Das allerbeste Verkehrsmittel, das man in Venedig benutzen kann, sind die eigenen Füße. Und das möchte ich wirklich jedem, der eine Reise hierhin plant, wärmstens ans Herz legen.

Wer dann nicht mehr kann, für den habe ich hier die Alternativen aufgelistet:

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Der Zug

Die Anreise nach Venedig erfolgt vom Festland aus idealerweise mit der italienischen Eisenbahn, deren Schienennetz sehr gut ausgebaut und die – für den ein oder anderen eventuell erstaunlich – angenehm modern, pünktlich und überhaupt absolut zu empfehlen ist.

Auf dem Weg von Mestre nach Venedig über den Damm, der die Lagunenstadt mit dem Festland verbindet.

Auf dem Weg von Mestre nach Venedig über den Damm, der die Lagunenstadt mit dem Festland verbindet.

Mit den Waggons der ‚Ferrovie‘ erreicht man über den schmalen Damm Venedigs Bahnhof „Santa Lucia“ im Stadtviertel Santa Croce.

Die letzte Station auf dem Festland heißt ‚Venedig Mestre‘, und die Überfahrt dauert nur um die 10 Minuten, Kostenpunkt: etwas mehr als ein Euro.

Gleich angekommen: Man kann die Häuser Venedigs schon sehen!

Gleich angekommen: Man kann die Häuser Venedigs schon sehen!

Dann steht man auch schon direkt am Ufer des Canale Grande, und kann sich entweder zu Fuss oder auf den Wasserwegen ins Getümmel stürzen, denn klassischen, motorisierten Verkehr auf den Straßen gibt es nämlich nur genau bis zum Kopfbahnhof mit angrenzendem Parkhaus, und danach in ganz Venedig nicht mehr.

Manchmal sind es auch die Kleinigkeiten, die ein so besonderes und einfach völlig anderes Flair ausmachen: Weil es hier keine Autos, keine Busse und keine Motorräder gibt, gibt es einfach auch überhaupt keine Bürgersteige und Bordsteine.

Alle Wege hier sind ausschließlich für Fussgänger gebaut, der Boden einfach gerade durch mit glatten Steinplatten belegt. Von der Häuserwand bis durch zum Kai, an dem direkt und abrupt das Wasser beginnt.

Wenn man hier nicht aufpasst, wo man hinläuft - blubb.

Wenn man hier nicht aufpasst, wo man hinläuft – blubb.

Mit dem Auto oder dem Bus

Apropos Parkplatz: Genau, man hat durchaus die Möglichkeit, mit dem Auto bzw. mit den öffentlichen Bussen den Damm zu überqueren, der die Lagunenstadt mit dem Festland verbindet.

Der Wagen muss dann aber direkt im Parkhaus in Santa Croce für nicht ganz günstige Tagespreise abgestellt werden, und auch die Busse enden und wenden hier: Weiter kommt man damit nicht.

Mit dem ‚Vaporetto‘, dem Wasserbus

Das öffentliche Verkehrssystem von Venedig wird durch den ‚ACTV‘ betrieben und zwar in Form von Wasserbussen, den Vaporetti.

Ein Vaporetto von innen. Es gibt große, für die weiter Fahrt nach Murano und Burano und über den Canale Grande, und kleinere, die durch die schmaleren Kanäle passen.

Ein Vaporetto von innen. Es gibt große, für die weiter Fahrt nach Murano und Burano und über den Canale Grande, und kleinere, die durch die schmaleren Kanäle passen.

Für die Einwohner Venedigs gibt es reduzierte Tickets, aber da die wenigsten von uns vermutlich gebürtige Venezianer sind, fällt der Touristenpreis in Höhe von 7,50€ für eine einzelne Fahrt an, oder 10,00 – 13,00€ je nach Ziel inklusive Rückfahrt.

Das sind happige Preise mit drei Personen in Venedig, und wir haben es für unsere zwei Tage Aufenthalt in der Lagunenstadt so gelöst:

Einen der beiden Tage gehen wir – gemütlich – nur zu Fuss und sehen uns die Gassen, Gässchen und Sehenswürdigkeiten des historischen Zentrums an.

Dafür läuft unser zweiter Tag dann, quasi als verdiente Belohnung, unter der Prämisse „so wenig Bewegung wie möglich“ und wir gönnen uns ungedeckelte Tagestickets à 20,00€, mit denen wir den ganzen Tag Vaporetto fahren können, so viel wir möchten. Damit gelangen wir dann auch bis nach Murano und Burano, den Schwesterninseln Venedigs, die wir sowieso noch besuchen wollen.

Schwimmende Haltestellen der Vaporetti hinter der Rialto-Brücke am Canale Grande.

Schwimmende Haltestellen der Vaporetti hinter der Rialto-Brücke am Canale Grande.

Tagestickets: Vaporetto fahren ohne Limit

Diese Tagestickets kann man an diversen Verkaufsstellen in Venedig selber und auf dem Festland erwerben. Wir kaufen unsere einfach in Mestre direkt am Bahnhof.

Ich hatte vorher auf der italienisch/englischen Seite des ACTV recherchiert, ob es eventuell reduzierte Kinderpreise gibt, aber nichts dazu gefunden. Wow, denke ich mir, die sind hier echt knallhart mit Touristen. Aber vermutlich kann sich das Klientel, das normalerweise nach Venedig kommt, sowas eben locker leisten. Und ebenso vermutlich zahlen die Menschen eben alles, was gefordert wird, um Venedig zu erleben – wie ich eben seufzend dann auch.

Wir gehen also zum Schalter und ich bestelle drei Tagestickets. Die geschäftige Frau hinter der Scheibe fragt mich, wie alt meine Kinder seien. Ich wundere mich ein wenig, nenne ihr Alter und erhalte in einem Schwall Italienisch unseren zu zahlenden Betrag genannt. Ich wundere mich noch ein wenig mehr, weil das nicht mit den erwarteten 3 x 20,00€ = 60,00€ übereinstimmt, allerdings sind meine Italienisch-Kenntnisse ehrlich gesagt auch ziemlich rudimentär. Aber dann erklärt mir die Dame freundlicherweise auf Englisch, dass Kinder unter 12 die Hälfte zahlen.

Sehr überrascht erwidere ich, dass das ja toll ist und dass ich die Info dazu online gar nicht gesehen hatte. „Natürlich“, nickt die Dame und lächelt gleichmütig, „Das steht auch nirgends“. Ah ja… klar.

Ich wundere mich noch ein wenig weiter, freue mich aber lieber, dass uns der Tag weniger Geld kostet als gedacht, und tausche Scheine gegen Tickets.

Jetzt sind wir mobil! Heute wird nicht zu Fuss gegangen! Hurra!

Mit venezianischen Gondeln

Nicht unerwähnt lassen kann ich natürlich das Klischee Nr. 1, wenn es um Fortbewegung in Venedig geht:

Die Gondeln, samt Gondolieri, die aber meistens gar nicht singen.

Gondel-Parkplatz.

Gondel-Parkplatz.

Schon seit ewigen Zeiten werden Handelsgüter und Personen mit den schmalen, wendigen Booten durch Venedigs Kanäle manövriert.

Sie werden schnell zum Statussymbol der reichen Bürger und immer prunkvoller und verschwenderischer verziert, bis im 16. Jahrhundert der damalige Doge dem Treiben Einhalt gebietet und strikt die Farbe Schwarz für sämtliche der zu diesem Zeitpunkt weit über 10.000 Gondeln vorschreibt.

Und bis heute sind alle ausnahmslos schwarz lackiert.

Platz für sechs Passagiere.

Platz für sechs Passagiere.

Sechs Leute finden maximal Platz in einer Gondel, je zweimal zwei nebeneinander und zwei einzelne Sitze einander gegenüber (also Vorsicht bei einer Buchung mit drei Pärchen, bei einem fällt das romantische Nebeneinandersitzen während der Fahrt dann definitiv aus).

Die Preise sind einheitlich pro Fahrt, unabhängig davon, wie viele Passagiere mitfahren, und liegen derzeit etwa bei 80,00€ – 150,00€ oder mehr pro halbe Stunde, je nach Tageszeit und Anlegestelle. Besser ist es, vor einer Fahrt den Preis genau abzusprechen, um unliebsame Überraschungen am Ende zu vermeiden.

Mit dem Traghetto

Alternativ gibt es die „Traghetti“, das sind eine Art Gondelfähren, die Personen nur von einer Seite des Canale Grande zur anderen übersetzen. Es gibt nämlich ingesamt nur vier Brücken, die über den berühmten, breiten Kanal führen, da muss man schon manchmal ein gutes Stück laufen – oder sich eben rüberrudern lassen.

Immer was los auf dem Canale Grande.

Immer was los auf dem Canale Grande.

Diese kurze Fahrt kostet nur um die 2,00€, und wer denn gar nicht auf eine Fahrt mit einer Gondel in Venedig verzichten kann, der ist vielleicht damit gut beraten.

Mit einem Boot oder Wassertaxi

Die wenigsten Touristen haben wohl ihr eigenes Boot bei einem Besuch in Venedig dabei, damit kommt man natürlich, so wie die echten Venezianer es machen, stilvoll überall hin.

Boote, Boote, Boote - Aussicht von der 'Ponte dell'Accademia' auf das rege Treiben, im Hintergrund die 'Basilica di Santa Maria della Salute'.

Boote, Boote, Boote – Aussicht von der ‚Ponte dell’Accademia‘ auf das rege Treiben, im Hintergrund die ‚Basilica di Santa Maria della Salute‘.

Falls man aber auch unbedingt sofort von A nach B kommen möchte, ohne auf Fahrpläne (und auf seinen Geldbeutel) Rücksicht zu nehmen, dann gibt es auch hier natürlich Taxen, also Boote inklusive Fahrer, zu mieten. Hotels bieten das oft an, um ihre Gäste von ihrem Ankunftsort abzuholen. Die Preise liegen etwa auf den Niveau der Gondelfahrten.

Kleiner Exkurs: Venedig und die Zahlen

Apropos Hotels: Sollte man eine bestimmte Adresse in Venedig suchen, sollte man wissen, dass Hausnummern hier oft astronomische Höhen erreichen, Straßennamen dagegen keine Rolle spielen, falls es überhaupt welche gibt. Und das funktioniert so:

Venedig ist in sechs ‚Sestiere‘, also Stadtviertel, unterteilt. Naja, genau genommen: in Stadtsechstel. Das sind von West nach Ost: ‚Santa Croce‘, wo der Zug vom Festland aus ankommt, ‚Cannaregio‘ im Norden, von wo aus man nach Murano und Burano fahren kann, ‚San Polo‘ ganz in der Mitte, ‚Dorsoduro‘ ganz im Süden, daneben ‚San Marco‘ mit den berühmtesten Sehenswürdigkeiten und ganz im Osten ‚Castello‘.

Hausnummern werden innerhalb eines Viertels (Sechstels…) einfach fortlaufend vergeben, so dass sie schnell Zahlen von mehreren Tausend erreichen. Die Adresse des Ateliers von Ca‘ Macana, den Maskenherstellern, ist ‚Dorsoduro, 3172‘, und bedeutet zum Beispiel einfach, dass es das 3.172ste Haus bzw. Wohnung im Viertel Dorsoduro ist.

Und wo übernachten in Venedig?

Tja, ohne Frage übernachtet man natürlich am besten in Venedig selber. Morgens aufwachen und die ersten auf dem Markusplatz sein, oder abends durch die sich leerenden Gassen der Lagunenstadt flanieren, wenn die meisten Touristen schon gegangen sind… wundervoll.

Und ebenso fraglos sehr, also ausgesprochen, sehr teuer. Der Platz auf den auf Pfählen gebauten Palazzi ist eben absolut begrenzt, und die Nachfrage riesengroß.

Wo übernachten in Venedig?

Wo übernachten in Venedig?

Bei meiner Recherche vorab habe ich alle gängigen Plattformen gecheckt: Hotels, Pensionen, Apartments über AirBnB – es ist eigentlich nicht wirklich machbar. Also nicht im von mir vorgesehenen finanziellen Rahmen unserer Reise.

Schließlich stolpere ich – mal wieder, ja, ja – zufällig über ein Angebot des Urlaubsgurus: Die A&O-Hostel-Kette eröffnet eine neue Filiale. In Venedig, allerdings in Mestre, der ersten Bahnhofsstation auf dem Festland. Und, man glaubt es kaum, pünktlich in dem Monat, in dem wir unsere Reise machen!

Wir waren bisher noch nie in einem A&O-Hostel, und ich schaue mir die Gegebenheiten genauer an: Wow, Kinder bis 18 Jahren (!) zahlen im Zimmer ihrer Eltern keinen Aufpreis, also absolut gar nichts, und das Allerbeste: Das gilt nicht nur für die üblichen gemeinsamen Eltern, sondern auch – sowas gibt es sonst quasi nie – für Alleinerziehende mit ihren Kindern, also bei nur einem Erwachsenen. Das ist mal richtig, richtig cool.

Ich wäge ab: Das heißt, ich muss nur die Übernachtungen für mich bezahlen. Okay, dafür ist es in Mestre, auf dem Festland, und richtig schön ist es da nicht – aber andererseits läuft man keine fünf Minuten bis zur Haltestelle des Zugs nach Venedig, besser geht es ja wohl kaum. Und wenn selbst Venedigs Bürgermeister in Mestre wohnt, weil es ihm auf der Lagune zu teuer ist, wird es wohl schon passen so.

Als ich noch ein spezielles Eröffnungsangebot sehe, dass meine ohnehin nur einzelnen, eigenen Übernachtungskosten noch einmal halbiert – zack, gebucht. Dann eben Mestre! Und in einem niegelnagelneuen Hostel übernachten kann ja mal nicht schlecht sein.

Und tatsächlich, ist es auch nicht, im Gegenteil:

Eingangshalle des A&O-Hostels in Venedig Mestre.

Eingangshalle des A&O-Hostels in Venedig Mestre.

Das Gebäude ist unbestreitbar riesig mit über 10 Stockwerken, hier wird auf Masse gesetzt und das Ganze sehr professionell. Die Gegend in Mestre ist tatsächlich nicht schön, nur Hotelbauten und Baustellen – aber eben auch die Bahnstation direkt die Straße runter.

Und eine wirklich sehr gute Pizzeria direkt um die Ecke, wo wir Stammgäste werden. Nett: Unsere Pizza können wir in die Lobby des Hostels mitbringen und dort gemütlich essen.

Die Zimmer sind modern, tadellos sauber, neu, und praktisch eingerichtet.

Doppelbett und Etagenbett im Venezia-Look, dazu unser eigenes Bad mit Dusche - was will man mehr?

Doppelbett und Etagenbett im Venezia-Look, dazu unser eigenes Bad mit Dusche – was will man mehr?

Das Frühstück haben wir dazugebucht (hier zahlen auch die Kinder, aber nur die Hälfte), und es gibt daran auch nichts auszusetzen.

Außer vielleicht… es ist eben alles kein Stück italienisch. Das Frühstück ist durch und durch deutsch, Weizenbrötchen, Käse, Aufschnitt (alles durchaus lecker und in Ordnung), sogar die Verpackungen von Marmelade und Butter sind in deutscher Sprache.

Ich versuche sonst immer, eine möglichst authentische Umgebung für uns zu finden. Damit man auch merkt, wo man ist. Gleichförmige, austauschbare, anonyme Hotelbauten meide ich auf unseren Reisen. Und in Italien frühstücken steht für mich eben eigentlich für Cornettos, Kuchen und Süßkram (wenn überhaupt). Und richtig guten Cappuccino.

Naja, aber das ist wirklich Meckern auf hohem Niveau. Ich bin überglücklich, für uns hier so eine gute Bleibe gefunden zu haben – tatsächlich ist unsere Übernachtung in Venedig durch das tolle Familienangebot des A&O-Hostels gemeinsam mit dem Eröffnungsrabatt über den Urlaubsguru nun zum mit Abstand günstigsten Posten unserer ganzen Reise geworden.

Das glaubt uns doch keiner! Was haben wir für ein Glück!


ACTV

Öffentlicher Nahverkehr in Venedig: actv.avmspa.it/en (italienisch/englisch)

Offizielle Karte der Vaporetto-Linien (PDF): actv.avmspa.it/mappa_linee_di_navigazione_venezia_official.pdf


A&O Hostel Venedig Mestre

aohostels.com/de/venedig/


Pizzeria Da Michele

Via Cappuccina, 177, 30170 Venedig Mestre
Öffnungszeiten: täglich von 11:00 – 0:30 Uhr, pizzeriadamichele.it (nicht sehr aussagekräftig, besser die Bewertungen bei Google anschauen)