Ich erinnere mich noch, als ich selber das erste Mal das ‚Haus der Geschichte‘ besuchte: Ich war etwa im Alter meiner Kinder jetzt, und den geplanten Ausflug meiner Eltern in ein Museum fand ich vorab sterbenslangweilig. Das änderte sich schlagartig, als wir das Gebäude betraten, denn das hier war anders als alle anderen Museen, die ich damals kannte.

Jahrzehnte später kehre ich nun mit meinen eigenen Töchtern zurück, die ihrerseits von einem Bildungsbesuch in deutscher Geschichte zunächst so eher semi-begeistert sind.

Auf der Reise durch die Zeit

Von Köln kommend findet unsere Anreise traditionell mit der Straßenbahn-Linie 16, schön am Rhein entlang, statt. An der unterirdischen Haltestelle „Heussallee/Museumsmeile“ steigen wir aus und stehen fast schon direkt vor dem ersten Highlight: Diese Haltestelle ist nicht nur die nächstgelegene zum ‚Haus der Geschichte‘, sie ist quasi im ‚Haus der Geschichte‘, mit direktem Zugang in dessen Untergeschoß!

Bereits beim Aussteigen aus der Bahn sehen wir ein Hinweisschild, und nach nur einigen, wenigen Metern hinter einer Glastür geht es auch schon los:

Wow! Stilleben mit der Deutschen Bundesbahn.

Wow! Stilleben mit der Deutschen Bundesbahn.

Hier steht mal eben ein Waggon der DB im Keller des 'Haus der Geschichte' - und zwar nicht irgendeiner...

Hier steht mal eben ein Waggon der DB im Keller des ‚Haus der Geschichte‘ – und zwar nicht irgendeiner…

Wir stehen vor dem echten, privaten Zugwaggon des Bundeskanzlers, der früher einfach an bestehende Züge „drangehangen“ wurde, wenn Konrad Adenauer mitsamt seinem Stab mal in eine andere Stadt fahren musste, und so konnte er während der Fahrt noch arbeiten oder sich frischmachen, denn ein Badezimmer gibt es selbstverständlich auch.

Wir spinksen durch die Fenster: Alles noch original eingerichtet, inklusive vergilbten Tageszeitungen und Kaffeegeschirr! Also das finden die Mädels schon mal cool – erstens ist das alles „super-alt“, und zweitens die Vorstellung, dass jemand berufsbedingt seinen eigenen Deutsche-Bahn-Waggon quasi nur für sich hatte, mit dem er überall hingelangen konnte. Da sind sie auf jeden Fall beeindruckt!

Komplett eingerichtet, der Waggon des damaligen Bundeskanzlers - inklusive Schreibmaschine zum Arbeiten.

Komplett eingerichtet, der Waggon des damaligen Bundeskanzlers – inklusive Schreibmaschine zum Arbeiten.

Wenn man näher rangeht, sieht man noch das Kaffeegeschirr und einige Zeitungen, im Hintergrund das Radio - Internet, um auf dem laufenden zu bleiben, gab es ja noch lange nicht.

Wenn man näher rangeht, sieht man noch das Kaffeegeschirr und einige Zeitungen, im Hintergrund das Radio – Internet, um auf dem laufenden zu bleiben, gab es ja noch lange nicht.

Und ich frage mich, wie das wohl gewesen ist, wenn irgendwo ein ganz normaler Zug in einen Bahnhof einfuhr, und Passagiere und Passanten auf dem Bahnsteig dann mitbekommen haben, dass der Waggon des Bundeskanzlers hintendran hängt – na, da muss ja was los gewesen sein!

Wir sind als schon geflasht, bevor wir überhaupt den offiziellen Eingangsbereich des ‚Haus der Geschichte‘ erreicht haben (deshalb: Anreise per Bahn ist auf jeden Fall empfehlenswert, sonst bekommt man dieses Kapitel eventuell gar nicht mit).

Auch der Dienstwagen von Kanzler Adenauer, natürlich ein Mercedes, steht hier. Oder besser gesagt: die Dienst-Limousine - was für ein Auto!

Auch der Dienstwagen von Kanzler Adenauer, natürlich ein Mercedes, steht hier. Oder besser gesagt: die Dienst-Limousine – was für ein Auto!

Von Anfang an…

Im Erdgeschoß angekommen, stehen wir im Jahr 1945: Panzer,, Ruinen, Trümmer, Bilder, Fotos, Geräusche und laufende Tonmitschnitte. Man ist direkt mittendrin, und die Kinder lauschen gebannt und schauen ungläubig.

Und genau das hat sich das ‚Haus der Geschichte‘ auch auf die Fahnen geschrieben: Deutsche Geschichte „erlebbar“ zu machen.

Das gelingt, indem Informationen zum chronologischen Ablauf von Situationen und Ereignissen durch Einbindung von Medien wie Bild und Ton (in den 90ern, als es eröffnete, durchaus noch keine Selbstverständlichkeit) wiedergegeben werden. Als Besucher taucht man so geradezu in vergangene Zeiten ein und kann sich sehr gut ein lebendiges Bild machen.

Wir treffen Konrad Adenauer auch höchstpersönlich! Naja... fast.

Wir treffen Konrad Adenauer auch höchstpersönlich! Naja… fast.

Zum anderen werden zu jedem Jahrzehnt auch Alltagsgegenstände aus früheren Jahrzehnten ausgestellt, was – je nach Alter der Besucher – von sentimentalen Erinnerungen und „Weißt du noch…“ bis zu Verwunderung („Kein Internet? Gar keins? Auch kein Netflix?“) und Staunen führt – und idealerweise unvermittelt interessante Gespräche und auch heiteren Austausch zwischen den Generationen mit sich bringt.

Der Lauf der Dinge

Nach Kriegsende und der Gründung der Bundesrepublik Deutschland gelangen wir natürlich zum Wirtschaftswunder der 50er und 60er Jahre, das den Käfer vom Band laufen liess und auch Vespas, schicke Klamotten, coole Möbel, Musikboxen, eine Milchbar und noch so viel mehr mit sich brachte.

Der einzig wahre Roller: die original italienische Vespa!

Der einzig wahre Roller: die original italienische Vespa!

Eine echte Milch-Bar aus einem Eiscafé der 50er Jahre, schon mit Espressomaschine!

Eine echte Milch-Bar aus einem Eiscafé der 50er Jahre, schon mit Espressomaschine!

Vorbei an den Hippies inklusive VW-Bus mit Blümchen und dem kalten Krieg geht es weiter bis zum Mauerfall und der Wiedervereinigung Deutschlands 1989.

Ein Trabi, Mauerstücke und Filmmitschnitte des Mauerfalls im Hintergrund - eine völlig andere Welt.

Ein Trabi, Mauerstücke und Filmmitschnitte des Mauerfalls im Hintergrund – eine völlig andere Welt.

Besonders gut hat uns auch gefallen, dass ein Stück eines originalen Plenarsaals aus der Zeit, als Bonn Hauptstadt war, hier eingebaut wurde: Die Besucher können Platz nehmen und per Kopfdruck an ihrem Tisch an den an der Videowand ablaufenden Abstimmungen teilnehmen, was auch viele mit großer Begeisterung tun. Und es ist sehr interessant zu sehen, wie sich das Ergebnis wieder und wieder und wieder verändert. Demokratie zum Anfassen.

Den Startschuss zum Bau eines Museums für bundesdeutsche Geschichte nach 1945 legt übrigens in den 80ern der damals gerade frisch angetretene Bundeskanzler Helmut Kohl, der diese Idee bereits in seiner allerersten Regierungsrede publizierte.

Unser Fazit

Ich muss wirklich sagen, dass das ‚Haus der Geschichte‘ eines meiner Lieblingsmuseen ist. Es ist mir einfach sympathisch, und es gibt bei jedem Besuch auch immer noch etwas neues zu entdecken (nicht zuletzt natürlich auch deshalb, weil die Ausstellungen ständig weiterentwickelt und ausgebaut werden).

Außerdem ist der Eintritt komplett kostenlos, die Garderobe auch, und nur für den Gebrauch von Schließfächern benötigt man eine Münze, die man nach Gebrauch allerdings selbstverständlich zurück erhält.

Volle Empfehlung von uns!


Haus der Geschichte

Museumsmeile
Willy-Brandt-Allee 14
53113 Bonn

Eintritt ist kostenlos.

Dienstags bis freitags 09:00 – 19:00 Uhr, samstags, sonntags und feiertags 10:00 – 18:00 Uhr.
Montags geschlossen.

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