Neben Sonne, Sand und Strand hat Sylt auch einige Sehenswürdigkeiten aufzuweisen, und eine der beeindruckendsten ist das „Rote Kliff“, eine etwa 30 Meter hohe Steilküste, deren markante und in ihrer Art einmalige Abbruchkante in früheren Zeiten Seefahrern als Orientierungsmerkmal diente. Der rote Lehm, aus dem das Kliff besteht, erhält seine typische Färbung durch Oxidation eisenhaltiger Bestandteile und zeigt besonders in der Abendsonne ein wunderbares Farbenspiel der Natur.

Wie kommt man hin?

Das Rote Kliff ist ganz leicht zu finden: Einfach aus Kampen heraus Richtung Westen, also Richtung Nordsee, gehen. Quasi zwangsläufig landet man dann auf einem Fussweg, der zum Strand sowie den beiden Häusern „Sturmhaube“ und „Kliffende“ führt.

Achtung: ein zweiter Weg ist Richtung der legendären „Buhne 16“ rechts ab ausgeschildert, in den 60ern eine berühmte Strandbar mit ausschweifenden Parties, heute alles familienfreundlich und gechillt. Das liegt aber ein ganzes Stück weiter nördlicher, schon auf halbem Weg nach List. Ebenfalls eine schöne Strecke, führt aber eben genau weg vom Roten Kliff.

Der Weg zum Strand in Kampen: Links die "Sturmhaube", rechts das Haus "Kliffende".

Der Weg zum Strand in Kampen: Links die „Sturmhaube“, rechts das Haus „Kliffende“.

Wir bleiben also heute auf dem direkten Weg zum Strand. Das Restaurant „Sturmhaube“, das linke Gebäude im Foto, ist seit 2016 leider geschlossen, soll aber 2018 wieder mit neuem Konzept eröffnen.

Jedenfalls gibt es hier noch einen Spielplatz und eine große und rege genutzte Abstellfläche für die zahlreichen Fahrräder. Von dort aus geht es am Häuschen des Strandwärters, bei dem wir als Tagesgäste brav unsere Kurtaxe zahlen, vorbei über die Düne zum Strand.

Kurtaxe – wie viel und warum?

Die Kurtaxe ist eine Abgabe in Höhe von ein paar Euro, die Erwachsene auf Sylt zahlen, wenn sie einen Strand besuchen möchten. Kinder sind frei. Finanziert werden dadurch die Strandrettung, das Sauberhalten der Strände und vieles mehr.

Übernachtet man auf Sylt, wird die Kurtaxe direkt mit den Kosten automatisch gemeinsam abgeführt und man erhält eine Gästekarte für den gesamten Aufenthalt, die man an den Strandwächterbuden nur vorzeigen muss. Kommt man nur so für einen Tag her, kann man sich eine Gästekarte für einen Tag dort problemlos kaufen.

Meine Kinder sind sprachlos, dass es am Strand in Kampen selbstverständlich WiFi gibt, kostenlos auch noch.

Meine Kinder sind sprachlos, dass es am Strand in Kampen selbstverständlich WiFi gibt, kostenlos auch noch.

Über die Dünen führt auch in Kampen ein obligatorischer Holzplankenweg. Sand knirscht unter unseren nackten Füßen, als wir darüber gehen, und erst riecht man die See nur und dann, hach, kann man sie endlich auch sehen:

Der Übergang zum Strand auf den allseits bekannten Holzplanken, hier einmal als riesiges Gerüst, um den Höhenunterschied zu bewältigen.

Der Übergang zum Strand auf den allseits bekannten Holzplanken, hier einmal als riesiges Gerüst, um den Höhenunterschied zu bewältigen.

Sylt scheint uns der Ort in Deutschland mit den allerallerallermeisten Bänken. Überall gibt es welche, an jedem Holzplankenweg gleich mehrere, an jeder Straße, und an jeder Ecke mitten im Nirgendwo. Das liegt sicher daran, dass man hier so viel zu Fuss geht und immer mal ausruhen muss, oder daran, dass man ständig Schuhe an und auszieht wegen des allgegenwärtigen Sandes. Sehr praktisch jedenfalls.

Ab in den Sand!

Merken: An den Strand immer nur Schuhe tragen, derer man sich ruckzuck entledigen kann – alles andere outet einen unweigerlich als Anfänger.

Und da ist er: Der Strand von Kampen. Hochsaison, und trotzdem ruhig und beschaulich.

Und da ist er: Der Strand von Kampen. Hochsaison, und trotzdem ruhig und beschaulich.

Möchte man einen Strandkorb, so mietet man diesen am Strand selber bei einer weiteren Bude. Das geht für einen oder mehrere Tage oder auch gleich wochenweise, und mittlerweile sogar online im Voraus, dann entsprechend günstiger.

Wir setzen uns heute aber nur in den Sand, genießen die Sonne, den Strand, den Wind und die Wellen und das Glück, dass wir einfach hier sein können.

Noch mehr Strandkörbe auf der linken Seite des Strands, die einen bei Bedarf sicher vor Sonne und Wind schützen.

Noch mehr Strandkörbe auf der linken Seite des Strands, die einen bei Bedarf sicher vor Sonne und Wind schützen.

Auf den Bildern kann man übrigens sehr gut erkennen, wie schnell das Wetter an der See umschlagen kann: Zwischen den obigen Fotos und den hier drunter folgenden liegt weniger als eine Stunde, die wir im weichen, warmem Sand gesessen und Pause gemacht haben.

Weiter Richtung Süden

Als wir weitergehen, hat sich der Himmel klammheimlich zugezogen. Das macht aber nichts, weil es immer noch warm ist und der ständige Wind immer mal wieder die Sonne zwischen den Wolken durchscheinen lässt.

Links das Rote Kliff am Strand von Kampen, rechts die typischen weißen Strandkörbe und das Meer.

Links das Rote Kliff am Strand von Kampen, rechts die typischen weißen Strandkörbe und das Meer.

Und schon stehen wir davor: Das Rote Kliff. Bei jeder Sturmflut ist es extrem gefährdet und büßt teils mehrere Meter an Grund ein. Auch die gesamte Insel Sylt verliert schon bei jedem Nordseesturm, „blanker Hans“ genannt, riesige Sandmassen ans Meer, so dass ihre Fläche immer weiter schrumpft.

Um dem entgegenzuwirken, gibt es schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts Bemühungen zum Küstenschutz. Ohne diese könnten die besonders betroffenen beiden Enden der Insel vom Rest abgetrennt werden.

Bei unserem Besuch nachmittags ist der Himmel leider bewölkt, aber wenn in den Abendstunden die Sonne darauf scheint, leuchten mit etwas Glück seine roten Farbsedimente nahezu, denen es seinen Namen verdankt.

Irgendjemand hat einen einsamen Strandkorb vor das Kliff gestellt. Wir überlegen uns, wer das wohl war und wie und warum? Eine Gruppe Freunde aus Spaß? Ein Romantiker für seine große Liebe? Jedenfalls alle Achtung, denn die Dinger sind richtig, richtig schwer.

Wir laufen weiter am Strand entlang Richtung Süden, Richtung Wenningstedt.

Spaziergang barfuß an der Nordsee.

Spaziergang barfuß an der Nordsee.

Die für Sylt so typischen 'Buhnen', Holzpfähle, die in langen Reihen schon ab Mitte des 19. Jahrhunderts senkrecht zur Küste ins Meer geschlagen werden, um die Wellen zu brechen und die Küste vor deren Wucht zu schützen.

Die für Sylt so typischen ‚Buhnen‘, Holzpfähle, die in langen Reihen schon ab Mitte des 19. Jahrhunderts senkrecht zur Küste ins Meer geschlagen werden, um die Wellen zu brechen und die Küste vor deren Wucht zu schützen.

Ständig wechselt das Licht und die Stimmung. Trotz Hauptsaison sind wir so gut wie alleine hier am Strand, man fühlt sich wie außerhalb von Zeit und Raum.

Faszination See

Immer, wenn ich das Meer sehe, wird mir bewusst, dass die Wellen hier schon seit Jahrtausenden von Jahren gegen den Strand klatschen, im Winter wie im Sommer, jeden Tag ohne Pause und die ganze Nacht hindurch.

Wie groß und unendlich das alles ist, und wie klein dazu im Gegensatz unser Alltag.

Der Himmel spiegelt sich im nassen Sand - wo ist oben und wo unten?

Der Himmel spiegelt sich im nassen Sand – wo ist oben und wo unten?

Schließlich erreichen wir den nächsten Strandübergang über die Dünen, denn die stehen unter Naturschutz und dürfen nur auf den Holzplankenwegen überquert werden.

Strandübergang südlich von Kampen, kurz vor Wenningstedt.

Strandübergang südlich von Kampen, kurz vor Wenningstedt.

Nach den letzten Metern durch den weichen, nachgiebigen Sand kurz vor den Dünen sind die starren Holzplanken eine wohltuende Abwechslung. Morgen haben wir bestimmt Muskelkater. Wir stiefeln die Treppen hinauf und stehen dann ganz oben, auf dem Roten Kliff. Von hier können wir gut sehen, wo wir vorhin unten am Strand entlang gekommen sind.

Rückweg entlang der Kante des Kliffs

Jetzt gehen wir diesen Weg in luftiger Höhe zurück Richtung Norden, nun aber mitten durch die Dünen, direkt am Abgrund.

Über den Holzplankenweg geht es zurück in Richtung Kampen, hoch oben auf der Düne.

Über den Holzplankenweg geht es zurück in Richtung Kampen, hoch oben auf der Düne.

Etwa auf Höhe der „Sturmhaube“ führt dann ein Weg wieder ins Inselinnere, und da sehen wir sie schon:

Die „Uwe Düne“

Mit etwa 50 Metern Höhe ist sie die höchste Düne von ganz Sylt. Naja, wenn man keine Berge hat, misst man eben Dünen.

Der Weg zur Uwe Düne, die höchste von ganz Sylt.

Der Weg zur Uwe Düne, die höchste von ganz Sylt.

Hinauf führt eine Treppe aus Holzplanken seit den 20er Jahren zur Aussichtsplattform, und wie gewohnt gibt es auf jedem kleinen Mini-Absatz der Treppe eine Bank, so dass sich die Kinder mühsam und theatralisch von einer zur nächsten schleppen können, oder alternativ vorausrennen, um bloss vor dem Geschwister die nächste Bank als erste erreicht zu haben, so wie vermutlich alle Kinder vor ihnen, die jemals die Stufen der Uwe-Düne erklommen haben.

Blick von der Uwe Düne auf die Landschaft, hinten der "Lange Christian", Kampens weißer Leuchtturm mit schwarzem Band.

Blick von der Uwe Düne auf die Landschaft, hinten der „Lange Christian“, Kampens weißer Leuchtturm mit schwarzem Band.

Wir steigen wieder hinab und folgen dem von Heckenrosen gesäumtem Holzplankenweg weiter inseleinwärts, wo wir schon bald wieder auf die ersten Häuser Kampens treffen.

Die Heckenrosen, ständiger Begleiter an jedem Wegesrand auf Sylt.

Die Heckenrosen, ständiger Begleiter an jedem Wegesrand auf Sylt.

Ein Stück die erstbeste Straße hinunter kommen wir wieder an der Hauptstraße heraus, passenderweise direkt an der Bushaltestelle „Kampen Süd“, wo wir uns vom nächsten Bus der Linie 1 gemütlich wieder nach Westerland zur Bahnstation mitnehmen lassen.


Anfahrt

Ab Westerland mit der Linie 1 Richtung List. Hinter Wenningstedt dann in Kampen „Kampen-Süd“ (südlich), „Kampen-Mitte“ (mittig) oder „Kampen Dickstieg“ (nördlich) aus- oder zusteigen.

Tickets

Zugang an den Strand in Form einer Tageskarte der Kurtaxe à 4€/Erw., falls man nicht sowieso als Übernachtungsgast auf der Insel eine Gästekarte besitzt. Ansonsten alles kostenlos.