Tag 04 & Tag 05: Heute morgen starten wir von unserer gemütlichen Zehntscheune in Leiwen aus nach einem richtig guten Frühstück Richtung Traben-Trarbach.

Weiter geht's mit der zweiten Etappe unserer Radtour!

Weiter geht’s mit der zweiten Etappe unserer Radtour!

Jetzt ist es noch nicht so heiß, und in der frischen Luft macht es großen Spaß, gemeinsam nebeneinander oder hintereinander her in die Pedale zu treten.

In die Pedale treten am frühen Morgen eines Sommertages - so muss das sein!

In die Pedale treten am frühen Morgen eines Sommertages – so muss das sein!

Besonders gut gefällt uns, dass der Fahrradweg des Moselradwegs größtenteils getrennt von der Straße verläuft – so fährt es sich wirklich entspannt, vor allem mit den Kindern.

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Unterwegs auf dem Moselradweg

Wir passieren ein beschauliches Moseldorf nach dem anderen, manche auf der anderen Seite des Flusses aus der Ferne…

Ein Dorf an der Mosel am gegenüberliegenden Ufer.

Ein Dorf an der Mosel am gegenüberliegenden Ufer.

… und durch manche auf unserer Seite führt der Moselradweg geradewegs durch:

Hübsch hier!

Hübsch hier!

Kleine Brücken führen über das ein oder andere Flüsschen, und überall und immer sehen wir die Weinberge im Hintergrund.

Ein Kind auf einer Brücke - Moment, ein Kind? Wo ist das zweite?

Ein Kind auf einer Brücke – Moment, ein Kind? Wo ist das zweite?

Kurz hinter dieser Brücke verlieren wir allerdings kurzfristig ein Kind inmitten der alle gleich aussehenden Weinrebenreihen, weil es hinter einer Kurve wohl falsch abgebogen ist („ich fahre nur ein bisschen voraus“).

Man braucht ein Dorf…

Als einzige Erwachsene kann ich mich mit dem verbleibenden, völlig aufgelösten Geschwisterkind schlecht weiter aufteilen zur Suche (also ja, es gibt durchaus Situationen, in denen es leichter wäre, einen zweiten Erwachsenen zur Hand zu haben).

Wir wissen nicht genau, wo sie falsch abgebogen ist und das macht es schwierig: Fahren wir zurück? Oder ist sie uns noch voraus? Überall gibt es kleine Kreuzungen und Gabelungen, sie kann sonstwo sein.

Unschlüssig schaue ich mich um. Die Weinreben um uns herum schweigen still und verraten nichts. Dann habe ich eine Idee: wir improvisieren und holen kurzerhand alle uns entgegenkommenden rüstigen Rentner-Radler-Gruppen ins Boot.

Wir fragen sie zum einen, ob sie ein einzelnes Kind gesehen haben („Nein“) und bitten zum anderen, falls ihnen eins begegnen sollte auf ihrem weiteren Weg, es anzusprechen und in unsere Richtung zu schicken.

Unsere Hilfskette funktioniert: Nach einer Weile biegt das vermisste Kind verträumt und höchst verwundert um die Ecke und kann sich nicht erklären, warum alle Leute, denen sie begegnet ist, sie zu kennen scheinen und sie auf ihre Mutter ansprechen.

Uff!

Wir zurren kurz die Regeln für‘s alleine-vorausfahren noch einmal fest und radeln dann glücklich vereint wieder zu dritt weiter. Eigentlich ist es auch ganz einfach, weil der gesamte Moselradweg wirklich super ausgeschildert ist. Also, vorausgesetzt, man sieht die Schilder.

Weiter geht es durch die Moseldörfer auf unserem Radweg, und während wir so vor uns hintrampeln, begegnen wir immer wieder wilden Schwänen, die hier Zuhause sind.

Schwäne, wie schön! Vorsichtig fahren wir drumherum.

Schwäne, wie schön! Vorsichtig fahren wir drumherum.

Natürlich hat jedes noch so kleine Dorf seine eigene Kirche.

Unter den schattenspendenden Bäumen machen wir gerne eine Rast.

Unter den schattenspendenden Bäumen machen wir gerne eine Rast.

Kirchturm und Blätterdach unter knallblauem Sommerhimmel - Idylle pur!

Kirchturm und Blätterdach unter knallblauem Sommerhimmel – Idylle pur!

Es geht gegen Mittag zu, und es wird wieder wärmer.

Erfrischung gesucht!

Hunger haben wir noch nicht dank des mitgenommenen Proviants und der gewohnt unzähligen Pausen, aber schließlich finde ich, wonach ich schon seit drei Dörfern heimlich die Augen offen halte: eine Gelegenheit für drei verdiente, leckere, große Eisbecher!

Was gibt es besseres auf der Welt als Erdbeeren, Vanilleeis und Sahne?

Was gibt es besseres auf der Welt als Erdbeeren, Vanilleeis und Sahne?

Der „Weiße Bär“ ist ein richtig großes Hotel mit Restaurant und Biergarten direkt an der Mosel, und die ganzen Gerichte, die hier zubereitet und auch draußen gegrillt werden, sehen ausgesprochen köstlich aus!

Beinahe ist ein bisschen schade, dass wir noch gar keinen Hunger auf richtiges Essen haben, aber die Eisbecher reichen gerade völlig aus zu unserem Glück.

Direkt hinter dem Biergarten geht es zurück auf unseren Radweg und neu gestärkt radeln wir direkt viel beschwingter und flotter weiter. Nach kurzer Zeit erreichen wir unser (eigentlich noch nicht ganz richtiges) heutiges Etappenziel: Bernkastel-Kues mit der Burgruine, der Landshut.

Die Burg 'Landshut' in Bernkastel-Kues.

Die Burg ‚Landshut‘ in Bernkastel-Kues.

Nebenbei erzähle ich den Mädels die Geschichte eines ungleich populäreren Flugzeugs mit dem gleichen Namen, und von seiner Landung in Mogadischu in den 70ern. Ich finde es immer wieder faszinierend, wenn ich mit den Kindern unterwegs bin, wie oft wir Gelegenheit erhalten, Wissen zu vermitteln und Themen einmal tiefergehend zu besprechen – einfach, weil die Zeit und das akute Interesse aus der Situation heraus da ist.

Wo sie oft für die Schule bergeweise Stoff auswändig lernen und den am Tag nach der Prüfung längst wieder vergessen haben, kommen sie auf solche Gespräche auf unseren Reisen auch später immer wieder zurück.

In der malerischen Altstadt von Bernkastel-Kues

Wir parken unsere Räder und schauen uns im mittelalterlichen Ortskern um, gemeinsam mit wahren Horden niederländischer Touristen. Moselromantik at its best. Aber prachtvoll anzusehen ist es!

Touristenrummel in Bernkastel-Kues.

Touristenrummel in Bernkastel-Kues.

Wirklich malerisch, die ganzen Fachwerkbauten hier!

Wirklich malerisch, die ganzen Fachwerkbauten hier!

Ganz schmale Gassen gibt es, und ganz nah stehen die Häuser aneinander.

Ganz schmale Gassen gibt es, und ganz nah stehen die Häuser aneinander.

Nach einer kurzen Runde gehen wir zurück zum Ufer der Mosel, wo am Anleger die „Kröver Reich“ auf uns wartet, ein Ausflugsschiff, auf dem wir bereits unsere Räder während der Stadtbesichtigung abstellen konnten, und das uns nun nach Traben-Trarbach, unserem tatsächlichen Ziel für heute bringt.

Abkürzung mit dem Schiff auf der Mosel

Gemütlich tuckern wir jetzt die Mosel hinauf:

Unsere Räder haben den besten Ausblick ganz vorne auf der Kröver Reich.

Unsere Räder haben den besten Ausblick ganz vorne auf der Kröver Reich.

Die Landschaft zieht an uns vorüber...

Die Landschaft zieht an uns vorüber…

... und wir passieren weitere Dörfer.

… und wir passieren weitere Dörfer.

Ich hatte mir schon vorher sicherheitshalber einen Plan B überlegt, wie wir eventuell ein Stück der Strecke zwischen Leiwen und Traben-Trarbach abkürzen können, falls nötig. Unsere Tour soll ja schließlich Spaß machen, und nicht zur Qual werden.

Bei der Hitze war das wohl eine gute Entscheidung, denn das eine Kind, das eigentlich nicht kleinzukriegen ist, unseren „Sporturlaub“ total super und noch zuwenig findet und auch nach Stunden auf dem Rad noch laut singend munter durch die größte Hitze fährt, schläft glatt am Tisch ein, obwohl sie doch gaaaar nicht müde war.

Pünktlich zum Highlight der Fahrt ist sie ausgeschlafen, und so bestaunen wir in Zeltingen gemeinsam die Funktion der dortigen Schleuse, die uns mitsamt Schiff mehrere Meter nach unten bringt.

Die Schleuse in Zeltingen: Bei hohem Wasserstand fahren wir ein, dann wird es abgelassen und es geht abwärts!

Die Schleuse in Zeltingen: Bei hohem Wasserstand fahren wir ein, dann wird es abgelassen und es geht abwärts!

Nachdem das Wasser der Schleuse abgelaufen ist und wir das viel niedrigere Niveau der Mosel auf der anderen Seite erreicht haben, können wir unsere Fahrt fortsetzen.

Wow! Was die hier für riesige Brücken in die Landschaft setzen! Und wer fährt da oben drüber, bitteschön?

Wow! Was die hier für riesige Brücken in die Landschaft setzen! Und wer fährt da oben drüber, bitteschön?

In Traben gehen wir samt Rädern von Board. Es ist bereits später Nachmittag, die größte Hitze haben wir auf dem Fluss im Fahrtwind so umgangen.

Jugendherberge Nr. 2: Traben-Trarbach

Frisch ausgeruht radeln wir die letzten Meter zur Jugendherberge, die auf einem unfassbar steilen Berg liegt, wie beinahe ganz Traben übrigens.

Und welch Enttäuschung, als wir oben angelangen, denn mit der Jugendherberge in Trier ist diese hier nicht zu vergleichen. Etwas ernüchtert beziehen wir ein schmuddeliges, kaputtes und heruntergekommenes Zimmer.

Wlan kostet extra, und das dann auch nur für eine Person statt wenigstens fürs ganze Zimmer, und dann funktioniert es noch nicht einmal. „Streamen?!“ Entgeisterter Blick. „Nein, Sie können damit eine SMS verschicken.“ Deutschland, digitales Abstellgleis. Willkommen im 21. Jahrhundert.

Die Zimmer haben nur Standard-Schlösser, so dass man mit dem einzigen Schlüssel immer nur alle gemeinsam das Zimmer verlassen oder betreten kann. Das ist ziemlich unpraktisch für uns drei – wenn einer z.B. duschen will, müssen die anderen auf dem Zimmer warten oder den Duschenden einschließen, damit niemand von außen Zutritt hat. Und dann kommt der Eingeschlossene natürlich ohne Schlüssel später nicht mehr aus dem Zimmer.

Wir gehen zur Rezeption, um zu sehen, ob man da vielleicht für Verbesserung sorgen kann.

Dort treffen wir auf einen gelangweilten und schlechtgelaunten Concierge, der nach einigen „geht halt nicht anders“, immerhin doch noch einen zweiten Schlüssel rausrückt. Anderes Zimmer ginge nicht, er sei ausgebucht. Das wundert mich irgendwie, weil ich das anders in Erinnerung hatte. Als einzige der vier Jugendherbergen, die wir auf unserer Tour besuchen, war nämlich hier noch jede Menge frei gewesen. Langsam bekomme ich eine Idee, woran das eventuell liegen könnte…

Bei der Rückkehr aufs Zimmer sehen wir dann erst, wie dreckig es wirklich ist, tote und lebendige Spinnen und verstaubte Spinnweben in allen Ecken. Hier ist seit Wochen nicht sauber gemacht worden.

Rückkehr zur Rezeption.

Ich weise höflich auf den Zustand des Zimmers hin und erhalte den lapidaren Hinweis, dass morgen früh mal der Putzfrau Bescheid gesagt werden könnte. Ich spezifiziere: wir werden dort so nicht bleiben. Entweder sofortige Abhilfe oder anderes Zimmer, denn ich weiß, dass es noch welche gibt.

Ich halte ihm den Verfügbarkeitskalender der Jugendherberge auf meinem Handy hin, auf dem man problemlos sieht, dass – im Gegensatz zur vorherigen Aussage – sehr wohl noch Zimmer frei sind. Es folgt eine ausweichende Erklärung, dass läge am System, das würde irgendwie nicht… also die Darstellung… blablabla, geschenkt.

Komischerweise ist nun plötzlich sofort ein anderes Zimmer verfügbar, „die Leute von vorher habe er eben dann jetzt gerade rausgeworfen“. Auf meine Rückfrage, dass das irgendwie komisch wäre, meinte er, die wollten sowieso tauschen. In unser altes, dreckiges Zimmer?! Merkwürdig. Als wir keine Minute später in unserem neuen Zimmer stehen, ist alles picobello sauber und frisch bezogen. Als ob da vorher Leute drin gewesen wären!

Wir lassen es gut sein.

Jedenfalls ist das neue Zimmer ebenfalls alt und alles mögliche kaputt, aber es ist tatsächlich sauber, freundlich, ruhig und hell und mehr brauchen wir nicht.

Wir packen alles von vorne aus, und als wir schließlich draußen auf der Terrasse sitzen, die Mädels unser Lieblingsspiel aus Trier hier im Fundus wiedergefunden und wir uns außerdem drei leckere, eiskalte Getränke dazu gönnen, sieht die Welt schon wieder anders aus.

Als Wiedergutmachung steht übrigens am nächsten Morgen ein toll gefüllter Korb mit Leckereien in unserem Zimmer: Äpfel, Birnen, Süßkram und Müsliriegel. Wow! Das finden wir dann wiederum sehr nett, und es versöhnt uns mit Traben-Trarbach.


Am nächsten Tag legen wir einen wohlverdienten Pausentag ein.

Wir schlafen aus und spielen und chillen. Nebenbei waschen wir unsere Klamotten, damit wir die nächsten Tage wieder durchstarten können, und für morgen sind wir dann wieder ready, dann geht’s weiter!


Jugendherberge Traben-Trarbach
‚Mittelmosel-Jugendherberge‘

Hirtenpfad 6
56841 Traben-Trarbach
Tel. 06541 9278
traben-trarbach@diejugendherbergen.de
Webseite der Jugendherbergen: Traben-Trarbach


Hotel Weisser Bär

Moselstraße 7
54486 Mülheim an der Mosel
Tel.: +49 (0) 6534 – 94 77-0
www.hotel-weisser-baer.de