Da Barcelona wunderbarerweise am Meer liegt, legen wir heute einen Strandtag ein, hurra! Wir packen Handtücher, Getränke, etwas zu Knabbern und Sonnencreme zusammen und fahren mit der Metro (L4) bis zur Haltestelle „Barceloneta“, die dem gleichnamigen bekanntesten Strandabschnitt Barcelonas am nächsten liegt.

Man kann von da aus wohl auch an der Hauptstrasse entlang zum Strand gehen, aber wir schlagen uns lieber quer durch das kleine Gassengewirr der hohen, alten Häuser, in denen früher hauptsächlich Fischer wohnten. In dieses früher sehr arme Viertel wurde erst im Zuge der Olympiade 1992 groß investiert. Unvorstellbar, dass es hier nicht immer so hell und freundlich aussah.

Rechts abbiegen, links abbiegen, rechts-links-rechts-links… Und plötzlich sieht man es am Horizont schimmern, seltsam unwirklich zwischen den Häuserschluchten: Das Mittelmeer!

Angekommen: Die Promenade von Barcelonas Strand

Angekommen: Die Promenade von Barcelonas Strand

Da die Barceloneta Barcelonas wohl beliebtester Strand ist, ist natürlich gut etwas los an diesem heißen Sommertag im Juli, aber das hatten wir uns ja schon gedacht. Wir finden trotzdem problemlos noch einen Platz für uns, sogar mit einem der vielen Sonnenschirme, lassen unsere Taschen und uns selber an Ort und Stelle fallen und graben die Zehen in den weichen, warmen Sand.

Urlaub! Sonne, Sommer, Strand, Meer!

Geschafft!
Mir persönlich reicht das so völlig zum glücklich sein und ich atme erst mal tief durch und schließe die Augen.

Nach etwa 60 Sekunden Entspannen im Sand möchte das erste Kind schwimmen gehen. So stehe ich ergeben wieder auf und widme mich dem ersten und bislang tatsächlich einzigen Problem bei allen unseren noch kommenden Reisen mit einem Erwachsenem und zwei Kindern, das ich nicht wirklich zufriedenstellend lösen kann: Wie macht man das logistisch?

Beide Kinder können noch nicht sicher schwimmen, so dass es nicht in Frage kommt, dass sie alleine im Mittelmeer rumpaddeln (abgesehen davon, dass sie das auch nicht möchten, da langweilig) und ich mit dem anderen Kind bei unseren Sachen bleibe.

Aus dem gleichen Grund können sie auch nicht zusammen ins Wasser und ich passe auf die Klamotten auf.

Alle zusammen können wir aber auch nicht schwimmen gehen – wir haben zwar nur das Nötigste mitgenommen, aber immerhin natürlich Handy, Geld, Fahrscheine, Rucksack… Das können wir nicht sich selbst überlassen an einem Strand voller Menschen inklusive der üblichen Strandverkäufer, die Getränke und anderes Zeug anbieten. Unser Platz ist zwar ziemlich nah am Wasser, aber eben doch nicht sooo nah, als dass ich das mit zwei Kindern im Wasser die ganze Zeit im Blick hätte.

Etwas frustriert, dass ich das nicht vorher bedacht hatte (aber was hätte ich tun sollen?), vertröste ich die Kinder zunächst eine Weile, aber letzten Endes machen wir einen Kompromiss: Ich gehe mit einem Kind ins Wasser, während das andere Kind, immerhin in Sichtweite, bei unseren Sachen bleibt. Und dann tauschen wir.

Alles klappt gut. Die Kinder sind happy, ich verbringe weit mehr Zeit im Wasser beim Kinder bespaßen im Wechsel ohne Pause, als ich vorhatte (eben doppelt so viel wie jedes einzelne Kind) – aber ideal ist das nicht und ich habe auch kein richtig gutes Gefühl, jeweils ein Kind da alleine am Strand sitzen zu lassen. Für diese Verantwortung sind sie eigentlich noch zu klein.

An der Platja de la Barceloneta - ein Strand quasi mitten in der Stadt

An der Platja de la Barceloneta – ein Strand quasi mitten in der Stadt

Schließlich freunden wir uns zufällig mit einer netten Truppe Rumänen neben uns an, und als diese wildfremden Menschen unser Hin und Her eine Weile mitbekommen, bieten sie uns an, auf unsere Sachen aufzupassen.

Eine Entscheidung

Ich überlege kurz, ob das Wahnsinn ist, kalkuliere schnell durch, wie ich notfalls mit beiden Kindern ohne Handy, ohne Tickets und ohne Geld zurück zum Hotel käme (kA?!) und hoffe, dass ich mich auf meine Menschenkenntnis verlassen kann – dann nehme ich das Angebot an.

Und endlich, endlich kann ich erleichtert mit zwei glücklichen Kindern gleichzeitig im Mittelmeer plantschen, ohne mich entzweireißen zu müssen, ohne das ewige schlechte Gewissen, einem der Kinder nicht gerecht zu werden.

So wird unser Tag am Meer völlig unerwartet doch noch richtig entspannt und als die Rumänen sich schließlich später verabschieden, schenken sie uns auch noch die Plakette ihres Sonnenschirms. Eigentlich laufen die Strandbuddys nämlich ständig herum und kassieren um die 10€ für die Benutzung eines Sonnenschirms ab, aber uns hatte bis dato irgendwie einfach keiner gefragt und danach waren wir dann auch noch dank unserer freundlichen Nachbarn völlig umsonst für den Rest des Tages safe.

Die netten Rumänen vom spanischen Strand sind unser erstes Beispiel für viele, viele nette und hilfsbereite wildfremde Menschen, die wir auf unseren Reisen oft auch nur in kurzen Momenten kennenlernen, und dafür, dass letzten Endes doch alles immer irgendwie geht. Und gut geht.

Am späten Nachmittag haben dann auch wir genug und machen uns sandig, salzig, sonnenaufgeladen und müde und hungrig auf den Rückweg ins Hotel.

Merken fürs nächste Mal: Sonnencreme soll am besten wasserfest sein. Aua. Anfängerfehler… Aber wer hätte gedacht, dass ich so oft ins Wasser komme heute.


Anreise

Metro: Von Catalunya mit der L1 eine Station bis Urquinaona, dort umsteigen in die L4 und über Jaume I bis Haltestelle Barceloneta.

Kosten

Ca. 10€ für einen Sonnenschirm am Strand.
Also theoretisch.