Bei meiner Vorab-Recherche von zuhause, was ich mit den Kindern in Wien denn so unternehmen könnte, fand ich den Hinweis auf ein eigenes Museum nur für Kinder, direkt im Komplex von Schloss Schönbrunn mit drin.

Es bringt seinen kleinen – und großen – Besuchern nahe, wie die Kaiserkinder (und alleine Maria Theresia hatte ja unglaubliche 16 davon!) damals lebten. Das besondere: Es gibt vieles zum Anfassen an speziell für Kinder entwickelten Experimentierstationen, zum Beispiel Perücken zu frisieren oder Spielzeuge ausprobieren, ein absolutes Highlight, aus einem wirklich großen Fundus an sogar authentischen Klamotten Kleidungsstücke aus der damaligen Zeit tatsächlich anziehen um zu schauen, wie man als Adeliger oder Diener denn so ausgesehen hätte.

Na, wenn das nicht etwas tolles ist!

Ich schaue schnell die Öffnungszeiten nach und – oh. Laut den Infos auf der Webseite hat es nur am Wochenende und in den Wiener Schulferien geöffnet. Wir sind genau nicht am Wochenende dort und in Österreich gibt es im Herbst wohl gar keine Ferien. Mist.

Allerdings ist der Eintrag nicht ganz eindeutig formuliert und so schreibe ich noch eine Mail und frage nach, aber die Antwort bestätigt: Es hat geschlossen, wenn wir in Wien sind. Schade. Naja, denke ich, manchmal passt es eben nicht, wenn man nur begrenzte Zeit zur Verfügung hat.

Wie wir das eigentlich geschlossene Kindermuseum Schönbrunn doch noch besuchten

An einem Tag während unseres Aufenthaltes wollen wir dann also wenigstens das „normale“ Museum von Schönbrunn besuchen. Auf dem Weg dorthin kommen wir auch am Kindermuseum vorbei (es ist genau in einem gegenüberliegenden Flügel untergebracht), und die Kinder entdecken es sofort.

Ich schmälere ihre spontane Begeisterung ungerne, aber es nutzt ja nichts: „Mädels, sorry, das hat geschlossen, habe ich vorher abgeklärt.“

Die Kinder lassen aber nicht so schnell locker und argumentieren: „Aber Mama, das sieht offen aus, guck doch mal!“

Ich schaue und stimmt, eigentlich sieht es gar nicht geschlossen aus. Ich schüttele den Kopf: „Aber Mädels, ich habe da extra noch hingeschrieben, und die Leute, die dort arbeiten, haben bestätigt, dass es leider heute geschlossen ist.“

Wir sind schon fast vorbei, da rufen die Mädchen, die immer noch genau den Eingang beobachten: „Aber guck mal jetzt, da kommen auch Leute raus!“

Mir tut es ja auch leid, dass wir es uns nicht angucken können, aber es nutzt ja nichts: „Also, das sind vielleicht Putzleute oder so.“

Die Mädchen lassen nicht locker: „Die sehen aber gar nicht wie Putzleute aus!“

Ich gucke mir die Menschen etwas genauer an und stimmt, tun sie nicht. Hm… „Okay, sollen wir mal hingehen und fragen? Aber seid nachher nicht enttäuscht, falls…“ Schon sind sie weg und laufen auf den Eingang zu.

Und als wir die Dame an der Kasse fragen, ob sie geöffnet haben, schaut sie uns ein wenig an, als ob wir sie nicht alle hätten: „Natürlich, das sehen’s ja!“

Allerdings löst sie dann doch noch freundlicherweise für uns auf: „Das ist jetzt ganz neu, dass wir auch unter der Woche immer auf haben!“

Ach so!
Na, was haben wir wieder für ein Glück, dass die genau passend zu unserem Besuch die Öffnungszeiten geändert haben! Und beinahe wären wir trotzdem dran vorbeigelaufen!

Die Sprache der Fächer: Kommunikation ohne Worte für die feinen Damen der Gesellschaft.

Die Sprache der Fächer: Kommunikation ohne Worte für die feinen Damen der Gesellschaft.

Drinnen sind leider keine Fotos erlaubt, so beschränken sich unsere Dokumentation auf die große Halle, in der man tatsächlich so lange wie man möchte Kleider anprobieren darf und das tun wir natürlich ausgiebigst.

Wir scheinen nicht die einzigen zu sein, die noch nicht wissen, dass das Kindermuseum auch unter der Woche geöffnet hat: Wir sind nämlich fast die einzigen Besucher, und so haben wir alle Zeit der Welt. Fantastisch, was für ein Glück!

Nachdem wir so ziemlich jedes einzelne Kleidungsstück ausprobiert und unzählige Fotos geschossen haben, schauen wir uns dann noch „den Rest“ des Kindermuseums an. Fasziniert sehen wir den Vergleich zwischen dem Leben der Kaiserkinder und der Kinder des normalen Volkes, und bestaunen die Themenräume: die „Galerie“, das „Hygienezimmer“, den „Moderaum“ und das „Frisurenzimmer“, das „Zimmer der Dienerschaft“,  das „Unterrichtszimmer“ und noch einige mehr.

Einen tollen Einblick erhalten wir so alle drei in die Welt der damaligen Kaiserkinder. Was für eine tolle Idee, so etwas als ein extra Museum für Kinder umzusetzen!

Ach so, das ursprünglich geplante, „normale“ Schloss Schönbrunn haben wir dann im Nachhinein aber auch noch besucht. In der Gunst der Kinder liegt das Kindermuseum Schönbrunn aber ganz klar vorn.


Anreise

U-Bahn: ‚Schönbrunn‘ (U4)
Straßenbahn: ‚Schönbrunn‘ (10, 60)

Tickets

Erw. 8,80€, Kinder 3-18 Jahre 6,70€.

Es gibt verschiedene Kombitickets, mit Besuch des Irrgartens und des Labyrinths oder mit der ‚Imperial Tour‘ im Schloss Schönbrunn, Rabatt mit der Wien Card. Außerdem gibt es neben einer normalen Familienkarte, und das möchte ich besonders hervorheben, denn das begegnet uns nicht oft, eine ‚kleine‘ Familienkarte für Familien mit nur einem Erwachsenen. Super für Alleinerziehende, darüber habe ich mich echt gefreut.

Öffnungszeiten

täglich von 10:00 – 17:00 Uhr