Aus dem Südwesten Deutschlands ist es nur ein Katzensprung über die Grenze zu unseren französischen Nachbarn. Zwischen vielen Städten gibt es effiziente Zugverbindungen, aber bei unserer neuesten Tour ist der Weg das Ziel: Wir sind mit einem Campervan im Grand Est, dem Nordosten, unterwegs.

Ein paar Dinge gibt es allerdings, die in Frankreichs Straßenverkehr doch etwas anders gehandhabt werden als bei uns zuhause. Hier eine kleine Liste, damit ihr nicht mit einem großen Fragezeichen hinterm Steuer sitzt:

Geschwindigkeitsbegrenzungen

Für Frankreichs Autobahnen ist im Gegensatz zu Deutschland eine allgemeine Höchstgeschwindigkeit festgelegt: diese beträgt 130 km/h.
Bei Nässe verringert sich diese um 20 km/h auf 110 km/h.

Menschenleere Straße: Da haben wir Glück bei unserem Roadtrip. Das Wetter ist allerdings durchwachsen, aber das stört uns nicht.

Menschenleere Straße: Da haben wir Glück bei unserem Roadtrip. Das Wetter ist allerdings durchwachsen, aber das stört uns nicht.

Auf Kraftfahrstraßen gilt 110 km/h (bei Nässe 100 km/h), außerorts 80 km/h, innerorts 50 km/h.

Fahranfänger (mit einem Führerschein, der weniger als zwei Jahre alt ist), müssen jeweils noch einmal 20/km abziehen.

Geblitzt wird häufig. Hinweisschilder vor Radarkontrollen sind üblich, darauf verlassen sollte man sich aber nicht.

Unbedingt mitführen

Alle Autofahrer in Frankreich (auch Touristen) müssen Warnwesten dabei haben, und zwar so viele, wie sich Insassen im Wagen befinden.

Seit 2012 ist außerdem das Mitführen eines Alkoholtesters Pflicht, die man für kleines Geld an Tankstellen und Raststätten kaufen kann – theoretisch. Es bestehen nämlich Schwierigkeiten, diese Tester in ausreichender Menge zu produzieren, weswegen in der Praxis trotz anders lautendem Gesetz keine Bussgelder verhängt werden.

Maut-Stationen

Da wir in Deutschland ja – zumindest für gängige Kraftfahrzeuge – keine zahlungspflichtigen Autobahnen haben, hatte ich etwas Bammel vor dem Procedere, aber keine Sorge: Das Passieren der Maut-Stationen ist kinderleicht.

Man muss nur am Anfang rechtzeitig schauen, in welche Reihe man sich einordnet, was davon abhängt, wie man bezahlen möchte.

Von Weitem sehen die Maut-Stationen erst einmal etwas unübersichtlich aus...

Von Weitem sehen die Maut-Stationen erst einmal etwas unübersichtlich aus…

... aber es ist ganz einfach: Rechts Scheine und Münzen: hier einordnen für Barzahlung. Die anderen Spuren mit den weißen Kartensymbolen oben stehen für Kartenzahlung. Das gelbe 'T' weist noch auf 'Télépéage' hin, professionelle Gebührenerfassung mittels Chip - für Touristen eher nicht relevant.

… aber es ist ganz einfach: Rechts Scheine und Münzen: hier einordnen für Barzahlung. Die anderen Spuren mit den weißen Kartensymbolen oben stehen für Kartenzahlung. Das gelbe ‚T‘ weist noch auf ‚Télépéage‘ hin, professionelle Gebührenerfassung mittels Chip – für Touristen eher nicht relevant.

Grundsätzlich gibt es zwei Varianten der Mautentrichtung, aber auch hier keine Sorge: Es ist immer sehr gut erklärt und wirklich offensichtlich, was genau von einem erwartet wird und was man als nächstes konkret tun muss. Und zur Not gibt es an jedem Automaten immer einen „Hilfe“-Knopf.

Option 1: Zahlen bei Beginn der mautpflichtigen Strecke

Hier zahlt man bei der Einfuhr einen bereits festgelegten Betrag, erhält ein (Beleg-)Ticket und fährt dann das zahlungspflichtige Stück Straße entlang, bis dieses irgendwann automatisch wieder in zahlungsfreie Straße übergeht.

Anfahrt an "unseren" Bezahlautomat.

Anfahrt an „unseren“ Bezahlautomat.

Hier muss fix 2,30€ bezahlt werden, Karte bitte da rein, wo das Lichtlein leuchtet. Bei Bedarf kann das Menu zur Erklärung noch auf Englisch oder Deutsch umgestellt werden.

Hier muss fix 2,30€ bezahlt werden, Karte bitte da rein, wo das Lichtlein leuchtet. Bei Bedarf kann das Menu zur Erklärung noch auf Englisch oder Deutsch umgestellt werden.

Schranke auf, Ampel grün: Geschafft, gute Fahrt!

Schranke auf, Ampel grün: Geschafft, gute Fahrt!

Wie öfter in Frankreich fehlen übrigens nach der Mautstation jegliche Fahrbahnmarkierungen - einfach immer weiter fahren.

Wie öfter in Frankreich fehlen übrigens nach der Mautstation jegliche Fahrbahnmarkierungen – einfach immer weiter fahren.

Option 2: Zahlen bei Ende der mautpflichtigen Strecke

An anderen Mautstationen zieht man bei der Einfuhr zunächst erst einmal nur ein Ticket, und zahlt dann erst bei Erreichen des Endes der mautpflichtigen Straße für das Stück, das man eben gefahren ist.

Diese Maut-Station sieht etwas anders aus: Hier kann man an jede Schranke hinfahren, bezahlt wird erst später, wenn man die mautpflichtige Straße wieder verlässt.

Diese Maut-Station sieht etwas anders aus: Hier kann man an jede Schranke hinfahren, bezahlt wird erst später, wenn man die mautpflichtige Straße wieder verlässt.

Hier also einfach den Knopf drücken und das Ticket mitnehmen, dann geht die Schranke direkt hoch und man kann schon weiterfahren.

Hier also einfach den Knopf drücken und das Ticket mitnehmen, dann geht die Schranke direkt hoch und man kann schon weiterfahren.

Erreicht man das Ende der mautpflichtigen Strecke, gibt es noch einmal Automaten, also denn: 1. Ticket einführen, 2. mit Karte bezahlen. Auch hier leitet einen der leuchtende Pfeil, und auch hier ist das Menu auf Wunsch wieder mehrsprachig.

Erreicht man das Ende der mautpflichtigen Strecke, gibt es noch einmal Automaten, also denn: 1. Ticket einführen, 2. mit Karte bezahlen. Auch hier leitet einen der leuchtende Pfeil, und auch hier ist das Menu auf Wunsch wieder mehrsprachig.

Bargeld oder Karte?

In unseren Beispielen oben haben wir immer mit Kreditkarte bezahlt. Unsere deutschen EC-Karten funktionieren schon mal nicht, weshalb man sich nicht darauf verlassen sollte.

Es gibt aber immer auch die Möglichkeit, bar an den Maut-Stationen zu zahlen, dafür einfach in der Reihe einordnen, worüber das Schild mit Münzen und Scheinen leuchtet.

Tankstellen

In Frankreich wird üblicherweise vor dem Tanken an den Zapfsäulen selber bezahlt. Die Bedienung ist simpel und selbsterklärend und auf den Zapfsäulen nochmals schrittweise beschrieben, da kann man eigentlich gar nichts falsch machen: Kreditkarte einführen, PIN eingeben, Kraftstoff auswählen, tanken. Außerdem ist das Menu meistens auch in mehreren Sprachen auswählbar.

Praktisch: An Selbstbedienungsautomaten kann man so auch nachts oder an Feiertagen tanken.

Super 95/98 heißt ’sans plomb 95/98′ oder kurz ‚SP 95/98‘ und ist oft mit einem E in einem Kreis gekennzeichnet. Achtung: Wie bei uns gibt es dort auch Super E 10, das nicht jedes Auto verträgt, er heißt dort SP95 E10.

Diesel heißt ‚Diesel‘, ‚gazole‘ oder ‚gazoil‘ und hat oft ein B in einem Viereck. Gas hat eine Raute und darin z.B. LPG/GPL für Autogas.

Ein Tipp noch von einer lieben Freundin, die auch schon einmal alleine durch Frankreich getourt ist: Abseits der Autobahnen kann man auch an den meisten, großen Supermärkten tanken – und das ist in der Regel günstiger als an den Tankstellen!

Autobahnraststätten

Die Abdeckung mit Autobahnraststätten und Tankstellen ist wie in Deutschland sehr gut. An Raststätten gibt es so gut wie immer ein Bistro, das außer Kaffee und weiteren Getränken mindestens die französischen Klassiker wie belegte Baguettes, Quiches oder köstliche Gaufres (Lütticher Waffeln) anbietet.

Ein paar Brocken französisch sind wie üblich in Frankreich hilfreich – Englisch sprach bei unseren Stops auf dem Weg durch französische Landschaften so gut wie niemand. Zur Not hilft der Google Übersetzer auf dem Handy.

Kreisverkehr

In Frankreich hat in der Regel derjenige Autofahrer Vorfahrt, der sich bereits im Kreisverkehr befindet, es gibt allerdings auch Ausnahmen, wo ‚rechts vor links‘ gilt.

Es empfiehlt sich daher, bei jedem einzelnen Fall noch einmal sehr genau auf die tatsächlichen Verkehrsschilder vor Ort zu achten.


Das sind die wichtigsten Unterschiede, über die man beim Autofahren in Frankreich Bescheid wissen sollte. Fehlt eurer Meinung nach noch etwas in der Auflistung? Dann schreibt es gerne in die Kommentare!