Es ist Zeit, sich den Times Square genauer anzuschauen, die berühmte Kreuzung im Herzen des Theaterviertels von Manhattan.

Hier ist quasi das Epizentrum des gesamten Tourismus von New York City: Andenken- und Franchiseläden, Fastfoodketten und Popkultur, Blingbling und Plastik, Neonreklamen und Werbung dicht an dicht.

Aber das ist nur die Oberfläche: Eigentlich geht es hier am Broadway natürlich um Theater und Musicals, denn mehr als 40 Show-Bühnen sind hier untergebracht, außerdem Film- und Fernsehstudios und Kinos.

Blick gen Süden vom Times Square her.

Blick gen Süden vom Times Square her.

Der Broadway ist die einzige Straße in New York City, die einfach einmal komplett schräg mitten durch das ansonsten schnurgerade Schachbrettmuster des Straßenplans verläuft. Und dort, wo sie die 7th Avenue längs durchschneidet, dort befindet sich der Times Square.

[Werbung, weil Namensnennung]

Am ‚Center of the Universe’*

(*kein Scherz, der Times Square wird in den USA tatsächlich so genannt)

Die Kreuzung erhielt ihren Namen Anfang des letzten Jahrhunderts durch die berühmte Zeitung ‚The New York Times‘, die damals dort Quartier bezog.

Nach einer anfänglich glorreichen Zeit zwischen den großen Bühnen und renommierten Luxusunterkünften am Broadway ging es in den 60er Jahren erst einmal abwärts: Theater und Hotels verschwanden oder wurden abgerissen, Sexkinos und Striptease-Bars zogen ein und das Publikum wandelte sich, so dass der Platz Ende der 70er Jahre als eine der gefährlichsten Gegenden der Stadt galt.

Mitte der 80er brachte eine Initiative die Wendung: Es wurde investiert, für Sicherheit und Sauberkeit gesorgt, renoviert und restauriert, und so kamen die großen Musikfirmen, die Theater und Hotels zurück, so dass man heute – abgesehen von den üblichen Sicherheitsvorkehrungen in einer Großstadt – keine Sorge mehr haben muss, hier entlang zu gehen.

Mittlerweile wurde sogar eine eigene Tribüne für die Touristen dort aufgebaut, damit sie nicht allen anderen Menschen dort immer im Weg stehen. Natürlich setzen wir uns da auch kurz hin, schließlich sind wir genau das: Touristen.

Und so schauen wir uns in Ruhe um, und können nicht anders, als zu staunen, staunen, staunen. So viele Menschen! Was für ein Gedränge. Und so viel bunte Werbung überall! Das ist schon, egal, was man insgesamt davon halten mag, überwältigend.

Blick nach links...

Blick nach links…

... Blick geradeaus, nach Norden, von der Tribüne...

… Blick geradeaus, nach Norden, von der Tribüne…

... und Blick nach rechts.

… und Blick nach rechts.

Interessanterweise wurde hier in New York, genau im Gegensatz zum Piccadilly Circus in London, wo nach und nach die Leuchtreklamen immer unerwünschter wurden und diese peu à peu verschwinden, sogar in einem Gesetz extra festgelegt, dass Gebäude auf dem Times Square mit bunt leuchtenden Reklametafeln zu versehen sind, um für ein einheitliches Bild zu sorgen. Verrückt, oder?

Skurrile Randerscheinungen

Staunend erblicken die Mädels den ‚Naked Cowboy‘, von dem sie auch schon gehört hatten, der seit mittlerweile sicher schon Jahrzehnten tagein, tagaus leicht bekleidet mit Westernstiefeln und -hut samt Gitarre hier herumsteht und ab und an ein Liedchen trällert, was sich für ihn wohl bereits ausgezahlt hat.

Der 'Naked' Cowboy, mittlerweile eine Ikone, der, so munkelt man, reich geworden ist, indem er seit Jahrzehnten hier mit seiner Gitarre herumsteht.

Der ‚Naked‘ Cowboy, mittlerweile eine Ikone, der, so munkelt man, reich geworden ist, indem er seit Jahrzehnten hier mit seiner Gitarre herumsteht.

Interessanterweise hat er mittlerweile gleich zweimal Verstärkung in weiblicher Form erhalten, und die Mädels weisen mich direkt darauf hin, dass diese beiden a) Gänsehaut am Popo haben und b) die eine ‚sogar die Brüste nur angemalt hat!‘ Eine Hose hatte sie aber wohl an, wird mir noch mitgeteilt. Na dann.

Anschließend erfahre ich, dass die Mädchen ihr Geld aber nicht damit verdienen wollen, nackig auf dem Times Square zu stehen. Da bin ich aber froh, dass wir das schon geklärt haben!

Später kommen wir noch an diesem Laden vorbei, bei dessen Name wir zweimal hingucken müssen:

Die 'Bubba-Gump-Shrimp-Company' - gibt es wirklich!

Die ‚Bubba-Gump-Shrimp-Company‘ – gibt es wirklich!

Da hat jemand die Idee aus dem bekannten Film mit Tom Hanks in die Realität geholt und tatsächlich das Geschäft mit den Shrimps aus der Geschichte um Forrest Gump eröffnet.

Und wo sind die Leute empfänglicher für so einen Gag als hier auf dem Times Square? Was es nicht alles gibt.

Weitere Nebenschauplätze auf dem Times Square

Hier bekommen die Mädchen große Augen: Wir machen einen Abstecher in den – zweistöckigen – Disney-Shop am Times Square und widerstehen dem Kaufrausch nur äußerst knapp.

Mickey und Minnie, und alles, was man sich sonst noch so vorstellen kann, ist hier!

Mickey und Minnie, und alles, was man sich sonst noch so vorstellen kann, ist hier!

Das zaubert jedem ein Lächeln auf's Gesicht: Die Treppe nach oben führt durch die Laternen aus Rapunzel.

Das zaubert jedem ein Lächeln auf’s Gesicht: Die Treppe nach oben führt durch die Laternen aus Rapunzel.

Aber hungrig sind wir, schon wieder, und dank Jetlag ist es noch richtig früh, kaum 12 Uhr mittags. Das ist eigentlich perfekt, überlegen wir, denn das heißt, dass wir noch nirgendwo lange warten müssen, und ich habe auch schon eine Idee, was den Mädels sicherlich gefallen würde. Fix laufen wir auf der 7th Avenue ein, zwei Blocks runter, bis diese dann auf die 43rd Street trifft.

Dort sehen wir schon von weitem eine riesige, mehrere Stockwerke hohe (!), leuchtende und blinkende Gitarre an einer Hausecke um sich selbst drehen: Das ist das Hard Rock Café von New York, direkt am Times Square, mit Sitzplätzen für mehr als 700 Personen!

Das Hard Rock Café von New York City.

Das Hard Rock Café von New York City.

Im Prinzip finde ich Ketten-Restaurants nicht so besonders spannend; sie sehen ja überall auf der Welt gleich aus. Wir vermeiden sie auf unseren Reisen daher normalerweise zugunsten landestypischen, authentischen Essens.

Aber hier, in New York City? Also, wenn perfektionierte Massengastronomie mit Rockmusik, Burgern und Pommes nicht den American Way of Life verkörpert, dann weiß ich auch nicht. Also los!

Und ja, es ist schon ziemlich cool, das ganze Musikzubehör bekannter und berühmter Bands und Musikgrößen, das hier zur Schau gestellt wird. Die gesamte Dekoration ist wirklich beeindruckend.

Gitarren, wohin das Auge blickt.

Gitarren, wohin das Auge blickt.

Überall Gitarren. Über der Treppe nach unten hängt direkt die nächste, riesige über unseren Köpfen, und, naja, noch viel, viel mehr Gitarren als schnöde Wandverzierung auf dem Weg zu unseren Plätzen.

Essen und Service sind tadellos, und als wir drei gut gesättigt wieder draußen auf dem Times Square stehen und erneut auf die endlos strömenden Menschenmassen und unentwegt blinkenden, bunten Lichter schauen, stellen wir fest, dass wir nun genug haben von dem Rummel und eine Pause benötigen.

Da brauche ich nicht lange fragen – die Mädels wollen noch einmal in den Central Park. Eine gute Wahl, der perfekte Ausgleich. Also, auf zur nächsten Subway Station!