Heute verbringen wir einen Tag am Strand, und das macht man auf Sylt ganz hervorragend in einem Strandkorb. Hach! Strandkörbe! Sie gehören zu einem Sommer auf der Insel einfach dazu, und fungieren für einen Tag im Handumdrehen als Zuhause auf Zeit.

Ein Strandkorb, ein Refugium

Als erstes werden sämtliche Taschen sowie alle Kinder nach dem beschwerlichen Heranstapfen die Düne hinauf und hinunter an Ort und Stelle im Sand fallen gelassen, maximal noch die Handtücher ausgepackt. Dann die praktischen kleinen Brettchen an beiden Seiten innen im Strandkorb aufklappen und mittels Eisenbogen in der Lücke im Holz arretieren, um Getränke, Bücher und Sonnencreme abzustellen.

Die beiden großen Fußablage-Schubladen ganz unten im Strandkorb, in dessen Inneren es immer kühl und der Sand immer kalt ist, lassen sich nie so richtig gut aufziehen, und wenn man es endlich geschafft hat und dann die Füße darauf ablegt, versinkt man durch das Gewicht erst mal damit im nachgiebigen Sand, und die gedacht bequeme Position ist direkt wieder futsch.

Wenn man nun sitzt und es sich gemütlich gemacht hat, ist der Zeitpunkt gekommen, an dem einem auffällt, dass es zu sonnig/zu schattig/die Sicht aufs Meer nicht optimal ist.

Also wieder aufstehen und so lange mit aller Kraft an den beiden seitlich angebrachten Griffen ziehen und zerren, bis sich die Ungetüme im Sand langsam, langsam um sich selber drehen, so dass man mehr Schatten oder mehr Sonne oder mehr Sicht erhält. Vorher natürlich die herausgezogenen Schubladen erst wieder reinschieben, denn sonst geht gar nichts.

Mittels zweier Eisenschlaufen links und rechts auf den Armlehnen kippt oder richtet man die schwere Rücklehne auf, und Eisenstifte, die in den Seitenwänden versenkt werden, sorgen dafür, dass die Position gehalten wird.

Und dann, ja, dann heißt es: Relaxen. Oder chillen, wie meine Kinder sagen.

Die Farben Sylts: Nordseeblaues unendliches Meer, mattblauer Himmel, zartbeiger Sand, der nur hier ganz genau diese Farbe zu haben scheint, strahlendes Weiß für die Standkörbe und noch ein kleiner Klecks Schwarz für die Nummern hintendrauf. Und dazu braungebrannte Beine!

Die Farben Sylts: Nordseeblaues unendliches Meer, mattblauer Himmel, zartbeiger Sand, der nur hier ganz genau diese Farbe zu haben scheint, strahlendes Weiß für die Standkörbe und noch ein kleiner Klecks Schwarz für die Nummern hintendrauf. Und dazu braungebrannte Beine!

Eines der wichtigsten Utensilien an einem Strandkorb ist die Leine, die an den oberen Kanten der Rückenlehne einmal innen und außen herum gespannt ist: Innen befestigt man die Handtücher daran, möchte man sich nicht direkt mit der nackten Haut auf das Polster legen, zumindest solange, bis sie unvermeidbar verrutschen, was sie immer tun. Außen dient die Leine dazu, die nassen Klamotten vom Schwimmen im Meer daran aufzuhängen und im Wind trocknen zu lassen.

Und so ist jeder Strandkorb einzigartig genutzt und belegt und spiegelt ein Bild seiner Bewohner des Tages. Das ist auch wichtig, denn man muss seinen Strandkorb ja an unveränderlichen Merkmalen („das da ist unserer, mit dem bunten Handtuch an der Seite!“) wiederfinden nach einem Ausflug ans Wasser, bei dem man immer und unweigerlich ein Stück den Strand entlang abtreibt, obwohl man ganz sicher ist, nur einfach geradeaus runter zum Meer gelaufen zu sein. Zur Unterscheidung haben die Körbe ja auch Nummer hinten draufgemalt, aber die sieht man ja nicht unbedingt, je nachdem, wie er steht.

Ich erinnere mich an früher, da hat man morgens nach Ankunft am Strand direkt damit begonnen, einen Wall um seinen Strandkorb aufzuschaufeln, aber das scheint aus der Mode gekommen zu sein. Glücklicherweise, weil es a) total anstrengend ist und b) auch ein ganz klitzeklein wenig albern, sein Revier so zu markieren. Hier gibt es mehr als genug Platz für alle, keine Ölsardinen in Sicht.

Am Abend dann tauschen nach und nach alle mit Sack und Pack und Kind und Kegel den Strand gegen eine Dusche und Essen ein, und die Strandkörbe sehen ohne jede Dekoration wieder ganz verlassen alle gleich aus. Bis zum nächsten Morgen, wenn alles wieder von vorne losgeht.

Wie kommt man denn an einen Strandkorb?

An einer Bude am Strand, die kaum zu übersehen ist, weil es oft die einzige Bude ist, kann man sich für einen Tag einen Strandkorb mieten. Kommt man zu spät, sind möglicherweise alle vergriffen und man geht leer aus. Kommt man allerdings spät genug, ist es möglich, dass manch ein gemieteter Strandkorb bereits wieder verlassen wurde. Man kann also durchaus Glück im Unglück haben.

Möchte man auf Nummer sicher gehen, kann man Strandkörbe auch online im Voraus anmieten, ebenfalls tageweise oder, sogar reduziert dann, auch wochenweise.

Auch in List führt ein Holzplankenweg sicher über die Dünen zum Strand.

Auch in List führt ein Holzplankenweg sicher über die Dünen zum Strand.

Wir jedenfalls genießen gemeinsam mit den anderen Strandgästen um uns herum unseren Tag am Strand in List sehr! Natürlich ist ein Strandkorb keine Pflicht, genauso gut kann man sich auch nur so in den Sand setzen, mit Badetuch oder Strandmuschel, was auch viele machen.

Was mir persönlich an Sylts Stränden so gut gefällt, ist, dass alles so entspannt ist. Jeder macht sein Ding, ohne andere zu nerven. Manche spielen Ping Pong, manche buddeln im Sand, manche liegen nur rum und sonnen sich. Es gibt – große Wohltat – keine nervigen Strandverkäufer, sondern nur zweimal am Tag den Eiswagen, dem dann alle Kinder und Teenager hinterherlaufen. Man wird nicht angequatscht, sondern einfach in Ruhe gelassen. Es gibt keinen Müll. Und keine Menschen, die herumpöbeln. Das ist schon ganz, ganz nah am Paradies hier, finde ich.

Bei dem supertollen Sommerwetter, was wir glücklicherweise noch dazu haben, darf eine Abkühlung im Meer natürlich auch nicht fehlen:

Strand und Meer in List in der Hauptsaison. Okay, okay - um uns herum, außerhalb des Fotos, sind schon noch Menschen, aber es gibt mehr als genug Platz für alle. Traumhaft ist es hier!

Strand und Meer in List in der Hauptsaison. Okay, okay – um uns herum, außerhalb des Fotos, sind schon noch Menschen, aber es gibt mehr als genug Platz für alle. Traumhaft ist es hier!

Spätnachmittags haben wir genug von Sonne, Sand und Strand und packen zusammen. Immer etwa zur vollen Stunde (besser nochmal im aktuellen Fahrplan rückversichern) hält die Linie 5 an der Bambus-Bar, dem Kiosk vor dem Strandzugang von List, an der Bushaltestelle dort, und sammelt die Sonnenhungrigen, pardon, die Sonnensatten dort wieder ein.

Die Linie 5 ist eine Sommerlinie, die vom Hafen in List mit einigen Zwischenhalten eine Runde bis zum Strandabschnitt und weiter bis zur Haltestelle „Vogelkoje“ fährt. Möchte man zurück/weiter nach List, muss man hier umsteigen in die Linie 1, die die begonnene Runde zurück nach List komplettiert. Bleibt man in der Linie 5 sitzen, wird die auch automatisch wieder zur Linie 1 (ist nämlich derselbe Bus) und bringt einen zurück bis Westerland.

Wir aber wollen uns noch den Hafen von List anschauen, und so steigen wir eben an der „Vogelkoje“ um in den nächsten Bus, der uns noch einmal hoch ins Dorf bringt.

„Gosch“, Sylts wahr gewordenes Märchen eines Imperiums

Die Hafenumgebung von List ist relativ überschaubar, sauber, angenehm und sehr nett hergerichtet. In der alten Tonnenhalle befinden sich diverse Läden, weiter hinten durch findet man die „Erlebniswelten Naturgewalten“, es gibt ein permanentes Riesenrad, Bungee-Trampoline und einen Crêpes-Stand, aber ein Name dominiert hier einfach alles: Gosch.

Die Geschichte beginnt in den 60ern, als ein Maurer nach Feierabend noch aus einem Bauchladen Fisch verkauft. Daraus wird in den 70ern eine Fischbude in einem Verkaufswagen, eben genau hier am Hafen von List. In den 80ern folgen Niederlassungen in anderen Gemeinden der Insel Sylt und schließlich Läden in deutschen Großstädten auf dem Festland, Ableger auf Kreuzfahrtschiffen und ein Online-Handel.

‚Gosch‘, der Name des damaligen Maurers, ist heute ein Synonym für fangfrischen Fisch von bester Qualität und für viele Menschen gehört mindestens ein Fischbrötchen zu kaufen bei Gosch zu einem Aufenthalt auf der Insel einfach dazu. Und in List, wo alles begann, steht wohl ab und an der Gründer selbst noch hinter der Theke.

Der Hafen von List: Vorne ein "Gosch"-Restaurant, und es gibt sogar ein Riesenrad!

Der Hafen von List: Vorne ein „Gosch“-Restaurant, und es gibt sogar ein Riesenrad!

Wir schauen uns das Treiben allerdings lieber ein wenig aus der Ferne an und geben einem Newcomer eine Chance: Dem ‘Piratennest‘, einem Restaurant gleich nebendran. Auch hier ist der servierte Fisch vorzüglich und das Servicepersonal sehr nett und freundlich.

Wir sitzen im Restaurant "Piratennest", aber einen Blick auf Gosch, sogar inklusive nachgebautem Leuchtturm, haben wir hier natürlich auch.

Wir sitzen im Restaurant „Piratennest“, aber einen Blick auf Gosch, sogar inklusive nachgebautem Leuchtturm, haben wir hier natürlich auch.

Wir drehen noch eine letzte Runde um den kleinen Hafen und besteigen dann die Linie 1, bzw. Linie 5, je nachdem, um uns nach diesem wunderbaren Tag in List sonnengebräunt, salzverkrustet und pappsatt zurück Richtung Westerland kutschieren zu lassen.

Der Hafen von List in der Abendsonne.

Der Hafen von List in der Abendsonne.


Anfahrt List/Hafen

Bus-Linie 1 von ‚Westerland‘ über Kampen bis ‚List Hafen‘.


Anfahrt List/Strand

Wie oben mit der Linie 1 bis ‚List Hafen‘, ab dort mit der Sommer-Linie 5 bis ‚List Weststrand‘. Ihr könnt aber im Bus der Linie 1 einfach sitzenbleiben, denn es ist genau derselbe Bus. ‚Linie 5‘ komplettiert nur im Sommer die Runde ab dem Hafen von List bis zum Strand und wieder zurück bis ‚Vogelkoje‘, wo sie wieder auf die regulären Haltestellen der Linie 1 trifft.

Im Winter fährt der Bus nur bis ‚List Hafen‘ und von dort auf demselben Weg wieder zurück nach ‚Westerland‘. Dann lohnt sich der Schlenker über den Strand (und die anderen Haltestellen auf dem Weg) wohl nicht.