Nach Ausbruch der Corona-Pandemie Anfang 2020, die unser aller Leben wohl in einer Weise verändert hat, wie wir es niemals für möglich gehalten hätten, sind viele auf der Suche nach einer neuen Normalität. Soweit es möglich ist – und wir uns nicht gerade am Tiefpunkt eines Lockdowns befinden -, ist die Sehnsucht danach, wieder hinaus in die Welt zu ziehen, ungebrochen. Sie sollte sich bloss unter den aktuellen Umständen nun noch mehr als sonst mit sowohl gesundheitlicher als auch finanzieller Sicherheit vereinbaren lassen.

Da ist es naheliegend, erst einmal eher in der Nähe zu bleiben und zu schauen, was es alles hier in der Heimat noch zu entdecken gibt. Vielleicht haben wir ja einige lohnenswerte Reiseziele bei der vorher schier unendlich großen Auswahl „ganze Welt“ bislang völlig übersehen?

Legen wir los mit unseren dieses Mal ausschließlich deutschen Reisezielen:

Einen großen Städtetrip machen

Egal, ob man normalerweise auf dem Land, in einer Kleinstadt oder auch selber bereits in einer Großstadt wohnt: Ein Städtetrip in eine andere Stadt ist immer ein Erlebnis! Zu den größten in Deutschland gehören die maritime Hafenstadt Hamburg, das beschauliche, urbayrische München und das fröhlich-pragmatische Köln. Jede auf ihre Weise einzigartig.

Allein schon zu sehen, dass Bahnen, Busse und Straßenschilder dort vielleicht ganz anders aussehen als zuhause, erweitert – neben der Vielzahl an unterschiedlichsten Sehenswürdigkeiten, die so eine Millionenstadt naturgemäß auf engem Raum zu bieten hat – den Horizont.

Die Hauptstadt erkunden

Die allergrößte deutsche Stadt ist natürlich das eigenwillige, manchmal derbe und gleichzeitig gutbürgerliche Berlin, und das ist bekanntlich immer eine Reise wert.

Der Besuch im Berliner Reichstag ist sogar umsonst - man muss sich nur vorher anmelden.

Der Besuch im Berliner Reichstag ist sogar umsonst – man muss sich nur vorher anmelden.

Bei manchen Schulen gehört ein Schulausflug dorthin zum guten Ton dazu, aber längst nicht bei allen. Eigentlich sollte aber jeder zumindest einmal im Leben die Hauptstadt seines Landes besichtigt haben, idealerweise schon als Kind. Gelebte Geschichte durch ansprechende Museen und historische bedeutende Bauten sowie erste Einblicke darin, wie und wo Politik gemacht wurde und wird (und erleben, dass das alles wirklich gar nicht langweilig vermittelt werden muss!): Das schafft Berlin in unseren Augen wirklich sehr gut!

Die Orte eurer eigenen Familie (be-)suchen

Wo kommt ihr her, wo seid ihr geboren? Oder eure Eltern oder Großeltern? Oder welche Orte waren in bestimmten Lebensabschnitten eurer Familie besonders wichtig?

Das ist natürlich bei jedem anders und die Wege der Vorfahren mögen auch nicht bei allen – so auch bei meinen Kindern – ausschließlich in Deutschland liegen. Aber falls es welche gibt, ist das eine super Gelegenheit, sie jetzt euren Kindern vorzustellen, denn meist gibt es auch in oder zumindest in der Nähe von kleineren Städten auch eine Menge interessantes zu entdecken: In unserem Falle ist das z.B. Trier, wo meine Oma geboren ist und wo ich vorher noch nie gewesen war.

Es kann aber auch eine Stadt sein, in der eure Eltern oder Großeltern als junge Leute eine Weile gewohnt haben, wo sie eine Schule besucht oder eine Ausbildung gemacht, studiert oder vielleicht auch einander kennengelernt haben.

Eine mehrtägige Radtour unternehmen

Sport, Sport, Sport: Die meisten von uns bewegen sich im Alltag nicht so viel oder so regelmäßig, wie sie gerne möchten. Eine super Gelegenheit, sich als Familie gemeinsam ein Ziel zu setzen, wie z.B. einmal tatsächlich nur durch eigene Muskelkraft von A nach B zu gelangen.

Wir haben uns dafür als absolute Anfänger den seeehr ebenerdigen und nicht sonderlich herausfordernden, dafür aber ausgesprochen schönen und idyllischen Moselradweg herausgesucht.

Mit den Fahrrädern immer an der Mosel entlang auf dem Moselradweg.

Mit den Fahrrädern immer an der Mosel entlang auf dem Moselradweg.

So eine mehrtägige Tour vermittelt gerade Kindern (aber durchaus auch uns Erwachsenen) noch einmal eine ganz andere Sicht auf Entfernungen, die wir im normalen Leben im Auto oder Zug oft so mühelos und unbemerkt hinter uns bringen. Gemeinsam Herausforderungen anzugehen und auch einmal über uns hinauszuwachsen hat uns allen viel Spaß gemacht und wir möchten unsere Radtour auf keinen Fall missen.

Alternativ bietet sich natürlich auch eine Wanderung, eine Segeltour oder was immer euch sonst begeistert, an.

Ans Meer fahren

Sehnsuchtsort Nr. 1 für viele, viele Menschen: die See!

Die Zehen in den warmen Sand graben, den Wellen bei ihrem unendlichen Dahinplätschern zuschauen, dem ewigen Kreischen der Möwen lauschen und sich einmal ordentlich vom Wind durchpusten lassen – dieses Gefühl sollte jeder Mensch kennen, finde ich. Egal, ob Nord- oder Ostsee: Deutschlands Küste hat glücklicherweise viele Orte für einen erholsamen Aufenthalt zu bieten.

Am Strand von Sylt: Da wäre ich jetzt wieder gerne!

Am Strand von Sylt: Da wäre ich jetzt wieder gerne!

Oder, fast noch besser: Direkt auf einer der vielen vorgelagerten Inseln übernachten, die oft nur per Boot oder Fähre, manchmal auch mit dem Flugzeug oder mittels Autozug zu erreichen sind.

Alleine eine solche Anreise ist schon ein Erlebnis und etwas ganz anderes, als man – als auf dem Festland wohnender Mensch – sonst gewohnt ist. In unserer Artikelserie über die nordfriesische Insel Sylt könnt ihr nachlesen, was wir dort alles unternommen haben.

In die Berge fahren

Da ich selber als Kind so gut wie alle Ferien an der See verbracht habe, sind mir die Berge eigentlich ziemlich fremd und ich dachte immer, das wäre nicht so richtig etwas für mich.

Als es uns nun im Sommer 2020 dann ins idyllische Allgäu nach Bayern verschlug, war ich völlig überrascht davon, wie gut mir diese ganz andere Welt auch gefällt. Nie hätte ich gedacht, dass saftig-grüne Bergwiesen und die erhabene Ruhe schneebedeckter Berggipfel mich so in ihren Bann ziehen könnten! Und abgesehen von der erholsamen Natur gibt es natürlich auch in dieser Ecke Deutschlands reichlich Sehenswürdigkeiten und Attraktionen zu entdecken.

Einem Hobby nachspüren

Eins meiner Kinder schwärmt seit einer ganzen Weile für Architektur, zeichnet am liebsten Grundrisse von Traumwohnungen und zeigt mir ständig schöne Häuser in der Umgebung, in Zeitschriften und auf ihrem Handy. Als wir uns einmal darüber unterhalten, dass diese eine ganz bestimmte Sorte an Gebäuden im „Bauhaus“-Stil gebaut worden ist, steht nach ein wenig Recherche unser nächstes Ziel fest: Das Städtchen Dessau im Osten Deutschlands.

Hier erschuf der Bauhaus-Gründer und -Direktor Walter Gropius Anfang des letzten Jahrhunderts seine Kunst-, Design- und Architekturschule und viele weitere Bauwerke im damals völlig neuen, streng funktionalem Design und man kann heute eine ganze Menge über diese Themen dort erfahren.

Vielleicht bieten die Hobbys oder Interessen eurer Kinder (oder auch von euch selber) ja ebenfalls gute Inspiration für ein interessantes Reiseziel?

In die Natur eintauchen

Hierfür haben wir dem Schwarzwald mit seinen dichten Wäldern und malerischen Dörfern im Südwesten Deutschlands an der Grenze zu Frankreich einen Besuch abgestattet. Diese Region ist bereits seit Jahrzehnten bis in den letzten Zipfel touristisch erschlossen, da braucht man sich nichts vormachen – aber das heißt ja nicht, dass es ebendort nicht durchaus schöne Ecken zu entdecken gibt.

Hohe Tannen, stille Täler, grüne Wiesen und viel Natur, das ist der Schwarzwald!

Hohe Tannen, stille Täler, grüne Wiesen und viel Natur, das ist der Schwarzwald!

Diverse Seen, Täler und Schluchten, Thermalbäder und sehenswerte Altstädte, malerische Kirchen und Kapellen, Wasserfälle und Freilichtmuseen, Klöster und Bauernhöfe warten auf euch. Ob ihr nun eher aktiv urlauben oder lieber nur entspannen möchtet, es ist sicher für jeden etwas dabei.

Eine Ferienstraße abfahren

In Deutschland gibt es eine ganze Menge speziell ausgewiesene Ferienstraßen, und die meisten davon sogar schon seit ziemlich langer Zeit. Tatsächlich kann man sie nicht nur sehr gut mit dem Auto absolvieren, sondern auch mit der Bahn, und einige (Teil-)Strecken sogar mit dem Fahrrad oder zu Fuss.

Das Schöne daran: Man hat eine zumindest grobe Route, an der man sich orientieren kann, es gibt einiges unterwegs anzuschauen, und die Distanzen zwischen den einzelnen Sehenswürdigkeiten sind überschaubar, so dass man ganz nach Lust und Laune nach den eigenen Bedürfnissen und Interessen planen kann.

Bekannte Beispiele sind zum Beispiel die Romantische Straße, die von Würzburg über Rothenburg ob der Tauber, Augsburg, die Wieskirche in Steingaden bis nach Füssen zum Schloss Neuschwanstein führt, oder die Oberschwäbische Barockstraße, die gleich mehrere Routen zur Auswahl bietet und dabei z.B. durch Ulm und Ravensburg, Bad Wurzach, Bad Waldsee und das Kloster Salem bis nach Meersburg und Friedrichshafen am Bodensee verläuft.

Auf der offiziellen Seite des Deutschen Tourismusverbands findet ihr eine Übersicht aller Ferienstraßen aufgelistet, falls ihr euch weiter informieren möchtet.

Viel Spaß beim Planen!