Es ist kein Geheimnis, dass man für einen Trip nach New York unbedingt bequeme Schuhe mitnehmen sollte – man läuft sich buchstäblich die Hacken ab. Da es so unfassbar viel hier zu sehen gibt, liegen viele Attraktionen auch wiederum nah beieinander. Irgendwo geht es immer weiter. Man kann als durchaus einige Sehenswürdigkeiten fussläufig miteinander verbinden und so bekommt man ja auch am ehesten etwas von der Atmosphäre und der Ausstrahlung dieser tollen Stadt mit.

Will man allerdings größere Distanzen überwinden, und die unterschätzt man im Big Apple schnell, denn allein Manhattan ist wirklich riesig, dann gibt es nur eine Option: Ab in den Untergrund!

Welcome to the Subway

Sie ist eins der größten und auch eins der ältesten U-Bahn-Netze der Welt: Die New York City Subway.

Ihre 25 Linien sind mit Buchstaben und einstelligen Zahlen benannt, und täglich befördern diese um die 5 Millionen Menschen zu den fast 500 Bahnhöfen im Stadtgebiet.

Subway-Schild der MTA, der 'Metropolitan Transportation Authority', New Yorks Verwaltung für öffentliche Verkehrsmittel.

Subway-Schild der MTA, der ‚Metropolitan Transportation Authority‘, New Yorks Verwaltung für öffentliche Verkehrsmittel.

Aber keine Sorge, es ist total übersichtlich! Sich in dieser Metropole zurechtzufinden ist wirklich kinderleicht; ich erkläre es dir in vier kurzen Absätzen:

Straßenkarte lesen leicht gemacht

Manhattan, der Bereich mit den meisten Attraktionen New Yorks, in dem sich daher Besucher wohl am öftesten tummeln, liegt auf der Spitze einer langgezogenen Halbinsel, die im Norden über den sich anschließenden Stadtteil Bronx langsam ins Festland übergeht. Als weitere ‚Boroughs‘, die anderen Viertel der Stadt New York City, folgen von dort aus im Uhrzeigersinn Queens und Brooklyn im Osten sowie Staten Island auf der südwestlich vorgelagerten Insel.

Die Straßenzüge und Häuserblocks Manhattans sind akribisch in einem ziemlich regelmäßigen Schachbrettmuster angelegt.

Die langen, senkrechen Straßen, die sich von Norden nach Süden durchziehen, sind ‚Avenues‘ und in der Regel schlicht mit aufeinanderfolgenden Zahlen versehen.

Die kurzen, waagerechten Straßen, die das Ost- mit dem Westufer der Halbinsel verbinden, heißen ‚Streets‘ und sind ebenfalls durchnummeriert. Zur besseren Übersichtlichkeit dient die grob mittlere 5th Avenue als eine Art ‚magische Grenze‘: Westlich von ihr tragen alle Streets den Zusatz ‚W‘ für West, östlich von ihr bekommen alle ein ‚E‘ für East. Damit weiß man wenigstens schon einmal, in welcher Hälfte Manhattans man sich befindet.

Geschafft! Das ist es auch schon, das Wichtigste.

Aufgehalten wird dieses System aus Linien lediglich durch eine einzige, natürlich ebenfalls eckige (und riesige!) Fläche in der Mitte Manhattans: Den Central Park. Damit man nicht immer einmal komplett ganz außen herum fahren muss, durchqueren ihn wenigstens ein paar (dann sogar kurvige!) Streets.

Adressen werden übrigens von ‚echten‘ New Yorkern nicht wie bei uns üblich durch Straßenname und Hausnummer, sondern einfach durch die Nennung der nächsten Kreuzung definiert. Durch die fixe Unterteilung des Schachbrettmusters in Avenues und Streets und den Zusätzen West und East weiß man so bei jeder Bezeichnung automatisch, wo in etwa in New York sich der gewünschte Zielort befindet, auch wenn man noch nie dort war – praktisch!

Downtown vs. Uptown

Für die Fahrten mit der Subway muss man also nur wissen, wo man sich in etwa auf der Karte Manhattans befindet, und in welche Richtung man von da aus möchte: Nach Norden oder nach Süden, also nach oben oder nach unten, sprich: ‚Uptown‘ oder ‚Downtown‘.

Und genau das steht auch an jeder Treppe, die zu einer U-Bahn-Station führt, dran: Uptown oder Downtown. Möchtest du hoch oder runter fahren? Manchmal sagt man auch ‚Northbound‘ oder ‚Southbound‘, nordwärts oder südwärts.

Dieser Eingang zur Subway führt zu Zügen Richtung 'Downtown' & Brooklyn.

Dieser Eingang zur Subway führt zu Zügen Richtung ‚Downtown‘ & Brooklyn.

Für Fortgeschrittene gibt es je nach Subway-Linie noch eine Ergänzung auf dem Schild mit dem Hinweis der Richtung nach ‚Queens‘, das heißt, die U-Bahn biegt irgendwann nordöstlich ab, oder Richtung ‚Brooklyn‘, was bedeutet, dass die U-Bahn sich am Ende später mal südöstlich hält.

Wie komme ich an Tickets und welche brauche ich?

Ein ‚Single-Ride‘, ein Einzelfahrschein für eine Fahrt mit der Subway in New York, kostet 3$. Damit kann man sogar noch einmal von der Subway zum Bus wechseln oder von einem Bus zu einem anderen.

Trotzdem läppert sich das schnell, und es macht Sinn, einmal kurz durchzurechnen, ob sich der Erwerb einer „7-Day Unlimited Ride“-MetroCard für 32$ für den Aufenthalt lohnt. Sie kostet zwar beim Kauf einen weiteren Dollar für die Plastikkarte an sich, aber dafür muss man sich keine Gedanken mehr über die Anzahl der verbrauchten Fahrten innerhalb des gewählten Zeitraums machen.

Ist der Zeitraum abgelaufen oder will man Strecken nutzen, die außerhalb des Geltungsbereichs liegen wie z.B. der Airtrain zum JFK-Flughafen, kann man die MetroCard auch noch mit Geld zur weiteren Verwendung aufladen, ganz einfach am Automaten.

Es gibt auch eine „30-Day Unlimited Ride“-MetroCard zu erwerben, aber das dürfte für die meisten Touristen (leider) nicht in Frage kommen.

Alternativ kann man „Pay-per-Ride“-Karten mit Guthaben nach Wahl aufladen, die dann pro Fahrt den jeweiligen Betrag abziehen. Diese Variante ist empfehlenswert, wenn man nur ein paar wenige Tage in New York verbringt und dabei schon ziemlich genau abschätzen kann, dass man weniger Fahrten machen wird, als der Preis einer „7-Day Unlimited Ride“-MetroCard kostet.

Drei Kinder bis etwa 1,10m Größe darf jeder Erwachsene grundsätzlich pro bezahlter Fahrt mitnehmen – danach zahlen sie den vollen Preis.

Achtung: Kreditkartennutzung an MTA-Automaten

Falls ihr übrigens eure Fahrscheine am Automaten kaufen wollt, solltet ihr wissen, dass man eine Kreditkarte dort aus Sicherheitsgründen nur zweimal hintereinander benutzen kann. Dann sperrt einen das System für einen Tag.

Das soll dem Missbrauch gestohlener Geldkarten vorbeugen, okay, ist aber relativ ungünstig, wenn man, wie wir, zu dritt unterwegs ist, denn natürlich wollen bzw. müssen wir drei Tickets kaufen. Nach dem zweiten aber ist Schluß, und ich kann mir zunächst nicht erklären, warum.

Etwas ratlos gucken wir uns an unserem ersten Morgen in New York in der – ziemlich kleinen – Subwaystation nahe unserer Wohnung in der Upper West Side um. Sie besteht nur aus einem kleinen Vorraum mit zwei Automaten und einem Gitter, das diesen von dem eigentlichen Bahnsteig trennt. Hier gibt es leider auch keine Kabine mit einem hilfreichen Servicemitarbeiter, wie sonst so oft bei der MTA.

Wenn man nicht mehr weiter weiß

Dann entdecken wir an der rückwärtigen Mauer eine dünne, recht unscheinbare Säule mit zwei Knöpfen daran: einen mit „Help“ und einen mit „Info“. Zögernd drücken wir auf den „Info“-Knopf, woraufhin uns eine freundliche Stimme begrüßt und uns informiert, dass wir beim MTA Service gelandet sind und fragt, womit sie uns helfen kann.

Wir beschreiben unsere Situation, und die Stimme erklärt uns, dass wir am besten zu einer anderen Subway-Station gehen mit Schalter, und dort bei einem Service-Mitarbeiter noch die letzte fehlende Karte erwerben können. Und wie genau wir zur nächsten Subway-Station gelangen, erläutert sie uns auch noch.

Praktische Sache und sehr hilfreich, diese MTA-Säulen!

Mit dieser guten Anleitung gelangen wir schnell zur nächsten „bemannten“ Subway-Station und können dort noch unsere dritte Metro Card erwerben – und dann kann es endlich losgehen: New York erkunden, auf nach Manhattan!

Und wie ist sie so, die berühmte New Yorker Subway?

Alt ist sie, und riesig. Und routiniert, perfekt durchorganisiert. Schlag auf Schlag donnern die Waggons in nahezu unendlich scheinenden Reihen durch die Tunnel.

Und sicher: Alle Bahnsteige sind durch Gitter vom eigentlichen Eingangsbereich abgetrennt. Hindurch und damit in die Waggons der Subway gelangt nur, wer ein gültiges Ticket besitzt und dieses einmal durch den Scanner an den Durchlässen durchzieht. Nur dann gibt die Sperre den Weg frei.

Übrigens: Unlimited-Ride-Tickets können nach einer Benutzung für einige Minuten nicht noch einmal verwendet werden. Im Gegensatz zu den aufladbaren Pay-per-Ride-Tickets kann man diese also nicht einfach nach hinten weiter durchgeben an den nächsten in der Schlange. Schummeln ist nicht.

Es dauert eine Weile, bis wir alle den Dreh des Karten-Durchziehens raus haben: Nicht zu schnell und nicht zu langsam, und die Karte bis ganz auf den Boden absetzen. Die New Yorker, die an uns vorbeieilen, sind da erprobt. Aber irgendwann klappt es auch bei uns auf Anhieb.

Eisengitter trennen den Vorraum der Subway-Station vom Bahnsteig.

Eisengitter trennen den Vorraum der Subway-Station vom Bahnsteig.

Für Kinderwagen und gehandicapte Personen gibt es auch eine Gittertür, das sich öffnen lässt. Einmal rennt eine junge Frau verbotenerweise geradewegs dadurch, um ihre Bahn noch zu erwischen, und direkt kommt der Servicemann der MTA aus seiner Kabine im Vorraum und brüllt ihr im feinsten New Yorker Slang ermahnend hinterher: „Ma’am! Next time you’re gonna use the right way!“

So ist die Subway doch supersicher, wir fühlen uns kein einziges Mal unwohl oder bedrängt.

Unterwegs unter dem Big Apple

Und überhaupt: Als wir bei unserer allerersten Fahrt in New York gerade in den Waggon eingestiegen und die ersten Meter gefahren sind, zieht mich eine meiner Töchter am Ärmel und flüstert mir aufgeregt zu: „Mama!! Mama, hier sind ganz viele Menschen! Und – es – stinkt – überhaupt nicht!!! Es riecht richtig gut hier, riech mal!“

Wir schnuppern beide. Recht hat sie. Interessant!

Unnötiges Chichi? Fehlanzeige. - Die Innenansicht eines Waggons der New Yorker Subway.

Unnötiges Chichi? Fehlanzeige. – Die Innenansicht eines Waggons der New Yorker Subway.

Und was macht man natürlich in der Subway? Menschen gucken, genauer gesagt: Echte New Yorker!

Wir können uns gar nicht sattsehen: So sitzen uns heute morgen eine knallig-bunt-pink-gekleidete Frau mit Kopfhörern in Einhornform, die wohl im Takt der Musik in Regenbogenfarben aufleuchten, gegenüber, daneben ein Typ im tadellosen, schnieken Anzug, aber mit völlig durchgewetzter Baseballkappe, und daneben ein weiterer Mann, der, was Style, Klamotten, Haltung und Coolness betrifft, vermutlich Samuel L. Jacksons kleiner Bruder ist.

Daran vorbei zieht eine Musikkombo mit Cello, Gitarre und Akkordeon, die „La Bamba“ zum besten gibt und an der nächsten Station schnell wieder aussteigt, weil das, glauben wir, nicht erlaubt ist.

Free Reads

Über den Passagieren an der Decke sind überall Hinweise für gutes Verhalten angebracht: „See something, say something!“ oder die Warnung, während der Fahrt keinesfalls die Verbindungstüren der Waggons zu benutzen. Das machen sie nur in Filmen.

Der Rest ist, natürlich, mit Werbung und weiteren Informationen zugepflastert, zum Beispiel dieser hier unten im Foto, die besagt, dass man über das kostenfrei Wifi in der Subway und an den Stationen ebenfalls kostenfreien Zugriff auf Gedichte und Geschichten aus über 200 Büchern hat.

Die Subway will die Tradition unterstützen, dass Leute lesen, während sie mit der U-Bahn fahren. Und das sollen sie auch im Zeitalter der Handys, die auch hier natürlich jeder in der Hand hält, weiter tun.

Cool!

Free Subway Reads - kostenloses Lesen in der Subway!

Free Subway Reads – kostenloses Lesen in der Subway!

Die Subway fasziniert uns. So viele Menschen! So viele Waggons! So ein tolles System, sich zurechtzufinden!

Die Subway-Stations

Besonders gut gefällt uns, dass die Stationen alle so schön und einzigartig gestaltet sind. Zumindest alle, die wir gesehen haben. Zum Beispiel diese hier am Natural History Museum an der 81sten Straße:

Die ganzen Wände sind zum einen mit kleinen 81’s verziert, damit man weiß, wo man ist, und zum anderen mit vielen lebensgroßen Tieren; lebendige in bunt, ausgestorbene als Schatten in Mosaik.

Alles unbestritten schon alt, auch dreckig, aber eben liebevoll umgesetzt und dabei sowohl funktional als auch authentisch.

Die Haltestelle der 81st Station am 'Museum Of Natural History'.

Die Haltestelle der 81st Station am ‚Museum Of Natural History‘.

Die Nähe zum 'Museum Of Natural History' ist ganz wunderbar dargestellt in den Mosaiken an der Wand!

Die Nähe zum ‚Museum Of Natural History‘ ist ganz wunderbar dargestellt in den Mosaiken an der Wand!

Lebende Tierformen bunt und detailreich, ausgestorbene schematisch und aus gröberem Mosaik - hier weiß man direkt, wo man ausgestiegen ist: Am 'Natural History Museum'.

Lebende Tierformen bunt und detailreich, ausgestorbene schematisch und aus gröberem Mosaik – hier weiß man direkt, wo man ausgestiegen ist: Am ‚Natural History Museum‘.

‚Express Trains‘, falls du es mal eilig hast

Über eine Sache sollte man noch Bescheid wissen, wenn man die Subway benutzt: An manchen Zügen steht „Express Train“, und in diese sollte man definitiv nur einsteigen, wenn man das auch wirklich möchte. Ansonsten befindet man sich im Nullkommanix an einem ganz weit entfernten Ende der Stadt, wo man gar nicht hinwollte.

‚Express Trains‘ halten nur etwa an jeder fünften Station, und damit sind sie natürlich ein Segen für alle Leute, die es eilig haben und weite Distanzen im New Yorker Subway-Netz zurücklegen möchten. An den Stationen, die sie „überspringen“, die sie also mit unverminderter Geschwindigkeit lediglich durchfahren, haben sie ihre eigenen Schienen noch in der Mitte zwischen den beiden normalen Schienen direkt an den Bahnsteigen, damit sie nicht langsamer werden müssen.

Das sieht dann so aus wie hier auf dem Bild:

Ein Blick zum gegenüberliegenden Bahnsteig: In der Mitte fahren die Express-Züge einfach durch.

Ein Blick zum gegenüberliegenden Bahnsteig: In der Mitte fahren die Express-Züge einfach durch.

Im Gegensatz zu den ‚Express Trains‘ heißen die normalen Züge, die an jeder Station halten und dementsprechend auf den äußeren Schienen fahren, ‚Local Trains‘.

Da hat sich jemand wirklich etwas gedacht bei der Planung!

Und für den Fall, dass ihr trotz Hinweis doch einmal in einen Express einsteigt: Macht euch nichts draus, ihr seid nicht die ersten, denen das passiert. Auf diese Weise sind wir immerhin einmal bis in die Bronx gekommen, naja.


MTA

Die ‚Metropolitan Transportation Authority‘ ist der Name des Anbieters der öffentlichen Verkehrsmittel von New York.

Auf deren Webseite https://new.mta.info kann man sich über Tickets und Verbindungen informieren. Vorab online kann man die MetroCards allerdings nicht erwerben. Es ist aber wirklich ganz einfach, diese, frisch in New York angekommen, am Automaten zu kaufen. Meistens steht sowieso ein hilfsbereiter Mitarbeiter oder ein ebenso hilfsbereiter New Yorker, wir haben da nur positive Erfahrungen gemacht, in der Nähe bereit.

Einzige Hürde: Man muss zum Erwerb irgendwann einen ZIP-Code, die fünfstellige Postleitzahl des Wohnorts in New York, am Display eingeben. Aber keine Panik! Hat man diese nicht parat, ist das nicht schlimm: 00000 oder 99999 tut es auch.