Von Murano aus nehmen wir ab der Haltestelle ‚Faro‘ wieder ein Vaporetto, dieses Mal die Linie 12, und fahren weiter Richtung Burano, eine weitere, kleine Insel in der Lagune von Venedig.

Wieder an Bord eines Vaporetto: Blick aus dem Fenster der Linie 12 auf dem Weg von Murano nach Burano.

Wieder an Bord eines Vaporetto: Blick aus dem Fenster der Linie 12 auf dem Weg von Murano nach Burano.

Noch ein Blick auf die Lagune, dieses Mal ohne Fenster dazwischen. Das Wasser sieht so aus, als wäre es aus Seide. Dieses Licht in Venedig taucht einfach alles in einen magischen Zauber.

Noch ein Blick auf die Lagune, dieses Mal ohne Fenster dazwischen. Das Wasser sieht so aus, als wäre es aus Seide. Dieses Licht in Venedig taucht einfach alles in einen magischen Zauber.

Sie ist bekannt für ihre farbenfrohen Häuser, aber eigentlich ist ihre Profession eine andere: Spitzenstickerei, genauer gesagt: Die besondere Nadelspitzenstickerei ‚Reticella‘.

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Die Meisterinnen der Spitzenstickereien

Das ist ein wirklich komplizierter Vorgang, wobei einem Stück Leinen als Vorlage immer wieder Fäden entzogen werden, und die verbliebenen Fäden dann erst mit Schlingstich umnäht werden. Auf dieser Basis wird dann weiter genäht und Fäden gezogen, bis nichts mehr vom ursprünglichen Stoff übrig wird und rein „in der Luft“, ‚punto in aria‘, gestickt wird und so feinste Spitze von herausragender Qualität entsteht. Später benötigten die Stickerinnen von Burano noch nicht einmal mehr Leinstoff als Grundlage, sondern begannen frei über vorgezeichnetem Pergament.

Ehrlich, ich habe es nicht genau verstanden, aber hinter jedem kleinen Stückchen filigrane Spitze muss eine unglaubliche Menge Arbeit und höchste Fertigkeit liegen.

Seit dem 16. Jahrhundert an waren die Frauen von Burano berühmt für diese Spitzenstickerei, allerdings wurde sie ab dem 19. Jahrhundert von anderen Techniken abgelöst und geriet dann völlig in Vergessenheit. Als nur noch eine einzige Frau mit diesem Wissen auf Burano lebte, eröffneten venezianische Frauen auf Burano eine Schule dazu, um die Tradition zu erhalten.

Feinste Spitzenstickerei allüberall auf Burano.

Feinste Spitzenstickerei allüberall auf Burano.

Natürlich wird inzwischen auf Burano auf den ersten paar hundert Metern ab der Anlegestelle der Vaporetti unendlich viele Spitzenstickereien in diversen Geschäfte angeboten – ähnlich wie auf Murano mit dem Glas. Und ähnlich wie auf Murano mit dem Glas, muss man auch auf Burano bei den Spitzenstickereien davon ausgehen, dass ein guter Teil der Waren keineswegs hier, sondern in Fernost hergestellt wurde.

Da wir gewiß keine Fachleute sind, und eigentlich auch nichts mit Spitzenwaren anfangen können, obwohl die Mädchen anderer Meinung sind und sich und ihr gesamtes Leben am liebsten von Kopf bis Fuss in Spitze einkleiden würden, beschränken wir uns auch hier wieder nur aufs Umschauen.

Alle Farben des Regenbogens

Wir gehen die ‚Viale Marcello‘, die Straße, die vom Anleger wegführt, also einfach weiter entlang und gelangen so zu einem der Kanäle Buranos, denn auch diese Laguneninsel besteht eigentlich wiederum aus kleineren Inseln, dieses Mal vier, die mit Brücken, dieses Mal acht, verbunden sind.

Oh ja, wie wunderschön ist es hier!

Burano! Und ja, die Häuser sind wirklich so bunt, wie alle sagen. Hier ein wunderbarer Blick zwischen zweien hindurch auf noch weitere, und angeblich hat jedes hier seinen ganz eigenen Farbton. Glauben würden wir das jedenfalls.

Burano! Und ja, die Häuser sind wirklich so bunt, wie alle sagen. Hier ein wunderbarer Blick zwischen zweien hindurch auf noch weitere, und angeblich hat jedes hier seinen ganz eigenen Farbton. Glauben würden wir das jedenfalls.

Ich fand es in Venedig ja schon still, da es dort eben keine Autos gibt, keine Busse und keine Bahnen. Aber Burano…!

Hier sind noch einmal viel weniger Menschen, und es ist geradezu beschaulich. Friedlich. Gediegen. Ruhig. Besonnen. An so einem Ort sind wir noch nie zuvor gewesen.

Die Legende besagt, die Einwohner von Burano hätten begonnen, ihre Häuser so verschieden bunt anzustreichen, damit die Fischer, die hauptsächlich hier wohnten, auch bei Nebel wieder gut nach Hause fänden.

Anders heißt es, es sollten ihnen helfen, auch sturzbetrunken ihr Heim wiederzuerkennen. Eigentlich auch egal: Zum Glück haben sie es überhaupt gemacht, denn so haben sie einen ganz und gar bezaubernden Ort geschaffen.

Häuser in senfgelb und aprikot-orange...

Häuser in senfgelb und aprikot-orange…

... und in karmesinrot, purpur, zart-lila, mintgrün, rosé, altrosa, türkis.

… und in karmesinrot, purpur, zart-lila, mintgrün, rosé, altrosa, türkis.

Geheimtipp: Die Panificio Pasticceria Garbo

Am Kanal ‚Rio Assassini‘, etwa in der Mitte Buranos, angekommen, entdecken wir eine kleine, urige Bäckerei, eine ‚panificio‘, mit einer Vielzahl verschiedenen, hausgemachten Gebäcks im Schaufenster neben Schokoladenkeksen, Brot, Focacchia und Panettone, dem typisch italienischen Hefe-Kuchen.

Wir gehen rein und bestellen nach langer, gründlicher Überlegung eine kleine Auswahl bei dem freundlichen, alten Bäcker. Geduldig wartet er ab, bis wir soweit sind, berät uns ein wenig (dass wir eigentlich keine gemeinsame Sprache sprechen, hindert dabei interessanterweise nicht wirklich), und dann verlassen wir mit ein paar Tütchen in der Hand den Laden.

Probiert unbedingt etwas von dem feinen Gebäck!

Wir schieben uns die ersten Stücke in den Mund und oh, was ist das lecker! Jedes Stück ist ein Unikat, alles von Hand gemacht, herrlich unperfekt und authentisch, feinstes buranisches Gebäck, einfach köstlich. Im Handumdrehen haben wir alles verputzt, dass das sooo gut ist, damit haben wir nicht gerechnet.

Und dann… drehen wir um und gehen zurück und kaufen uns noch mehr! Der alte Bäcker lächelt uns an, als wir den Laden grinsend wieder betreten, füllt uns noch frisch ein paar Cannolli (mit Ricotta oder Schokoladencreme gefüllte, knusprige Teigröhren) und glücklich kauend ziehen wir mit neuen Bäckertüten von dannen. Schließlich brauchen wir ja auch Wegzehrung für den Rückweg, nicht?

Und noch viel mehr Häuser, in azurblau, currygelb, eisblau, altrosa, violett, pink, blassrot...

Und noch viel mehr Häuser, in azurblau, currygelb, eisblau, altrosa, violett, pink, blassrot…

... in ocker, himbeerfarben, knallrot und in bleu...

… in ocker, himbeerfarben, knallrot und in bleu…

und in limettengrün, lachsfarben, mattgrün oder sonnengelb: Einmal die gesamte Farbpalette rauf und runter.

und in limettengrün, lachsfarben, mattgrün oder sonnengelb: Einmal die gesamte Farbpalette rauf und runter.

Ein Leben ohne Autos

Während wir durch die Straßen und entlang der Kanäle Buranos wandern, fragen wir uns wie auch gestern in Venedig, wie es wohl sein muss, hier als Kind aufzuwachsen. Lernt man dann auf dem Festland das erste Mal, wie man sich im motorisierten Straßenverkehr benehmen muss? Wie man sich verhält, und dass man auf Autos auf seinem Weg achten muss, damit man nicht überfahren wird?

Hier wird man ja absolut null damit konfrontiert. Es ist alles ausschließlich auf Fussgänger ausgelegt. Und auf Boote natürlich.

Und mit eben so einem, wieder ein Vaporetto der Linie 12, fahren wir schließlich wieder zurück nach Venedig. Fast eine Dreiviertelstunde dauert das, da merkt man erst, dass Burano wirklich ein ganzes Stück weit draußen liegt in der Lagune.

Rückfahrt, wieder mit der Linie 12, von Burano nach Venedig. Ich weiß gar nicht, wozu die Pfähle in der Lagune gut sind? Vielleicht zur Orientierung, zur Bestimmung der Routen? Malerisch jedenfalls.

Rückfahrt, wieder mit der Linie 12, von Burano nach Venedig. Ich weiß gar nicht, wozu die Pfähle in der Lagune gut sind? Vielleicht zur Orientierung, zur Bestimmung der Routen? Malerisch jedenfalls.

Ankunft in Venedig, wieder an der Station "Fondamente Nuova".

Ankunft in Venedig, wieder an der Station „Fondamente Nuova“.

Wieder in Venedig an der Station ‚Fondamenta Nuove‘ angekommen, verschaffen wir uns erst einmal ein wenig Bewegung.

Zum Glück allerdings hatten wir Sitzplätze auf dem Vaporetto, es war nicht viel los. Das kann auf den letzten Wasserbussen eines Tages in der Saison wohl auch schon einmal anders aussehen.

Eine Runde Treppenspringen auf den Stufen von Cannaregio in Venedig, nach so viel Stillsitzen auf dem Vaporetto.

Eine Runde Treppenspringen auf den Stufen von Cannaregio in Venedig, nach so viel Stillsitzen auf dem Vaporetto.

Wir haben viel erlebt und viel gesehen heute, und werden langsam müde. Zeit, zurück zur Station ‚Ferrovia‘ zu gehen und ab ‚Santa Lucia‘ mit dem Zug zurück nach Mestre in unser Hostel zu fahren.

Wir verfolgen ja immer noch unser Ziel, heute möglichst wenig zu Fuss zu gehen (wobei wir natürlich sowohl auf Murano als auch auf Burano trotzdem eine ganze Menge rumgelaufen sind), und so wollen unsere Vaporetto-Tageskarte nutzen, um dorthin zu gelangen. Schließlich ist sie ja immer noch gültig.

Der Letzte macht das Licht aus

Der kürzeste Weg wäre, das haben die Mädchen inzwischen schnell heraus, mit der 4.1 kurz um die Ecke bis dorthin zu fahren. Aber es ist schon unser letzter Abend in Venedig, und wir wollen noch einmal eintauchen in die Magie der Lagunenstadt, und daher entscheiden wir uns, stattdessen die Linie 4.2 zu nehmen.

Die fährt genau die gleiche Route mit denselben Stopps wie die Linie 4.1, nur in die entgegengesetzte Richtung. Also umrunden wir so Venedig noch ein letztes Mal ganz gemütlich im Vaporetto sitzend beinahe ganz rundherum, und auf die Dämmerung folgt der Sonnenuntergang.

Wahrhaft magisch, diese Stadt!

Sonnenuntergang über Venedig, durch gischtbespritzte Fenster des Vaporetto hinaus. Ein Glutball, der hinter den Palazzi versinkt. Wunderschön!

Sonnenuntergang über Venedig, durch gischtbespritzte Fenster des Vaporetto hinaus. Ein Glutball, der hinter den Palazzi versinkt. Wunderschön!

Nun heißt es Abschied nehmen von Venedig. Morgen früh ist packen angesagt, und dann geht es wieder weiter für uns mit dem Zug: nach Florenz, der Wiege der Renaissance!


Von Murano nach Burano:

Von ‚Faro‘ auf Murano mit der Linie 12 über die kleine, benachbarte Laguneninsel ‚Mazzorbo‘ bis ‚Burano‘, anschließend über die andere benachbarte Laguneninsel ‚Torcello‘ mit erneutem Stop an ‚Faro‘ auf Murano und dann zurück bis ‚Fundamenta Nuove‘ auf Venedig.


Die Bäckerei mit dem besten Gebäck auf Burano:

Panificio Pasticceria Garbo, Fondamenta degli Assassini, 335, Burano. Öffnungszeiten täglich 9:00 – 18:00 Uhr, vgl. Kontaktmöglichkeit via isoladiburano.it/PanificioPasticceriaGarbo.