Falls ihr euch fragen solltet, was das hier auf dem Bild sein soll: Alles Liebe!

Wie bitte? Also…

Der erbitterte Familienstreit der Capulets und der Montagues und das tragische Ende der beiden Verliebten aus deren Häusern, Romeo und Julia, ist der Stoff für eine der wohl berühmtesten Liebesgeschichten der Welt.

Allgemein schreibt man die Geschichte William Shakespeare zu, tatsächlich aber hat auch er sich, sagen wir mal, „inspirieren lassen“ von Novellen und Gedichten, die bereits zuvor von den zweien erzählten.

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Gab es Romeo und Julia wirklich?

Ob sie tatsächlich existierten? Es lässt sich nicht belegen. Bis heute streiten die Gelehrten ja darüber, ob überhaupt Shakespeare selber jemals in Verona war. Oder sogar noch, ob er seine berühmten Werke selber geschrieben hat.

Sei’s drum: All das, was nun die Wahrheit, und was Trug ist, all das spielt eigentlich keine Rolle, wenn man in Verona ist. Denn dann geht man sich den Balkon der Julia im Innenhof der ‚Casa di Giulietta‚ angucken, einfach, weil er da ist. Und es macht auch überhaupt nichts, dass besagter Balkon in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts überhaupt erst nachträglich drangebaut wurde.

Und falls man das alles blöd findet, geht man eben nicht hin – richtig etwas verpassen tut man nun auch wieder nicht. Natürlich ist das alles nur ein schöner Schein, aber wenn man sich großzügig darauf einlässt, kann man sich ganz wunderbar ein wenig mittreiben lassen und den Spaß mitmachen..

Wo in Verona ist der Balkon von Romeo und Julia?

Der Weg zum Haus der Julia ist ganz einfach: Von der Arena in Verona aus folgt ihr der Via Anfiteatro, die nach einer Weile in die Via Stella übergeht. Wenn ihr dann die Via Capello kreuzt, biegt ihr nach links ab, und nach wenigen Metern passiert ihr auf der rechten Seite einen – unübersehbaren – Durchgang in einen Innenhof.

Und so biegen auch wir kaum 10 Minuten, nachdem wir der Arena den Rücken zugewandt haben und gemütlich durch Verona geschlendert sind, durch einen wirklich über und über und über und über von innen beklebten und bekritzelten Torbogen in die berühmte ‚Casa di Julietta‘ ein.

Liebe, Liebe, Liebe! Von oben bis unten. Und das ist nur ein Ausschnitt!

Liebe, Liebe, Liebe! Von oben bis unten. Und das ist nur ein Ausschnitt!

So viel Liebe! Die Welt kann eigentlich gar nicht so schlecht sein. Und merke: Touristen sind beeindruckend gut ausgerüstet, was Pflaster angeht.

So viel Liebe! Die Welt kann eigentlich gar nicht so schlecht sein. Und merke: Touristen sind beeindruckend gut ausgerüstet, was Pflaster angeht.

Der Durchgang ist sicher 10 Meter lang, und es gibt keine freie Stelle. Vermutlich auch keine, die nicht selber bereits unzählige Male überklebt und wieder übermalt wurde. Pflaster, Aufkleber, Zettel, Nachrichten mit Lippenstift, Nagellack, Kuli oder Edding geschrieben.

Und so merke ich, als wir hier stehen, dass es tatsächlich egal ist, ob das hier das echte Haus der Julia ist. Es ist zumindest echt genug, weil sooo viele Menschen daran glauben wollen, und weil deren Sehnsüchte hier ein Zuhause finden. Und es ist einfach irgendwie lustig, hier zu sein.

Im Innenhof der Casa di Giulietta

Von der Atmosphäre angesteckt gehen wir also durch den Torgang, betreten voller Erwartung den Innenhof und stehen dann endlich…

Blick aus dem Durchgang in den Innenhof des 'Casa Giulietta'.

Blick aus dem Durchgang in den Innenhof des ‚Casa Giulietta‘.

… vor einer Renovierungsverhüllung.
Tja, das ist mal dumm gelaufen.

Da ist er, der Balkon der Julia! Naja, zumindest irgendwo da unter dem Baugerüst.

Da ist er, der Balkon der Julia! Naja, zumindest irgendwo da unter dem Baugerüst.

'Under construction' - das ist jetzt irgendwie schlechtes Timing.

‚Under construction‘ – das ist jetzt irgendwie schlechtes Timing.

Immerhin haben sie die Plane mit einem Foto des Balkons versehen, dann kann man es sich wenigstens ein bisschen vorstellen. Das ist zumindest nett.

Das Museum im Gebäude kann man trotzdem besuchen, aber was bringt das, wenn man nicht auf den Balkon kann, denn natürlich hätten die Mädchen so gerne ein Foto von sich gehabt, wie sie huldvoll von Julias Empore in die Menge winken. Aber so, ohne? Nö, das brauchen wir dann auch nicht.

Braucht man Tickets für den Balkon und das Haus der Julia in Verona?

Das Haus der Julia an sich, mit dem Museum darin, ist dienstags bis sonntags von 9:00 bis 19:00 Uhr geöffnet, montags ist geschlossen. Ihr könnt Tickets vor Ort kaufen, aber da der Andrang immer groß ist, empfiehlt es sich, sie besser vorab online zu erwerben.

Eintrittskarten für das Museum (und nur dann gelangt ihr auch auf den Balkon) kosten 6,00€ für Erwachsene (+ 0,60€ Vorverkaufsgebühr online) und 1,00€ für Kinder 8-14 Jahre (+ 0,10€ Vorverkaufsgebühr online).

Wir retten uns bei unserem Besuch nach einigen irritierten und enttäuschten Minuten wegen der Renovierungsabsperrung des Balkons dann lieber in Konsum und Kommerz und wenden uns dem – ganz zum Thema passenden – komplett durchgestylten Romeo-und-Julia-Shop auf der anderen Seite des Innenhofs zu, wo man alles, was man sich vorstellen kann, mit Herzen verziert käuflich erwerben kann.

Wir machen also das Beste draus und kaufen uns zum Trost und als Erinnerung ein paar kleine Andenken (ich glaube sogar, es sind die einzigen auf unseren gesamten Reisen), wunderbar kitschig, aber wo würde das besser passen als hier.

ℹ︎ Casa di Giulietta, der Balkon der Julia, Via Cappello, 23, 37121 Verona (Seite der Stadt Verona hinter dem Link zum Buchen der Tickets leider nur auf italienisch)

Was kann man noch in der Nähe machen?

Und dann gehen wir, wieder etwas versöhnt mit Gott, Shakespeare und der Welt und mit kleinen, natürlich mit Herzen bedruckten Papiertütchen mit unserem Nippes drin in unseren Rucksäcken, noch einmal ein paar Meter weiter bis zum Ufer der Etsch, die durch Verona fließt.

Am Ufer der Etsch mit Blick auf die andere Seite Veronas.

Am Ufer der Etsch mit Blick auf die andere Seite Veronas.

Wirklich schön ist es hier in Verona!

Sagte ich schon, dass wir fast bedauern, hier nur auf der Durchreise zu sein? Die Mädchen überlegen schon konkret, hier hinzuziehen und wir suchen uns direkt schon einmal das ein oder andere genehme Haus aus, in dem wir dann wohnen wollen würden.

Pause in der Cafe-Bar ‚Tosca‘

Jetzt haben wir noch Zeit übrig, und beim Bummeln am Ufer entlang finden um eine Ecke das Cafe Tosca – ein Glücksgriff, denn wir bekommen allerleckerste Chocolata calda, heißen Kakao, (einmal dunkel, einmal bianca, also hell!) und feinen Kaffee von den gleich drei Baristas serviert, die in dieser Kaffespezialitäten-Bar hinter der Theke stehen.

Wir sind zwar die einzigen Gäste um diese Zeit, aber wir finden, je ein eigener Barista für jeden von uns ist irgendwie auch angemessen.

Mmmh! Heller und dunkler warmer Kakao, und ein köstlicher Kaffee. Inzwischen habe ich wohl auch gelernt, dass man Cappuccino in Italien nur zum Frühstück trinkt, aber die Barista haben damals ein Auge zugedrückt.

Mmmh! Heller und dunkler warmer Kakao, und ein köstlicher Kaffee. Inzwischen habe ich wohl auch gelernt, dass man Cappuccino in Italien nur zum Frühstück trinkt, aber die Barista haben damals ein Auge zugedrückt.

Und hepp! Auf dem Rückweg.

Und hepp! Auf dem Rückweg.

https://casadigiulietta.comune.verona.it/nqcontent.cfm?a_id=69455

Gestärkt machen wir uns später mit neuer Energie zurück auf den Weg zur Porta Nuova, dem Bahnhof von Verona.

Wir gehen noch einmal an der Arena vorbei, atmen noch einmal den Geist der Jahrtausende ein, holen  dann unseren Koffer aus der obligatorischen Bahnhofs-Gepäckaufbewahrungsstelle ab, und warten schließlich, während die Schatten langsam länger werden und es auf den Abend zugeht, auf unseren nächsten Zug, der uns weiter quer durch Italien zur Serentissima bringen soll – auf nach Venedig!