Am Samstagnachmittag holen wir in Florenz unseren Mietwagen für die Weiterfahrt in die Toskana ab. Übrigens mein erstes Mal überhaupt, dass ich ein Auto ausleihe, und das in Italien.

Gebucht habe ich schon zuhause vorab, wobei ich mir das beinahe wieder anders überlegt hätte, als ich sah, dass jeder einzelne Autovermieter in Florenz nahezu nur grottenschlechte Bewertungen hat. Ausnahmslos, eine Horrorstory nach der anderen, die extrem unzufriedenen Kunden überwiegen bei Weitem.

Es nutzt aber nichts: Wir wollen in die Toskana und dafür benötigen wir ab hier nun ein Auto.

Wir könnten auch von Florenz Richtung Pisa noch weiter mit dem Zug fahren und ab halber Strecke dann weiter Richtung Süden in den Bus umsteigen, aber das ist mir an diesem Punkt unserer Reise doch zu umständlich. Außerdem wäre ich auf dem Agriturismo, das unser Ziel ist, auch gerne noch ein wenig mobil, damit wir uns noch die Gegend anschauen können, wenn wir Lust haben.

Augen zu und durch: Ich wähle den Vermieter mit den wenigsten schlechten Bewertungen, der so immerhin auf eine Gesamtbewertung von 2 von 5 möglichen Sternen kommt und schließe die Buchung ab.

[Werbung weil Namensnennung]

Was beachten beim Papierkram?

In Italien reicht der normale deutsche Führerschein, allerdings wird der Neue im Kartenformat empfohlen, damit er überall ohne Probleme (an-)erkannt wird. Wer noch einen „alten Lappen“ hat, sollte sich besser das aktuellere Modell besorgen. Und das natürlich dann unbedingt einpacken und mitnehmen auf die Reise!

Ich erhalte vorab die Info, dass die Filiale der Autovermietung um 16:30 Uhr schließt, pünktlich. Kein Problem: Wir sind rechtzeitig vorher da, und ich lese wie empfohlen den Vertrag aufmerksam durch, ob auch nirgendwo Häkchen bei überflüssigen Versicherungen gemacht wurden, die ich gar nicht benötige und haben will. Die Formulare gibt es allerdings natürlich nur auf Italienisch und Englisch, was das Ganze noch ein klitzekleinwenig interessanter macht.

Den Betrag habe ich bereits bei der Buchung vorab per Kreditkarte beglichen, nur die Kosten für die Steuer und den bestellten Kindersitz muss ich vor Ort bezahlen.

Probesitzen im unserem Leihwagen in Florenz.

Probesitzen im unserem Leihwagen in Florenz.

Auf geht’s – Toskana, wir kommen!

Mit dem Schlüssel in der Hand gehen wir zur Parkgarage um die Ecke, wo das Auto steht, packen in Ruhe alles ein, machen noch Fotos, damit uns im Nachhinein keine alten Schäden untergejubelt werden und fahren dann zum Ausgang, wo wir an der heruntergelassenen rot-weiß lackierten Schranke anhalten. Nach den vielen tausend Kilometern auf Schienen ist es fast ein wenig merkwürdig, wieder autonom unterwegs zu sein.

Moment mal – Schranke? Ich habe gar kein Ticket bekommen?

Ein Blick auf die Uhr: 16:36 Uhr.

Im Bruchteil einer Sekunde realisiere ich, dass das Hauptbüro vor sechs Minuten vermutlich wie angekündigt superpünktlich geschlossen hat und wir hier mutterseelenallein im Parkhaus stehen und nicht rauskommen. An einem Samstagnachmittag, in einem Land, dessen Sprache ich nur soweit beherrsche, dass ich mir mit viel gutem Willen einen Kaffee bestellen kann. Kein Mensch weit und breit zu sehen, gähnende Leere im gesamten Parkhaus, weiter geht es hier erst Montagmorgen.

Im selben Augenblick ziehe ich die Handbremse an, reiße meine Fahrertüre auf, lasse die verdutzten Kinder ohne weiteren Kommentar (jede Sekunde zählt) bei laufendem Motor im Wagen sitzen und spurte um die Ecke, wo ich mich vor dem Büro angekommen unter dem bereits zu dreiviertel runtergelassenen Ladengitter herrolle und vor den erstaunt guckenden Angestellten, die bereits ihre Jacken anhaben und sich gerade zur Hintertür zum Gehen aufmachen, zum Stehen komme.

Ich erkläre kurz mein Anliegen, erhalte nach einem gleichmütigen Schulterzucken ein neues Ticket für die Parkgarage und verlasse die Filiale wieder um einiges unspektakulärer, als ich sie betreten habe.

Zurück im Parkhaus sitzen immer noch die Kinder unverändert in unserem Mietwagen bei laufendem Motor und offener Fahrertür auf der Schräge der Abfahrt und fragen interessiert, ob wir nun fahren können. Ja, können wir. Kein Problem. Ich stecke das Ticket in den Automaten, simsalabim, die Schranke öffnet sich, und wir rollen los in den florentinischen Autoverkehr.

Und irgendwann, als wir schon längst auf der Autobahn sind, kann ich auch wieder atmen.

Autofahren in Italien

Nachdem sogar der italienische Vater meiner Kinder mich anguckte, als wäre ich von allen guten Geistern verlassen, als ich ihm erzählte, dass ich in Italien ein Auto mieten will, war ich doch ein klein wenig irritiert. Aber da hatte ich schon gebucht, also dachte ich, ich probiere es halt mal.

Außerdem hatte ich keine Lust, meinen zu diesem Zeitpunkt bis ins Detail durchdachten Reiseplan noch einmal zu ändern.

Ein Mietwagen in Italien ist natürlich von... genau! ;)

Ein Mietwagen in Italien ist natürlich von… genau! 😉

Und was soll ich sagen?
Ich finde Autofahren in Italien total super!

Wenn wir spontan doch einmal kurzfristig die Spur wechseln, weil wir doch abbiegen wollen oder eben doch nicht, macht das niemandem etwas aus und alle fahren einfach nonchalant um uns herum, wo halt Platz ist.

Und wenn wir auf einer Strecke viel langsamer fahren als der Rest, weil ich nicht sicher bin, welche Geschwindigkeitsbeschränkung hier gilt, dann interessiert das niemanden und es wird nicht gedrängelt oder sonst irgendwie Druck gemacht, sondern wir werden einfach überholt und gut ist.

Nach unserem Empfinden und unseren Erfahrungen auf italienischen Autobahnen, Landstraßen und in Städten fährt jeder einfach, wie er möchte, innerhalb der Gegebenheiten durch die anderen Autos, weil die nun einmal auch da sind. Super entspannt.

Apropos italienische Innenstädte

Beachten sollte man allerdings unbedingt, dass in vielen italienischen Städten der historische Kern, das „Centro Storico‘, für unberechtigten Autoverkehr, sprich Touristen und sämtliche andere Menschen, die nicht einen ganz triftigen Grund haben, hier hineinfahren zu wollen, gesperrt ist.

Kontrolliert wird das mittels eines elektronischen Kamerasystems, das an sämtlichen Eingängen zu den gesperrten Straßen installiert ist. Jedes Fahrzeug, zu dem nicht eine gültige Erlaubnis hinterlegt ist, wird über das Nummernschild identifiziert und erhält Post mit einer Geldstrafe zugesendet. Es empfiehlt sich also, sich vor der Einfahrt in italienische Städte genauestens bzgl. einer gesperrten historischen Altstadt zu informieren und diese streng zu vermeiden. Sonst wird es teuer.

Regeln Italien vs. Deutschland

Auch Knöllchen für zu schnelles Fahren (max. 50km/h in Ortschafte, 90km/h auf Landstraße und auf Autobahnen ist 130km/h Höchstgeschwindigkeit) werden natürlich vergeben, auf der Autobahn manchmal mittels eines elektronischen Systems namens ‚Tutor‘, dass die Geschwindigkeit eines Autos an mehreren Stellen misst. Die Kosten sind erheblich höher als bei uns und werden auch bis nach Deutschland eingezogen.

Wie oben schon erwähnt, wissen wir ab und zu nicht, welche Geschwindigkeit gerade erlaubt ist. Oft stehen plötzlich an Landstraßen irgendwo offenkundig völlig sinnlose 20km/h-Schilder herum, an die sich niemand hält und die auch nirgendwo wieder aufgehoben werden. Das verunsichert mich jedes Mal total, erst fahre ich zumindest ein bisschen langsamer… und irgendwann orientiere ich mich einfach an den anderen Autos. Im Nachhinein habe ich gelesen, dass solche Schilder eher eine „Vorsicht!“-Funktion haben als die tatsächliche Order, die Geschwindigkeit auf die angegebene Zahl zu drosseln.

Übrigens haben manche Straßenschilder andere Farben als bei uns. Mir war vorher gar nicht klar, dass man so auf die Farben eingestellt ist, das fällt einem erst auf, wenn man sich irgendwo befindet, wo das System vom Bekannten abweicht: Hier weisen grüne Schilder auf Autobahnen hin, blaue auf Staatsstraßen.

Die meisten Autobahnen sind mautpflichtig, hier an den Mautstellen vorher genau schauen und aufpassen, dass man sich richtig einordnet (blau = nur Karte, weiß = auch Bargeld), denn wenden ist streng verboten.

Toll finden wir die elektronischen Anzeigetafeln, die wir häufig sehen: Hier stehen zum Beispiel die nächsten Orte auf der Route und wie lange man nach aktueller Verkehrslage noch bis dorthin benötigt.

Die Promillegrenze in Italien liegt mit 0,5 Promille unter der in Deutschland. Außerhalb geschlossener Ortschaften muss man immer Abblendlicht anschalten.

Und ein genereller Hinweis, der sowohl für Autofahrer als auch für Fussgänger in Italien gilt: Rot als Ampelfarbe gilt schon mal eher als Empfehlung. Aufmerksam sein schadet also nicht, aber wir haben uns schnell darauf eingestellt, und da eben alle Verkehrsteilnehmer gefühlt eher mehr auf die tatsächliche Situation achten also auf die vorgegebenen Regeln, funktioniert das prima.