Aller Anfang… Wir sind absolute Radtour-Beginner und haben so etwas noch nie zuvor gemacht. Unsere Voraussetzungen für eine mehrtägige Tour liegen damit etwa bei Null, oder vielleicht eher bei minus 5000.

Auch im Alltag gehören wir nicht zu den regelmäßigen Fahrradnutzern: Mitten in einer Großstadt wohnend ist immer alles entweder zu nah gelegen, oder direkt so weit weg, dass Bahnen uns gut dorthin bringen. Zudem ist der Verkehr in Köln nicht ohne und der Zustand der Straßen und die Möglichkeiten für Radfahrer, speziell mit Kindern sind größtenteils… eher so naja.

Nichtsdestotrotz gibt es ja genügend Menschen mit Kindern in Köln, die fleißig Rad fahren – es ist also möglich, nur wir tun das irgendwie nicht. Mit etwas gutem Willen könnte man uns wohl als Gelegenheitsradler bezeichnen. Soviel also zu unserem Ausgangslevel.

Hier kommt nun also unser Resümee mit generellen Tipps & Tricks für die Planung von Radtouren mit Kindern und einige spezielle Hinweise für den Moselradweg.

Und das erwartet euch:

  • Die Wahl der Strecke
  • Eigene Räder oder leihen?
  • Wo übernachten und wie die Route planen?
  • Wie viele km pro Tag?
  • Plan B (alternative Fortbewegungsmittel: Bus, Schiff, Zug)
  • Pausen und Puffer
  • Gepäck
  • Vorbereitung
  • Fazit zur Radtour mit Kindern

Die Wahl der Strecke

Es gibt quer durch Deutschland eine große Menge gut ausgebauter Rad(fern)wege, die oft auch schon zu bekannten Strecken zusammengefasst und ausgeschildert sind.

Auf der Suche im Netz stößt man bei der Planung neben Seiten mit Erfahrungsberichten recht schnell auch auf einige Anbieter, die schon fertige Touren vorbereitet haben und dazu auch Buchung der Übernachtungen, Vorauswahl an Restaurants, Verleih von Rädern oder sogar den Transport des Gepäcks zwischen den einzelnen Stationen anbieten.

Wir haben unsere Route zwar letztlich individuell zusammengestellt, aber für den ein oder anderen ist eine professionelle Unterstützung vielleicht interessant – man muss sich halt weniger Gedanken machen, wenn andere die Planung der Details für einen erledigen, und das kann ja durchaus sehr angenehm sein.

Ich wollte also aufgrund unseres nicht vorhandenen Trainingsgrades und der ebenfalls nicht vorhandenen Erfahrung eine leichte Strecke aussuchen, und sie sollte von Köln aus gut erreichbar, aber weit genug weg sein, dass man sich eben auch nicht mehr im „normalen“ Umfeld des Alltags bewegt und wenigstens ein bisschen Urlaubsfeeling hat. Dazu gerne auch noch die ein oder andere Sehenswürdigkeit, damit es nicht langweilig wird.

Et voilà: Der Moselradweg, der ziemlich eben, so gut wie ohne jede Steigung, an den Ufern der Mosel entlang durchs Moseltal führt. Offiziell beginnt er bereits in Frankreich, wir picken uns aber nur das – wohl auch am besten erschlossenste – Teilstück zwischen Trier und Koblenz heraus.

Eigene Räder oder leihen?

Von Köln nach Trier, unserem Startpunkt, gibt es eine Direktverbindung per Zug, und ebenso von Koblenz zurück nach Köln. Wir hätten also gut unsere eigenen Räder von zuhause mitnehmen können für unsere Radtour.

Ich wollte aber kein Risiko eingehen, und da ich ehrlich gesagt nicht so der Profi bin, was Fahrradkunde betrifft und uns ja auch niemand sonst mit Ahnung begleitet, haben wir uns in Trier vor Ort bei einem professionellen Anbieter lieber tipptopp gepflegte und fachkundig gewartete Fahrräder ausgeliehen. Rechtzeitig reservieren in der Hochsaison!

Unsere in Trier ausgeliehenen Fahrräder.

Unsere in Trier ausgeliehenen Fahrräder.

Wo übernachten und wie die Route planen?

Urlaub in Deutschland haben wir noch nicht so oft gemacht, und mit meinen sonst üblichen Methoden der Planung bin ich erst einmal direkt gescheitert.

AirBnB-Angebote gibt es inzwischen auch entlang der Mosel… naja, schon irgendwie. Was da allerdings en gros angeboten wird (Zimmer mit Möbeln, die bestenfalls seit 20 Jahren auf den Sperrmüll gehören, ganz abgesehen vom generellen Ambiente mit usselig gefliesten Böden, Oma-Vorhängen und den beliebten unmotivierten Gästezimmer-Stühlen, die in Reih und Glied an der Wand rumstehen, weil sie sonst im Haus übrig sind) und, vor allem, dann für einen Preis, für den ich in Barcelona oder Rom oder Paris mitten im Zentrum eine wunderbar sonnendurchflutete, authentische Jugendstil-Wohnung mieten könnte – das hat mich den gesamten Plan „Wir machen diesen Sommer mal Urlaub in der Heimat“ beinahe hinwerfen lassen.

Natürlich gibt es auch an der Mosel handverlesene, exquisite Unterkünfte mit gehobenem Niveau – aber Luxus und Haute Cuisine brauchen wir dann auch wieder nicht für Übernachtungsstops auf einer Radtour, und natürlich bewegen sich diese preislich auch noch einmal in ganz anderen Gefilden. Dazwischen gibt es irgendwie nix.

Ich wollte doch einfach nur eine saubere, schlichte, nicht mega-furchtbar-hässliche, bezahlbare Gelegenheit, mit meinen Kindern zu übernachten. Und während ich so grübele, sehe ich auf der Karte plötzlich eine Jugendherberge auf der Strecke. Hm…

Meine letzte Übernachtung in Jugendherbergen ist gut 20 Jahre her, aber einen Versuch ist es wert. Und, genial: Ein genauerer Blick auf die Karte zeigt, dass es fast die ganze Mosel entlang in regelmäßigen Abständen Standpunkte gibt, so dass unsere Route dann auf einmal schnell feststeht:

Trier – Leiwen – Traben-Trarbach – Cochem – Koblenz

Einzig zwischen Trier und Traben-Trarbach gibt es ein „Loch“: Die Jugendherberge in Bernkastel-Kues ist auf unbestimmte Zeit geschlossen und die Verteilung der Distanzen wäre auch ungünstig gewesen, so dass wir hier als einzige Ausnahme in Leiwen für eine Nacht ein Apartment in einer schönen, familiengeführten Straußwirtschaft beziehen.

Wie viele km pro Tag?

Die Frage, wie viele Kilometer wir wohl am Tag schaffen können, damit es auch allen Beteiligten noch Spaß macht, hat mich vorab bei der Planung fast verzweifeln lassen.

Weil wir sonst ja kaum mit Fahrrädern unterwegs sind, habe ich keine eigenen Erfahrungswerte. Googlen erbrachte Meinungen ambitionierter Eltern à la „Mein Fünfjähriger schafft locker 100km in zwei Stunden!“

Das konnte ich mir ehrlich gesagt für uns nicht so richtig vorstellen, aber ich musste ja irgendwie wenigstens grob festlegen, alle wieviel Kilometer ich eine Übernachtung buchen wollte. Wir sollten uns nicht stressen, aber ein wenig vorankommen doch schon.

Wie ich dieses Dilemma konkret gelöst habe, lest ihr im nächsten Abschnitt unter „Plan B“, vorab aber hier unsere eigene persönliche Erfahrung im Nachhinein: pro Tag haben wir etwa 30 km auf den Rädern zurückgelegt.

Google Maps setzt bei der Routenplanung für mit dem Fahrrad zurückgelegte Strecke für diesen Wert eine Zeit von knapp 2 Stunden an – wir haben eher 3,5 inklusive Pausen gebraucht. Allerdings sind wir auch während einer Hitzewelle gefahren und haben gefühlt alle 5 Minuten angehalten, um etwas zu trinken oder Fotos zu machen, und wir haben uns während der Fahrt auch viel unterhalten, sind also die meiste Zeit wirklich eher gemütlich gefahren.

Gemütlich unterwegs auf dem Moselradweg.

Gemütlich unterwegs auf dem Moselradweg.

Ich muss allerdings gestehen, dass uns auch ab und zu, naja, oder sagen wir, öfters, diverse rüstige Rentnergruppen überholt haben. Zuerst dachte ich, ja pfft – die mit ihren Elektromotoren! Aber, ehrlich gesagt, haben wir bei genauerem Hinsehen festgestellt, dass die uns auch mit normalen Fahrrädern, ohne Extraschub, abgehängt haben. Naja.

Letztlich ist die Frage tatsächlich schwierig zu beantworten, da es vom Alter der Kinder, vom Trainingsgrad, vom Wetter, von der Art der Wege und vor allem auch von der Erwartungshaltung und der Ambition abhängt, die man hat: Will man richtig Strecke machen oder lieber hauptsächlich gemütlich durch die Gegend schlenkern?

Plan B (alternative Fortbewegungsmittel)

Da ich so schlecht abschätzen konnte, wie viel Strecke wir pro Tag zurücklegen, oder was wir machen, wenn die Kinder vielleicht gar keine Lust mehr auf Radfahren haben oder, worst case, jemand sich verletzt oder sonst etwas passiert, was unsere Tour gefährdet, habe ich mich nach einem Plan B für unsere Route von Trier mit Übernachtungsstopps in Leiwen, Traben-Trarbach, Cochem bis Koblenz umgesehen.

Hier die Alternativen, um die Tagesziele doch noch zu erreichen, falls uns wasauchimmer dazwischenkommt:

Mit dem Bus: Der Regio-Radler

Von Trier bis Bullay (zwischen Traben-Trarbach und Cochem) fährt im Sommer der „Regio-Radler“ mit der Nummer 333 mehrmals täglich die Dörfer auf diesem Stück des Moselradwegs an. Das ist ein öffentlicher Bus, der extra einen Anhänger zur Mitnahme von Fahrrädern mit sich führt.

Man kann also jederzeit zusteigen, wenn man nicht mehr alleine weiterkommt, und ein Stück mitfahren, mitsamt seinem Rad. Was für eine tolle Idee!

Der "Regio-Radler" Nr. 333, hinten dran der Anhänger für die Fahrräder!

Der „Regio-Radler“ Nr. 333, hinten dran der Anhänger für die Fahrräder!

Mit dem Schiff

Jeweils zwischen Trier und Bernkastel-Kues, zwischen Bernkastel-Kues und Cochem und dann noch einmal zwischen Cochem und Koblenz verkehren die Schiffe der Gebrüder Kolb. Sie bieten Rundfahrten an, Halbtages- und Tagestouren, aber man kann natürlich auch einfach eine einfache Strecke mitfahren. Und seine Fahrräder kann man ebenfalls mitnehmen.

Tickets kann man unkompliziert direkt an den Kassenhäuschen an den Anlegestellen der vielen Ortschaften kaufen. Bei Bedarf kann man also immer auf dem Wasser die Strecke abkürzen.

Ein Stück unserer Route lassen wir uns auf einem Schiff auf der Mosel mitnehmen.

Ein Stück unserer Route lassen wir uns auf einem Schiff auf der Mosel mitnehmen.

Mit dem Zug

Trier selbst, unseren Startpunkt, kann man wunderbar mit dem Zug erreichen, und von dort aus fährt auch einer weiter nach Koblenz. Allerdings nimmt der aufgrund der Berge des Moseltals erst einmal nicht den Weg wie wir an der Mosel entlang, sondern kürzt direkt hinter Trier im Hinterland ab, so dass uns das am Anfang der Strecke nichts nutzt.

Ab Bullay allerdings trifft die Bahnlinie wieder auf die Mosel und begleitet sie ab hier, so kann man nun auch wieder prima den Zug nutzen, wenn man eine Distanz auf dem Moselradweg anders als geplant zurücklegen möchte. Haltestellen gibt es dabei mit dem Regionalzug dann etliche unterwegs: Neef, Ediger-Eller, Cochem, Klotten, Pommern, Treis-Karden, Müden, Moselkern und noch einige mehr bis hoch nach Koblenz.

Und wichtig: Ab 9:00 Uhr ist die Mitnahme von Fahrrädern in Regionalzügen in Rheinland-Pfalz umsonst (den benötigten Platz vorausgesetzt). Perfekt!

Fazit: Auf dem Moselradweg gibt es mit Bussen, Schiffen und Zügen wirklich genügend Alternativen, wie man weiter vorankommt, falls es auf zwei Rädern aus eigenem Antrieb aus den verschiedensten Gründen einmal nicht mehr gehen sollte. Von daher auch für alleinreisende Erwachsene mit Kindern uneingeschränkt zu empfehlen!

Pausen und Puffer

Meine ursprüngliche Idee war, dass wir vormittags so 2-3 Stündchen radeln, dann mittags irgendwo gemütlich in einer Gaststätte oder ähnlichem Pause machen, uns eventuell eine Sehenswürdigkeit ansehen oder etwas unternehmen, und dann nachmittags noch einmal 1-2 Stündchen bis zum Tagesziel.

Die Realität sah aber so aus, dass es zur Zeit unserer Radtour eine wahre Hitzewelle mit Temperaturen teils über 35°C gab, so dass der ursprüngliche Plan hinfällig war. Stattdessen sind wir morgens so früh aufgestanden wie möglich, um die gesamte Strecke des Tages möglichst bis vor 11:00 Uhr zu schaffen (haben wir nie geschafft), weil es ab dann einfach zu heiß war. Mittags hatte aufgrund der Hitze keiner groß Hunger, nur trinken, trinken, trinken war angesagt, also auch tagsüber keine Stops in Gaststätten, folglich auch keine Unternehmungen oder Besichtigungen in Orten auf der Strecke zwischendurch.

Flirrende Hitze, keine Wolke am Himmel während unserer Radtour an der Mosel.

Flirrende Hitze, keine Wolke am Himmel während unserer Radtour an der Mosel.

Im Endeffekt war das aber völlig egal – es war toll so, wie es war. Bei aller Planung muss man dann eben auch flexibel sein und das Beste aus den Umständen machen.

Ansonsten habe ich bei den Übernachtungen darauf geachtet, dass wir auch mal mehr als eine Nacht an einem Ort geblieben sind: Einmal ganz am Anfang in Trier, damit wir überhaupt ankommen in unserem Urlaub, bevor es losgeht, und dann auch immer mal wieder zwischendurch, damit die Kinder keine ständigen Wechsel der Umgebung und auch mal einen Tag Pause vom Radfahren haben.

Gepäck

Wir sind mit 2×20-Liter-Seitentaschen gefahren, die an meinem Fahrrad befestigt waren. Die Kinder hatten kein Gepäck. Wir haben für die 9 Tage so minimalistisch gepackt wie nie zuvor!

Auf den Rädern hatten wir Sneaker an und für jeden von uns ein Paar Sandalen mit. Die fanden gemeinsam mit Badkram sowie einem großen Handtuch für jeden von uns Platz in der einen Seitentasche. Während unserer Tour war es dann allerdings so heiß und wir mussten immer soooo viele Wasserflaschen mitnehmen, dass wir die Handtücher dann den Kindern auf den Gepäckträger geschnallt haben, um für die Flaschen in der Tasche Platz zu schaffen.

In der anderen Satteltasche haben wir unsere Klamotten zum Wechseln untergebracht: Einmal Sportklamotten für jeden, ein „normales“ Outfit für jeden sowie Elektronik, Ladegeräte, etc. Ein weiteres Set Sportklamotten hatten wir beim Radfahren ja an.

Gepäcktaschen links und rechts an meinem Fahrrad - hier ist unser gesamtes Hab und Gut drin!

Gepäcktaschen links und rechts an meinem Fahrrad – hier ist unser gesamtes Hab und Gut drin!

Außerdem hatten wir noch einen (sehr) kleinen Rucksack der Kinder in der zweiten Satteltasche verstaut, den wir für Portemonnaie, Handys, etc. benutzt haben, wenn wir ohne die Räder in den Orten unterwegs waren und die Fahrradtaschen in den Jugendherbergen verblieben. Diese zu Fuss mitzuschleppen wäre ja sehr unhandlich gewesen, aber irgendwo muss man seinen Kleinkram ja auch lassen, wenn man mal kurz im Ort unterwegs ist.

Hat super geklappt so, wobei man nach fast 10 Tagen mit den immer selben Klamotten echt dankbar ist, wenn man wieder vor seinem Kleiderschrank mit mehr Auswahl steht. Andererseits mussten wir auf der Tour auch morgens nie lange überlegen, was wir anziehen sollten: Meist gab es nur ein trockenes, sauberes Outfit. Das war auf jeden Fall auch mal eine interessante Erfahrung, mit wie wenig man auskommen kann.

Vorbereitung

Ich hatte mir gedacht, es wäre vielleicht klug, mit den Kindern vor unserer ersten großen, mehrtägigen Route einmal kurze Tagesausflüge mit den Fahrrädern rund um Köln zu unternehmen, das haben wir nämlich vorher auch noch nie gemacht.

Super Idee soweit. Mangels Zeit und Hektik im Alltag mit tausend Terminen vor den großen Ferien wurde diese aber leider kein einziges Mal umgesetzt.

Also sind wir einfach so gestartet, dann musste es eben klappen.

Fazit zur Radtour mit Kindern

Der Moselradweg ist eine tolle Route, und ein paar Tage lang nur mit dem Zurücklegen von Strecke beschäftigt zu sein, hat uns großen Spaß gemacht. Aufgrund des extremen Sommerwetters war es manchmal ziemlich anstrengend, aber immerhin haben wir nicht gefroren und sind auch nicht nass geworden.

Von daher: ein voller Erfolg!

Falls ihr die einzelnen Etappen nachlesen möchtet, verlinke ich sie noch einmal direkt:

 


Räder ausleihen in Trier:
Radstation im Bahnhof

Bahnhofsplatz 1 – Gleis 11
DE-54292 Trier
Tel. +49 651 148856
radstation@bues-trier.de
Webseite der Radstation

Im Sommer täglich geöffnet, im Winter sonntags geschlossen.


Die Jugendherbergen (Region Rheinland-Pfalz und Saarland)

diejugendherbergen.de


Busverbindung Trier bis Bullay:
Regio-Radler Nr. 333

regioradler.de


Schiffverbindung auf der Mosel:
Moselrundfahrten Personenschifffahrt Gebrüder Kolb

moselrundfahrten.de