… uns den Wiener Zentralfriedhof mit seinen vielen Ehrengräbern anschauen.

Etwas morbide?
Vielleicht.

Er wurde im 19. Jahrhundert angelegt, als Wien Kapazitätsprobleme hatte – sowohl den Platz für die Lebenden als auch den für die Toten betreffend. Mit einer Fläche von mehr als zwei Quadratkilometern handelt es sich bis heute um eine der größten Friedhofsanlagen der Welt.

Sein Name ist allerdings ein wenig irreführend, er liegt keineswegs ‚zentral‘, wie man annehmen dürfte, sondern in Simmering, einem Vorort von Wien, in der Nähe des Flughafens. Man erreicht ihn aus der Inneren Stadt am besten mit der Straßenbahnlinie 71, die gleich drei Haltestellen am Friedhof hat: nämlich je eine an seinem ersten, zweiten (= Haupttor), und dritten Tor.

Hier finden sich Gräber vieler berühmter Persönlichkeiten: Ludwig van Beethoven, Johannes Brahms, Udo Jürgens mitsamt weißem, marmornen Flügel, Adolf Loos, Franz Schubert, Johann Strauß Vater und Sohn, und natürlich das des 1998 verstorbenen österreichischen Popstars Falco. Von Wolfgang Amadeus Mozart allerdings findet sich hier nur ein Denkmal, er ruht auf einem anderen Wiener Friedhof.

Nebenbei gehört der Zentralfriedhof zum Grüngürtel von Wien und bietet als solches einen geschützten Naturraum und Heimat für viele Tiere wie z.B. Eichhörnchen, Turmfalken, Dachse, Marder und sogar einige Rehe.

Es werden Führungen und ein Audioguide angeboten, ein Plan mit den Ehrengräbern, ein Kaffeehaus und sogar ein eigener Friedhofsbus, der Besucher aufgrund der großen Distanzen herumfährt.

Die schönste Art allerdings, etwas vom Zentralfriedhof zu sehen und gleichzeitig ein paar Information zu erhalten, ist wohl eine Fahrt mit den Fiakern!

In der Inneren Stadt sieht man sie an jeder Ecke, sie sind das Markenzeichen Wiens, und es gibt einige verschiedene Fuhrunternehmen. Ein einziges aber nur hat die Lizenz, auch auf dem Zentralfriedhof Besucher zu kutschieren: Das Unternehmen Frank Ferdinand Paul Wulf.

Mit dem Fiaker über den Friedhof

Mit eben jenem telefoniere ich am letzten Tag unseres Aufenthaltes und frage bzgl. des unsteten Wetters nach. Sehr schnell aber ist klar, dass es wohl nichts wird:

An diesem Tag finden keine Fahrten mit den Fiakern auf dem Friedhof statt, das tut er seinen Pferden nicht an, sagt der Unternehmer. Andere, in der Stadt, die fahren auch bei Regen. Aber er macht so etwas nicht.

Die Fiaker, Wiens berühmte Pferdekutschen. Dieser hier fährt allerdings um die Hofburg, bis zum Friedhof kommen wir leider nicht.

Die Fiaker, Wiens berühmte Pferdekutschen. Dieser hier fährt allerdings um die Hofburg, bis zum Friedhof kommen wir leider nicht.

Das ist für uns natürlich schade, aber ich finde seine Entscheidung auch verantwortungsvoll und konsequent, und genauso vermittele ich das auch den Kindern. Die wären natürlich ebenso gern mit der Kutsche gefahren, aber es steht auch für sie außer Frage, dass es den Pferden selbstverständlich wohl ergehen muss.

Und so verabschieden wir uns für dieses Mal von dem Gedanken einer Fiakerfahrt über den Zentralfriedhof. Wer weiß, vielleicht kommen wir irgendwann noch einmal nach Wien.


Anreise

Zentralfriedhof Wien: Straßenbahn 71, ‚Zentralfriedhof 1., 2. und 3. Tor‘

Tickets

Fahrten mit dem Fiaker auf dem Zentralfriedhof siehe fiaker-wulf.at.

Öffnungszeiten

Zentralfriedhof: Öffnungszeiten sind jahreszeitenabhängig, aktuelle Informationen siehe wien.info.
Die Fiaker fahren in den warmen Monaten täglich 10:00 – 17:00 Uhr ab dem Haupttor (2. Tor).