Die letzten Tage haben wir uns bereits im Schlosspark von Schönbrunn umgesehen, dabei den Irrgarten und das Labyrinth ausprobiert und auch schon das Kindermuseum von Schönbrunn besucht.

Nun erkunden wir den Hauptteil von Schönbrunn: Die kaiserliche Sommerresidenz der Habsburger!

Warum das Schloß so groß sein musste

Im 18. Jahrhundert bekam Maria Theresia das Schloß Schönbrunn von ihrem Vater, Kaiser Karl IV., geschenkt. Später ließ ihr Vater extra für sie noch das Erbrecht ändern, damit sie – damals unüblich – sein Erbe antreten und Kaiserin werden konnte. Sie wurde eine sehr mächtige Frau, die viele Reformen in Politik, Justiz und Bildungswesen vorantrieb.

Rückansicht des Schloß Schönbrunn, zum Park und zum Großen Parterre hin.

Rückansicht des Schloß Schönbrunn, zum Park und zum Großen Parterre hin.

Ebenfalls für damalige Zeiten unüblich entschied sie selber, wen sie heiraten wollte, und sie und ihren Gemahl verband wohl eine große Liebe.

Maria Theresia ließ Schönbrunn über Jahrzehnte hinweg umbauen und erweitern, denn sie bekam 16 Kinder (eine davon, Maria Antonia, heiratete später als Marie Antoinette nach Frankreich… genau, die!) – und mitsamt Hofstaat und allem nötigen Gefolge mussten teilweise um die 1000 Menschen dort versorgt werden.

Sprung ins 19. Jahrhundert

Einige Jahrzehnte später wurde Kaiser Franz Joseph gekrönt. Er war auf Schönbrunn geboren und erkor das Schloss zu seinem Lieblingswohnsitz, woraufhin erneut alles modernisiert wurde.

Im Westflügel hatte seine Frau Elisabeth von Österreich bis zu ihrem tragischen Tod ihre Räume, unsterblich verbunden mit ihrem wohl bekannteren Rufnamen – Sisi.

Die Möbel in ihren Gemächern waren lila tapeziert, in ihrer Lieblingsfarbe. Ganz anders die Einrichtung der Räume ihres Gemahls, der eher spartanisch lebte, naja, für einen Kaiser.

Vorderansicht des Schloß Schönbrunn.

Vorderansicht des Schloß Schönbrunn.

Viele dieser Räume der damaligen Kaiser und ihrer Familien sind nun der Öffentlichkeit zugänglich.

Zur Auswahl für eine Besichtigung stehen – neben diversen Kombi-Tickets mit anderen Museen und Gebäuden – zum einen die ‚Imperial Tour‘ mit 22 Räumen und zum anderen die ‚Grand Tour‘ mit 40 Räumen.

Uns reicht wohl der kleinere Umfang, sind wir uns einig, und so ziehen wir nach Erwerb der Tickets vor Ort an der Kasse gespannt los.

Man kann die Tickets übrigens auch online vorab erwerben, bereits Monate im Voraus, auf den Tag genau und mit halbstündigem Zeitfenster zum Einlass. In der Nebensaison, in der wir in der Wien sind, und unter der Woche ist das allerdings nicht notwendig. Außer uns gibt es nur eine chinesische und eine russische Gruppe, und ein paar sehr wenige andere Personen.

Audioguides sind inklusive

Wir entscheiden uns dafür, zu dritt nur einen Audioguide mitzunehmen, was erstaunlich gut funktioniert : Es ergibt sich nämlich so, dass eins der Kinder die für jedes Zimmer oder jeden Bereich, zu dem es etwas zu hören gibt, markierte Nummer eintippt und sich anhört, was dazu erzählt wird. Im Anschluß gibt es die Informationen dann mit eigenen Worten uns beiden anderen weiter, und im nächsten Zimmer ist dann die Schwester dran mit eintippen, zuhören und weitergeben.

Vermutlich haben so nicht alle von uns sämtliche vorhandenen Informationen erhalten, aber die Geschichten, die die Kinder auf diese Weise austauschen, behalten und beschäftigen sie zumindest noch eine ganze Weile: Die unglückliche Sisi, der stoische Franz Joseph, und davor die imposante Maria Theresia mit ihren vielen, vielen Kindern.

Staunend betreten wir so auch eines der Kinderzimmer oder sollte man besser sagen, eins der Kinder-Apartments, denn natürlich gehören mehrere Räume dazu. Die Wände sind ganz und gar kunstvoll mit Wald- und Dschungelmotiven bemalt, das haben wir hier, ehrlich gesagt, nicht erwartet. Sehr schön und beeindruckend.

Da bekommt das Wort 'Fototapete' eine ganz andere Bedeutung.

Da bekommt das Wort ‚Fototapete‘ eine ganz andere Bedeutung.

Es gibt noch viele andere Dinge zu entdecken: Wir dürfen den kaiserlichen Esstisch selber decken, was die Kinder voller Elan tun: Bereitliegende, weiße Baumwollhandschuhe wie zum Servieren angezogen und dann darf alles, was in und auf den Kommoden zu finden ist an Geschirr, Bestecken, Gläsern und Kerzenleuchtern, auf dem Tisch platzieren – inkl. Essen aus Plastik. Unerwartet, dass wir da richtig anpacken dürfen und sehr unterhaltsam. Die Kinder sind so lange dort beschäftigt, dass uns sogar die russische Reisegruppe währenddessen überholt.

Außerdem gibt es einen Raum, in dem die Kinder weiße, kaiserliche Hochsteck-Perücken anprobieren dürfen – ohne Frage verweilen wir auch hier länger.

Am Ende der Tour angekommen, war die ‚Imperial Tour‘ vom Umfang her die richtige Entscheidung für uns.

Ein bisschen können wir aber noch, und so laufen wir durch den Regen, der mittlerweile eingesetzt hat, rüber zur Wagenburg.

Von Droschken und Kutschen

Eingang zur kaiserlichen Wagenburg.

Eingang zur kaiserlichen Wagenburg.

Hier sind Kinder umsonst, also zahle nur ich und schnell wieder rein ins Trockene! Einen Audioguide gibt es hier auch, aber dieses Mal verzichten wir. Wir wollen nur noch ein bisschen Kutschen gucken.

Und was für welche hier stehen!

Nach dem Niedergang der k.u.k. Monarchie ist der Kernbestand des Fuhrparks des Wiener Hofes erhalten geblieben. Unfassbare 100 Wagen, Schlitten, Sänften und Tragsessel mit dazugehörigen Zug- und Reitgeschirren und Schabracken sind hier zu besichtigen.

Längst vergangene Zeiten, das kann man sich nicht vorstellen, wie es damals auf den Straßen ausgesehen haben muss, wenn die kaiserliche Familie darin gefahren und gereist ist. Wir kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus.

In Gedanken versunken verlassen wir die Wagenburg und das Gelände des Schloss Schönbrunn in strömendem Regen – jetzt wird es aber dringend Zeit, mal wieder ein urgemütliches Wiener Kaffeehaus aufzusuchen!

 


Anreise

U-Bahn: U4 bis Station Hietzing
Bus: 10, 58, 60

Tickets

Schloss Schönbrunn, ‚Imperial Tour‘: 14,20€/Erw., 10,50€ Kinder 6-18 Jahre. Aktuelle Informationen und weitere Optionen auf der Offiziellen Webseite von Schloss Schönbrunn

Die Wagenburg: 9,50/Erw., Kinder unter 19 Jahren frei. Aktuelle Informationen und weitere Optionen auf der Offiziellen Webseite der kaiserlichen Wagenburg.

Öffnungszeiten

Schloss Schönbrunn: ab 8:00 Uhr morgens, Schließzeiten am frühen Abend, je nach Jahreszeit variierend. Aktuelle Informationen auf der Offiziellen Webseite von Schloss Schönbrunn.

Die Wagenburg: Sommer 9:00-17:00 Uhr, Winter 10:00-16:00 Uhr. Aktuelle Informationen auf der Offiziellen Webseite der kaiserlichen Wagenburg.