Schon lange ist ein Besuch im Disneyland Paris einer der sehnlichsten Wünsche eines meiner beiden Kinder. Als die große Schwester in diesem Jahr beschließt, für einige Monate die Sonne Costa Ricas zu geniessen und wir zwei nur auf uns alleine gestellt sind, steht unser Entschluss also schnell fest: Jetzt oder nie!

Beim Recherchieren der astronomischen Übernachtungspreise dort fällt uns allerdings die Kinnlade herunter – so geht es also nicht für uns. Schließlich muss man zusätzlich dazu ja auch noch die Kosten der Anreise tragen.

Apropos Anreise… Da erinnere ich mich an eine Idee, die schon lange in meinem Kopf herumspukt: Mit einem Campervan frei und ungebunden mit den Kindern irgendwo in Europa herumfahren und darin übernachten, wo man will. Jetzt ist aktuell zwar nur eins der beiden Kinder verfügbar, aber das macht ja nichts. Dann wäre wenigstens schon einmal entschieden, wer auf dem Beifahrersitz vorne sitzen darf.

Das einzige Problem an der Geschichte ist, dass ich so etwas noch nie gemacht habe, null Ahnung von Camping habe, und einen Campervan bin ich auch noch nie gefahren. Ich weiß also nicht so richtig, worauf wir uns da einlassen, aber so etwas hält uns ja grundsätzlich nicht ab.

Also schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe, mieten einen Campervan für den Weg und besorgen uns Eintrittskarten für den Ort, an dem die Träume wahr werden. Disneyland, wir kommen! Also, hoffentlich.

Das Ziel unserer - und so vieler anderer Menschen - Träume: Disneyland Paris.

Das Ziel unserer – und so vieler anderer Menschen – Träume: Disneyland Paris.

Planung, Ziel, Route und Dauer

Als Zeitraum für unsere erste Tour mit einem Campervan legen wir erst einmal nur eine Woche fest. Das ist überschaubar für den Anfang, und immerhin wäre es ja möglich, dass wir das Ganze total furchtbar finden (Spoiler: ist nicht der Fall).

Da ich bei uns wie immer die einzige Erwachsene und somit ebenfalls die einzige an Bord mit Führerschein bin, gibt es niemanden, mit dem ich mich beim Fahren abwechseln könnte.

Tipp: Wir planen deshalb bei Roadtrips bewusst keine riesig langen Strecken pro Tag ein, denn es gibt kaum eine schlechtere Kombination, als wenn man selber nach zu vielen Stunden am Steuer kaputt und müde aussteigt, während die Kinder gleichzeitig völlig unausgelastet nach zu langem Stillsitzen am Ziel angelangt endlich etwas erleben wollen.

Die effektive Zeit, das Disneyland Paris zu erreichen, wird von unserem Startpunkt in Dormagen aus mit knapp sechs Stunden geschätzt, hin und zurück macht das gut 1000 Kilometer. Das natürlich bei Verwendung der kürzesten und direktesten Route – aber selbst mit einer Million Umwegen und nur wenigen Stunden Fahrt am Tag werden wir es locker schaffen, irgendwann innerhalb ‚unserer‘ Woche dort anzukommen.

Das lässt uns ganz viel Luft und genau die Freiheit, von der wir bei der Planung unseres Roadtrips geträumt haben.

Wir halten nur an, wenn wir Lust haben, oder wenn die Landschaft uns gefällt, oder wenn wir uns die Beine vertreten wollen, oder wenn wir Hunger haben, oder wenn wir auf Toilette müssen, oder, meistens, wenn wir gerade dringend wieder einmal irgendetwas brauchen, was natürlich ganz hinten im Van verstaut ist.

Unterwegs irgendwo in Frankreich.

Unterwegs irgendwo in Frankreich.

Wir haben also keine feste Route, dafür aber jede Menge Zeit – und finden das ganz wunderbar! Durch Belgien hindurch erreichen wir bald Frankreich, und sobald wir Paris ausgeschildert sehen, orientieren wir uns grob daran. Aus unserer Richtung kommend liegt Disneyland noch ein Stückchen vor der französischen Hauptstadt, also dürften wir das kaum verpassen.

Unsere Übernachtungsmöglichkeiten unterwegs finden wir spontan mittels Apps wie ‚Campercontact‘ oder ‚Stellplatzradar‘. Da wir in der offiziellen Camper-Nebensaison unterwegs sind, ist es nicht nötig, Plätze im Voraus zu buchen.

Tipp: Allerdings fand ich es bei unserer ersten Route alleine mit Kind im Camper unterwegs immer günstig, idealerweise ein gutes Stück vor der Abenddämmerung eine Bleibe für die Nacht zu erreichen.

Es ist einfacher, nicht noch im Dunkeln auf besonders in Frankreich teilweise weniger gut beleuchteten, kleinen und engen Straßen herumkurven zu müssen. Außerdem kann man im Hellen viel besser den tatsächlichen Platz aussuchen, wo man seinen Camper abstellt, und gefühlt war es sowohl für mich als auch für’s Kind auch angenehmer, wenn wir noch sehen konnten, wo genau wir eigentlich untergekommen sind.

Das beste an unserem kleinen Zuhause auf Rädern ist natürlich das ausfahrbare Dach!

Das beste an unserem kleinen Zuhause auf Rädern ist natürlich das ausfahrbare Dach!

Schwuppdiwupp ist es stockdunkel - da stehen wir nun mit dem Bettlaken und sind noch nicht fertig.

Schwuppdiwupp ist es stockdunkel – da stehen wir nun mit dem Bettlaken und sind noch nicht fertig.

Glücklicherweise decken sich außerdem die französischen Herbstferien dieses Jahr nicht komplett mit denen bei uns in NRW, so dass wir für das Disneyland auch noch die günstigeren Nebensaison-Tickets ergattern konnten.

Tipp: Auf schulferien.org kann man sich nicht nur über die Schulferien der anderen deutschen Bundesländer informieren, sondern auch die – zumindest einiger – anderer Länder ansehen.

Camping und Urlaub mit einem Van oder Wohnmobil liegt voll im Trend, da ist die Auswahl, an ein den eigenen Ansprüchen oder dem Geldbeutel passendes Gefährt zu kommen, mittlerweile groß. Auch viele private Eigentümer vermieten ihre Fahrzeuge, wenn sie sie selber nicht benötigen.

Als absolute Beginner auf diesem Sektor ist uns aber ein professioneller Anbieter lieber. So können wir uns auf der Webseite bereits vorab das Modell unseres Wagens genau angucken und auch Erklärvideos anschauen, was wir ganz cool finden, um vorab ein Gefühl dafür zu bekommen.

Was schiefgehen kann (oder: Was man nicht auf Instagram sieht)

Die tatsächliche Einweisung beim Vermieter vor Ort erweist sich allerdings als ziemliches Desaster: Die Frau, die uns zuerst alles zeigt und erklärt, ist wahnsinnig nett und freundlich, allerdings ziemlich unerfahren und kann die Hälfte unserer letzten (Standard-)Fragen leider gar nicht beantworten. Der herbeigerufene Chef weiß und kennt zwar offensichtlich alles, benimmt sich aber auch genau so und ist an Überheblichkeit und Macho-Gehabe kaum zu überbieten, uff. Was für ein blöder Start in unser Abenteuer…

Nach kurzem Blicktausch zwischen Kind und mir sehen wir zu, dass wir möglichst schnell da wegkommen, weil wir uns dort gar nicht wohlfühlen, und halten dann an der nächsten Raststätte schon direkt wieder an, um unser Gefährt erst einmal in Ruhe in Augenschein zu nehmen und z.B. Frischwasser aufzufüllen, damit wir uns damit nicht erst abends rumschlagen müssen.

Schließlich sind wir ready und bereit, unsere Laune hat sich auch wieder gebessert und mit der richtigen Musik kann es dann nun aber wirklich endlich losgehen mit unserem Roadtrip.

Kaum ein paar hundert Meter zurück auf der Autobahn allerdings beginnt eine Warnleuchte über das gesamte Display zu blinken: „Ad-Blue dringend nachfüllen“. Ähm – was bitte? Noch nie gehört. Wobei… eine Szene mit unserem schnöseligen Autoverleiher schiebt sich vor mein inneres Auge: „Ihr braucht euch um nichts kümmern. Wir haben alles schon gemacht und tipptopp vorbereitet, also ihr braucht auch kein AdBlue nachzufüllen oder sowas, damit braucht ihr euch nicht herumzuschlagen, das reicht locker für euren ganzen Trip und noch drei weitere, alles erledigt!“

Das hat ja schon mal prima geklappt – nicht.

Also fahren wir bei der nächsten Raststätte gleich wieder raus, googeln erst einmal, was das überhaupt ist, und kaufen einen Ersatzkanister. Ich habe keine Ahnung, was genau unser Fahrzeug da so braucht und ob es verschiedene Sorten gibt oder so, bekomme aber netterweise vom Servicepersonal und den dort Pause machenden Truckern alles sehr freundlich erklärt. Dabei unterhalten wir die ganze Tankstelle, denn als ich nachfrage, wie viel man denn so nachfüllen müsse, brechen die gestandenen Kerle in schallendes Gelächter aus, das könne man klar sagen: wenn es überlauft, dann wäre es eben zu viel gewesen! Ähm, okay. Versuche ich dann mal.

In Gedanken auf den Verleiher schimpfend, dass wir so aufgehalten werden, wo wir doch schon längst ein gutes Stück Strecke gemacht haben wollten, kehre ich mit dem erfolgreich erworbenen Nachfüll-AdBlue zum Van (und zu meinem Kind, das dort gewartet hat und langsam etwas verunsichert guckt, weil wir doch schon lange auf diesem coolen und lustigen Roadtrip unterwegs sein wollten, von dem wir immer gesprochen hatten) zurück, nur um dort festzustellen, dass ich leider den blöden Kanister ums Verrecken nicht aufbekomme.

Mittlerweile doch ein winzigkleines bisschen genervt schaue ich mich um – weit und breit niemand zu sehen. Doch da ganz hinten, am anderen Ende des Parkplatzes, steht ein einzelner, bulliger LKW-Fahrer vor seinem Truck. Ich werfe dem Kind die Autoschlüssel zu und flitze los, dem zunächst etwas verwirrt guckenden Mann entgegen. Dort angekommen wird schnell klar, dass wir beide leider keine gemeinsame Sprache teilen, aber er versteht unser Problem und nimmt jovial den Kanister entgegen.

Überrascht stellt er dann fest, dass er ihn auch nicht aufbekommt (ha!), aber offensichtlich ist sein Ehrgeiz gepackt und mit herbeigezaubertem Werkzeug und etwas Gewalt geht es irgendwann doch. Ich bedanke mich freundlich und renne zurück zu unserem Van. Deckel auf, nachfüllen, aufhören, bevor es überläuft, Deckel zu, check.

Und dann können wir endlich, endlich los! Dritter Versuch!

Während wir wieder einsteigen, zieht unser neuer Freund mit seinem schweren 40-Tonner schon freudig laut hupend und kräftig winkend an uns vorbei Richtung Autobahnauffahrt. Wir winken strahlend zurück, was dazu führt, dass uns die mittlerweile neu angekommenen Familien, die neben uns gerade ebenfalls ihre Autos tanken, etwas merkwürdige Blicke zuwerfen. Grinsend schauen meine Tochter und ich uns an, schlagen die Türen zu, starten den Wagen und geben Gas.

Wieder auf Kurs

Ab jetzt läuft auf dem Weg immer weiter nach Westen alles wie am Schnürchen: Wir hören Musik, singen lauthals mit, bis wir nicht mehr können, lauschen Hörspielen, reden und diskutieren über alle möglichen Themen, und hängen manchmal auch nur unseren Gedanken nach, während draußen an uns die Landschaft vorbeizieht.

Wir erreichen das Disneyland Paris wie geplant nach einigen Tagen und ich verbringe einen wundervollen, sonnigen Tag mit einem mehr als glückseligen Kind dort. Falls ihr auch einmal hinfahren möchtet, haben wir in einem eigenen Artikel jede Menge hilfreiche Informationen zu Öffnungszeiten, Eintrittskarten und Security-Checks und zu Attraktionen, Shows und Paraden aufgeschrieben.

Willkommen im Disneyland Paris!

Willkommen im Disneyland Paris!

Die – im Vergleich zu allen anderen Optionen – kostengünstige Übernachtung direkt auf dem eigenen Wohnmobil-Parkplatz von Disneyland hat wie gehofft ebenfalls prima geklappt. Alles zu Anfahrt, Gebühren (inkl. Trick zum Sparen) und wie es uns gefallen hat findet ihr bei Interesse in einem weiteren Post, denn wir hatten uns vorher dumm und dusselig gesucht und vor unserer Reise längst nicht zu allen Fragen vorab Antworten im Netz gefunden.

Den Rückweg planen wir ebenso wie schon unseren Hinweg: Nämlich gar nicht, und lassen uns weiter treiben, nur dieses Mal eben in die entgegengesetzte Richtung, nach Osten. Inzwischen fühlen wir uns schon als Profis unterwegs auf der Straße und sind ein eingespieltes Team.

Natürlich passiert noch so einiges, womit wir vorher nicht gerechnet hatten: wir geraten in Starkregen, der zwei ganze Tage und eine ganze Nacht andauert, außerdem verbringen wir mehrere Stunden inmitten eines Streiks aufgebrachter Bauern, die mit ihren Traktoren die gesamte Autobahn lahmgelegt haben, die ersten Tage bleibt unsere Küche kalt, da die Gaszufuhr zunächst nicht funktioniert, und natürlich verfahren wir uns ein ums andere Mal und kommen irgendwie ganz woanders raus als gedacht.

Aber das alles macht gar nichts, wir haben unsere allererste Campingvan-Tour als totale Anfänger trotz größerer und kleinerer Widrigkeiten total genossen und wollen das unbedingt bald einmal wiederholen. Wie viele Kilometer wir letzten Endes insgesamt gefahren sind, wissen wir gar nicht – jedenfalls weit mehr als die minimal laut Google Maps benötigten Tausend, aber genau das war ja auch der Plan. Und allen anderen da draußen, die vielleicht ebenso wie wir so etwas vorher noch nie gemacht haben, aber es gerne einmal ausprobieren würden, sagen wir: Traut euch!

Das Wichtigste ist, glaube ich, genug Zeit dabeizuhaben. Und den Rest auf sich zukommen zu lassen.


Hier kommt ihr noch einmal zu einer Übersicht von allen Posts unseres Trips Mit dem Campervan durch Frankreich bis ins Disneyland.

Mit diesem Beitrag nehmen wir an der Blogparade von unterwegsmitkind teil. Vielen Dank, liebe Angela, für diese tolle Möglichkeit! Schaut mal dort vorbei – ihr findet eine geballte Ladung echte und authentische Roadtrips und -tipps von Familien mit Kindern.