Geheimgänge und verborgene Zimmer in einem alten Palast? Super!

Privatführung fast ganz für uns allein? Geritzt!

Das Ganze unkompliziert und zum kleinen Preis? Hervorragend, wir sind dabei!

Mit diesem Plan im Kopf laufen wir am Samstagvormittag, an dem wir aus Venedig am Bahnhof Firenze Santa Maria Novella ankommen, die mittelalterlichen Straßen dieser kultur- und geschichtsträchtigen Stadt hinunter bis zur ‚Piazza della Signoria‘, um die sich hier in Florenz alles dreht.

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Der Palast der Medici

Die ‚Signoria‘, das steht seit jeher für die Regierung, für die bürgerliche Macht der Stadt, denn hier besteht gemeinsam mit dem ‚Palazzo Vecchio‘, dem alten Palast, das politische Zentrum von Florenz. Erbaut im 13. Jahrhundert tagt hier schon vor hunderten von Jahren das damalige Parlament. Im Mittelalter zieht die mächtige Familie der Medici ein, und heute fungiert der Bau als Rathaus und nicht zuletzt als Museum.

Neben vielen Privatgemächern aus den Zeiten der Medici kann man öffentlich zugänglich auch den berühmten Saal der Fünfhundert besichtigen, den Innenhof, eine Kapelle, einen Audienz-, den Lilien- und den Landkartensaal, und man bekommt eine Vorstellung von dem unbeschreiblichen Reichtum dieser Familie und der Bedeutung von Florenz als Zentrum des spätmittelalterlichen europäischen Handels- und Finanzwesens.

Die Blüte der Renaissance

Die Medici nutzen ihr Geld aber vor allem auch zur Förderung der Kultur und schaffen beste Voraussetzungen für viele Künstler und Wissenschaftler ihrer Zeit: So arbeiten Leonardo da Vinci, Michelangelo, Galileo Galilei und Vasari und viele andere mehr für sie und fertigen dabei viele ihrer heute weltberühmten Werke.

Direkt vor dem Palazzo Vecchio steht folgerichtig auch eins der bekanntesten: Der David von Michelangelo. Allerdings handelt es sich hier nur um eine Replik, das Original steht zu seinem Schutz in einem Saal der Akademie der Künste, der ‚Galleria dell’Accademia‘, ebenfalls in Florenz.

Uns reicht aber dieser David zum Bestaunen und Bewundern völlig, und die Kinder erkennen ihn fachmännisch: „Den hat Oma auch im Garten!“

Links: Der 'Palazzo Vecchio', lange Zeit Wohnsitz der Medici. Rechts: Der 'David' von Michelangelo - allerdings nur eine Replik.

Links: Der ‚Palazzo Vecchio‘, lange Zeit Wohnsitz der Medici. Rechts: Der ‚David‘ von Michelangelo – allerdings nur eine Replik.

Weitere Erläuterungen müssen wir aber zunächst auf später verschieben: Wir sind spät dran und müssen den richtigen Eingang und dort den Info-Schalter finden, wo eine Führung zu den geheimen Bereichen der Medici beginnt.

Die Geheimnisse der Medici

Nach einigem Suchen und Umherirren finden wir den Infopoint, an dem ein supernetter Guide bereitsteht, um uns und einigen anderen Teilnehmern in einer kleinen Gruppe die ‚Secret Passages‘ des Palastes zu zeigen. Maximal 15 Personen können teilnehmen und dabei Bereiche des Palastes besichtigen, die für die normale Öffentlichkeit nicht zugänglich sind.

Wir folgen ihr durch niedrige, verborgene Türen, die uns plötzlich geblendet vom Sonnenlicht mitten zwischen den Menschen auf dem belebten Platz vor dem Palazzo Vecchio herauskommen lassen, gehen an anderer Stelle wieder rein und weiter über steile, schmale Wendeltreppen und durch enge, enge Gänge in immer neue geheime Kammern und Räume. Spannend!

Es geht durch niedrige Türen und schmale Gänge...

Es geht durch niedrige Türen und schmale Gänge…

... bis in ein privates 'Studiolo', ein Gelehrtenzimmer, und durch eine Geheimtür zurück ins Treppenhaus und weiter und nach oben...

… bis in ein privates ‚Studiolo‘, ein Gelehrtenzimmer, und durch eine Geheimtür zurück ins Treppenhaus und weiter und nach oben…

Unsere Führerin erklärt uns – auf englisch, aber die Mädels können ganz gut folgen – viele interessante Hintergründe zum Leben der berühmten Medici:

Dass sie geheime Räume brauchten, wenn sie sich einmal zurückziehen oder einfach nur ihre Ruhe haben wollten, dass sie ansonsten immer bewacht werden mussten, weil stets an jeder Ecke ein Überfall oder Anschlag drohte, und dass die geheimen Räume oft so winzig waren, damit sie mit einer einzigen Kerze komplett ausgeleuchtet werden konnten und man – auch ganz alleine und ohne Wachen unterwegs – sicher sein konnte, dass sich in keiner dunklen Ecke ein Meuchelmörder versteckte.

Unsichere Zeiten damals!

Das Dach von Vasari

Wir bestaunen Prunk und Protz, unzählige Gemälde, Statuen und goldverzierte Dekorationen in Räumen, Studierzimmern und Sälen.

Schließlich wird unsere kleine Truppe sogar – nach dem Aufschließen diverser versperrter Türen vor uns und dem erneuten Abschließen selbiger Türen hinter uns – bis auf die reich verzierte Decke, in den Hohlraum direkt unterm Dach des Palazzo über dem prunkvollen Saal der Fünfhundert, geführt, um dort selber ansehen zu können, was Vasari dort vor Hunderten von Jahren für ein Meisterwerk an Konstruktion geschaffen hat.

... bis direkt unter das Dach des Palazzo Vecchio!

… bis direkt unter das Dach des Palazzo Vecchio!

Ein Modell des gesamtes Daches veranschaulicht die Bauweise.

Ein Modell des gesamtes Daches veranschaulicht die Bauweise.

Bis auf wenige Ausnahmen sind die Holzbalken alle noch original, und halten immer noch. Wirklich beeindruckend, vor allem, wenn man mal überlegt, wie viele neu gebaute Gebäude und Straßen in unserer Stadt zuhause nur ein Jahrzehnt später schon wieder marode sind und saniert werden müssen.

Und das alles mit damaligen Mitteln geplant und umgesetzt!

Die Qual der Wahl

Wir sind echt begeistert von der Führung!

Die vielen Geheimgänge haben uns Spaß gemacht, die Informationen zum Leben der Medici waren durch unseren sehr netten Guide sehr interessant vermittelt, und man konnte sich gut hineinversetzen, wenn man sich gerade selber in den engen Räumen aufhält, die ihnen damals Schutz und Ruhe gegeben haben.

Ich habe bei der Planung unserer Reise durch Norditalien lange überlegt, was wir in Florenz unternehmen, zumal unserer Zeit hier sehr begrenzt ist. Nur einen einzigen Tag haben wir zur Verfügung, und das ist, wie ich nun feststelle, viel zu wenig für diese prächtige Stadt.

Ursprünglich standen als erstes natürlich die Uffizien auf meinem Plan, Florenz‘ Sehenswürdigkeit Nummer Eins, mit der Geburt der Venus und einer unvorstellbar riesigen Anzahl an weiteren ausgestellten Kunstwerken. Allerdings habe ich mich nach einigem Abwägen dann schweren Herzen gegen den obligatorischen Besuch dort und für die Teilnahme an der oben geschilderten Führung durch die Geheimgänge der Medici im Palazzo Vecchio entschieden, und das war eine gute Wahl.

Für die Uffizien benötigt man viel mehr Ruhe, und durchhetzen wollte ich nicht. Und die Kinder konnten mit der privaten, kleinen Führung und spannenden Geheimnissen in einem alten Palast wohl in der Kürze der Zeit mehr anfangen und diese ohne Menschenmassen genießen.

Aber sollte ich jemals wieder nach Florenz kommen, stehen die Uffizien ganz oben auf meiner Liste!

So geht es für uns nun, nach dem Ende des tollen Rundgangs, erst einmal wieder raus aus dem Palazzo Vecchio ins Sonnenlicht, und wir erforschen weiter das ‚Centro Storico‘, die historische Altstadt von Florenz.


‚Associazione Mus.e‘

Eine Gesellschaft, die kulturelle Projekte, Ausstellungen, Workshops und Veranstaltungen für die Museen von Florenz umsetzt.

‚Secret Passages‘

Private Führung durch den Palazzo Vecchio durch ‚Associazione Mus.e‘, online buchen unter musefirenze.it/en/attivita/percorsi-segreti/. Kosten: 4€/Erw. zzgl. zum normalen Museumseintritt. Für Kinder – und Einwohner von Florenz – je nach Alter nochmals reduziert. Empfohlen ab 12 Jahren, aber mit etwas Erklärung auch schon früher machbar. Täglich werden mehrere Uhrzeiten angeboten, Dauer ist etwas über eine Stunde.