Søstrene Grene – der Name der Handelskompanie für dänisches Design zergeht auf der Zunge. Zumindest, wenn man weiß, wie man ihn richtig ausspricht (tatsächlich in etwa so, wie man es schreibt: Sös-trene Gre-ne, jeweils mit weichem, rollenden ‚r‘). Wir haben dafür extra einen netten Verkäufer dort im Laden gefragt, der uns geduldig und ein wenig belustigt üben lässt, bis wir es in etwa treffen. Und soviel sei gesagt: Unsere ursprünglichen Ideen, die sich wohl eher an der englischen (Aus-)Sprache orientierten, lagen weit neben der Realität! Interessante Sache, die dänische Sprache.

Aber bis wir heute in dem beliebten Einrichtungskaufhaus landen, dauert es noch eine Weile (ihr kennt es gar nicht? Macht auch nichts. Es gibt meiner Erfahrung nach nur zwei Sorten Menschen: Die, die fragend mit dem Kopf schütteln, und die, die in glückliche Schnappatmung ausbrechen, wenn sie den Namen hören). Und beides ist okay.

[Werbung, weil Namensnennung]

Kopenhagen zu Fuss

Wir beginnen unseren kleinen Spaziergang durch das Zentrum der dänischen Hauptstadt am ‚Kastellet‘, einer Festung mit sternförmigem (!) Grundriss und dazugehörigen Wallanlagen. Außergewöhnlich, und sehr schön!

Wir halten uns Richtung Meer, und gelangen damit direkt daneben nach ‚Langelinie‘, das ist ein Pier, eine Promenade und ein Park zugleich, und schon seit Jahrhunderten ein beliebtes Ziel für Ausflüge und Spaziergänge.

Am Kai stehend blicken wir beeindruckt hinaus auf den gewaltigen, dunklen und tiefen Øresund, die Meerenge, die die Ostsee mit dem Kattegat verbindet, und hinter der irgendwo dahinten Schweden kommt.

Am Kai der 'Langelinie', mit Blick auf das Wasser des Öresund.

Am Kai der ‚Langelinie‘, mit Blick auf das Wasser des Öresund.

Wir bummeln gemütlich stadteinwärts und kommen bald an einem bekannten Wahrzeichen Kopenhagens vorbei: Der ‚Lille Havfrue‘, der tatsächlich gar nicht mal so großen Bronzestatue der kleinen Meerjungfrau. Sie ist der Figur aus dem Märchen von Hans Christian Andersen, der hier gelebt hat, nachempfunden.

Die kleine Meerjungfrau

Interessante Anekdote: Die ‚echte‘ kleine Meerjungfrau verblieb im Besitz der Familie des Bildhauers an einem der Öffentlichkeit bis heute unbekannten Ort.

Diese berühmte hier ist nur eine – im selben Jahr gefertigte – Kopie.

Sie kennt jeder in Kopenhagen: Die 'Lille Havfrue', die kleine Meerjungfrau.

Sie kennt jeder in Kopenhagen: Die ‚Lille Havfrue‘, die kleine Meerjungfrau.

Weiter in Richtung Stadt gehen wir am Wasser des Hafens entlang, passieren die Gartenanlagen von Schloß Amalienborg und erreichen nach einem guten Stück zu Fuss ein weiteres, bekanntes Wahrzeichen von Kopenhagen:

Die bunten Häuser von Nyhavn

Als wir hier stehen, regnet es leider Bindfäden, so dass wir nach wenigen Fotoklicks weiterziehen. Naja, ist dann wenigstens authentisch.

Das gegenüberliegende Ufer ist trotz des Wetters bestens besucht, wirkt aber auch ziemlich „touristisch erschlossen“, so dass wir es gar nicht so schlimm finden, dass wir hier nicht verweilen.

Die bunten Hafenhäuser in Nyhavn im Kopenhagener Zentrum.

Die bunten Hafenhäuser in Nyhavn im Kopenhagener Zentrum.

Jetzt haben wir glatt ein wenig Zeit übrig, was machen wir denn so spontan? Die Frage erhält umgehend eine Antwort, als wir vom Hafen weg das Schloß Christiansborg umrunden und plötzlich vor dem Flagshipstore von LEGO stehen.

LEGO – von „leg godt“ (dänisch für „spiel gut“)

Die unverwüstlichen bunten Bausteine aus Plastik wurden Mitte des letzten Jahrhunderts in Dänemark erfunden und ihr Jahrzehnte überdauernder Erfolg machten das Unternehmen LEGO mit ihrem simplen Steckprinzip zum heute größten Spielzeughersteller der Welt!

Kein Kind, das in seiner Kindheit nicht irgendwann mal mit LEGO spielt, und keine Familie, die nicht irgendwo noch mindestens eine Box im Keller oder bei den Eltern rumstehen hat, bis sie irgendwann – unverwüstlich und unkaputtbar – an den eigenen Nachwuchs weitergereicht wird.

An den Abmessungen der Steine wurde nie etwas verändert, so das heutige Klötzchen immer noch problemlos mit denen der allerersten Produktionen zusammenpassen. Und hier, im LEGO Flagship-Store in Kopenhagen, kann man natürlich kaufen, was das Herz begehrt. Oder man guckt sich nur um und bewundert die beispielhaften, riesigen und beeindruckenden Bauten im Laden, von Harry Potter bis zur kompletten Häuserreihe von Nyhavn ist alles dabei.

Noch einmal die bunten Häuser, hier in Miniatur im LEGO Shop.

Noch einmal die bunten Häuser, hier in Miniatur im LEGO Shop.

Mit unserem Besuch im LEGO Store stehen wir an einer Kreuzung und damit bereits so gut wie auf dem ‚Strøget“, Kopenhagens Einkaufsmeile in der Fußgängerzone, die über einen Kilometer lang ist.

Hier findet man alles, was Rang und Namen hat, auch einen weiteren Flagshipstore: Nämlich den größten H&M von ganz Skandinavien! Über vier oder sogar fünf ganze Häuser (!) zieht sich dieser eine Laden.

Wir gehen eigentlich nicht unbedingt shoppen, wenn wir reisen, aber da kann man ja mal reingucken. Und tatsächlich, das ist toll! Vor allem gefallen uns die Umkleidekabinen mit traumhaft viel Platz und sogar vernünftiger Ausleuchtung, die einen nicht aussehen lässt, als wäre man gerade vom Leichentisch gehopst – so gar kein Vergleich mit deutschen Filialen!

Zwei Einkaufstüten später stehen wir wieder draußen und dann endlich durchschreiten wir die Türen von ‚Søstrene Grene‘, dem Handelskontor der ‚Schwestern Grene‘.

Beim dänischen Design zuhause

Und ooooh, wie schön das alles ist! Wir kommen aus dem Schwärmen nicht mehr heraus und würden am liebsten alles mitnehmen, allein: Reisen mit nur Handgepäck setzt hier klare Grenzen.

Beim Stöbern bei 'Sostrene Grene'.

Beim Stöbern bei ‚Sostrene Grene‘.

Zeug, Zeug und nochmal Zeug!

Zeug, Zeug und nochmal Zeug!

Tatsächlich wurde die Einzelhandelskette in den 70ern von einem Pärchen gegründet. Der Name und die beiden Frauenprofile, die jedes Preisschild zieren, wurden wohl von Tanten der Gründer inspiriert.

Sei’s drum: Das ist uns egal, wir stürzen uns in den einem Labyrinth ähnlich aufgebauten Laden mit klassischer Hintergrundmusik und schwelgen in Designartikeln, Wohnaccessoires, Küchenzubehör, Geschenkartikeln, Schreibwaren und Kleinmöbeln.

Das Geschäftskonzept ist recht eigenwillig: Es gibt aus Prinzip keinen Online-Shop. Waren werden nicht an Kunden geliefert. Und vorbestellt kann auch nicht werden, denn man kann die einzelnen Filialen nicht telefonisch erreichen. Es gibt auch überhaupt kein System zur Überwachung des Filialbestands, sprich, niemand weiß, wie viel von welcher Ware in welchem Geschäft zu welchem Zeitpunkt vorrätig ist.

Dazu ändert sich auch noch das Sortiment von Woche zu Woche – das einzige, was man eigentlich machen kann, ist hingehen und sich einfach inspirieren lassen und mitnehmen, was da ist und gefällt.

Außer, man ist mit dem Flugzeug da, so wie wir. Dann kann man nur mitnehmen, was da ist und gefällt und außerdem noch klein und leicht ist!

Besonderes Highlight am Ende: Hinter der Kasse im oberen Stock führt eine Treppe nach unten zum Ausgang, aber es gibt auch eine Alternative: eine Feuerwehrstange, an der man in ein schwarzes Loch hinunterrutschen kann, wenn man sich traut.

Natürlich trauen wir uns und kommen so nach einmal Umsteigen irgendwo mittendrin in der Wand letztlich über einer Riesenröhrenrutsche unten an. Klare Empfehlung von uns!

Jetzt haben wir genug von der Altstadt und nehmen den Bus zurück ins Hostel. Kurz ein bisschen ausruhen und die Füße hochlegen, denn nachher wollen wir noch weiter in den Tivoli, Kopenhagens berühmten Vergnügungspark!