Eins vorweg: Ich liebe das Underground-System von London!

Ich mag, wie der U-Bahn-Plan aussieht, ich mag, dass die Linien Namen und Farben haben und keine Nummern, ich mag, dass die Metro hier ‚Tube‘, also Röhre, heißt, und ich mag, dass man ständig ein zur Vorsicht mahnendes „Mind the gap!“ im Ohr hat.

Das typische Londoner Underground-Zeichen, roter Ring mit blauem Balken, hier am berühmten Piccadilly Circus.

Das typische Londoner Underground-Zeichen, roter Ring mit blauem Balken, hier am berühmten Piccadilly Circus.

Jede Haltestelle ist mit den Farben der dort verkehrenden Linien markiert, so dass man immer auf Anhieb erkennt, wo man sich befindet, und es hängen übersichtliche Pläne aus, die darstellen, wohin man von hier aus mit welcher Linie gelangen kann.

Die Tube Map – Klarkommen in London

Der Look des Londoner Liniennetzplans, dessen Basis ein Angestellter Mitte des vergangenen Jahrhunderts in seiner Freizeit entwarf, ist weltbekannt und diente sogar als Vorbild für die Pläne weiterer Städte wie Berlin, Paris oder Tokio.

Das ganze System ist selbsterklärend und intuitiv verständlich, so dass auch die Kinder sich sehr schnell damit zurechtfinden und jedes Mal begeistert mit überlegen, wie und mit welcher Linie wir am besten von A nach B kommen.

Mal geht es sehr, sehr tief abwärts.... und mal sehr hoch hinauf.

Mal geht es sehr, sehr tief abwärts…. und mal sehr hoch hinauf.

Besonders gut gefallen hat uns, dass man nur mit Ticket überhaupt bis zu den Stationen gelangen kann. Anders gesagt: Menschen ohne Ticket trifft man dort und folglich auch in den Bahnen überhaupt nicht an, was den Sicherheitsaspekt ganz gewaltig erhöht.

Im Gegensatz zu Köln, wo man regelmäßig eher dubiosen Zeitgenossen in den Waggons oder am Bahnsteig begegnet und wir schon manche mehr als unangenehme Fahrt oder Begegnung hinter uns haben, ist das Nutzen öffentlicher Verkehrsmittel hier in dieser sehr viel größeren Stadt wesentlich angenehmer, wie auch die Kinder erleichtert feststellen und bis heute immer wieder betonen.

In London gibt es am Zugang zu jeder Station mehrere Schranken mit Lesegeräten, vor die man kurz sein Ticket zum Scannen hält. Dann öffnet sich die Schranke und man kann durch. Anfangs sind die Kinder etwas skeptisch, denn die Schranken wirken sehr, sagen wir einmal, unerbittlich, und es geht superschnell. Kawumm, auf! Kawumm, zu! Aber nach einer Weile haben sie den Dreh raus und nutzen sie problemlos und routiniert.

Die Oyster Card – kontaktloses Bezahlen

Das Mittel der Wahl, um den öffentlichen Nahverkehr in London zu nutzen, ist die Oyster Card, eine Plastikkarte, die mit Guthaben beliebig aufgeladen werden kann. Sie gilt in Bussen, Bahnen und den meisten Zügen.

Die Preise für die Fahrten sind mit der Oyster Card günstiger als Einzeltickets zu kaufen, und pro Tag ist der Verbrauch gedeckelt: Wenn eine gewisse Summe verbraucht ist, fallen für weitere Fahrten keine zusätzlichen Kosten mehr an.

Für Touristen wie uns gibt es die ‚Visitor Oyster Card‘, die man online im Vorfeld inklusive bereits aufgeladenem Guthaben nach Wahl schon vor der Reise bequem nach Hause bestellen kann. So kann man sie direkt benutzen, wenn man aus dem Flugzeug aussteigt.

Auf der Webseite von ‚Transport for London‘, TfL, gibt es auch Empfehlungen, wieviel Guthaben man so üblicherweise für eine bestimmte Anzahl an Tagen benötigt. Wir haben uns auch daran orientiert, und für uns kam das ziemlich gut hin.

Für den Erwerb jeder Oyster Card fallen 5£ Grundpreis an, die man auch nicht erstattet bekommt, wenn man sie später zurückgeben möchte, plus Versand. Also am besten einfach behalten und aufbewahren für einen eventuellen nächsten Besuch in London, denn auch das Guthaben darauf verfällt nicht und bleibt ewig gültig.

Beträgt das übrige Guthaben am Ende einer Reise weniger als 10£, besteht aber auch die Möglichkeit, es sich an einem Ticketautomaten auszahlen zu lassen.

Tipp: Mit Kindern Bus und Bahn nutzen in London

Das beste an den öffentlichen Verkehrsmittel in London für Familien mit Kindern ist, dass Kinder unter 11 Jahren völlig kostenlos fahren, solange sie ein Erwachsener begleitet. Super!

Jugendliche zwischen 11 und 15 Jahren zahlen die Hälfte der Erwachsenentarife, allerdings gibt es beim Online-Versand keine speziellen Jugendliche-Oyster-Cards zu erwerben. Was tun?

Auf meine Anfrage hin erhalte ich schnell und unbürokratisch einen hilfreichen Tipp vom Kundendienst der öffentlichen Verkehrsmittel: Einfach eine weitere, normale Oyster Card bestellen und diese nur mit der Hälfte des Guthabens, das ich für mich einplane, aufladen lassen (weil für Jugendliche ja weniger abgebucht wird pro Fahrt).

Bei Ankunft in London dann zu einem Kundencenter von TfL gehen, die sich an den meisten Stationen und natürlich auch an den Flughäfen befinden, und sich dort von einem Mitarbeiter den ‚Young Visitor discount‘ auf besagte Oyster Card laden lassen.

Wir probieren es aus, und es funktioniert reibungslos. Die Karte muss nur einmal kurz eingelesen werden, und dann können wir los.

An der nächsten Station prüfen wir gespannt den Restbetrag auf unseren Oyster Cards, die man immer angezeigt bekommt, wenn man die Tickets vor die Lesegeräte an den Gates hält, und es klappt: Bei der Jugendlichen-Karte wird nur der halbe Betrag abgebucht.

Ungekrönte Lieblinge: die historischen, roten Doppeldeckerbusse

Wir beschränken uns aber natürlich nicht nur auf die Nutzung der Tube. Wir wollen unbedingt auch einmal mit einem typischen, roten Doppeldecker-Bus, einem ‚Routemaster‘, fahren.

Diese roten Doppeldeckerbusse, die Wahrzeichen Londons, sehen wir an jeder Ecke, aber das sind neuere Versionen (die definitiv ihre Daseinsberechtigung haben, denn im Vergleich sind sie natürlich schon wesentlich komfortabler, wie wir feststellen).

Einmal wollen wir aber auch unbedingt mit einem richtig coolen, alten Doppeldecker fahren! Von den historischen Modellen sind mittlerweile nur noch wenige Fahrzeuge übrig, die zuletzt nur noch auf zwei Strecken, den sogenannten ‚Heritage Routen‘ der Linien 9 und 15, fuhren.

Letzte Chance auf einen Oldtimer: Die Linie 15

2004 wurden die Oldtimer auch von der Linie 9 abgezogen, so dass nur noch eine einzige Linie mit den historischen Doppeldeckern in London übrig ist, die Linie 15: sie führt von Aldgate vorbei an der St. Pauls Cathedral bis zur Station Charing Cross.

Praktischerweise gibt es auf diesem Weg auch einen Stop direkt vor dem Tower of London, so dass wir uns nach unserem Besuch dort erwartungsvoll an die Bushaltestelle stellen und aufgeregt warten.

Und warten. Und warten.

Denn es ist keineswegs so, dass alle Busse der Linie 15 historische Doppeldecker sind. Nur einige wenige sind mit dem ‚H‘ für Heritage, im Fahrplan vermerkt. Wie es in London so ist, zieht sich der bis dato sonnige Himmel spontan zu, während wir da rumstehen, und es beginnt leicht zu regnen. Stärker zu regnen.

Und dann kurz sogar noch zu hageln. Kurze Rückfrage an die Kinder, ob wir die Aktion abblasen und einen der modernen Doppeldecker nehmen, die alle paar Minuten an uns vorbeifahren? Vehementes Nein, wir warten weiter.

Und dann, endlich, biegt einer um die Ecke! Große Freude.

Einer der letzen originalen, historischen Routemaster, die roten Doppeldecker und Wahrzeichen Londons.

Einer der letzen originalen, historischen Routemaster, die roten Doppeldecker und Wahrzeichen Londons.

Im Gegensatz zum U-Bahn-Plan haben wir das Bus-System in London bis zum Schluß nicht wirklich verstanden. Aber das hält uns nicht davon ab, es immer wieder auszuprobieren und wunderbarerweise landen wir – meistens – auch ungefähr da, wo wir eigentlich hinwollen.

Tatsächlich haben wir hier in London so das Busfahren als Stadterkundung für uns entdeckt und für zukünftige Trips vorgemerkt. Im Gegensatz zum Fahren mit der U-Bahn sieht man dann nämlich auch, was um einen herum passiert, und das alleine kann in fremden Städten ja schon ganz schön spannend sein.

Ganz oben, ganz vorne - das ist unser Platz.

Ganz oben, ganz vorne – das ist unser Platz.


Tickets:

Die PrePaid Oyster Card kostet, wenn man sie sich online vor der Reise zuschicken lässt, 5£ Basispreis + Porto + das gewünschte Guthaben, mit dem sie dann bereits aufgeladen ankommt. Karten für Jugendliche (11-15 Jahre) lässt man an den Servicestationen vor Ort mit einem Rabatt versehen. Kinder bis 10 Jahre inklusive fahren in Begleitung eines Erwachsenen kostenlos.

Bestellen sowie weitere Informationen siehe Offizielle Webseite der öffentlichen Verkehrsmittel in London, Transport for London, TfL: tfl.gov.uk.