Der weitläufige Central Park mitten in Manhattan ist eine willkommene Abwechslung zum Trubel der Stadt. Gleich dreimal landen wir während unseres Aufenthalts in New York City hier – und haben doch nur einen Bruchteil erkundet und noch lange, lange nicht alles gesehen.

Ein bisschen Hintergrundwissen zum meistbesuchten, städtischen Park der USA gefällig?

Gegründet wurde die Anlage bereits Mitte des 19. Jahrhunderts, damit die steigende New Yorker Population einen Ort zum Ausruhen und zur Regeneration erhielt.

Der See 'The Lake' im Central Park, mit den Zwillingstürmen der Luxusapartments 'San Remo' im Hintergrund.

Der See ‚The Lake‘ im Central Park, mit den Zwillingstürmen der Luxusapartments ‚San Remo‘ im Hintergrund.

Der Erwerb des Grundstücks kostete den Staat mehrere Millionen Dollar, und die Fläche des Parks ist größer als das ganze europäische Fürstentum Monaco!

Seine Geschichte ist alles andere als langweilig: Nachdem er von Anfang an großen Zuspruch in der Bevölkerung fand, durchlief er im letzten Jahrhundert auch zwei schwere Krisen: Die erste nach dem zweiten Weltkrieg aufgrund steigender Armut: Drogen, Prostitution und Obdachlosigkeit machten sich breit und Raubüberfälle waren an der Tagesordnung.

Die zweite, um so schwerere, begann in den 70er Jahren mit der Rezession: Es war einfach kein Geld mehr da, um ihn zu erhalten und zu pflegen, und so verkamen und verwilderten die Pflanzen und Bäume, Wiesen und Wege. Geräte auf den Spielplätzen gingen kaputt und wurden nicht repariert, die gesamte Infrastruktur bröckelte, Vandalismus und Müll überall.

In den 80er Jahren schließlich wollte der damalige Bürgermeister den Central Park sogar schließen lassen. Eingedenk der Tatsache, dass man auf dem Gebiet nach Schätzungen 16 Millionen Wohnungen unterbringen könnte, ließe sich eine gigantische Menge an Geld damit verdienen.

Doch es hagelte Proteste und auch Künstler engagierten sich nun mit Konzerten für einen guten Zweck, und durch das Engagement privater Initiativen und großzügiger Sponsoren haben sie es schließlich geschafft, ihn wieder zu einem sicheren, schönen und sauberen Anziehungspunkt für alle Besucher zu machen.

Idyllisch: viel Ruhe und viel Platz im Central Park.

Idyllisch: viel Ruhe und viel Platz im Central Park.

Und heute kann man sich die düsteren Zeiten kaum mehr vorstellen, wenn man über die verschlungenen Wege des Central Parks schlendert und die wunderbare und friedliche Atmosphäre dieser riesigen, riesigen Fläche genießt.

Es gibt so viel zu entdecken hier, dass unsere drei spontanen Besuche uns drei völlig unterschiedliche Seiten dieser grünen Idylle mitten in Manhattan zeigen:

01 Von Westen kommend, dann Richtung Süden

Bei unserem ersten Besuch fahren wir mit der Subway bis zur 72nd Street, und als wir wieder Tageslicht erblicken, stehen wir erst einmal direkt hiervor:

Das 'Dakota-Building' Nähe 72th Street, John Lennon ehemaliges Wohnhaus mit Blick auf den Central Park.

Das ‚Dakota-Building‘ Nähe 72th Street, John Lennon ehemaliges Wohnhaus mit Blick auf den Central Park.

Das Dakota-Building, in dem einst John Lennon lebte und vor dem er 1980 von einem verwirrten Fan erschossen wurde.

Imagine… Remember John Lennon

Ich finde es immer ein wenig merkwürdig, an Stätten zu stehen, an denen etwas außergewöhnliches (sei es nun positiv oder negativ) geschehen ist. Ich frage mich immer, ob man, wenn man ganz, ganz genau hinschaut, ob man dann für eine Millisekunde die damaligen Ereignisse sehen oder sich zumindest vorstellen könnte? Für einen Moment den Schleier der Geschichte heben…

Aber natürlich passiert nichts, es fahren einfach Autos auf der Straße entlang und Passanten, naja, passieren unbeeindruckt und mit ihren eigenen, aktuellen Gedanken beschäftigt den Bürgersteig und damit die Stelle, an der eine Entscheidung die Lebenswege der Beteiligten für immer brutal veränderte.

Seine Witwe Yoko Ono wohnt übrigens immer noch dort, und legt jedes Jahr aufs Neue ein Veto gegen den Antrag der vorzeitigen Entlassung seines Mörders ein.

Direkt gegenüber biegen wir nun hier in den Central Park ein, und passend zu unseren Gedanken ist der hiesige Teil der Parks zum Gedenken an John Lennon nach einem Beatles-Song benannt: es sind die ‚Strawberry Fields“, inklusive Denkmal aus Mosaiksteinchen mit dem Schriftzug „Imagine“ darin dazu.

'Imagine' - Der Titel des Weltfriedens-Songs von John Lennon als Teil des Mosaik-Memorials im Central Park.

‚Imagine‘ – Der Titel des Weltfriedens-Songs von John Lennon als Teil des Mosaik-Memorials im Central Park.

Und, ungelogen, sitzt daneben natürlich gerade ein Alt-Hippie mit Gitarre auf einer Bank und schmettert ‚Let it be‘.

Ob das jeden Tag hier so ist? Seit bald 40 Jahren? Vermutlich.

Loeb’s Boathouse

Wir gehen weiter, lassen uns ein wenig treiben und passieren bald ‚Loebs Boathouse‘, wo man Boote ausleihen kann, um auf dem See, der einfach nur ‚The Lake‘ heißt, herumzurudern.

'Loeb's Boathouse' - hier kann man gemütlich Kaffee trinken und ein Stückchen Kuchen essen und natürlich Ruderboote ausleihen.

‚Loeb’s Boathouse‘ – hier kann man gemütlich Kaffee trinken und ein Stückchen Kuchen essen und natürlich Ruderboote ausleihen.

Ruderboote von Loeb's Boathouse an einer Anlegestelle - ein wenig Postkartenatmosphäre.

Ruderboote von Loeb’s Boathouse an einer Anlegestelle – ein wenig Postkartenatmosphäre.

Das konntet ihr auch bereits in diversen Filmen sehen: Wenn Leute in Booten auf einem See im Central Park herumrudern, dann hier!

Das konntet ihr auch bereits in diversen Filmen sehen: Wenn Leute in Booten auf einem See im Central Park herumrudern, dann hier!

Felsen, Felsen, überall Felsen

Interessanterweise besteht der Central Park gar nicht nur aus einer geraden, flachen Parkanlage mit getrimmten Wiesen, sondern vor allem ist er eins: erstaunlich felsig!

Zur großen Freude der Mädels ist der Park geradezu durchzogen von Felsen, die man wunderbar erklimmen und auf denen man überhaupt ideal darauf herumklettern kann, was auch sämtliche andere  Besucher ebenfalls begeistert tun.

So ‚wild‘ und naturbelassen hatte ich mir das hier gar nicht vorgestellt.

Jetzt erinnere ich mich auch daran, dass ich irgendwo gelesen hatte, dass man den Platz für die Straßen, die durch den Central Park führen, damals mit großen Mengen an Sprengstoff erst freisprengen musste, denn die Felsen sind von Granit durchzogen.

Damit man nicht immer ganz außen herum fahren muss, führen einige (wenige) Straßen durch den Central Park, die die Avenues im Westen und Osten verbinden.

Damit man nicht immer ganz außen herum fahren muss, führen einige (wenige) Straßen durch den Central Park, die die Avenues im Westen und Osten verbinden.

Die Lichter gehen an, Zeit heimzugehen. Für ein erstes Umschauen hat es uns gereicht heute.

Es beginnt zu dämmern im Central Park.

Es beginnt zu dämmern im Central Park.

 Die Straßenlaternen gehen an - es gibt genügend, um immer noch genug zu sehen.

Die Straßenlaternen gehen an – es gibt genügend, um immer noch genug zu sehen.

02 Nächster Besuch: von Süden kommend

Dieses Mal erreichen wir den Central Park von Downtown aus. Hier kommen wir an einem der 26 (!) Spielplätze, am bekannten Kinderkarussell und an diversen der 21 Ballspielfelder des Areals vorbei und genießen mit den anderen New Yorkern die Sonne.

Auf einer riesigen Felsformation machen wir es uns – neben den anderen New Yorkern – auch gemütlich, bis die Sonne hinter der Skyline versinkt.

Die Wollman Ice Rink – Eislaufen vor der Skyline von Manhattan

Wir klettern vom Felsen runter und schauen unten angekommen dort noch eine Runde den Schlittschuhläufern auf der Wollman Rink Eisbahn zu. Was für eine schöne Kulisse!

Der Wollman Rink gehört in den kälteren Monaten zu den beliebtesten öffentlichen Eisbahnen der Stadt! Von Mai bis September verwandelt sich die Fläche in einen Vergnügungspark mit Buden: Die Victorian Gardens.

03 Noch einmal von Westen kommend: Nördliche Richtung

An unserem letzten Tag in New York zieht es uns noch einmal in den Central Park; dieses Mal wieder von Westen, so ziemlich in der Mitte, aus. Südlich kommen dann „the Lake“ und die „Strawberry Fields“, da waren wir ja schon. Also schlagen wir uns nun Richtung Norden, und erreichen so die „Great Meadows“, und ja, hier ist mal richtig viel Platz!

'The Great Meadows', die großen Wiesen heißt - völlig berechtigt - dieser Teil des Central Parks.

‚The Great Meadows‘, die großen Wiesen heißt – völlig berechtigt – dieser Teil des Central Parks.

Eine Runde Schaukeln geht auch noch, schließlich müssen wir später im Flugzeug so viel still rumsitzen.

Pitch and toss, pitch and toss...

Pitch and toss, pitch and toss…

Fun (&) Facts über den Central Park

Lampen weisen dir den Weg

Man braucht keine Angst haben, hier verloren zu gehen: Wenn man einmal die Orientierung verloren hat und der Handy-Akku leer sein sollte, dann helfen die mehr als 1.500 Parklaternen weiter.

Wie das?

An jeder Laterne ist eine Plakette mit einem meistens vierstelligen, manchmal fünfstelligen Code angebracht. Die ersten beiden (manchmal drei) Zahlen sagen dir, welcher Straße du am nächsten bist, denn die sind ja alle durchnummeriert.

Und die letzten beiden Ziffern?

Sind sie gerade, befindest du dich auf der Ostseite des Parks. Sind sie ungerade, eher auf der Westseite.

Bonus:

Suchst du dir nun die nächste Parklaterne und dort sind die beiden letzten Zahlen höher als auf der vorangegangenen, dann bewegst du dich auf die Mitte des Central Parks zu. Sind sie niedriger, gehst du Richtung Rand.

Das da (links) brauchst du im Central Park nicht, wenn du das da (rechts) hast.

Das da (links) brauchst du im Central Park nicht, wenn du das da (rechts) hast.

Cool, oder? Gerade mit Kindern eine sehr lustige Sache, die sich unbedingt einmal lohnt, auszuprobieren!

Willkommen im Paradies!

Tatsächlich hat sich der Central Park zu einer wahren Oase für Tiere entwickelt. Zum Beispiel wurden hier mehr als 230 verschiedene Vogelarten über die Jahre gesichtet, das macht diesen Ort damit offiziell zu einem der besten der gesamten USA, um sie zu beobachten.

Und prompt lernen wir während unseres heutigen Spaziergangs einen älteren New Yorker kennen, der inmitten von Vögeln auf einer der vielen Bänke sitzt und diese füttert. Er erzählt uns, dass er das jeden Tag genau an dieser Stelle um die gleiche Uhrzeit macht, und dass er die Tiere, die sich regelmäßig einfinden, schon alle kennt. Auch ein paar zutrauliche Eichhörnchen holen sich hier ihr Abendessen ab!

Wir bleiben eine Weile stehen, schauen fasziniert zu und unterhalten uns mit dem Mann. Wir fühlen uns beinahe wie in einem alten Disney-Film, so idyllisch ist das Ganze.

Wolle Bank kaufen?

Eins fällt uns direkt auf, als wir den Central Park betreten: Es gibt unfassbar viele Bänke hier. Insgesamt mehr als 9.000 Stück! Das ist auch gut so, denn man muss sich unweigerlich zwischendurch setzen und einmal ausruhen oder Pause machen oder etwas essen.

Schnäppchen: Für 7.500$ gehört dir eine eigene Bank im Central Park!

Schnäppchen: Für 7.500$ gehört dir eine eigene Bank im Central Park!

Das besondere: Jede Bank ist oben in der Mitte der Lehne mit einem Metallschildchen mit einer persönlichen Widmung versehen. Jeder, der möchte (und bereit ist, 7.500 Dollar zu zahlen), kann sich seine eigene Bank sichern und seine Botschaft für die Ewigkeit festhalten, denn es ist garantiert, dass sie für immer stehen bleiben. Angeblich verdient der Central Park damit um die eine Million Dollar im Jahr!

Völlig unterschiedliche Sachen stehen auf den Schildern: manchmal simple und klare Angaben, manchmal Liebesschwüre, Zitate oder rätselhafte Passagen. Schaut euch einmal ein paar an, wenn ihr hier seid! Es ist wirklich spannend und unterhaltsam und ein netter Zeitvertreib.

 


Lage des Central Park

Er befindet sich zwischen der 59th Street im Süden und der 110th Street im Norden, und wird im Osten durch die Fifth Avenue und im Westen durch die Central Park West (der Fortsetzung der 8th Avenue) begrenzt.

Anfahrt

Es gibt etliche Haltestellen, die die Subway in der Nähe anfährt:

  • im Westen: 1, 2, 3, B und C
  • im Osten: 4, 5, 6
  • im Süden A, B, C, D, 1, N, R und Q

Öffnungszeiten:

Täglich von morgens um 6:00 Uhr bis nachts um 1:00 Uhr.