finden: Sie hängt im MoMA in New York.

Vor diesen Bildern „in echt“ zu stehen ist unglaublich beeindruckend, sie sind wirklich wunderschön! Und ich verstehe zum ersten Mal, warum überall immer von den Farben van Goghs geschwärmt wird.

Multimedia-Guide, ja oder nein?

Empfehlenswert ist übrigens auch der Multimedia-Guide, den ich vorab mitgebucht hatte (für die Kinder wieder umsonst): mit Tipp auf die neben den Bildern angebrachten Nummern erfahren wir interessante Hintergrunddetails, und obwohl diese schon eher kunstgeschichtlich formuliert sind, sind die Kinder sehr interessiert und suchen ständig nach dem nächsten Hinweis mit Sternchen dran.

Wir machen allerdings auch „nur“ die Highlight-Tour mit 40 der bekannteren Kunstwerke. Es gibt noch so viele andere hier, und viel mehr Informationen bei der großen, der „klassischen“ Tour, aber wir sind mit unserer Version völlig zufrieden und ausgelastet.

Der Multimedia-Guide punktet bei den Kindern auch deshalb, weil er über einen Touchschreen bedient wird.

Das wichtigste aber sind darin enthaltene kleine Aufgaben zum Mitmachen: Einmal muss man Farben mischen, um es van Gogh gleichzutun, einmal den passenden Bilderrahmen auswählen (denn auch van Gogh selber hat zu jedem Bild einen aus seiner Sicht genau passenden Rahmen festgelegt für den perfekten Gesamteindruck), einmal muss man die Perspektive wechseln, um das Besondere an einem Bild wirklich zu verstehen und so fort.

Eine coole Idee, wirklich gut umgesetzt! So macht das Spaß.

Nach den insgesamt drei Etagen beenden wir schließlich unseren Besuch bei dem großen niederländischen Maler – zur Freude der Kinder mit einer typisch holländischen Chocomel im schicken Museumscafe.

Weiter geht’s in der Wechselausstellung

Eigentlich reicht es uns damit erst einmal schon mit Kunst und Kultur. Da es heute aber so unglaublich heiß draußen ist, beschließen wir, nach der ausgedehnten Pause und einer kleinen Stärkung doch noch etwas im so schön angenehm kühl klimatisierten Museum zu bleiben und schauen uns noch die temporäre Ausstellung zu „Drucken aus dem Paris um 1900“ an.

Auch in diesem Bereich begleitet uns der Multimedia-Guide weiter und bringt uns die Werke dieser Künstler und ihre Bedeutung erst wirklich nahe.

Hier haben wir zumindest ein Foto aus dem Treppenhaus, das alleine schon viel hermacht, denn in der Wechselausstellung ist das Fotografieren der Kunstwerke ebenfalls nicht erlaubt. Im Hintergrund sieht man die bekannte Zeichnung von Henri de Toulouse-Lautrec, der mit Vincent van Gogh befreundet war. Bis heute ist diese ursprüngliche Werbeplakat ein Sinnbild für das ‚Moulin Rouge‘ in Paris und die Zeit der Belle Époque.

So ein Treppenhaus hätte ich auch gerne zuhause!

So ein Treppenhaus hätte ich auch gerne zuhause!

Leider, leider müssen wir unseren Rundgang mittendrin abbrechen. Dieser eigentlich als „Lückenfüller“ geplante Besuch der temporären Ausstellung war um einiges interessanter, als ich gedacht hatte!

Wir allerdings haben nun noch eine andere Verabredung in Souterrain dieses Gebäudes.

Und noch ein Special hinterher: Workshop im Museum

Das Wochenende unseres Besuchs in Amsterdam ist eins der wenigen im Jahr, an dem mittags ein kostenloser Walk-In Workshop mit wechselnden Themen im Atelier des Museums angeboten wird, für den man sich lediglich vorab anmelden muss. Passend zum Thema der jeweiligen Sonderausstellung kann man hier unter fachkundiger Anleitung eigene Drucke herstellen kann, in unserem Fall also: Monoprints.

Nach einer kurzen Einführung durch einen Mitarbeiter des Museums, der, wie die Kinder bewundernd feststellen, mit Niederländisch, Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch gleich sechs Sprachen fließend spricht und sich damit mit nahezu allen Besuchern in ihrer Muttersprache unterhalten kann, werden fleißig Druckplatten mit Farbe eingerollt und eigene Kunstwerke mit Hasen, Fröschen oder Salamandern entstehen:

Beim Herstellen eigener Monoprints im Museums-Workshop.

Beim Herstellen eigener Monoprints im Museums-Workshop.

Die für den Workshop vorgesehene Stunde ist schnell um und so machen wir Platz für die nächsten interessierten Teilnehmer.

Mit noch rest-trocknenden Bildern in unseren Händen verlassen wir schließlich nach erstaunlich vielen Stunden bestens gelaunt und voller neuer Erlebnisse das van-Gogh-Museum. Von uns also eine klare Empfehlung, wir haben hier einen tollen Tag verbracht!

Und was kann man noch mit Kindern in Amsterdam unternehmen? Hast du auch schon einmal überlegt, ob man mit ihnen eigentlich auch schon das Anne-Frank-Haus besuchen kann? Hier entlang kannst du unsere Erfahrungen nachlesen.


Van-Gogh-Museum

Museumplein 6
Amsterdam
vangoghmuseum.nl (auch in englisch und diversen anderen Sprachen)

Tickets ausschließlich online vorab erhältlich unter vangoghmuseum.nl/en/plan-your-visit/tickets. Kosten: Erw. 19€, Kinder bis 18 Jahre kostenlos.

Informationen und Anmeldung zu kostenlosen Workshops im Atelier:
*Update: die kostenlosen, unregelmäßig stattfindenden Walk-In Workshops für Erwachsene und Kinder, an dem wir teilgenommen haben, scheinen aktuell nicht mehr eingeplant zu sein. Am besten kurz auf der Webseite rückversichern, vielleicht werden sie ja doch wieder angeboten.

Alternativ gibt es aber zumindest für Kinder von 6-12 Jahren jedes Wochenende die ebenfalls kostenlosen zweistündigenChildrens‘ Workshops‚, samstags von 12:30 – 14:30 Uhr und sonntags von 15:00 – 17:00 Uhr. Aktuelle Informationen dazu hier vangoghmuseum.nl/en/whats-on/children-and-families/workshops.

Öffnungszeiten:
Das Museum ist täglich ab 9:00 Uhr geöffnet und schließt abends je nach Jahreszeit zu unterschiedlichen Zeiten. Am besten auf der Webseite rückversichern vangoghmuseum.nl/en/plan-your-visit/opening-hours