Nach unserer faszinierenden Führung durch die geheimen Räume der Medici verlassen wir den ‚Palazzo Vecchio‘ und betreten wieder die L-förmige ‚Piazza della Signoria‘, wo die Hölle los ist: Na klar, es ist Wochenende, Samstag, auch in ‚La Bella‘, wie Florenz auch genannt wird – ‚die Schöne‘.

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‚Firenze, la Bella‘ – Florenz, die Schöne

Und das ist sie wahrhaftig: Es fühlt sich an, als liefe man durch ein einziges, riesiges Freilichtmuseum, ein überdimensioniertes Improvisations-Theater. Auf den ersten Blick wird klar, dass diese Stadt im Mittelalter das Zentrum von Handel und Kultur in ganz Europa war. Diese Gebäude allein!

Im Gegensatz zu Venedig, wo alles so zauberhaft, verspielt, romantisch und gleichzeitig leicht morbide wirkte, kann man hier jahrhundertealte Macht und gewichtigen Einfluss förmlich noch atmen hören.

Direkt über Eck vom ‚Palazzo Vecchio‘ stehen wir schon vor dem nächsten außergewöhnlichen Gebäude: Der ‚Loggia dei Lanzi‘, der eine Arkadenhalle angesetzt ist.

Die ‚Loggia dei Lanzi‘

Die 'Loggia dei Lanzi', eine Säulenhalle an der 'Piazza della Signoria'.

Die ‚Loggia dei Lanzi‘, eine Säulenhalle an der ‚Piazza della Signoria‘.

Hier werden – öffentlich und frei zugänglich – einfach so mal einige Handvoll durchaus berühmter Statuen wie ‚Der Raub der Sabinerinnen‘ von Giambologna ausgestellt.

Wohin auch bloss sonst mit denen, wenn hier überall so viele rumstehen?!

Wie ein magischer Sog zeiht es uns dann zwischen Säulenhalle und dem alten Palast der Medici hindurch in – ja, was ist das eigentlich? Ein Innenhof? Eine Straße?

Es sind die ‚Uffizien‘. Das ganze Ding! Was für ein Komplex.

Die Uffizien

Ein Innenhof an den Uffizien, von der 'Piazza della Signoria' kommend, Richtung Arno.

Ein Innenhof an den Uffizien, von der ‚Piazza della Signoria‘ kommend, Richtung Arno.

Auf deutsch heißt das übrigens nur „Die Büros“. Ein wenig unspektakulär für eines der bekanntesten Kunstmuseen der Welt, finden wir.

Hier ist eine wahrhaft erstaunliche Ansammlung von Gemälden und bildender Kunst von der Antike bis etwa zum Ende des 18. Jahrhunderts zusammengetragen, quasi die Kunstgeschichte Westeuropas auf einem Punkt.

Das Besondere an den Uffizien: Durch die Art, wie dieser Gebäudekomplex angelegt und wie die Sammlungen darin platziert sind, ist man als Besucher gezwungen, fortlaufend einen Saal nach dem anderen zu durchqueren und erfährt so, ob man das beabsichtigt hatte oder nicht, einen zeitlich sortierten Einblick in die Entwicklung der hier ausgestellten Künste.

Unsere Zeit in Florenz ist leider begrenzt, so dass ich mich im Vorfeld schweren Herzens gegen einen Besuch der Uffizien mit den Kindern entschieden hatte, zugunsten der Führung der „Secret Passages“ durch die geheimen Räume der Medici.

Ein Fall für die Pling-Fee

Für uns drei und für diese Reise ist das eine gute Entscheidung, denn die Kinder konnten an diesem Samstagvormittag mehr mit Geheimgängen und verborgenen Türen in prächtig verzierten Räumen im alten Palast der Medici anfangen als mit einem schnellen Vorbeilaufen an unzähligen Marienbildern in den Gallerien der Uffizien.

Wenn ich jemals wieder nach Florenz kommen sollte, stehen die Uffizien aber unbedingt auf meiner Wunschliste!

‚Die Geburt der Venus‘ von Botticelli und so einige andere hier ausgestellte Meisterwerke hätte ich schon wirklich gerne gesehen.

Wir begnügen uns damit, ehrfürchtig die Säulen an beiden Seiten des ‚Piazzale degli Uffizi‘, so heißt dieser langgezogene Platz innerhalb der Uffizien, zu bewundern. Hier stehen sie wirklich alle und schauen mal gelehrt, mal weise und manchmal grummelig auf uns herab: Lorenzo de Medici I., Michelangelo Buonarotti, Dante Alighieri und noch so viele mehr.

Wir laufen von Statue zu Statue und schauen, wessen Abbild wir erkennen oder, nach kurzem Blick auf die Namensschilder, wen wir überhaupt kennen. Aber doch einige!

Am Ende des Innenhofs sieht man schon die Häuser des gegenüberliegendes Ufers des Arno. Ich frage mich, wer diese eine hohe Pinie dort hinten hin gepflanzt hat? Auf jeden Fall jemand mit Hang zur Symmetrie.

Am Ende des Innenhofs sieht man schon die Häuser des gegenüberliegendes Ufers des Arno. Ich frage mich, wer diese eine hohe Pinie dort hinten hin gepflanzt hat? Auf jeden Fall jemand mit Hang zur Symmetrie.

Am Ufer des Arno

An Ende angelangt öffnen sich die Uffizien zum Ufer des Arno, und du meine Güte, ist das voll hier! Himmel und Menschen sind auf der Uferpromenade unterwegs. Ich glaube, wir haben Florenz ein wenig unrecht getan, an einem Samstagnachmittag hier herumzulaufen, aber das ist jetzt nicht mehr zu ändern.

Wir schlendern ein Stück nach links hoch, um ein wenig Luft zu bekommen und etwas mehr Platz um uns herum zu haben. Die Häuser auf der anderen Seite des Ufers haben es uns angetan: das sieht so toll aus!

Wunderschön hier, am Ufer des Arno!

Wunderschön hier, am Ufer des Arno!

Es gibt dort wohl auch einen bekannten Aussichtspunkt auf ganz Florenz, oben auf einem Berg, zu dem sogar ein Bus fährt. Allein, unsere Zeit… Ich sehe schon, wir müssen wiederkommen.

Der Vasari-Korridor und der Ponte Vecchio

Wir haben neue Energie getankt und kämpfen uns durch die Menschenmassen wieder in die andere Richtung die Promenade hinauf, denn wir müssen zurück Richtung Bahnhof. Dabei gehen wir unter einem Säulengang direkt am Fluss entlang: dem Vasari-Korridor.

Und der ist das wirklich Aberwitzige an Florenz! Die Medici ließen ihn anlegen, damit sie trockenen Fußes – oder ungesehen, je nachdem – von ihrem alten Palast, dem Palazzo Vecchio, zu ihrem neuen Palast, dem Palazzo Pitti, gelangen konnten.

Das Problem war nur: Beide liegen ein gutes Stück voneinander entfernt, und es ist ein Fluss dazwischen! Also beauftragten sie Vasari, der sowieso gefühlt halb Florenz erbaut hat, damit, eine Lösung zu finden.

Der treue Baumeister der Medici hat es natürlich geschafft, und so führt bis heute tatsächlich ein Weg von einem zum anderen Palast:

Eine Brücke verbindet in luftiger Höhe den Palazzo Vecchio mit den Uffizien.

Eine Brücke verbindet in luftiger Höhe den Palazzo Vecchio mit den Uffizien.

Vom Palazzo Vecchio geht es an der Piazza della Signoria über die auf dem Foto oben gezeigte Brücke hoch in der Luft rüber zu den Uffizien.

Durch diese hindurch gelangt man bis zum Ufer des Arno.

Dort wieder in luftiger Höhe überquert man die Promenade und nutzt dann die obere Etage des Säulengangs, den eigentlichen Vasari-Korridor, um ein ganzes Stück den Fluss hinunterzugelangen, bis zum ‚Ponte Vecchio‘.

Der berühmte 'Ponte Vecchio' mit seinen überbauten Häusern darauf.

Der berühmte ‚Ponte Vecchio‘ mit seinen überbauten Häusern darauf.

Diese berühmte Brücke ist bis auf den letzten Quadratzentimeter vollgepackt mit Häusern und Geschäften, die sogar über den Rand hinausragen, und dort geht auch der Weg im Geheimen in der oberen Etage weiter bis auf die andere Seite des Flussufers, direkt bis zum ‚Palazzo Pitti‘, dem neuen Palast, von wo aus man noch in die Boboli-Gärten abbiegen kann.

Hört sich an wie aus einem Märchen, oder? Aber sie haben es tatsächlich wahrgemacht, die Medici.

Den Vasari-Korridor, in dem momentan eine ganze Reihe Selbstporträts aus verschiedenen Jahrhunderten aushängen, kann man auch besichtigen, allerdings aktuell nur im Rahmen einer nicht ganz günstigen vorab gebuchten Führung.

Rückweg durch das historische Zentrum

Wir verlassen die Menschenmassen am Ufer des Arno lieber wieder und biegen ab ins historische Zentrum, zurück Richtung Bahnhof. Hier ist es viel ruhiger.

Wir orientieren uns nur grob an der Richtung und lassen uns ansonsten durch Florenz treiben.

Auf dem Weg machen wir spontan Halt in einem kleinen Cafe, essen wunderbare Tramezzini, italienische Sandwiches, und trinken, natürlich, Bitterino, ein typisch italienisches Bittergetränk in kleinen Fläschchen, das ein wenig wie Campari schmeckt, aber alkoholfrei ist und auch von vielen Kindern heißgeliebt wird.

Atemberaubend: ‚Santa Maria del Fiori‘

Und wie immer, wenn wir uns in fremden Städten einfach treiben lassen, stehen wir plötzlich doch noch vor einer weiteren Sehenswürdigkeit:

Hier vor der wunderschönen Kathedrale ‚Santa Maria del Fiori‘.

Die wunderschöne Kathedrale 'Santa Maria del Fiore' mit ihren reichen Details.

Die wunderschöne Kathedrale ‚Santa Maria del Fiore‘ mit ihren reichen Details.

Das Beeindruckende an ihr ist neben den wunderbaren Details aus dreifarbigem Marmor am gesamten Gebäude die pompöse Kuppel von Brunelleschi, eine technische Meisterleistung damaliger Zeit.

Bis zu 30.000 Menschen passen in das Kirchenschiff!

Für uns aber wird es Zeit, zum Bahnhof zurückzukehren und unser Gepäck aus der Gepäckaufbewahrung abzuholen. In Florenz wird unser Railtrip nämlich kurzfristig doch noch zu einem Roadtrip: Wir leihen uns ein Auto und stürzen uns in den italienischen Verkehr. Auf in die Toskana!


Uffizien

Für die Uffizien kann man online Tickets mit Datum und Uhrzeit buchen, es gibt einzelne oder auch Kombi-Tickets mit dem Palazzo Pitti und den Boboli-Gärten. Von November bis Februar sind die Tickets günstiger, ansonsten liegt der Eintritt nur für die Uffizien bei 20€/Erw. und 10€/Kinder.

uffizi.it/en/tickets, italienisch/englische Version.