Little Venice? Ihr habt richtig gelesen: Venedig liegt nämlich in London. Zumindest gibt es genügend Kanäle, die dem Viertel seinen Namen gegeben haben, und ein völlig gängiges – und massentouristisch noch unerschlossenes – Fortbewegungsmittel sind hier die Kanalboote.

An diesem wunderbar sonnigen Morgen wartet Jason, ein alter Frachtkahn aus dem 19. Jahrhundert, am Anleger auf uns. Bereits in den 50er Jahren wurde dieses Boot zu einem Passagierschiff mit Stühlen und einem Dach gegen Regen umgebaut und mit einem Dieselmotor nachgerüstet. Seitdem schippert es auf dem Regents Kanal zwischen Little Venice und Camden Lock hin und her.

Ein Hausboot nach dem anderen auf der rechten Seite...

Ein Hausboot nach dem anderen auf der rechten Seite…

... und mehr Hausboote auf der linken Seite.

… und mehr Hausboote auf der linken Seite.

Wir haben Karten online im Voraus gekauft und dürfen daher mit als erste an Board. Reservation ist nicht zwingend erforderlich, aber empfehlenswert, weil man bei voller Ausbuchung spontan sonst nicht mehr mitfahren kann.

Auf dem Kanal unterwegs mit Jason

Also suchen wir uns einen schönen Platz aus. Die Plastikstühle sind etwas wackelig und stehen ziemlich eng, aber es passt schon. Je nach Wetter ist es empfehlenswert, sich eine Jacke oder Schal mitzunehmen, weil es auf dem Wasser schon einmal zieht.

Als alle an Board sind, geht es los: Ruhig fährt Jason uns Passagiere durch eine wunderschöne und beschauliche Landschaft im Herzen von London. Die Sonne glitzert auf dem Wasser, kleine Wellen platschen leise an die Bootswand, ein paar Enten schwimmen neben uns her. Kein Verkehr oder Lärm, abgesehen vom einschläfernden, gleichmäßigen Tuckern des Motors.

Idylle pur!

Idylle pur!

Der Führer des Boots erzählt live über einen Lautsprecher witzige und informative Geschichten und historische Fakten zum Leben und Arbeiten der Bewohner am Kanal durch die Jahrhunderte, während der Kahn sich langsam durch die engen Wasserstraßen bewegt. Dabei passieren wir immer wieder kurze, niedrige Tunnel (Kopf einziehen!).

Früher wurden Frachtschiffe wie das, auf dem wir uns befinden, von Pferden mit Seilen an den Kanalseiten entlang gezogen, um Ladungen kanalauf- oder -abwärts zu transportieren.

Ab und an passieren wir auch Abzweigungen...

Ab und an passieren wir auch Abzweigungen…

... und sogar einmal eine Kirche.

… und sogar einmal eine Kirche.

45 minuten dauert die Fahrt bis Camden Lock, und wir genießen jede einzelne Minute, gefühlte Jahrmillionen entfernt von der Hektik der großen City. Hier sehen wir einen Teil von London, der so ganz anders ist als die bekannten Sehenswürdigkeiten. Das ganze Leben hier dreht sich um den Kanal. Wir bewundern unzählige Hausboote und erfahren interessantes Hintergrundwissen zum Wohnen an Board.

Hier würden wir auch wohnen wollen

Wir schippern vorbei an Häusern, Villen und Gärten, und schließlich fahren wir mitten durch den Londoner Zoo! Es gibt wohl Touren, die hier auch halt machen, so dass man den Tierpark vom Kanal aus betreten kann.

Villen, eine schöner als die andere, auf der rechten Seite...

Villen, eine schöner als die andere, auf der rechten Seite…

... und ebenso auf der linken Seite.

… und ebenso auf der linken Seite.

Wir aber haben ein anderes Ziel, denn wir möchten uns den berühmten Camden Lock Market anschauen. Und so setzen wir die Fahrt weiter fort, suchen uns im Vorbeifahren die schönsten Häuser aus und überlegen, ob die Eigentümer jeden Tag bei Harrods einkaufen.

Schließlich, nach der tiefenentspanntesten Dreiviertelstunde unseres gesamten Aufenthalts in London, ist es Zeit zum Aussteigen. Von hier aus geht es weiter mit uns direkt in den Camden Lock Market, der hier am Anleger beginnt. Wir sind gespannt!

Im Hintergrund sieht man schon die ersten Gebäude von Camden Town.

Im Hintergrund sieht man schon die ersten Gebäude von Camden Town.

Schlusswort

Unser Fazit für die Anreise über den Regents Kanal mit dem Kanalboot: Wir hätten keinen besseren Weg nehmen können und würden ihn jedem gerne ans Herz legen, der ein wenig Zeit übrig hat und London einmal von einer ganz anderen und unbekannten Seite erleben möchte.

 


Anreise

Tube: ‚Warwick Avenue‘ (Bakerloo) für Start in Little Venice, ‚Camden Town‘ (Northern) für Ende in Camden Town
Der Anleger von Jason’s Trip in Little Venice befindet sich gegenüber Blomfield Road Nr. 42, an der Westbourne Terrace Road Brücke, vgl. Karte auf www.jasons.co.uk.

Tickets

Erw.: 10£ eine Fahrt, 15£ hin und zurück, Kinder 9£ eine Fahrt, 14£ hin und zurück. Die Fahrt von Camden Lock nach Little Venice erfolgt dann ohne Informationen durch den Führer des Bootes.

Tickets am besten reservieren, unter www.jasons.co.uk.

Öffnungszeiten

Die Fahrten mit ‚Jason’s Trip‘ beginnen in Little Venice um 10:30, 12:30 und 14:30 Uhr.

Sie finden von Frühling bis Herbst statt. Als ich für unsere Reise recherchierte, stellte ich enttäuscht fest, dass der offizielle Starttermin der Cruises erst eine Woche nach unserem Aufenthalt festgelegt war. Auf meine Anfrage (und die Erklärung, dass bei uns schon Osterferien sind und eventuell noch weitere Touristen Interesse haben könnten), hat das Unternehmen tatsächlich den Starttermin um eine Woche vorverlegt!

So konnten wir unerwartet doch noch mitfahren, und nur deshalb überhaupt diesen Bericht hier schreiben. Was hätten wir sonst verpasst. Danke, Jason’s Trip!