Der imposante Pergamon-Altar gab dem Pergamon-Museum auf der Museumsinsel seinen Namen. Da er – ebenso wie weitere Teile des gesamten Museums – allerdings bereits seit 2014 aufwändig restauriert wird und daher bis voraussichtlich mindestens Mitte 2023, eventuell auch noch bis 2025 für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist, ließ der Künstler Yadegar Asisi in einem temporären Gebäude ganz in der Nähe gleich die gesamte prächtige, antike Stadt in einem seiner stimmungsgewaltigen 360°-Panoramen wieder auferstehen.

So müssen sich interessierte Besucher zwar noch eine ganze Weile gedulden, bis sie den Pergamon-Altar im Pergamon-Museum wieder im Original bewundern können, aber das Pergamon-Panorama gegenüber der Museumsinsel hat es wirklich in sich und ist wahrhaftig keine schlechte Alternative.

Wenn ihr wissen wollt, wo Pergamon überhaupt liegt, was es damit auf sich hat und was überhaupt so Besonderes ist am gleichnamigen Altar, so könnt ihr das an dieser Stelle in unserem Hauptartikel über das Pergamon-Museum genauer nachlesen.

Wo ist das Pergamon-Panorama in Berlin und was kostet es?

Das Pergamon-Panorama findet ihr in einem eigens dafür konstruierten Gebäude gut ausgeschildert direkt gegenüber der Museumsinsel, die die fünf großen Museen des UNESCO-Weltkulturerbes (Neues Museum, Pergamon-Museum, Alte Nationalgalerie, Altes Museum und Bode-Museum) beherbergt. So könnt ihr, wenn ihr möchtet, eure Besichtigung dort direkt noch prima mit einem weiteren, thematisch passenden Museum verbinden.

Der Eintritt in das Panorama kostet für Erwachsene 12,00€ und ihr müsst für den Besuch – während der Corona-Pandemie – einen aktuellen, negativen Corona-Test vorzeigen sowie vorab ein Online-Ticket inklusive Zeitfenster erwerben, damit die Zuschauermengen begrenzt werden können. Letzteres finde ich allerdings, ehrlich gesagt, einen ziemlich angenehmen Nebeneffekt der Pandemie.

Bei unserem Besuch an einem Feiertag waren wir so für die erste halbe Stunde etwa tatsächlich die einzigen Besucher im gesamten Panorama! Als ob die nur für uns persönlich aufgemacht hätten, da hatten wir richtig Glück!

Was gibt es überhaupt zu sehen im Pergamon-Panorama?

In einer mehr als 30 Meter hohen Rotunde, also einem kreisrunden Gebäude, könnt ihr einen Tag in der antiken, griechischen Stadt Pergamon quasi live miterleben. Besonders gut gefallen hat uns, dass der Künstler Yadegar Asisi sein Kunstwerk wie üblich mit unzähligen Menschen ausgestattet hat, die ihrem normalen Alltag nachgehen, und das macht die Szenerie so lebendig. Man hat das Gefühl, man kann einfach eintauchen in das geschäftige Treiben, das ein paar Jahrtausende zuvor dort herrschte.

Perfektioniert wird das Erlebte noch durch Sonnenauf- und -untergang, die durch abgestimmte Lichteffekte alle paar Minuten simuliert werden, inklusive passender Sounduntermalung: Morgens kräht der Hahn, dann hört Menschen rufen und lachen, und das Ganze wird verbunden und getragen durch wunderschöne Hintergrundmusikstücke.

Übrigens ist die gesamte Ausstellung nur temporär – sobald das Pergamon-Museum fertig saniert und der richtige Pergamon-Altar darin wieder zu besichtigen ist, wird das Pergamon-Panorama abgerissen. Also, wenn ihr das einmal selber sehen wollt (und das möchten wir euch unbedingt ans Herz legen), dann wartet besser nicht zu lange.

Von einem Turm in der Mitte der Rotunde könnt ihr alles aus luftiger Höhe beobachten, aber wir sind alleine schon völlig begeistert davon, einfach nur Runde um Runde entlang der Leinwand zu drehen und dabei immer neue Details zu entdecken.

Rundgang durch das Pergamon-Panorama

Beginnen wir am Griechischen Theater: Yadegar Asisi hat sich einen Festtag zu Ehren des Gottes Dionysos, an dem außerdem der Kaiser Hadrian die Stadt Pergamon besucht, für seine Rekonstruktion ausgesucht. Dementsprechend ist natürlich gar schön etwas los auf den Tribünen, unzählige Menschen sind hier versammelt.

Die reich belebte Bühne einer Arena im alten Pergamon bei Tag...

Die reich belebte Bühne einer Arena im alten Pergamon bei Tag…

...und so sieht dieselbe Bühne übrigens im Dunkeln nach Sonnenuntergang aus.

…und so sieht dieselbe Bühne übrigens im Dunkeln nach Sonnenuntergang aus.

Besonders gut gefallen uns die vielen, liebevollen Details, die der Künstler in seine Arbeit hat einfließen lassen. Bei jeder Runde, die wir durch die Rotunde drehen, entdecken wir etwas Neues, und es macht Spaß, sich einzelne Menschen aus der Darstellung ‚herauszupicken‘ und zu schauen, womit sie beschäftigt sind oder mit wem sie sich gerade unterhalten.

Bei allen diesen Menschen, die ihr hier seht, handelt es sich übrigens um echte Berliner: Asisi hat sie gecastet, in authentische Kostüme gesteckt und schließlich so positioniert, wie er es für sein digitales Meisterstück brauchte. Um ein bisschen effektiver zu arbeiten, kommen alle Personen tatsächlich mehrfach vor, mit einer Ausnahme: Der Künstler selbst hat sich ebenfalls in seinem Kunstwerk verewigt, und ihn gibt es tatsächlich nur einmal!

Liebevolle Details findet ihr überall im Panorama, seht ihr die kleine Katze auf dem Dach?

Liebevolle Details findet ihr überall im Panorama, seht ihr die kleine Katze auf dem Dach?

Es lohnt sich, die einzelnen Menschen genauer anzuschauen, hier steht zum Beispiel (mit weißem Hemd und Glatze) Yadegar Asisi, der Künstler selber.

Es lohnt sich, die einzelnen Menschen genauer anzuschauen, hier steht zum Beispiel (mit weißem Hemd und Glatze) Yadegar Asisi, der Künstler selber.

Da es an diesem Morgen – im Gegensatz zu sonst – irgendwie recht ruhig ist im Museum, haben wir das Glück, auf einen der nettesten Mitarbeiter aller Museen zu treffen, die wir je besucht haben. Freundlich kommt er direkt bei unserem Eintreten auf uns zu, führt er uns engagiert und geduldig herum und weist uns auf viele Kleinigkeiten hin, die wir ohne ihn nie gefunden und auch nicht richtig hätten einordnen können:

Er zeigt uns die eine Plastikwasserflasche, die Asisi in jedem seiner Werke als Gag versteckt, und die die Mitarbeiter des Museums selber erst vor wenigen Tagen entdeckt hatten, zeigt uns den Teufel und den Dieb im Panorama und erklärt, dass sie die einzigen Personen auf dem gesamten Bild sind, die Hosen tragen, und schließlich erklärt er uns noch, wo der Direktor des Pergamon-Museum zu finden ist, denn auch er ist selbstverständlich als antiker Bewohner Pergamons hier verewigt.

Alle Menschen sind sehr beschäftigt: Manche treiben Handel, manche musizieren, manche trinken und feiern.

Alle Menschen sind sehr beschäftigt: Manche treiben Handel, manche musizieren, manche trinken und feiern.

Links seht ihr die Bildhauerwerkstatt, denn unzählige Kunstwerke wurden hier geschaffen, rechts die Prachtstraße, auf der die Menschen entlang eines kunstvollen Frieses zum Pergamon-Altar spazieren.

Links seht ihr die Bildhauerwerkstatt, denn unzählige Kunstwerke wurden hier geschaffen, rechts die Prachtstraße, auf der die Menschen entlang eines kunstvollen Frieses zum Pergamon-Altar spazieren.

Und dann stehen wir vor dem Herzstück, um das sich alles dreht: Der reich verzierte Pergamon-Altar, in dessen Innenhof Tieropfer dargebracht wurden, um die Götter gnädig zu stimmen, und der den Römern als achtes Weltwunder galt. Was für ein riesiges Bauwerk! Wir können uns kaum vorstellen, dass dieses gigantische Ding Ende des 19. Jahrhunderts von seinem Fundort im Gebiet der heutigen Türkei nach Berlin gebracht wurde und heute nebenan im Pergamon-Museum auf der Museumsinsel steht.

Das müssen wir uns auf jeden Fall auch einmal anschauen, wenn die Restaurierung dort abgeschlossen ist! Aber für den Moment sind wir völlig fasziniert davon, den Menschen zuzusehen, die den Altar in Asisis Pergamon-Panorama beleben:

Der Pergamon-Altar in Action: Tagsüber bringen zahlreiche Menschen Tieropfer dar, um die Götter gnädig zu stimmen.

Der Pergamon-Altar in Action: Tagsüber bringen zahlreiche Menschen Tieropfer dar, um die Götter gnädig zu stimmen.

Auch hier einmal dieselbe Szene beim Pergamon-Altar bei Nacht.

Auch hier einmal dieselbe Szene beim Pergamon-Altar bei Nacht.

Den Abschluss für uns macht der Blick auf das Römische Theater, das Stadion und das Amphitheater in der Landschaft, die das alte Pergamon umgibt. Zusammen mit den Lichteffekten und der passenden Musikuntermalung ergibt sich ein so stimmungsvolles Bild, dass wir uns am liebsten ein Häuschen auf der Leinwand aussuchen und einen Zeitsprung dorthin machen wollen würden.

Die wunderbare Landschaft verleitet glatt dazu, sich in die Vergangenheit zu träumen.

Die wunderbare Landschaft verleitet glatt dazu, sich in die Vergangenheit zu träumen.

Jetzt sind wir wieder an unserem Anfangspunkt, dem Griechischen Theater, angekommen – und gehen direkt noch eine Runde! Wirklich faszinierend, das Pergamon-Panorama.

Bonus: In der Ausstellung

Als wir uns dann doch zum Gehen wenden, schauen wir uns noch die Ausstellung im Vorraum an (die man eigentlich auch vor dem Rundgang durch das Panorama besichtigen kann, aber wir wollten unbedingt ausnutzen, dass wir das Museum quasi alleine für uns hatten und waren daher anfangs direkt durchgegangen zur 360°-Ausstellung).

Hier sind etliche Statuten aus der Antikensammlung aus dem Teil des Pergamon-Museums, der gerade wegen Renovierung geschlossen ist, ausgestellt, außerdem die Rekonstruktion des Telephos-Fries (eine Art Bildergeschichte als Verzierung der Außenmauern des Altars) und natürlich – viele Hintergrundinformationen!

Einige Statuten aus dem gerade geschlossenen Pergamon-Museum haben ihren Weg hierher gefunden.

Einige Statuten aus dem gerade geschlossenen Pergamon-Museum haben ihren Weg hierher gefunden.

Hier könnt ihr die rekonstruierten Stücke aus dem Großen Fries genauer anschauen.

Hier könnt ihr die rekonstruierten Stücke aus dem Großen Fries genauer anschauen.

Alle diese Statuen schmückten vor unvorstellbar langer Zeit den Pergamon-Tempel.

Alle diese Statuen schmückten vor unvorstellbar langer Zeit den Pergamon-Tempel.

Wie viel Zeit einplanen für den Besuch des Pergamon-Museums in Berlin?

Die Mitarbeiterin des Museum, die wir das auch gefragt hatten (wir hatten nämlich weitere Tickets, natürlich mit festem Zeitfenster, für den Folge-Besuch des Pergamon-Museums für denselben Tag gebucht und wollten wissen, ob wir mit unserer Schätzung gut hinkommen würden), meinte, eine Stunde sollte man schon einkalkulieren.

Nach unserem Besuch nun können wir ihre Angabe bestätigen, wobei wir wirklich sehr viel Zeit im Panorama verbracht haben, wir konnten uns einfach nicht von der Atmosphäre lösen! In der Ausstellung im Vorraum, die wir uns erst danach angeschaut hatten, mussten wir uns dann doch etwas beeilen. Vielleicht wären anderthalb Stunden doch besser, wenn man wirklich alles in Ruhe anschauen möchte.

Für den Weg rüber auf die Museumsinsel zum nächsten Museum hatten wir eine Viertelstunde eingeplant, die man auch benötigt, zumindest wenn man, so wie wir, nicht ortskundig ist und den Eingang zum Pergamon-Museum erst suchen muss.

Falls ihr ein weiteres Panorama von Asisi besuchen möchtet, habt ihr Glück, denn direkt in Berlin am Potsdamer Platz gibt es noch ein zweites: Das Panorama ‚Die Mauer‘, in dem ihr euch zum Grenzstreifen der geteilten Stadt an einen fiktiven Herbsttag in den 80er Jahren beamen lassen könnt.

Falls ihr noch weitere Tipps gebrauchen könnt, was man in der Hauptstadt sowohl bei gutem als auch bei schlechtem Wetter unternehmen kann, dann schaut einmal in unserer Artikelübersicht mit 10 Highlights in Berlin vorbei, und wenn ihr einen ganzen Tag Zeit habt, möchten wir euch einen Ausflug ins Umland nach Dessau ans Herz legen, wo ihr dem Bauhaus des Walter Gropius und seinen bahnbrechenden Designgedanken nachspüren könnt.

Egal, für was ihr euch entscheidet: Wir wünschen euch viel Spaß unterwegs in der Hauptstadt!


Pergamonsmuseum. Das Panorama

Am Kupfergraben 2
10117 Berlin

Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags 10:00 – 18:00 Uhr (montags geschlossen!).
Tipp: An manchen Feiertagen hat das Museum auch geöffnet, am besten auf der offiziellen Webseite der Staatlichen Museen zu Berlin rückversichern.

Öffentliche Verkehrsmittel:
U-Bahn: Friedrichstraße, S-Bahn: Friedrichstraße, Hackescher Markt, Tram: Am Kupfergraben, Hackescher Markt, Bus: Staatsoper, Lustgarten, Friedrichstraße

Tickets: Erwachsene 12,00€. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre haben freien Eintritt, benötigen aber unter den aktuellen Corona-Regeln ebenfalls ein (eben kostenloses) Zeitfenster-Ticket!