Ich war als Teenager mehrmals in London und habe den Tower daher schon öfter besucht, bin also eigentlich ein alter Hase. Aber nun wieder hier zu stehen – ich hatte ganz vergessen, wie wahrhaft imposant der schon alleine von außen ist!

Wie beeindruckt müssen Ritter, Handelsleute und Bauern längst vergangener Zeiten gewesen sein, wenn sie diesen auch heute noch beeindruckenden Gebäudekomplex nach beschwerlicher Anreise das erste Mal gesehen haben.

Wahrhaft imposant - der Tower von London.

Wahrhaft imposant – der Tower von London.

Errichtet wurde ‚Her Majesty’s Royal Palace and Fortress the Tower of London‘, so der korrekte Name, im 11. Jahrhundert direkt am Ufer der Themse von William the Conqueror, um seine Macht im Land zu sichern.

In den nächsten Jahrhunderten folgten mehrere Um- und Anbauten. In ihrer heutigen Form besteht sie nun aus zwei Festungsringen, die man erst überwinden muss, bis man zum Herzstück, dem Burghof mit dem White Tower kommt.

Wir aber stehen an diesem sehr frühen Dienstagmorgen mitten in den Osterferien erst einmal außen davor, auf dem Tower Hill, und die Sonne strahlt vom knallblauen Himmel, dass sie blendet.

Wie am besten die Eintrittskarten besorgen?

Ich erinnere mich noch an meinen ersten Besuch in London und beim Tower: Das war vor einer halben Ewigkeit, ich muss selber im jetzigen Alter meiner Kinder gewesen sein und in Begleitung meiner Eltern. Internet gab es noch lange nicht und auch kein Online-Vorab-Booking der Tickets, und ich weiß noch genau, dass wir ungelogen Stunden in einer unfassbar langen Menschenschlange rund um mehrere Ecken des Zauns des Towers entlang angestanden haben, um Tickets zu kaufen. Horror.

In der Jetztzeit hatte ich die Tickets daher in weiser Voraussicht auf der offiziellen Webseite des Towers bereits zuhause online gekauft, und die ausgedruckten Vouchers sind schnell, wie in der Bestätigungsmail gut beschrieben, am Group Ticket Office umgetauscht.

Passend für uns hat der der Tower of London netterweise genau in diesem Monat ein neues „Family 1 adult“-Ticket in den Verkauf gegeben, für Familien mit nur einem Erwachsenen und bis zu drei Kindern. Perfekt! Und ziemlich fortschrittlich für so einen alten Kasten, Alleinerziehende samt ihren Kindern zu unterstützen.

Der Eingang zum Tower of London.

Der Eingang zum Tower of London.

Wir sind also schon im Vorfeld ziemlich begeistert, freuen uns über unser günstigeres und quasi maßgeschneidertes Ticket und marschieren nun ohne zu Warten, weil einfach noch kaum andere Menschen hier sind, geradewegs durch den Haupteingang. Unser erster Weg führt dahinter direkt in den ‚Beefeater Shop‘, um noch unseren anderen Voucher gegen einen ebenfalls vorbestellten Audioguide einzulösen.

Den Tower entdecken mit Audioguide

Bei meinen Recherchen im Vorfeld hatte ich von einem speziellen Audioguide für Familien gelesen, in dem drei Raben die Besucher führen, leider ist der jedoch wohl, zumindest momentan, nur in Englisch erhältlich, und ich bin nicht sicher, ob das Schulenglisch der Mädels schon so weit reicht.

Daher begnügen wir uns mit der normalen ‚Adult Edition‘ auf deutsch, können aber, wie ich von einer netten Koordinatorin des Visitor Centers im Vorfeld per Mail erfahre, auch jederzeit zwischendurch zum englischen Family Guide switchen. Empfehlenswert ist jedenfalls sowohl die eine als auch die andere Version.

Auf zu den Kronjuwelen!

Jetzt sind wir komplett, und es kann endlich richtig losgehen, und zwar zu den britischen Kronjuwelen, die schon seit hunderten von Jahren im Tower aufbewahrt werden!

Hinter dieser Tür liegen, strengst bewacht, die britischen Kronjuwelen. Drinnen leider keine Fotos.

Hinter dieser Tür liegen, strengst bewacht, die britischen Kronjuwelen. Drinnen leider keine Fotos.

Sie sind Publikumsmagnet Nr.1, kein Wunder – es handelt sich immerhin um sagenhafte 23,578 Edelsteine! Daher wollen wir die Gunst der frühen Stunde nutzen, um sie uns anzuschauen, bevor es total voll wird.

Um die Besuchermassen etwas zu kanalisieren, wurde schon vor Jahren ein Laufband zwischen den Vitrinen mit den Juwelen installiert. Dieses fährt zwar sehr langsam, aber unerbittlich immer weiter vorwärts, damit eben alle Menschen einen Blick darauf werfen können.

Trotz Osterferien ist zu unserem großen Erstaunen aber nichts, also wirklich überhaupt nichts los, und so fahren wir gleich viermal hintereinander beinahe mutterseelenallein auf besagtem Laufband an ihnen vorbei und können sie so ganz, ganz, ganz genau in aller Ruhe betrachten. Was für ein Glück wir schon wieder haben!

Der 'White Tower', innerster Zirkel des Tower of London.

Der ‚White Tower‘, innerster Zirkel des Tower of London.

Im Herzstück des Towers: Der ‚White Tower‘

Wieder draußen betreten wir über eine dem originalen Zustand nachempfundene Holztreppe den ‚White Tower‘, den Hauptturm der Burganlage.

Wobei, dieser Hauptturm ist in sich streng genommen wieder ein weiteres Gebäude mit vier Türmen – aber der komplette Tower of London selbst besteht ja auch aus wirklich mehr als einem Turm mit seinen zahlreichen Mauern, Türmen, Toren, Häusern, Kasernen und Gräben und heißt trotzdem nur so wie ein einziger Turm: der Tower of London.

Ein Blick nach oben am White Tower hoch. Uneinnehmbar, wenn man draußen davor steht.

Ein Blick nach oben am White Tower hoch. Uneinnehmbar, wenn man draußen davor steht.

Egal: Der ‚White Tower‘ jedenfalls ist das Herzstück des Towers. Es handelt sich um den innersten und auch ältesten Teil der gesamten Anlage, gebaut aus hellem Kalkstein. Anfangs wohnten hier auch die englischen Könige, aber schon schnell zog es sie oft nur noch hierher, wenn sie bedroht waren (das war öfters der Fall).

Heute steht er der Öffentlichkeit zur Verfügung und wir gehen gefühlte tausend Treppchen und Stufen und Gänge linksherum und rechtsherum, hinauf und hinunter… Ein unfassbarer Bau mit vielen, vielen Ausstellungsstücken, und man fühlt sich direkt ins Mittelalter hineinkatapultiert.

Von hier, dem Innenhof des Tower of London, kann man schon die Tower Bridge sehen.

Von hier, dem Innenhof des Tower of London, kann man schon die Tower Bridge sehen.

Wieder draußen stehen wir wieder im weitläufigen Innenhof, der den White Tower umgibt und können schon einen Blick auf ein weiteres Wahrzeichen, die Tower Bridge, werfen. Sie muss aber noch ein wenig auf uns warten. Erst einmal schauen wir uns noch in den vielen weiteren Gebäuden des Towers um, und er hat noch eine Menge zu bieten.

Was es sonst noch so zu sehen gibt

Im Laufe seiner Geschichte hatte er unzählige verschiedene Bestimmungen und zu so ziemlich allem gibt es Ausstellungen und Informationen. So wurden hier unter anderem Münzen geprägt, er diente mitunter als Kaserne, als Arsenal, Waffenlager und -werkstatt, außerdem als Lagerraum und Werkstatt für Karten, auch als Gefängnis und als Hinrichtungsort für Verbrecher, unliebsame Konkurrenten um den Thron oder ebenso unliebsame Ex-Ehefrauen.

Ein Raubritter.

Ein Raubritter.

Und weil es hier immer schon so viel zu gucken gibt, kommen Touristen tatsächlich schon seit dem 16. Jahrhundert hierher, und so lange gibt es hier bereits auch Museen! Das finde ich wirklich ganz erstaunlich. Ich dachte irgendwie, Tourismus wäre eher ein reines Produkt der Neuzeit.

Das Hauptinteresse der ersten Touristen im Londoner Tower galt neben Rüstungen und Waffen der Könige und damals schon den Kronjuwelen der Menagerie. So wurden hier zeitweise neben Löwen, Tigern und Bären auch Elefanten, Affen, Nashörner und Adler gehalten, außerdem Hyänen, Zebras, Lamas, Papageien, eine Anakonda und Klapperschlangen.

Zwei der Tower-Raben, die die Monarchie bewahren.

Zwei der Tower-Raben, die die Monarchie bewahren.

Diese Zeiten sind aber lange vorbei, heute leben nur noch die Tower-Raben als tierische Repräsentanten hier.

Laut einer Legende würden der White Tower, die Monarchie und das gesamte Königreich zugrunde gehen, falls die Raben jemals den Tower verließen. Also werden sie gehegt und gepflegt. Menschenscheu sind sie natürlich nicht, und so können wir sie uns auch von Nahem angucken. Den Kindern sind sie aber irgendwie unheimlich, sie sind nämlich doch ganz schön groß! Und so ziehen sie mich lieber weiter, weg von den Raben.

Einmal Tower von oben: Rundgang auf der Mauer

Viel besser kommt der Abschluss unserer Tower-Erkundung an: Ein Spaziergang (fast) einmal um den Tower herum oben auf der Mauer.

Wir müssen ein wenig suchen, bis wir einen Aufgang finden, denn das ist an verschiedenen Stellen möglich.

Auf der Burgmauer des Tower kann man auch ganz oben einmal herum gehen und über die Zinnen spinksen.

Auf der Burgmauer des Tower kann man auch ganz oben einmal herum gehen und über die Zinnen spinksen.

Das wie so oft unglaublich wechselhafte Wetter in England spielt mit, und so laufen wir gemütlich hoch oben eine Runde um den Tower in der Sonne bei blauem Himmel.

Das ist nicht besonders spektakulär, aber einfach schön und wir können in Ruhe und an der frischen Luft genau die Umgebung rund um den Tower Hill in Augenschein nehmen: Die Themse und die Schiffe darauf, die Tower Bridge daneben, The Shard oder einfach alle anderen Gebäude und Hochhäuser.

Pure Disziplin: Die Royal Guards

Wieder unten fällt uns erst ein diensthabender Royal Guard vor den Waterloo Barracks auf. Ich erkläre den Mädchen, dass er stocksteif da stehen muss, ohne mit der Wimper zu zucken, genauso wie seine Kollegen vor dem Buckingham Palace oder bei der Horse Guard Parade.

Ein Royal Guard. Völlig unbeweglich versieht er dort seinen Dienst, egal, was um ihn herum passiert oder welches Wetter herrscht.

Ein Royal Guard. Völlig unbeweglich versieht er dort seinen Dienst, egal, was um ihn herum passiert oder welches Wetter herrscht.

Während wir da so stehen, beginne ich zu zweifeln… Er bewegt sich wirklich keinen Millimeter, vielleicht wurde das geändert?
Und es ist gar kein echter Soldat hier, sondern nur eine Puppe, für die Touristen halt?

Während ich meine Zweifel den Mädchen mitteile und wir ihn grübelnd und ein wenig enttäuscht anschauen – da fängt er auf einmal an, sich zu bewegen und mit lautem Tamtam ein Bein nach dem anderen auf den Boden zu knallen und auf und ab zu marschieren! Er ist ja doch echt! Wir haben uns total erschrocken, Tränen gelacht, und meine Glaubwürdigkeit bei den Kindern hat sich für den Rest des Tages erledigt.

Zuhause im Tower: Die Yeoman Warders

Die Yeoman Warders in ihren wunderbaren, schwarz-roten Tudor-Uniformen fallen einem sofort ins Auge, wenn man den Tower betritt. Sie sind hier verantwortlich und kümmern sich auch geduldig um die Touristen. Sie wohnen sogar mitsamt ihren Familien im Tower!

Täglich bieten die sehr freundlichen Yeoman Warder eine etwa einstündige Tour, natürlich in englischer Sprache, an. Hier erhält man viele interessante Informationen über die Festung zusammen mit schaurigen und humorvollen Geschichten, und die Führung ist kostenlos.

Einer der berühmten Yeoman Warder des Tower of London, der netterweise bereitwillig für ein Foto posierte.

Einer der berühmten Yeoman Warder des Tower of London, der netterweise bereitwillig für ein Foto posierte.

Gegen Ende der Öffnungszeiten des Towers führen sie jeden Abend die Schlüsselzeremonie durch, bei der alle Tore zur Nacht hin abgeschlossen werden. Hierbei folgen sie einem festgelegten Ritual inklusive einer bestimmten Abfolge von Fragen und Antworten.

Touristen dürfen dem beiwohnen, müssen sich aber anmelden. Die Plätze sind sehr begehrt und oft monatelang im Voraus ausverkauft.

Das Verrätertor

Bevor wir den Tower verlassen, kommen wir noch am ‚Traitors Gate‘, dem Verrätertor, vorbei. Es wurde bereits um 1300 als ein weiterer Zugang zum Tower errichtet, und zwar einer direkt von der Themse aus.

Auf dem Wasserwege war es z.B. königlichen Familienmitgliedern möglich, leichter und vor allem ungesehen den Tower zu verlassen und zu betreten. Seinen Namen hat es allerdings von anderen Passanten: Auch zum Tode verurteilte Gefangene nahmen diesen Weg, allerdings nur in einer Richtung, nämlich von der Themse in den Tower, durch das Tor auf dem Weg zu ihrer Hinrichtung.

Das Verrätertor!

Das Verrätertor!

Was gibt es noch zu entdecken im Tower?

Der Tower bietet ein weites Feld an Veranstaltungen und organisiertem Programm für alle Interessierten an, darunter auch speziell für Familien z.B. das ‚Go Medieval at the Tower‘, mit kämpfenden Rittern, Handwerk, Live Performances, Bogenschießen zum Ausprobieren und vieles mehr.

Am besten einfach mal auf deren Webseite vorbeischauen, das Angebot ist wirklich riesig und alles ist sehr gut organisiert.


Anfahrt

Tube: ‚Tower Hill‘ (Circle, District)

Tickets

Über die offizielle Webseite der Historic Royal Palaces: www.hrp.org.uk.
Erw.(16+): 22,70£, Kinder (5-15): 10,75£, es gibt auch ‚Family saver‘ für Familien mit Kindern und 1 oder 2 Erwachsenen.

Öffnungszeiten

Dienstag – Samstag: 09:00 – 17:30 Uhr, Sonntag + Montag: 10:00 – 17:30 Uhr